{"id":32379,"date":"2023-07-17T14:36:36","date_gmt":"2023-07-17T12:36:36","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=weimarer-koepfe"},"modified":"2025-12-16T14:50:55","modified_gmt":"2025-12-16T13:50:55","slug":"otto-braun-der-rote-zar-von-preussen-hoffnungstraeger-der-spd-und-kaempfer-fuer-die-politik","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/otto-braun-der-rote-zar-von-preussen-hoffnungstraeger-der-spd-und-kaempfer-fuer-die-politik\/","title":{"rendered":"Otto Braun &#8211; Der &#8222;Rote Zar von Preu\u00dfen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Wer erinnert sich heute noch an den \u201eFreistaat Preu\u00dfen\u201c? Und wer war Otto Braun? Zun\u00e4chst zu Preu\u00dfen, f\u00fcr das es sp\u00e4testens nach der Revolution von 1918 in der deutschen Geschichte keinen Platz mehr zu geben schien: Tats\u00e4chlich existierte es weiter und war die bei weitem gr\u00f6\u00dfte Provinz der Weimarer Republik \u2013 fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig mit 292.000 Quadratkilometern viermal so gro\u00df wie Bayern, mit 38,1 Millionen Einwohnern sogar achteinhalbmal so gro\u00df; 62 Prozent des Reichsgebiets und 61 Prozent der Einwohner des Reiches waren damit preu\u00dfisch. Nicht als selbst\u00e4ndiger Staat, wohl aber als m\u00e4chtiger Freistaat im Deutschen Reich erwies sich Preu\u00dfen in dieser Zeit zudem lange als \u201eHort der Stabilit\u00e4t und Ordnung\u201c, wie Norbert F. P\u00f6tzl zu Recht festgestellt hat.<\/p>\n<p>Das Verdienst kommt dabei vor allem dem Sozialdemokraten Otto Braun zu, der sich von M\u00e4rz 1920 bis M\u00e4rz 1933, abgesehen von zwei kurzen Phasen, als Ministerpr\u00e4sident des Freistaates Preu\u00dfen zum K\u00e4mpfer f\u00fcr die Republik entwickelte und zum Hoffnungstr\u00e4ger der SPD avancierte: ein H\u00fcne von Mann, fast 1,90 Meter gro\u00df, dazu willensstark, sachlich, n\u00fcchtern und organisatorisch begabt, wenn auch ohne die rhetorischen F\u00e4higkeiten, die viele seiner Konkurrenten in der Weimarer Republik auszeichneten. In der agrarisch gepr\u00e4gten, vom ostelbischen Landjunkertum beherrschten Welt Ostpreu\u00dfens hatte Braun, 1872 als Sohn eines verarmten Schuhmachermeisters in K\u00f6nigsberg geboren, zun\u00e4chst zum linken Fl\u00fcgel der SPD gez\u00e4hlt. In der unter dem Sozialistengesetz verbotenen Partei war der gelernte Steindrucker Funktion\u00e4r im \u00f6rtlichen Arbeiter-Wahlverein gewesen, hatte als Redakteur sozialdemokratischer Zeitschriften gearbeitet und schlie\u00dflich sogar ein eigenes Blatt \u00ad\u2212 die <em>K\u00f6nigsberger Volkszeitung<\/em> \u2012 gegr\u00fcndet. Er geh\u00f6rte dem Stadtrat von K\u00f6nigsberg an, wurde 1898 Vorsitzender der SPD in Ostpreu\u00dfen und \u00fcbernahm seit 1905 zus\u00e4tzlich Funktionen auf Reichsebene: zun\u00e4chst als Mitglied der Parteikontrollkommission und seit 1911 als Hauptkassierer der Partei. Damit r\u00fcckte er zugleich in den Reichsvorstand der SPD auf, dem er bis 1919 angeh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Inzwischen war die vom Anarchosyndikalismus gepr\u00e4gte linkssozialistische Haltung des jungen Otto Braun l\u00e4ngst einem pragmatischen Politikverst\u00e4ndnis gewichen, das sich am Ende des Ersten Weltkrieges nahtlos in die nach Regierungsverantwortung strebende Mehrheits-SPD einf\u00fcgte. Braun, jetzt 45 Jahre alt, war zu einer