{"id":32375,"date":"2023-07-17T14:36:33","date_gmt":"2023-07-17T12:36:33","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=eine-wette-zu-dritt"},"modified":"2025-12-05T10:46:40","modified_gmt":"2025-12-05T09:46:40","slug":"wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/","title":{"rendered":"Wie katholisch ist die Wette in Gothes Faust?"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die sp\u00e4rlichen Zeugnisse, die von der umstrittenen Lebensweise des legendenhaften Dr. Faust erhalten sind, reichen zum Teil in die vorreformatorische Zeit zur\u00fcck. Wenn wir ihn in eine imagin\u00e4re Zeitgenossenschaft mit Kaiser Maximilian und Luther, mit Kolumbus und Kopernikus bringen, wird zumindest umrisshaft erkennbar, dass wir uns an einer Weggabelung befinden. Die sehr viel sp\u00e4tere Einsch\u00e4tzung von Heinrich Heine, aus seiner Schrift <em>Die Romantische Schule<\/em> von 1835, mag uns zwar etwas plakativ erscheinen: \u201eda\u00df mit Faust die mittelalterliche Glaubensperiode aufh\u00f6rt und die moderne kritische Wissenschaftsperiode anf\u00e4ngt\u201c. Aber dass die Faustfigur in ihrem Nimbus als ein Grenzg\u00e4nger beschrieben werden kann, ist sicherlich vertretbar, denn viele Merkmale des Unentschiedenen, des Doppeldeutigen tragen zur offenbar unaufh\u00f6rlichen Faszination dieser Gestalt bei. Es sind etwa die Spannungen zwischen angeblicher Gelehrsamkeit und Scharlatanerie, zwischen Melancholie und Risikobereitschaft, zwischen S\u00fcndhaftigkeit und Experimentiergeist. Auch die Frage der Konfessionen spielt dann im Faust-Stoff zweifellos eine gro\u00dfe Rolle; das verbindet diese Figur mit den anderen gro\u00dfen Mythen der Fr\u00fchen Neuzeit, mit den spanischen Figuren des Don Quijote und des Don Juan, aber auch mit Hamlet, der bekanntlich aus Wittenberg an den d\u00e4nischen Hof zur\u00fcckgereist ist, wenn Shakespeares St\u00fcck beginnt. Von Wittenberg und Th\u00fcringen ist dann auch die Rede, wenn in der sogenannten Historia von 1587 die Herkunft \u201ede\u00df weitbeschreyten Zauberers\u201c Dr. Faust beschrieben wird. Schon die Frage des Geburtsortes konnte dabei Ausdruck erheblicher Anfeindungen innerhalb der protestantischen Bewegung sein. Der uns unbekannt gebliebene Verfasser dieser Historia hat Luthers \u201eGlauben an den Teufel als echten Widersacher Gottes\u201c mit den sp\u00e4rlichen Angaben einer legend\u00e4ren Faust-Figur verbunden. Indem sich dieser Schwarzk\u00fcnstler \u201egegen dem Teuffel auff eine benandte Zeit\u201c verschreibt, wie es im Titelblatt hei\u00dft, setzt er f\u00fcr seine Wissbegierde, die seit Augustinus verurteilte \u201ecuriositas\u201c, sein Seelenheil ein. Nach 24 Jahren holt ihn dann auch bekanntlich der Teufel, denn m\u00f6gliche Auswege aus seiner Verstrickung, wie etwa die Reue, sind ihm ausdr\u00fccklich verwehrt. Sein Abfall vom Glauben ist irreparabel. Zwar hat der Verfasser der Historia neben vielen anderen Quellen auch auf protestantische Exempelsammlungen zur\u00fcckgegriffen. Faust erscheint als Negativbeispiel, als Warnung, \u201eals ein schrecklich Exempel des Teuffelischen Betrugs \/ Leibs und Seelen Mords\u201c, wie es in der Widmung des Buchdruckers hei\u00dft. Aber Faust bleibt auf eine sonst nicht \u00fcbliche Weise auf Dauer in den F\u00e4ngen des Teufels; der auch von Luther als M\u00f6glichkeit gezeigte Ausweg, sich durch die Berufung auf das Evangelium und die Gnadenlehre dem Zugriff des B\u00f6sen zu entziehen, ist in der Historia folgenlos. Die protestantische Warnschrift der Historia ist somit selbst auf einer Grenze angesiedelt. Es gab protestantische St\u00e4dte, die das erfolgreiche Buch nicht drucken lassen wollten. Anderseits ist nicht zu verkennen, dass sie \u00fcberdies eine antikatholische Tendenz verfolgt. Das wird aus den satirischen Schilderungen des 26. Kapitels deutlich: Darin ist