{"id":32303,"date":"2023-07-17T14:35:29","date_gmt":"2023-07-17T12:35:29","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=der-voelkermord-in-deutsch-suedwestafrika"},"modified":"2025-04-28T12:27:14","modified_gmt":"2025-04-28T10:27:14","slug":"der-voelkermord-in-deutsch-suedwestafrika-historische-ereignisse-und-aktuelle-debatten","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/der-voelkermord-in-deutsch-suedwestafrika-historische-ereignisse-und-aktuelle-debatten\/","title":{"rendered":"The Genocide in German South-West Africa"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz 2019 fand im namibischen Windhoek und Swakopmund die <em>Week of Justice<\/em> statt, eine Tagung zum V\u00f6lkermord an den Herero und Nama, organisiert von zivilgesellschaftlichen Gruppen aus Namibia und Deutschland unter Federf\u00fchrung des Berliner <em>European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR<\/em>) sowie f\u00fcr den Windhoeker Teil vom dortigen Goethe-Institut. Die Veranstaltung mit mehreren Hundert Besucher*innen fand nacheinander an zwei Veranstaltungsorten statt, mehrere Stunden Fahrtzeit voneinander getrennt, da nicht alle Mitorganisator*innen und Sprecher*innen bei beiden Veranstaltungsteilen auftreten konnten oder wollten. W\u00e4hrend etwa der namibische Sondergesandte f\u00fcr die Genozidverhandlungen mit Deutschland, Dr. Zed Navigurie, an den beiden Tagen im Goethe-Institut Windhoek (passiv) teilnahm, waren der Paramount Chief der Herero und einer der Kl\u00e4ger gegen die Bundesrepublik Deutschland in den USA, Vekuii Rukoro, nur in Swakopmund anwesend. Der deutsche Botschafter gl\u00e4nzte an beiden Tagungsorten durch Abwesenheit.<\/p>\n<p>115 Jahre nach dem Beginn des V\u00f6lkermord (1904) und 100 Jahre nach dem offiziellen Ende der deutschen Kolonialzeit (1919) sprechen also immer noch nicht alle vom Thema Betroffenen, sowohl Nachkommen der Opfer als auch die Nachkommen der Verantwortlichen und Profiteure, miteinander, zumindest nicht \u00f6ffentlich. Die Verhandlungen zwischen der deutschen und der namibischen Regierung, die 2015 begonnen wurden, stocken ebenfalls, ein genauer Zeitplan bis zu einem Abschluss wird nicht genannt.<\/p>\n<p>Sie stocken auch deshalb, weil sich nicht unerhebliche Teile der Herero und Nama von den Verhandlungen ausgeschlossen f\u00fchlen, die nur auf Regierungsebene stattfinden. Sie drohen, keine Einigung der Regierungen anzuerkennen. In den USA gingen 2017 deshalb auch einige von ihnen vor Gericht, wo sie eine Beteiligung an den Verhandlungen und eine Wiedergutmachung erstreiten wollen. Im M\u00e4rz 2019 lehnte ein Bundesgericht in New York die Klage ab, die Kl\u00e4ger gingen inzwischen in Berufung.<\/p>\n<p>In weiten Kreisen der deutschen Politik wird zwar mittlerweile die Notwendigkeit einer Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit beschworen, eine diesbez\u00fcgliche Selbstverpflichtung fand sogar Eingang in den Koalitionsvertrag der vierten Regierung Merkel, mit der konkreten Ausgestaltung dieser Aufarbeitung tut man sich aber schwer, wie das Beispiel Namibia zeigt. Dabei w\u00e4re kein anderes Land in Europa so sehr dazu berufen, hier proaktive und zukunftsweisende Schritte aufzuzeigen, hat Deutschland mit der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, den Versuchen ihrer Bew\u00e4ltigung doch gute Erfahrungen gemacht. Nach den Verbrechen im NS-Reich \u00f6ffnete der \u2013 nicht immer freiwillige \u2013 selbstkritische Umgang mit der eigenen Geschichte den Deutschen wieder den Weg zur\u00fcck in die internationale Gemeinschaft, den Kreis der zivilisierten Staaten, wie es damals oft hie\u00df.