Figur geworden, die, wie sein Biograph Hagen Schulze 1977 schrieb, \u201edie konservativen Parteien gerne im eigenen Lager gesehen h\u00e4tten\u201c. Die Politik und Parolen der USPD oder gar der Spartakisten und Kommunisten waren dem Vernunft- und Verstandesmenschen Braun fremd. Indessen war er auch wenig geeignet, Menschen emotional an sich zu binden. So schilderte sein Parteifreund Heinz-Georg Ritzel ihn als \u201eeine herbe, verschlossen wirkende Natur\u201c, aber auch als \u201eeine in sich selbst ruhende Pers\u00f6nlichkeit, ein Mann, von dem man im Gespr\u00e4ch sofort sp\u00fcrte, dass er wusste, was er wollte, dass er sein Ziel genau kannte\u201c. Respekt, nicht Verehrung, wurde ihm entgegengebracht und kennzeichnete seinen Lebensweg in der Politik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Neubeginn mit Augenma\u00df<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber Nacht sind wir zur radikalsten Demokratie Europas geworden und m\u00fcssen das noch als die relativ gem\u00e4\u00dfigte L\u00f6sung unseres politischen Lebensproblems betrachten.\u201c Mit diesen Worten beschrieb der evangelische Theologe, Soziologe und Philosoph Ernst Troeltsch, der seit 1914 an der Berliner Universit\u00e4t lehrte, am 29. Dezember 1918 die Situation in Deutschland. Der Erste Weltkrieg war zu Ende, das Deutsche Reich hatte um einen sofortigen Waffenstillstand und um Frieden gebeten, der Kaiser war geflohen. In Berlin tagte ein \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c aus SPD und USPD, der nur einen Tag nach Ausrufung der \u201eDeutschen Republik\u201c durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann vor dem Reichstag und der beinahe zeitgleichen Proklamation einer \u201eFreien Sozialistischen Republik\u201c durch Karl Liebknecht im Lustgarten vor dem Schloss am 9. November 1918 gebildet worden war, um Wahlen zu einer Nationalversammlung vorzubereiten, die eine Verfassung ausarbeiten und damit den neuen Staat schaffen sollte. Von einem geordneten \u00dcbergang in die Republik konnte allerdings keine Rede sein; f\u00fcr Troeltsch, den besonnenen Mitbegr\u00fcnder der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und sp\u00e4teren Unterstaatssekret\u00e4r im preu\u00dfischen Kultusministerium, bedeutete er vielmehr \u201edas vollkommene Chaos\u201c. Die Bismarcksche Reichsgr\u00fcndung, bemerkte er, sei \u201ebis auf die Fundamente abgetragen\u201c, die politische Ordnung \u201ein der Aufl\u00f6sung oder doch mindestens totalen Umbildung begriffen\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr Otto Braun kam es in dieser Situation darauf an, den Neubeginn mit Augenma\u00df in die richtige Richtung zu lenken. Zwar geh\u00f6rte er f\u00fcr die MSPD dem Arbeiter- und Soldatenrat Berlins an. Aber er scheute sich nicht, gegen den Widerstand mancher Parteifreunde f\u00fcr den Erhalt preu\u00dfischer Traditionen einzutreten. W\u00e4hrend August Bebel noch erkl\u00e4rt hatte, \u201epreu\u00dfischer Geist und preu\u00dfische Regierungsgrunds\u00e4tze\u201c seien der \u201eTodfeind der Demokratie\u201c, setzte Braun sich f\u00fcr den staatlichen Erhalt Preu\u00dfens ein \u2013 wenn auch als moderner Freistaat mit demokratischer Struktur. Seit dem 3. Juni 1913 geh\u00f6rte er dem preu\u00dfischen Abgeordnetenhaus an und hatte bereits 1917 f\u00fcr die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts pl\u00e4diert. Jetzt, in der Revolution, \u00fcbernahm er am 11. November 1918 unter Ministerpr\u00e4sident Paul Hirsch gemeinsam mit Adolf Hofer die Verantwortung f\u00fcr das preu\u00dfische Landwirtschaftsministerium \u2013 eine Position, f\u00fcr die er besonders qualifiziert zu sein schien, weil er sich \u00fcber viele Jahre hinweg in der SPD zu einem Experten f\u00fcr Agrarpolitik und zu einem K\u00e4mpfer gegen eine gro\u00dfagrarisch gepr\u00e4gte Landwirtschaft entwickelt hatte.