von Fausts Aufenthalt in Rom die Rede, und er wird Zeuge des \u201egottlosen Wesens\u201c im \u00fcppigen Palast des Papstes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Spuren einer katholischen Tradition lassen sich im Verlauf der Stoffgeschichte nur m\u00fchsam rekonstruieren \u2013 etwa wenn wenige Jahre nach der Historia (in ihrer Bearbeitung durch Georg Rudolf Widmann 1599) nunmehr das katholische Ingolstadt als Studienort an die Stelle von Wittenberg tritt. Dabei w\u00fcrde eine katholische Lesart sehr viel mehr Potential bieten k\u00f6nnen als blo\u00df eine gegenprotestantische Wendung. Der katholische Heiligenhimmel erlaubt auch in F\u00e4llen hoffnungslos scheinender Verwerfung einen m\u00f6glichen Ausweg, durch die F\u00fcrsprache, das Freibitten, die Verzeihung einer Schuld. Eine solche M\u00f6glichkeit wird in der sogenannten Theophilus-Legende gezeigt, die zu den beliebteren Stoffen des Mittelalters geh\u00f6rt. Sie berichtet vom Teufelspakt dieses versto\u00dfenen Heiligen, der nur durch die F\u00fcrsprache Marias aus seinem Vertrag gel\u00f6st wird und einen vers\u00f6hnten Tod findet.<\/p>\n<p>Dass sich \u00fcber Goethes Verh\u00e4ltnis zur Religion, zum Christentum und zum Katholizismus nicht in einer Viertelstunde sprechen l\u00e4sst, wird niemand verwundern. Und dass er dem Katholischen besonders wohl gesonnen gewesen w\u00e4re, wird ebenfalls niemand erwarten, denn das Bild ist vielfach geradezu aggressiv. \u201eIch heidnisch? Nun ich habe doch Gretchen hinrichten und Ottilien verhungern lassen, ist denn das den Leuten nicht christlich genug?\u201c, soll er geantwortet haben. In der Autobiographie ist dann vom Christentum zu seinem \u201ePrivatgebrauch\u201c die Rede, gegen\u00fcber Eckermann bezeichnet er die Katholiken als eine Meute von Hunden, die nur in der Jagd auf Protestanten einig w\u00e4ren. Andererseits findet sich im Reisetagebuch der Italienischen Reise seine Sympathie f\u00fcr die \u201ekatholische Mythologie\u201c bzw. in der Rezension zu \u201eDes Knaben Wunderhorn\u201c f\u00fcr \u201edie Katholiken mit ihren mythologischen Figuren\u201c.<\/p>\n<p>Die Frage, wie katholisch die Wette in Goethes \u201eFaust\u201c ist, l\u00e4sst sich indes weniger aus Goethes prek\u00e4rer Theologie als aus der Entstehungsgeschichte des Dramas beantworten. Wir m\u00fcssten dazu von vier verschiedenen Stadien ausgehen, n\u00e4mlich:<\/p>\n<ol>\n<li>der Arbeit an einer fr\u00fchen Fassung, die Goethe schon vor der Weimarer Zeit geschrieben hat, die aber unver\u00f6ffentlicht blieb;<\/li>\n<li>der Ver\u00f6ffentlichung des Faust-Fragmentes in Goethes erster Gesamtausgabe von 1790. Hier fehlen noch die Studierzimmer-Szenen, aber auch der Prolog im Himmel.<\/li>\n<li>Diese Passagen, wohl vor und um 1800 geschrieben, finden wir erst im 1808 gedruckten \u201eDer Trag\u00f6die erster Teil\u201c.<\/li>\n<li>Welche Folgen ergeben sich f\u00fcr den Schluss des Zweiten Teils, der erst direkt nach Goethes Tod erschienen ist?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dass Goethe aber das enorme religi\u00f6se Potential des Faust-Stoffes sofort gesehen hat, ist nicht zu verkennen. Die ber\u00fchmte Gretchenfrage \u2013 \u201eWie hast du\u2019s mit der Religion\u201c (V. 1107), in der man (Kemper) den Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der \u201efr\u00fchen Neuzeit\u201c insgesamt gesehen hat, wird von Faust bekanntlich ausweichend beantwortet mit rhetorischen Fragen (\u201eWer darf ihn nennen?