<\/p>\n<p>Es war das Eingest\u00e4ndnis historischer Schuld und die \u00dcbernahme von Verantwortung, auch verbunden mit dem Willen zur Wiedergutmachung, die gerade von den Opfern und ihren Nachkommen als Geste und Absicht gew\u00fcrdigt wurden. Zwar ist \u201eWiedergutmachung\u201c letztendlich eine Unm\u00f6glichkeit angesichts der Natur der Verbrechen, aber als Versuch der Linderung auch der materiellen Folgen der Untaten, unumg\u00e4nglich. Vers\u00f6hnung ist nicht zum Nulltarif zu haben. Durch sie wird das rein Symbolische mit Leben gef\u00fcllt, die Grenze von der Rhetorik zur Praxis \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>Zur Ernsthaftigkeit der Aufarbeitung des Holocaust z\u00e4hlte auch die Absicht, aus den Verbrechen zu lernen und eine Gesellschaft zu schaffen, in der Rassismus und Ausgrenzung keinen Platz mehr haben, in denen historische Fehler eingestanden, aus ihnen gelernt wird, in der Schuld und Verantwortung akzeptiert werden. In gewisser Weise ist der Umgang mit dem V\u00f6lkermord an den Herero und Nama auch ein Testfall f\u00fcr die Nachhaltigkeit der Aufarbeitung der Verbrechen des Dritten Reiches. Und hier sieht die Bilanz nicht besonders positiv aus.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, warum gerade im Fall des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts dies nicht oder nicht in angemessener Weise geschieht, warum der Deutsche Bundestag 2016 zwar den Genozid des Osmanischen Reiches an den Armeniern anerkannte, den V\u00f6lkermord an den Herero und Nama, den deutsche Soldaten direkt ver\u00fcbten, jedoch bis heute nicht; warum es keine offizielle Entschuldigung des Bundespr\u00e4sidenten oder der Bundeskanzlerin gibt.<\/p>\n<p>Notwendig w\u00e4re eine breite politische und zivilgesellschaftliche Diskussion dar\u00fcber, wie die deutsche Gesellschaft mit dem ersten V\u00f6lkermord des 20. Jahrhunderts umgehen, und wie es sich zu den Folgen dieses Genozids in Namibia positionieren will. Stattdessen streitet die Politik um Begriffe, verhandelt dar\u00fcber, ob der Begriff Genozid \u00fcberhaupt angemessen sei. Dabei sind sich die Spezialist*innen, die Historiker*innen und Genozidforscher*innen hierin weitgehend einig. Schon der Begr\u00fcnder der UN-V\u00f6lkermordkonvention von 1948, der j\u00fcdisch-polnische Jurist Raphael Lemkin, der vor der Wehrmacht aus seinem Heimatland fliehen musste, wertete den Fall als Genozid. Auch nach den Kriterien der UN-Definition von 1948, die besonderen Wert auf die Absicht legt, eine rassisch (oder anders) bestimmte Gruppe ganz oder teilweise zu vernichten, kam es in Deutsch- S\u00fcdwestafrika zum Genozid.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Deutsche Reich wurde 1884 formal Kolonialmacht als Reichskanzler Otto von Bismarck deutsche Besitzungen in Togo, Kamerun und S\u00fcdwestafrika unter deutschen Schutz stellen lie\u00df. Wenig sp\u00e4ter folgten Deutsch-Ostafrika, das heutige Tansania, Ruanda und Burundi, sowie Besitzungen auf Neu Guinea und in der S\u00fcdsee. 1898 kam noch das chinesische Tsingtao dazu. Damit war das deutsche Kolonialreich fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig das viertgr\u00f6\u00dfte Kolonialreich seiner Zeit.<\/p>\n<p>Als Deutschland seinen Anspruch \u00fcber S\u00fcdwestafrika erhob, lebten in dem Gebiet, das heute Namibia bildet, sch\u00e4tzungsweise 200.000-250.000 Menschen, davon ca. 100.000 Ovambo im Norden,\u00a0 ca. 80.000 Herero im Zentrum und 15.000-20.000 Nama im S\u00fcden des Landes, um nur die gr\u00f6\u00dften Gruppen zu nennen. Dazu kamen noch San und Damara sowie die Menschen im 1890 zur Kolonie gekommenen <em>Caprivi-Streifen<\/em>. Diese Zahlen sind wie alle Zahlen aus dem vorkolonialen Afrika mit Vorsicht zu verwenden, da es sich um reine Sch\u00e4tzwerte und Hochrechnungen handelt, die Missionare, H\u00e4ndler, Offiziere und Kolonialbeamte erhoben hatten.