<\/p>\n<p>Als Minister verf\u00fcgte er nun aber auch \u00fcber eine Plattform, um noch wirksamer als zuvor gegen Forderungen nach einer Zerschlagung Preu\u00dfens aufzutreten, wie sie beispielsweise in der \u201eDenkschrift zum Entwurf des allgemeinen Teils der Reichsverfassung\u201c enthalten waren, die der Staatssekret\u00e4r im Reichsamt des Inneren, Hugo Preu\u00df, am 3. Januar 1919 vorlegte. Durch eine Agrarreform, die unter anderem die Entmachtung der ostelbischen Gutsbesitzer und die Ansiedlung ehemaliger Soldaten auf brachliegenden L\u00e4ndereien vorsah, wollte Braun nicht nur m\u00f6glichen Argumenten f\u00fcr eine Aufl\u00f6sung Preu\u00dfens begegnen, sondern gleichzeitig die Ern\u00e4hrungssituation des Reiches verbessern. Doch er drang mit seinen Vorschl\u00e4gen nicht durch, weil sich sowohl bei den betroffenen Gro\u00dfagrariern als auch beim z\u00f6gernden Ministerpr\u00e4sidenten Hirsch und auch in der B\u00fcrokratie, in der man f\u00fcrchtete, die vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen seien nicht mit der bestehenden Gesetzeslage in Einklang zu bringen, Widerstand regte.<\/p>\n<p>Dennoch hielt Braun an seiner Linie fest, dass eine Zerschlagung Preu\u00dfens vermieden werden m\u00fcsse und dass sogar weitere territoriale Angliederungen sinnvoll seien, um den Freistaat innerhalb eines f\u00f6deralistisch strukturierten Reiches zu st\u00e4rken. Angesichts der Aufstandsbewegung, die sich seit dem 3. November \u00fcber ganz Deutschland ausbreitete, bedurfte es seiner Meinung nach der preu\u00dfischen Ordnungsmacht, um im Reich m\u00e4\u00dfigend zu wirken. Vor allem die \u201eBlutweihnacht\u201c am 24.\/25. Dezember 1918, als sich rebellierende Teile der Volksmarine-Division am Berliner Stadtschloss und am Marstall schwere K\u00e4mpfe mit Regierungstruppen lieferten, und der anschlie\u00dfende Spartakusaufstand, der in Berlin zur Ausrufung des Belagerungszustandes f\u00fchrte, waren f\u00fcr Braun Anlass zur Sorge. So pl\u00e4dierte er in den folgenden Monaten immer wieder f\u00fcr eine St\u00e4rkung der Staatsgewalt und f\u00fcr den Erhalt Preu\u00dfens, zugleich allerdings auch f\u00fcr eine allm\u00e4hliche \u00dcbertragung der Gesetzgebung auf das Reich, wie er beispielsweise am 23. Januar 1919 im Zentralrat der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Vorrangiges Ziel war f\u00fcr Braun jedoch die Errichtung einer parlamentarischen Demokratie in Deutschland mit einer starken Staatsgewalt als Ordnungsmacht. Das Staatsmodell, das ihm vorschwebte, war eine f\u00f6derative Republik, die, wie er am 25. Februar 1919 bemerkte, der Einheitsrepublik \u201eso nahe wie m\u00f6glich\u201c kommen sollte. Er glaubte sich dabei in \u00dcbereinstimmung mit der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung und auch mit den Eliten des Reiches. Sogar die 3. Oberste Heeresleitung unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff hatte ja bereits am 29. September 1918 einen sofortigen Waffenstillstand verlangt und in der Erwartung, der amerikanische Pr\u00e4sident Woodrow Wilson werde die deutsche Position unterst\u00fctzen, wenn eine parlamentarisch gebildete Regierung um die Aufnahme von Friedensverhandlungen nachsuche, Kaiser Wilhelm\u00a0II. gedr\u00e4ngt, per Dekret die Einf\u00fchrung der Demokratie in Deutschland und den \u00dcbergang zu einem parlamentarischen Regierungssystem anzuordnen. In dem vom Kaiser autorisierten Erlass vom 30. September hatte es dementsprechend gehei\u00dfen, er \u201ew\u00fcnsche, dass das deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung der Geschicke des Vaterlandes mitarbeitet\u201c. Es sei daher sein Wille, \u201edass M\u00e4nner, die vom Vertrauen des Volkes getragen sind, in weitem Umfang teilnehmen an den Rechten und Pflichten der Regierung\u201c.<\/p>\n<p>Dazu z\u00e4hlte nicht zuletzt Braun selbst, der innerhalb der SPD und besonders in Preu\u00dfen eine weithin geachtete, starke Pers\u00f6nlichkeit darstellte und dem man zutraute, angesichts der verbreiteten Unruhen die Ordnung wiederherzustellen. So war es nur eine Frage der Zeit, wann der preu\u00dfische Landwirtschaftsminister zu h\u00f6heren \u00c4mtern berufen sein w\u00fcrde. Bereits im Fr\u00fchjahr 1920 war es soweit, als nach Bekanntwerden von Regierungspl\u00e4nen zur Aufl\u00f6sung der Freikorps-Verb\u00e4nde und zur Heeresverminderung und der Entlassung von 20.000 Offizieren und 40.000 Soldaten Truppenteile unter General Walther von L\u00fcttwitz und Korvettenkapit\u00e4n Hermann Ehrhardt am Morgen des 13. M\u00e4rz 1920 mit schwarz-wei\u00df-roten Fahnen von D\u00f6beritz nach Berlin marschierten, das Regierungsviertel besetzten und Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp, ein h\u00f6herer Beamter der ostpreu\u00dfischen Provinzialverwaltung, sich selbst zum Reichskanzler erkl\u00e4rte. Zwar brach der sogenannte \u201eKapp-Putsch\u201c nach einem Generalstreik binnen weniger Tage zusammen. Aber als sich die vor allem im Ruhrgebiet, in Sachsen und Th\u00fcringen beim Generalstreik bewaffneten Arbeiter angesichts der Ereignisse in Berlin weigerten, die Waffen abzugeben und an mehreren Orten, so in Essen, Elberfeld und D\u00fcsseldorf, kommunistische Aufst\u00e4nde probten, waren Verhandlungen mit den sozialistischen Aufst\u00e4ndischen erforderlich, an denen sich auf Bitten von Reichspr\u00e4sident Friedrich Ebert auch Otto Braun beteiligte. Dessen Position war danach derart gest\u00e4rkt, dass f\u00fcr ihn sogar eine Position in der Reichsregierung \u2013 etwa als Reichswehrminister \u2013 m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Doch Braun lehnte ab. Aber er entzog sich nicht, als ihm im Zuge der Neubildung der preu\u00dfischen Regierung, die mit einer S\u00e4uberung der Verwaltung und der Reichswehr von Kapp-Sympathisanten einherging, das Amt des preu\u00dfischen Regierungschefs angetragen wurde. Nach dem R\u00fccktritt von Ministerpr\u00e4sident Hirsch am 26. M\u00e4rz und kurzen Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, DDP und Zentrum \u00fcbernahm er am 29. M\u00e4rz dessen Amt, das er nun zw\u00f6lf Jahre lang, bis Mai 1932, mit nur zwei kurzen Unterbrechungen bekleiden sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Ministerpr\u00e4sident im Freistaat