\u201c) und im Zwielicht der Litotes (\u201cMissh\u00f6r mich nicht\u201c). Aber damit musste Goethe auch die Heillosigkeit und Erbarmungslosigkeit der Puppenspielfabel vor Augen stehen, wie auch immer verw\u00e4ssert sie den Untergang Fausts in Marlowes Trag\u00f6die \u00fcberliefert haben mag. Nat\u00fcrlich hat Goethe in keiner Weise eine Rekatholisierung des Faust-Stoffes betrieben, aber was im katholischen Milieu offenbar als Ausweg selbst f\u00fcr Teufelsb\u00fcndner m\u00f6glich war, hat er auf eine raffinierte Weise genutzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Versuch, zwei Parameter unter einen Hut zu bringen, wollte allerdings lange Zeit nicht gelingen \u2013 zu unterschiedlich waren die beiden Schwerpunkte des Dramas gewichtet: Weder in der fr\u00fchen Fassung noch im Fragment konnte sich aus dem enormen Gewicht, das der Gretchentrag\u00f6die zukommt, ein befriedigender Abschluss ergeben. Denn die sogenannte Gelehrtentrag\u00f6die, die ihr ja vorausgeht, bestand in nicht viel mehr als der Erdgeistbeschw\u00f6rung sowie den Auftritten Wagners und dann schon des Sch\u00fclers. Dann folgt die bereits in der ersten Entstehungsstufe voll ausgearbeitete Gretchentrag\u00f6die. Goethes Entscheidung, hier aus einer beil\u00e4ufigen Episode der Stofftradition, n\u00e4mlich einer Verf\u00fchrungsgeschichte, das zentrale Moment zu machen, f\u00fcgte sich lange Zeit nicht zum Ganzen:<\/p>\n<p>Der sogenannte Urfaust, jene fr\u00fche Fassung, die erst lange nach Goethes Tod an die \u00d6ffentlichkeit kam, endet unvers\u00f6hnt mit der bevorstehenden Hinrichtung Margaretes; dem \u201eSie ist gerichtet\u201c des Mephistopheles wird nicht widersprochen. Das muss Goethe auf die Dauer beunruhigt haben, wenn er den Teufelsb\u00fcndner nicht im schlichten Sinne vom Teufel holen lassen wollte. In dem 1790 gedruckten Faust-Fragment wird zwar die Brutalit\u00e4t der Kerker-Szene herausgeschnitten bzw. unterdr\u00fcckt, aber die dort den Abschluss bildende Szene \u201eIm Dom\u201c kann die Schuld Fausts nat\u00fcrlich ebenfalls nicht wirklich mildern.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung mit der Faust-Figur bleibt f\u00fcr Goethe 1790 nur als Fragment m\u00f6glich. Und dies ist im Rahmen seiner zunehmend klassizistisch gepr\u00e4gten \u00c4sthetik kaum eine befriedigende L\u00f6sung. Die neu hinzugekommene Szene <em>Wald und H\u00f6hle<\/em> leistet nur eine vor\u00fcbergehende Distanzierung Fausts von der Macht des B\u00f6sen. Faust erkennt, dass er durch Mephisto vor sich selbst erniedrigt ist (V. 3245), aber die Kraft zur Befreiung hat er nicht.<\/p>\n<p>Im Blick auf die Entstehungsgeschichte k\u00f6nnte man diesen Befund so formulieren: Goethe bleibt in der Arbeit am \u201eFaust\u201c in einer Zwickm\u00fchle. Auf der Ebene der Handlung ist eine Rettung Fausts nicht in Sicht, und solange diese nicht erreichbar ist, bleibt das St\u00fcck unvollendbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier nun setzt Goethes Befreiungsschlag ein, und ich w\u00fcrde ihn, als Arbeitshypothese und der K\u00fcrze der Zeit geschuldet, als quasi-katholische Entschuldigungsstrategie bezeichnen. Mit der Erfindung des Rahmens, des \u201ePrologs im Himmel\u201c, gelingt Goethe der alles ver\u00e4ndernde Schachzug. Durch diese Gespr\u00e4chssituation zwischen Gott und dem Teufel wird die Fausthandlung meta-dramatisch entlastet und zugleich moralisch ironisiert. Das Geschehen um den Dr. Faust wird Teil der Wette zwischen dem Gott und seinem Widersacher, eine Wette, die angesichts der Hierarchie keineswegs offen bleibt. Der Entschluss des Herrn, den bislang nur verworren dienenden Knecht \u201ebald in die Klarheit [zu] f\u00fchren\u201c (V. 309), l\u00e4sst sich durch keinen noch so raffinierten Aktionismus des Teufels ausbremsen.