<\/p>\n<p>1884 markiert zwar das Jahr der Schutzgebietserkl\u00e4rung, allerdings wurde das koloniale Engagement anfangs nur \u00e4u\u00dferst halbherzig vollzogen, favorisierte Bismarck doch eine Verwaltung durch private Kolonialgesellschaften. Vor allem wollte er keine deutschen Soldaten in Afrika einsetzen und sterben sehen. Als dieses Konzept des privaten Kolonialismus scheiterte, und der Staat einspringen musste, war er nicht bereit, gro\u00dfen finanziellen und personellen Aufwand zu betreiben. Die deutsche Kolonialherrschaft in S\u00fcdwestafrika begann deshalb mit wenig mehr als einer symbolischen Besetzung, war Reichskommissar Heinrich G\u00f6ring 1885 doch mit nur zwei Kollegen ins s\u00fcdliche Afrika gereist, um die zur internationalen Absicherung der Gebietsanspr\u00fcche n\u00f6tige \u201eVerwaltung\u201c zu demonstrieren. Dieser Umstand straft auch die oft zu h\u00f6rende kolonialapologetische Begr\u00fcndung L\u00fcgen, es sei bei der kolonialen Aufteilung Afrikas darum gegangen, der dortigen Bev\u00f6lkerung, die im permanenten Kriege lebe, Frieden zu bringen. Dazu waren die Kr\u00e4fte viel zu schwach. Auch der in den Schutzvertr\u00e4gen, die sp\u00e4ter als Legitimation f\u00fcr die koloniale Landnahme herangezogen wurden, versprochene Schutz konnte nicht gew\u00e4hrt werden.<\/p>\n<p>Nur drei Jahre sp\u00e4ter schien das koloniale Projekt deshalb auch bereits gescheitert, denn der Herero-Chief Maharero vertrieb die deutschen Emiss\u00e4re, nachdem er erkannt hatte, dass ihm die drei Deutschen den milit\u00e4rischen Beistand, den sie ihm versprochen hatten, gar nicht leisten konnten, aus seinem Land. Nun schickte das Deutsche Reich, um sein Gesicht nicht zu verlieren, milit\u00e4rische Verst\u00e4rkung. Auch hier \u00fcberwog die symbolische Bedeutung, denn die zwei Dutzend Soldaten, die mit dem ersten deutschen Landeshauptmann Curt von Fran\u00e7ois nach <em>S\u00fcdwest<\/em> kamen, waren zu keiner gr\u00f6\u00dferen Milit\u00e4raktion f\u00e4hig, allerdings konnten sie aufgrund ihrer waffentechnischen \u00dcberlegenheit auch nicht besiegt werden.<\/p>\n<p>Hier zeichnete sich bereits ein Muster ab, das sich im Prinzip bis zum Krieg gegen die Herero und Nama von 1904 bis 1908 noch des \u00d6fteren wiederholen sollte: Die Entsendung von offiziellen Vertretern des Reiches zog, sobald diese in Bedr\u00e4ngnis gerieten, ein weiteres, verst\u00e4rktes milit\u00e4risches Engagement des Reiches nach sich, da man in Berlin aus nationalistisch-propagandistischen Gr\u00fcnden keine Niederlage in S\u00fcdwestafrika hinnehmen wollte.<\/p>\n<p>Da die deutschen Truppen von den Herero aber auch nicht zu besiegen waren, einigte man sich auf einen Vertrag, mit dem sich Deutsche und Herero gegenseitig Hilfe versprachen. Der wohl charismatischste Anf\u00fchrer der Nama, Hendrik Witbooi, warnte seinen Herero Kollegen hellsichtig vor den weitreichenden Folgen dieses B\u00fcndnisses mit den Deutschen: \u201eDiesen Schritt werdet ihr schwer bereuen; ewige Reue werdet ihr empfinden, dass Ihr Euer Land und die Regierungsrechte an die wei\u00dfen Menschen abgetreten habt. Der Krieg, den wir gegeneinander f\u00fchren, ist nicht so schlimm und schwer, wie Ihr meint.