Preu\u00dfen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Koalitionsregierung, der Braun in Preu\u00dfen vorstand, wurde von den gleichen Parteien gebildet, die ein Jahr zuvor, am 19. Januar 1919, bei der Wahl zur Nationalversammlung eine klare Mehrheit erreicht hatten. Die Nationalversammlung hatte inzwischen in Weimar am 31. Juli 1919 mit 262 gegen 75 Stimmen die neue Reichsverfassung verabschiedet, die ein parlamentarisches Regierungssystem mit einem starken, vom Volk direkt gew\u00e4hlten Reichspr\u00e4sidenten vorsah, der mit Hilfe des Artikels 48 sogar in die Lage versetzt wurde, Grundrechte vor\u00fcbergehend au\u00dfer Kraft zu setzen und Ma\u00dfnahmen \u201ezur Wiederherstellung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung\u201c zu treffen, wenn er dies f\u00fcr notwendig hielt. Dennoch war die Verfassung, die stark plebiszit\u00e4re Z\u00fcge trug und auch die M\u00f6glichkeit eines Volksentscheides enthielt, \u00fcberaus demokratisch; manche sprachen sogar von der \u201efreiesten Verfassung der Welt\u201c. Die Tatsache, dass sie die Macht bei den Verfassungsorganen konzentrierte, die vom Volk direkt gew\u00e4hlt wurden \u2013 beim Reichstag und (vor allem in Krisenzeiten) beim Reichspr\u00e4sidenten \u2013, sollte sich allerdings bald als schwere B\u00fcrde erweisen, da sich dadurch M\u00f6glichkeiten f\u00fcr diejenigen boten, die darauf aus waren, die Verfassung und die Freiheit zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Problematisch waren zudem die Bestimmungen des Versailler Vertrages, der unter dem Druck eines drohenden Einmarsches der Alliierten am 22. Juni 1919 mit 237 gegen 138 Stimmen von der Nationalversammlung angenommen worden war. Danach sollten die Deutschen zahlreiche Gebiete abtreten und weitreichende R\u00fcstungsbeschr\u00e4nkungen hinnehmen, darunter die Reduzierung der deutschen Armee auf 100.000 Mann und die milit\u00e4rische Besetzung des linken Rheinufers sowie einiger rechtsrheinischer Br\u00fcckenk\u00f6pfe f\u00fcr die Dauer von 15 Jahren. Kernpunkt war aber der Artikel 231, in dem es hie\u00df, Deutschland und seine Verb\u00fcndeten seien \u201eals Urheber f\u00fcr alle Verluste und Sch\u00e4den verantwortlich\u201c, \u201ewelche die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangeh\u00f6rigen infolge des Krieges, der ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verb\u00fcndeten aufgezwungen wurde, erlitten haben\u201c. Dieser sogenannte \u201eKriegsschuldartikel\u201c, der zugleich die Begr\u00fcndung f\u00fcr alle folgenden Reparationsforderungen lieferte, war auch unter den Alliierten nicht unumstritten. In Deutschland erregte er jedoch die Gem\u00fcter und wurde \u2013 keineswegs nur in rechtsgerichteten und nationalen Kreisen \u2013 mit Emp\u00f6rung zur Kenntnis genommen. \u201eWelche Hand m\u00fcsste nicht verdorren\u201c, rief daher Reichskanzler Scheidemann, der sich w\u00e4hrend des Krieges f\u00fcr einen Frieden des Ausgleichs ohne Annexionen eingesetzt hatte und nun diesen Vertrag unterzeichnen sollte, am 12. Mai vor der Nationalversammlung aus, \u201edie sich und uns in solche Fesseln legt? Dieser Vertrag ist nach Auffassung der Reichsregierung unannehmbar.