<\/p>\n<p>Auch wenn es lange Zeit ganz anders aussieht: Wir werden Zeuge, wie Faust nur knapp der Tods\u00fcnde des Suizids entgeht, wie er Liebe, Hoffnung, Glauben und Geduld verflucht, wie er mit dem Teufel paktiert und seinerseits wettet, wie er Gretchen verf\u00fchrt, verl\u00e4sst und am Ende der Hinrichtung \u00fcberl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der Teufel selbst muss die Begrenztheit seiner Negativit\u00e4t einr\u00e4umen \u2013 \u201eein Teil von jener Kraft,\/ Die stets das B\u00f6se will und stets das Gute schafft\u201c (V. 1335f.) \u2013, und am Ende der Gretchentrag\u00f6die ist nun, aber erst nach den Rahmenbedingungen aus dem \u201eProlog im Himmel\u201c, ein Ausklang m\u00f6glich, der auch Fausts Rettung zumindest nicht ausschlie\u00dft. Die Stimme, die in der Kerkerszene \u201evon oben\u201c das \u201eIst gerettet\u201c dem teuflischen \u201eSie ist gerichtet\u201c entgegenruft, verweist auf die h\u00f6here Ebene, auf die weder Faust noch Mephisto Zugriff haben.<\/p>\n<p>Trotz der Selbstvorw\u00fcrfe, die Faust dann zu Beginn des 2. Teils gegen sich erhebt, verstrickt er sich weiterhin in Schuld und Schulden, am Ende gibt er gar den enthemmten Gro\u00dfkapitalisten, der wegen eines St\u00fcckchen Landes das alte Paar Philemon und Baucis \u00fcber die Klinge springen l\u00e4sst. Und dennoch endet auch der 2. Teil nicht mit einem \u201eEr ist gerichtet\u201c, sondern mit einer \u201eL\u00f6sung\u201c, einer Entlastung. Dazu greift Goethe in der \u201eBergschluchten\u201c-Szene auf Gretchen als eine der B\u00fc\u00dferinnen zur\u00fcck, die nun, als eine Art Liebesheilige, f\u00fcr Faust F\u00fcrbitte einlegt und ihn damit rettet, ungeachtet seines kompletten Scheiterns. Goethe greift dazu auf die \u201eActa Sanctorum\u201c zur\u00fcck, eine aus dem Kreis jesuitischer Bollandisten erstellte Sammlung von Heiligenlegenden. So l\u00e4sst Goethe schlie\u00dflich Gnade vor Gerechtigkeit walten \u2013 weshalb Faust keineswegs aus eigener Kraft, sondern durch die Vermittlung gerettet werden kann. \u201eMephistopheles\u201c, so Goethe in einem Brief von 1820 an Karl Ernst Schubarth, \u201edarf seine Wette nur halb gewinnen, und wenn die halbe Schuld auf Faust ruhen bleibt, so tritt das Begnadigungs-Recht des alten Herrn sogleich herein, zum heitersten Schlu\u00df des Ganzen\u201c.<\/p>\n<p>Goethe hat somit drei raffinierte Strategien eingesetzt, um gleichzeitig Faust aus der Verbannung in die H\u00f6lle zu retten und das St\u00fcck zum Abschluss zu bringen:<\/p>\n<ol>\n<li>Er l\u00e4sst Faust sterben \u2013 aber nicht den gewaltsamen Tod der Historia, sondern den, wie Goethe \u00fcber \u00d6dipus sagt, \u201eVerschwindenstod\u201c eines Hundertj\u00e4hrigen.<\/li>\n<li>Die Gretchen-Handlung \u00fcbernimmt zentrale Bedeutung: Ihre Liebe f\u00fchrt zu Verzeihen und Entlastung am Ende. Was in der Historia nur eine Episode der Sinnlichkeit ist, wird bei Goethe zum Angelpunkt von gr\u00f6\u00dfter Schuld und schlie\u00dflicher Erl\u00f6sung \u2013 unter Anleihen katholischer Traditionen.<\/li>\n<li>Die Wette im Prolog im Himmel ist als eine Art Sicherheitsgarantie und Risiko-Minimierungs-Strategie vorgeschaltet und erm\u00f6glicht den guten Ausgang.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit muss Goethe, anders als in der Theophilus-Legende, nicht ganz schlicht auf den katholischen Heiligenhimmel zur\u00fcckgreifen; er verquickt vielmehr dessen Freispruchpotential mit der Liebesreligion und dem opernhaften Finale der Bergschluchten. So kann man nat\u00fcrlich nicht von einer katholischen L\u00f6sung der Trag\u00f6die sprechen. Aber Goethe nutzt die Elemente der katholischen Tradition f\u00fcr eine poetisch beherrschte Begnadigungsgeschichte, in der am Ende die unersch\u00fctterliche Liebe den Ausschlag gibt und das B\u00f6se in seine Schranken verweist. Das Begnadigungsrecht deutet auf das Unabsehbare, auf die Grenz\u00fcberschreitung einer auf den Buchstaben fixierten, geistlosen Verdienst- und Schuldmoral, wie sie die Faust-Tradition gepr\u00e4gt hat. Wie schon f\u00fcr den protestantischen Sympathisanten der Ketzer, wie f\u00fcr Lessing, ist auch f\u00fcr Goethe die Faustfigur ein Grenz\u00fcberschreiter aller Verrechenbarkeit. Das von Goethe immer wieder in Anschlag gebrachte