\u201c<\/p>\n<p>Wie richtig er die expansionistische Politik der Deutschen einsch\u00e4tzte, sollte er alsbald am eigenen Leib erfahren, denn Curt von Fran\u00e7ois zettelte bereits 1893 einen Krieg gegen ihn an, indem er seine Festung Hornkranz \u00fcberfallen und pl\u00fcndern lie\u00df. Bereits hier kam es von deutscher Seite zum Massaker an Frauen und Kindern. Emp\u00f6rt schrieb Hendrik Witbooi, die Deutschen h\u00e4tten \u201eden Ort auf greuliche Weise vernichtet, so wie ich es nicht gedacht h\u00e4tte von einer wei\u00dfen kultivierten Nation, die um die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit und den Ablauf des Krieges wei\u00df, aber er hat meine Ehefrau und kleine Kinder, die noch an der Mutterbrust liegen, und gr\u00f6\u00dfere Kinder mit Frauen und M\u00e4nnern erschossen\u201c. Die dabei von Deutschen gepl\u00fcnderte Familienbibel Hendrik Witboois wurde erst im Fr\u00fchjahr 2019 durch die Landesregierung Baden-W\u00fcrttembergs nach Namibia zur\u00fcckgegeben.<\/p>\n<p>Besiegen konnte von Fran\u00e7ois die Witbooi jedoch nicht, und deshalb wurde er das Jahr darauf durch Theodor Leutwein abgel\u00f6st. Ihm gelang es, die Witbooi zu bezwingen, sie nach Gibeon umzusiedeln und zur milit\u00e4rischen Heeresfolge zu verpflichten, die diese erst 1904 aufk\u00fcndigten. Fast zehn Jahre hielt der br\u00fcchige Frieden, ehe er in den St\u00fcrmen des Hererokrieges und des Genozids zerbrach. Um zu verstehen, wie es dazu kam, sind einige grunds\u00e4tzliche Bemerkungen zur deutschen Kolonialherrschaft, zum Weg in den Krieg und zur Kriegf\u00fchrung gegen die Herero notwendig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leutwein verfolgte seit seiner Ankunft eine Doppelstrategie. Zum einen forcierte er den Aufbau einer deutschen Verwaltung, zum anderen sicherte er diesen expandierenden Verwaltungskern durch seine \u201eH\u00e4uptlingspolitik\u201c machtpolitisch ab: Er arbeitete formell mit den F\u00fchrern der verschiedenen afrikanischen Gruppen zusammen und lie\u00df \u2013 oberfl\u00e4chlich betrachtet \u2013 ihre Position unangetastet. Im Gegenzug unterst\u00fctzten ihn Hendrik Witbooi und Samuel Maharero, um nur die wichtigsten Nama- und Herero-F\u00fchrer zu nennen, mit Truppen. Dass es dennoch nur wenige Jahre sp\u00e4ter zum verzweifelten Widerstand kam, lag wesentlich am strukturellen Rassismus des kolonialen Unterfangens.<\/p>\n<p>Deutsch-S\u00fcdwestafrika war die einzige deutsche Siedlerkolonie, in der sich tats\u00e4chlich Deutsche in gr\u00f6\u00dferer Anzahl ans\u00e4ssig machen konnten und auch machten. Auch wenn Leutwein die traditionellen Herrscher im Amt belie\u00df, musste der offiziell gef\u00f6rderte Zuzug von immer mehr deutschen Siedlern, und dies war gewisserma\u00dfen ja\u00a0 Programm in der Siedlerkolonie, die Probleme mit der afrikanischen Bev\u00f6lkerung im Laufe der Zeit versch\u00e4rfen, vor allem, da einige der deutschen Ank\u00f6mmlinge ein ausgesprochenes \u201eHerrenmenschentum\u201c an den Tag legten. Vor allem Vergewaltigungen, die von den traditionellen afrikanischen Eliten nicht mehr geahndet werden konnten, brachten die Bev\u00f6lkerung nicht nur gegen die Deutschen auf, sondern untergruben zugleich die Stellung der afrikanischen Herrscher.<\/p>\n<p>Letztere konnten nichts tun, da das f\u00fcr Europ\u00e4er*innen und Afrikaner*innen getrennte duale Rechtssystem, es afrikanischen Autorit\u00e4ten nicht erlaubte, \u00fcber Wei\u00dfe zu richten, w\u00e4hrend deutsche Gerichte Verbrechen an Afrikanern und Afrikanerinnen kaum ahndeten. Als dann noch eine Naturkatastrophe, die Rinderpest, nicht nur den materiellen Wohlstand, sondern ein zentrales Fundament ihrer Kultur und sozialen Organisation zu vernichten drohte, spitzte sich die Lage zu.<\/p>\n<p>Es ist in der Forschung umstritten, wer 1904 den ersten Schuss abgab. Vieles deutet aber darauf hin, dass Provokationen eines untergeordneten Distriktchefs, eines Leutnants Z\u00fcrn aus Okahandja, eskalierten. Fest steht, dass die Herero unerwartet erfolgreich waren und innerhalb weniger Tage bereits ganz Zentralnamibia mit Ausnahme der deutschen Milit\u00e4rposten besetzt hatten. Auch pl\u00fcnderten sie Siedlungen und Farmen, wobei sie 123 Deutsche t\u00f6ten. Es handelte sich dabei mit ganz wenigen Ausnahmen um M\u00e4nner, die offenbar als legitime Kriegsgegner galten. Frauen und Kinder wurden dagegen bewusst geschont.