\u201c Danach trat er als Regierungschef zur\u00fcck, um nicht unterschreiben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auch Otto Braun erkl\u00e4rte, der Vertrag sei ein \u201eschamloser Betrug an einem Volke\u201c. Aber er votierte am Ende doch f\u00fcr eine Vertragsunterzeichnung, weil die Alliierten im Falle einer Nichtunterzeichnung mit einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen gedroht hatten. Die Folgen waren bald sp\u00fcrbar. Besonders die Reparationsbestimmungen erwiesen sich als problematisch. So sollte Deutschland bereits bis Mai 1921 einen ersten Teilbetrag von 20 Milliarden Goldmark zahlen. Im Januar 1921 wurde von der Reparationskommission auch eine Endsumme genannt: 226 Milliarden Goldmark, zahlbar in 42 Jahresraten, die schrittweise von zwei auf sechs Milliarden Goldmark ansteigen sollten. Zwar wurde die Gesamtzahl sp\u00e4ter nach unten korrigiert. Aber die Zahlen blieben so hoch, dass die Reichsregierung unter Joseph Wirth (Zentrum) sich in ihrem Bem\u00fchen, den Forderungen so weit wie m\u00f6glich zu entsprechen, um milit\u00e4rische Ma\u00dfnahmen gegen Deutschland \u2013 etwa die alliierte Besetzung des Ruhrgebiets \u2013 zu vermeiden, den Hass der antidemokratischen Rechten zuzog. Deren Kampf gegen die \u201eErf\u00fcllungspolitik\u201c fiel als Erster der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger zum Opfer, der 1918 den Waffenstillstand unterzeichnet hatte und am 26. August 1921 von zwei ehemaligen Offizieren, Angeh\u00f6rigen des von Korvettenkapit\u00e4n Hermann Ehrhardt geleiteten Geheimbundes der \u201eOrganisation Consul\u201c, in Bad Griesbach im Schwarzwald ermordet wurde. Zu den weiteren Opfern geh\u00f6rte im Juni 1922 auch der deutsche Au\u00dfenminister Walther Rathenau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Der \u201eRote Zar\u201c<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Otto Braun f\u00fcrchtete angesichts dieser Ereignisse, die einerseits zu gro\u00dfen wirtschaftlichen Problemen und andererseits zu andauernden innenpolitischen Spannungen f\u00fchrten, um die Zukunft der Demokratie in Deutschland. Er suchte daher seine Position als preu\u00dfischer Ministerpr\u00e4sident zu nutzen, um seinen Freistaat zu einem \u201edemokratischen Bollwerk\u201c auszubauen, das eine Vorbildfunktion f\u00fcr ganz Deutschland aus\u00fcben sollte. Sein Vorteil gegen\u00fcber der Reichspolitik war dabei, dass die \u201eWeimarer Koalition\u201c, die ihn ins Amt gebracht hatte, stets eine Mehrheit im Landtag behielt \u2013 so knapp diese gelegentlich auch sein mochte. Bis 1924 geh\u00f6rte zur Braun-Koalition auch noch die DVP, die von 1920 bis 1931 ebenfalls in nahezu allen Reichsregierungen vertreten war und bis 1929 von Gustav Stresemann gef\u00fchrt wurde. Zudem sah die preu\u00dfische Verfassung vor, dass der Ministerpr\u00e4sident vom Landtag gew\u00e4hlt wurde und daher nicht von einer h\u00f6heren Instanz, wie der Reichskanzler vom Reichspr\u00e4sidenten, im Amt gehalten werden konnte, wenn die Mehrheit im Parlament schwand. Braun durfte sich also stets auf eine parlamentarische Mehrheit st\u00fctzen. Die Vorsitzenden der Regierungsfraktionen, Ernst Heilmann (SPD) und Joseph He\u00df (Zentrum), taten das ihrige, diese Unterst\u00fctzung zu gew\u00e4hrleisten. Wichtige Verb\u00fcndete Brauns waren dar\u00fcber hinaus die beiden sozialdemokratischen Innenminister Preu\u00dfens, Carl Severing und \u2013 seit 1926 \u2013 Albert Grzesinki. Zwar wurde Braun aufgrund seines autorit\u00e4ren Regierungsstils vielfach kritisiert und daher halb respektvoll, halb diffamierend als \u201eZar von Preu\u00dfen\u201c oder \u2013 wegen seiner linkssozialistischen Vergangenheit \u2013 als \u201eRoter Zar\u201c tituliert. Aber Braun als Person und die politische Koalition, die ihn im Amt hielt, verliehen Preu\u00dfen in der Weimarer Republik eine Stabilit\u00e4t, an der es im Reich aufgrund der h\u00e4ufigen Koalitions- und Regierungswechsel mangelte.