Inkommensurable seiner Dichtung l\u00e4sst sich moralisch oder konfessionell gerade nicht einfangen oder reklamieren. \u201eWer der Liebe Gottes Gr\u00e4nzen bestimmen wollte\u201c, l\u00e4sst Goethe schon 1772 den spinozistischen Pastor sagen, \u201ew\u00fcrde sich noch mehr verrechnen\u201c. Und sechzig Jahre sp\u00e4ter, 1831, entdeckt er in der Sekte der \u201eHypsistarier\u201c mit der gr\u00f6\u00dften Sympathie eine Gruppe von Gl\u00e4ubigen, die \u201ezwischen Heiden, Juden und Christen geklemmt\u201c, \u201eerkl\u00e4rten, das Beste, Vollkommenste, was zu ihrer Kenntnis k\u00e4me, zu sch\u00e4tzen, zu bewundern, zu verehren und, insofern es also mit der Gottheit im nahen Verh\u00e4ltnis stehen m\u00fcsse, anzubeten\u201c. Hier sind alle Grenzen der Moral im Sinne eines inkommensurablen Begnadigungsrechtes \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>In der Kategorie des Inkommensurablen kommen die Aspekte des Religi\u00f6sen und Poetischen, des Mathematischen und des Erotischen zusammen. In der Wette haben sie einen kreativen Angelpunkt gefunden, der nicht zuletzt f\u00fcr die \u00fcbermoralische und \u00fcberkonfessionelle Gestaltbarkeit der Ent-Schuldigung des schuldig gewordenen Doktor Faust entscheidend ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>God - Man - Devil<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":95612,"menu_order":1482,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-32375","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","media-library-category-faust","focus-area-literatur"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Wie katholisch ist die Wette in Gothes Faust? - Katholische Akademie in Bayern<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_GB\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Wie katholisch ist die Wette in Gothes Faust? - Katholische Akademie in Bayern\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Gott - Mensch - Teufel\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Katholische Akademie in Bayern\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/katholische.akademie.bayern\/\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-12-05T09:46:40+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Literatur_iStock-1158413597_FabrikaCr_2560x1440.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"2560\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"1440\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Estimated reading time\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"12 minutes\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\\\/\",\"name\":\"Wie katholisch ist die Wette in Gothes Faust? - Katholische Akademie in Bayern\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\\\/#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Literatur_iStock-1158413597_FabrikaCr_2560x1440.jpg\",\"datePublished\":\"2023-07-17T12:36:33+00:00\",\"dateModified\":\"2025-12-05T09:46:40+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"en-GB\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\\\/\"]}]},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"en-GB\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\\\/#primaryimage\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Literatur_iStock-1158413597_FabrikaCr_2560x1440.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Literatur_iStock-1158413597_FabrikaCr_2560x1440.jpg\",\"width\":2560,\"height\":1440},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Wie katholisch ist die Wette in Gothes Faust?