<\/p>\n<p>Da die Herero ihre anf\u00e4nglichen Erfolge nicht zu einem schnellen, endg\u00fcltigen Sieg \u00fcber die Deutschen nutzten, konnten diese durch rasch entsandte Verst\u00e4rkungstruppen die drohende Niederlage abwenden. Es folgte eine Phase kleinerer Gefechte, aber ohne entscheidenden Sieg der einen oder anderen Seite. Bereits zu diesem Zeitpunkt kam es durch Siedler zu Vergeltungsaktionen und Massaker, was auch noch die letzten friedlichen Herero in den Krieg trieb. Forderungen nach Rache und Vergeltung waren zu h\u00f6ren. Es hie\u00df, man werde \u201eaufr\u00e4umen, aufh\u00e4ngen, niederknallen bis auf den letzten Mann, kein Pardon\u201c geben.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich musste Gouverneur Leutwein dieser den V\u00f6lkermord vorwegnehmenden Rhetorik entgegentreten. Zwar vertrat auch er die Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation der Herero, warnte aber vor \u201eun\u00fcberlegten Stimmen [\u2026], welche die Hereros nunmehr vollst\u00e4ndig vernichtet sehen wollen\u201c. Und das nicht nur aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden: Abgesehen davon, dass sich ein Volk von 60\u00a0000 bis 70\u00a0000 Menschen \u201enicht so leicht vernichten\u201c lasse, werde man die Herero noch als \u201ekleine Viehz\u00fcchter und besonders als Arbeiter\u201c brauchen, meinte Leutwein. Dagegen, dass man sie \u201epolitisch tot\u201c mache, ihre politische und soziale Organisation zerst\u00f6re und sie in Reservate zur\u00fcckdr\u00e4nge, \u201ewelche f\u00fcr ihre Bed\u00fcrfnisse gerade ausreichen\u201c, hatte er nichts einzuwenden: Letzteres sah er als legitimes und sinnvolles Kriegsziel.<\/p>\n<p>Eine Zukunft innerhalb eigener politischer und sozialer Strukturen, mit einem selbstbestimmten Anf\u00fchrer an der Spitze und mehr oder weniger gro\u00dfer Handlungsautonomie gestanden die Deutschen den Herero also bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu. Da Leutwein dennoch als zu nachgiebig angesehen wurde, entmachtete Berlin ihn bereits vier Wochen nach Kriegsausbruch. Man untersagte ihm am 9. Februar 1904 alle Friedensverhandlungen. \u00a0Mit der Entscheidung, Lothar von Trotha zum Oberbefehlshaber der st\u00e4ndig verst\u00e4rkten Schutztruppe zu machen, war der Weg zur weiteren Eskalation bereitet.<\/p>\n<p>Generalleutnant von Trotha war ein Kolonialkriegsveteran, der sich als Kommandeur der Schutztruppe f\u00fcr Deutsch-Ostafrika (1894-1897) und bei der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China (1900) einen Ruf als besonders erbarmungsloser Milit\u00e4r erworben hatte. Deutsch-S\u00fcdwestafrika kannte er nicht, allerdings stellte er sich den Konflikt als Teil eines \u201eRassenkrieges\u201c vor, der tobe. Er glaubte, dass Afrikaner \u201enur der Gewalt weichen\u201c w\u00fcrden, und war willens, diese \u201emit krassem Terrorismus und selbst mit Grausamkeit\u201c auszu\u00fcben, um \u201edie aufst\u00e4ndischen St\u00e4mme mit Str\u00f6men von Blut\u201c zu vernichten.<\/p>\n<p>Noch w\u00e4hrend seiner Anreise erm\u00e4chtigte er seine Offiziere in S\u00fcdwestafrika, alle bewaffneten \u201eRebellen\u201c sofort standrechtlich erschie\u00dfen zu lassen. Wer den Deutschen Widerstand leistete, wurde hingerichtet. Widerstand gegen die Kolonialherrschaft war ein todesw\u00fcrdiges Verbrechen; ein wichtiger Schritt hin zum Vernichtungskrieg und V\u00f6lkermord, wenn es formal auch noch nicht Frauen und Kinder betraf.