<\/p>\n<p>In seiner Politik widmete sich Braun vor allem der Bodenreform und einer Reform des Schulwesens. Von zentraler Bedeutung war f\u00fcr ihn auch die Neubesetzung der staatlichen Verwaltung und des Polizeiapparates mit republiktreuen Beamten. So wurden von Braun und Innenminister Severing fast alle Oberpr\u00e4sidenten, Regierungspr\u00e4sidenten, Landr\u00e4te und Polizeipr\u00e4sidenten ausgewechselt und, anders als in anderen L\u00e4ndern, konsequent Disziplinarma\u00dfnahmen gegen Beamte ergriffen, die sich beim Kapp-Putsch illoyal verhalten hatten. Die Reorganisation der Polizei unter Wilhelm Abegg f\u00fchrte zudem dazu, dass sie mit einer Kopfst\u00e4rke von 50.000 Mann, guter Ausbildung und \u00fcberwiegend republikanischer Gesinnung vor allem in den konfliktreichen letzten Jahren der Weimarer Republik eine wichtige St\u00fctze der Regierung war und sich auch bei den zunehmenden Stra\u00dfenk\u00e4mpfen zwischen den radikalen Kr\u00e4ften von links und rechts als loyal und zuverl\u00e4ssig erwies.<\/p>\n<p>Angesichts der Erfolge, die Braun in Preu\u00dfen erzielte, verwundert es daher nicht, dass die SPD ihn 1925 als Kandidaten f\u00fcr das Amt des Reichspr\u00e4sidenten nominierte, nachdem Friedrich Ebert \u00fcberraschend verstorben war. Obwohl er im ersten Wahlgang mit 29 Prozent der Stimmen ein bemerkenswert gutes Ergebnis erzielte, trat er im zweiten Wahlgang nicht mehr an, sondern unterst\u00fctzte den Zentrums-Politiker Wilhelm Marx, der ihn zeitweilig als Regierungschef in Preu\u00dfen verdr\u00e4ngt hatte. Im Gegenzug verpflichtete sich das Zentrum, Braun wieder zum Ministerpr\u00e4sidenten zu w\u00e4hlen \u2013 was am 3. April 1925 auch geschah. Doch Marx gelang es nicht, das rechtskonservative Lager f\u00fcr sich zu gewinnen. So setzte sich am Ende Paul von Hindenburg als Reichspr\u00e4sident durch, mit dem Braun nicht nur, wie er sp\u00e4ter in seinen Memoiren r\u00fcckblickend bemerkte, \u201eauf einen gewissen amtlichen Verkehrsfluss\u201c kam, sondern zu dem er aufgrund seiner pragmatischen Art zun\u00e4chst auch ein \u00fcberraschend gutes Verh\u00e4ltnis entwickelte. Als Braun im Oktober 1929 den rheinischen \u201eStahlhelm\u201c verbieten lie\u00df \u2013 einen Bund der Frontsoldaten, dem Hindenburg als Ehrenmitglied angeh\u00f6rte \u2013, erlitt das Verh\u00e4ltnis zwischen dem preu\u00dfischen Ministerpr\u00e4sidenten und dem Reichspr\u00e4sidenten jedoch einen nachhaltigen Schaden, der nie wieder behoben werden konnte, so dass Hindenburg sich 1932 auch hinter den \u201ePreu\u00dfenschlag\u201c stellte, der praktisch das Ende des Freistaates Preu\u00dfen besiegelte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die \u00c4ra der \u201ePr\u00e4sidialkabinette\u201c<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch bereits seit 1929 und vor allem nach dem Scheitern der Gro\u00dfen Koalition aus SPD und DVP und dem R\u00fccktritt des Kabinetts unter dem sozialdemokratischen Reichskanzler Hermann M\u00fcller am 27. M\u00e4rz 1930 wurde