\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/\",\"name\":\"Katholische Akademie in Bayern\",\"description\":\"Kirche braucht Debatte: \u201ekatholisch\u201c mit Blick auf das Ganze \u2013 und \u201eakademisch\u201c im Vertrauen auf die Kraft der Argumente\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"en-GB\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#organization\",\"name\":\"Katholische Akademie in Bayern\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"en-GB\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Menue-Logo-Home@2x.png\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Menue-Logo-Home@2x.png\",\"width\":496,\"height\":216,\"caption\":\"Katholische Akademie in Bayern\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/www.facebook.com\\\/katholische.akademie.bayern\\\/\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Wie katholisch ist die Wette in Gothes Faust? - Katholische Akademie in Bayern","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/","og_locale":"en_GB","og_type":"article","og_title":"Wie katholisch ist die Wette in Gothes Faust? - Katholische Akademie in Bayern","og_description":"Gott - Mensch - Teufel","og_url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/","og_site_name":"Katholische Akademie in Bayern","article_publisher":"https:\/\/www.facebook.com\/katholische.akademie.bayern\/","article_modified_time":"2025-12-05T09:46:40+00:00","og_image":[{"width":2560,"height":1440,"url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Literatur_iStock-1158413597_FabrikaCr_2560x1440.jpg","type":"image\/jpeg"}],"twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Estimated reading time":"12 minutes"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/","name":"Wie katholisch ist die Wette in Gothes Faust? - Katholische Akademie in Bayern","isPartOf":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Literatur_iStock-1158413597_FabrikaCr_2560x1440.jpg","datePublished":"2023-07-17T12:36:33+00:00","dateModified":"2025-12-05T09:46:40+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/#breadcrumb"},"inLanguage":"en-GB","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-GB","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/#primaryimage","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Literatur_iStock-1158413597_FabrikaCr_2560x1440.jpg","contentUrl":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Literatur_iStock-1158413597_FabrikaCr_2560x1440.jpg","width":2560,"height":1440},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/wie-katholisch-ist-die-wette-in-gothes-faust\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Wie katholisch ist die Wette in Gothes Faust?"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#website","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/","name":"Catholic Academy in Bavaria","description":"Church needs debate: \"catholic\" looking at the whole - and \"academic\" trusting in the power of arguments","publisher":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"en-GB"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#organization","name":"Catholic Academy in Bavaria","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-GB","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Menue-Logo-Home@2x.png","contentUrl":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Menue-Logo-Home@2x.png","width":496,"height":216,"caption":"Katholische Akademie in Bayern"},"image":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/www.facebook.com\/katholische.akademie.bayern\/"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library\/32375","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library"}],"about":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/media-library"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library\/32375\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":115146,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library\/32375\/revisions\/115146"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/95612"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32375"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}