<\/p>\n<p>Von Trotha wollte den Krieg mit einer grandiosen Entscheidungsschlacht siegreich beenden. Ein Plan, der fehlschlug. Zwar brachten die K\u00e4mpfe am 11. August 1904 am Waterberg, wohin sich ein Gro\u00dfteil des Herero-Volkes mit Frauen und Kindern sowie ihren Viehherden zur\u00fcckgezogen hatten, die milit\u00e4rische Entscheidung zu Gunsten der Schutztruppe, aber der Gro\u00dfteil der Herero entkam der Einkesselung und floh in das weitgehend wasserlose Sandveld der Omaheke-Halbw\u00fcste im Osten des Schutzgebietes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit war der Krieg im Grunde milit\u00e4risch entschieden und die eigentlich genozidale Phase begann, denn die deutschen Truppen verfolgten die fliehenden Herero und trieben sie so immer weiter in Richtung Omaheke. Schon dabei m\u00fcssen sich entsetzliche Szenen abgespielt haben, wie deutsche Augenzeugen berichten: \u201eKranke und hilflose M\u00e4nner, Weiber und Kinder, die vor Ersch\u00f6pfung zusammengebrochen waren, lagen, vor Durst schmachtend, in Massen [\u2026] im Busch, willenlos und ihr Schicksal erwartend.\u201c Auch kam es zu willk\u00fcrlichen Erschie\u00dfungen: \u201eHin und wieder fiel rechts und links ein Schuss im Dornbusch, wenn unsere Patrouillen auf Nachz\u00fcgler stie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Von Trotha lie\u00df nun systematisch die bekannten Wasserstellen entlang des W\u00fcstensaums besetzen, und ordnete am 2. Oktober 1904 in seiner ber\u00fcchtigten Proklamation zudem an, alle aus der Omaheke zur\u00fcckkehrenden Herero zu erschie\u00dfen: \u201eDie Hereros sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und anderer K\u00f6rperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr k\u00e4mpfen. (&#8230;) Das Volk der Herero mu\u00df jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr [Kanone; JZ] dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zur\u00fcck oder lasse auf sie schie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Zur Wahrung des guten Rufes der deutschen Soldaten, so pr\u00e4zisierte er, sei der Befehl zum \u201eSchie\u00dfen auf Weiber und Kinder so zu verstehen\u201c, \u201eda\u00df \u00fcber sie hinweggeschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen.\u201c Er \u201enehme mit Bestimmtheit an, da\u00df dieser Erla\u00df dazu f\u00fchren\u201c werde, \u201ekeine m\u00e4nnlichen Gefangenen mehr zu machen, aber nicht zu Grausamkeit gegen Weiber und Kinder\u201c ausarte. Diese w\u00fcrden \u201eschon fortlaufen, wenn zweimal \u00fcber sie hinweggeschossen\u201c werde.<\/p>\n<p>Um diese Proklamation gibt es immer wieder Debatten. Apologeten der deutschen Politik f\u00fchren an, dass Frauen und Kinder geschont werden sollten, ja auch die M\u00e4nner \u201enur\u201c das Land h\u00e4tten verlassen m\u00fcssen. Hier ist der Kontext bedeutsam, in dem diese Proklamation erlassen wurde. Die Herero waren seit acht Wochen auf der Flucht, und entsprechend entkr\u00e4ftet. Selbst die deutschen Soldaten konnten bei der Verfolgung die Strapazen kaum ertragen. Diese entkr\u00e4fteten M\u00e4nner, Frauen und Kinder sa\u00dfen im wasserlosen Gebiet fest, nur in Richtung Trockengebiet konnten sie fliehen. Das bedeutete aber den qualvollen Tod durch Verdursten.<\/p>\n<p>Das galt auch f\u00fcr die Frauen. Wenn die deutschen Soldaten nur \u00fcber ihre K\u00f6pfe schossen, so bedeutet dies de facto ebenfalls ihren wahrscheinlichen Tod, denn sie mussten in die Halbw\u00fcste zur\u00fcck. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die oft beschworene Aufhebung des Schie\u00dfbefehls durch Berlin im Dezember 1904. Zu diesem Zeitpunkt war das Verbrechen bereits geschehen. Auch waren nicht humanit\u00e4re Gr\u00fcnde die Ursache f\u00fcr den Strategiewechsel, sondern die ge\u00e4nderte milit\u00e4rische Lage: Mittlerweile hatten auch die Nama den Krieg gegen Deutschland begonnen, und die deutschen Soldaten wurden im S\u00fcden des Schutzgebietes ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>\u201eDa\u00df er [Trotha] die ganze Nation vernichten oder aus dem Land treiben will, darin kann man ihm beistimmen. [\u2026] Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung oder vollst\u00e4ndige Knechtung der einen Partei abzuschlie\u00dfen. Das letztere Verfahren ist aber bei den jetzt g\u00fcltigen Anschauungen auf Dauer nicht durchzuf\u00fchren. Die Absicht des Generals v. Trotha kann daher gebilligt werden. Er hat nur nicht die Macht, sie durchzuf\u00fchren\u201c, schrieb Generalstabschef von Schlieffen an Reichskanzler von B\u00fclow.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Trotha hatte nicht die Macht, da die Nama einen sehr erfolgreichen Guerillakrieg gegen die deutschen Truppen f\u00fchrten. Sie hatten aus den Fehlern der Herero gelernt und vermieden eine offene Feldschlacht. Da sie das Land besser kannten und ihre kleinen Einheiten beweglicher waren, gelang es ihnen, die Vorteile der umfangreicheren und besser ausger\u00fcsteten Schutztruppe auszugleichen diese allm\u00e4hlich zu zerm\u00fcrben. So brachten sie die Deutschen an den Rand der Niederlage, worauf die Schutztruppe auch hier eine Strategie der Vernichtung verfolgte, die bewusst Frauen und Kinder miteinschloss: Wasserstellen wurden besetzt, Nahrungsmittel vernichtet. Zugleich setzte man auf eine \u201eS\u00e4uberung\u201c des Landes durch Masseninternierungen in Konzentrationslagern.<\/p>\n<p>Eingerichtet unmittelbar nach der Aufhebung des Schie\u00dfbefehls von Trothas, erf\u00fcllten die Konzentrationslager, so der zeitgen\u00f6ssische Begriff, unterschiedliche Funktionen. Neben der eigentlichen \u201eKonzentrierung\u201c der Herero und Nama, um deren Unterst\u00fctzung f\u00fcr die K\u00e4mpfer zu unterbinden, dienten sie auch als Arbeitslager, aus denen sich staatliche Stellen, aber auch Private, mit den dringend ben\u00f6tigten Arbeitskr\u00e4ften versorgen konnten. Zugleich sollten die Gefangenen zur Arbeit \u201eerzogen\u201c und auf ihr Leben unter den strengen Kontrollbestimmungen der Nachkriegszeit vorbereitet werden.<\/p>\n<p>Auch der Gedanke der Vergeltung spielte eine Rolle, wie etwa aus dem Schreiben des stellvertretenden Gouverneurs von Tecklenburg hervorgeht: \u201eJe mehr das Hererovolk am eigenen Leibe nunmehr erst die Folgen des Aufstandes emp\u00adfindet, desto weniger wird ihm auf Generationen hinaus nach einer Wiederholung des Aufstandes gel\u00fcsten. Unsere eigentlichen kriegerischen Erfolge haben geringeren Ein\u00addruck auf sie gemacht. Nachhaltigere Wirkung verspreche ich mir von der Leidenszeit, die sie jetzt durchmachen, ohne mit dieser Meinungs\u00e4u\u00dferung \u00fcbrigens eine Lanze f\u00fcr die Proklamation des Generalleutnants v. Trotha v. 2. Oktober vorigen Jahres brechen zu wollen. Wirtschaftlich bedeutet der Tod so vieler Menschen allerdings einen Verlust.\u201c<\/p>\n<p>Das wohl ber\u00fcchtigtste Lager wurde auf der Haifischinsel vor L\u00fcderitzbucht an der s\u00fcdlichen Atlantikk\u00fcste eingerichtet. Dort wurden sowohl Herero wie Nama interniert und ihrem Schicksal \u00fcberlassen. Dabei bedeutete die Inhaftierung auf der Haifischinsel f\u00fcr viele schon wegen der rauen klimatischen Bedingungen den Tod. Kritik an den Internierungsbedingungen, die dazu f\u00fchrten, dass die Gefangenen \u201ekeinen Lebensmut mehr h\u00e4tten\u201c, wie ein Missionar es formulierte, wurde vom Milit\u00e4rkommando vom Tisch gewischt. So \u201elange er, etwas zu sa\u00adgen h\u00e4tte\u201c, d\u00fcrfe \u201ekein Hottentott die Haifischinsel lebend verlassen\u201c, habe ihm der lokale Kommandeur, Berthold Deimling zur Antwort gegeben, berichtete Missionar Laaf.<\/p>\n<p>Zwischen Oktober 1906 und M\u00e4rz 1907 kamen monatlich zwischen 143 und 276 Gefan\u00adgene ums Leben. Insgesamt starben in diesem Zeitraum von 1.795 Gefangenen 1.032, von den 245 \u00fcberlebenden M\u00e4nnern waren nur 25 arbeitsf\u00e4hig, w\u00e4hrend sich die \u00fcbrigen \u201enur noch an St\u00f6cken fortbewegten\u201c, schriebt Deimlings Nachfolger Ludwig von Estorff in einem Bericht. Die Situation besserte sich erst, als dieser das Lager im April 1907 um wenige hundert Meter auf das Festland verlegte. Wenn auch die Verh\u00e4ltnisse im Konzentrationslager auf der Haifischinsel besonders verheerend waren, zu einem Massensterben von Internierten kam es auch andernorts. Nach einer Aufstellung der Schutztruppe starben zwischen Oktober 1904 und M\u00e4rz 1907 insgesamt 7\u00a0682 Gefangene. Das entspricht zwischen 30 und 50 Prozent der insgesamt Inhaftierten. Insgesamt fielen dem Genozid bis zu 80 Prozent der Herero und 50 Prozent der Nama zum Opfer.<\/p>\n<p>Auch nach der Aufhebung der Kriegsgefangenschaft am 27. Januar 1908, an \u201eKaisers Geburtstag\u201c, \u00a0blieben die Entlassenen einer strikten Kontrolle unterworfen. Mit den drei <em>Eingeborenenverordnungen<\/em> hatte das deutsche Gouvernement 1907 die Grundlage eines deutschen <em>Eingeborenenrechts<\/em> geschaffen, das die rassische Privilegien-Gesellschaft festschrieb und Arbeitszwang f\u00fcr die gesamte afrikanische Bev\u00f6lkerung einf\u00fchrte. Alle Afrikaner*innen mussten Passmarken tragen und wurden in <em>Eingeborenenregister<\/em> eingetragen, ihre Freiz\u00fcgigkeit wurde aufgehoben.<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend des Krieges war fast das gesamte Land der Herero und Nama von deutscher Seite enteignet, ihre politischen Organisationen aufgel\u00f6st worden. Ihr Besitz, ja ihr Leben wurde nahezu vollst\u00e4ndig den Pl\u00e4nen und Zielen einer deutschen Besiedelung und wirtschaftlichen Entwicklung S\u00fcdwestafrikas unterworfen. Flankiert von Ma\u00dfnahmen gegen Mischehen und generell sexuellen Beziehungen zwischen Deutschen und Afrikanerinnen strebte die deutsche Kolonialverwaltung den ersten Rassenstaat der deutschen Geschichte an. Der weitl\u00e4ufige s\u00fcdwestafrikanische Raum sollte auf der Basis von Rasse und Rassenhierarchie strukturiert werden. Afrikaner*innen waren weitgehend Entrechtete im eigenen Land. Wenn es dem kolonialen Staat auch nicht gelang, die Herero und Nama zu vernichten, so \u00e4nderte diese Politik zusammen mit dem vorangegangenen V\u00f6lkermord doch grundlegend die Macht- und Sozialverh\u00e4ltnisse in Deutsch-S\u00fcdwestafrika. Und dass im heutigen Namibia das meiste Farmland immer noch in Hand wei\u00dfer Farmer ist, nahm hier seinen Ausgang.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Anerkennung des Genozids und den politischen Prozess einer Auss\u00f6hnung hat dies weitreichende Folgen. Da die sozio\u00f6konomische und auch die politische Struktur des heutigen Namibia auf den deutschen V\u00f6lkermord und den kolonialen Rassenstaat zur\u00fcckgeht, bleibt jede Entschuldigung, die nicht auch einen Beitrag dazu leistet, den Nachkommen der Opfer in ihrer schwierigen Situation heute zu helfen, leere Rhetorik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. \u00a0 Ende M\u00e4rz 2019 fand im namibischen Windhoek und Swakopmund die Week of Justice statt, eine Tagung zum V\u00f6lkermord an den Herero und Nama, organisiert von zivilgesellschaftlichen Gruppen aus Namibia und Deutschland unter Federf\u00fchrung des Berliner European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) sowie f\u00fcr den Windhoeker Teil vom dortigen Goethe-Institut. 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