die Position Brauns zunehmend schwieriger. Der neue Reichskanzler Heinrich Br\u00fcning lie\u00df keinen Zweifel daran, dass er bereit war, mit Hilfe von Notverordnungen nach Artikel 48 der Weimarer Verfassung, die dem Reichspr\u00e4sidenten weitreichende Vollmachten verlieh, und der Reichstagsaufl\u00f6sung nach Artikel 25 notfalls auch gegen das Parlament zu regieren. Die \u00c4ra der \u201ePr\u00e4sidialkabinette\u201c begann. Da sich seit dem Zusammenbruch der Aktienkurse an der New Yorker B\u00f6rse am 24. Oktober 1929 eine Weltwirtschaftskrise entwickelt hatte, die sich auch in Deutschland mit rasch wachsender Arbeitslosigkeit bemerkbar machte, war die innenpolitische Lage bald wieder so angespannt wie zu Beginn der 1920er Jahre. Die SPD und auch Braun unterst\u00fctzten daher im Reichstag sogar die von ihr eigentlich abgelehnte Politik Br\u00fcnings, um im Gegenzug die Unterst\u00fctzung des Zentrums in Preu\u00dfen f\u00fcr Braun zu erhalten. Nicht zuletzt ging es dabei um die Sicherung der Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die preu\u00dfische Polizei, die als eine der wenigen Institutionen geeignet schien, den Vormarsch der NSDAP einzud\u00e4mmen. Denn diese konnte bei der Reichstagswahl vom 14. September 1930 mit 18,3 Prozent gegen\u00fcber 1928, als sie mit nur 2,6 Prozent und zw\u00f6lf Mandaten nicht mehr als eine Splitterpartei gewesen war, die Zahl ihrer Sitze fast verneunfachen. Mit 107 Abgeordneten stellte sie jetzt hinter der SPD und vor der KPD die zweitst\u00e4rkste Fraktion im Reichstag.<\/p>\n<p>R\u00fcckendeckung erhielt Braun bei der Durchsetzung seiner Politik in Preu\u00dfen insbesondere von Severing, der bereits von 1920 bis 1926 preu\u00dfischer Innenminister gewesen war, im zweiten Kabinett M\u00fcller dann von 1928 bis 1930 das Amt des Reichsinnenministers bekleidet hatte und in der Endphase der Republik von 1930 bis 1932 wieder als preu\u00dfischer Innenminister fungierte. Braun und Severing konnten jedoch nicht verhindern, dass die Gegner der Republik, die zugleich erbitterte Feinde Brauns waren, sich immer mehr formierten. So verfehlte die \u201eWeimarer Koalition\u201c bei den Landtagswahlen am 24. April 1932 in Preu\u00dfen erstmals die Mehrheit, w\u00e4hrend die Nationalsozialisten ihren Anteil von 2,9 auf 36,3 Prozent der W\u00e4hlerstimmen steigerten und die SPD mit 21,2 Prozent weit hinter sich lie\u00df. Rechnete man die Stimmen der NSDAP und der DNVP sowie weiterer rechter Splittergruppen zusammen, fehlten ihnen nur neun Sitze zur absoluten Mehrheit.<\/p>\n<p>Das Wahlergebnis war sowohl f\u00fcr das bisher so stabile Preu\u00dfen als auch f\u00fcr das gesamte Reich eine Katastrophe. Folgerichtig wurde Reichskanzler Br\u00fcning am 30. Mai 1932 von Reichspr\u00e4sident Hindenburg entlassen und durch Franz von Papen ersetzt, der nun ein \u201eKabinett der Barone\u201c bildete und allein vom Vertrauen Hindenburgs und der Tolerierung durch die NSDAP getragen war. In Preu\u00dfen blieben Braun und sein Kabinett gem\u00e4\u00df Artikel 59 der Landesverfassung zwar gesch\u00e4ftsf\u00fchrend im Amt, da es f\u00fcr eine neue Regierung keine parlamentarische Mehrheit gab. Aber Braun war jetzt nicht nur politisch, sondern auch pers\u00f6nlich angeschlagen. Nachdem er bereits am Ende des Wahlkampfes in der Nacht vom 22. zum 23. April einen k\u00f6rperlichen Zusammenbruch erlitten hatte, \u00fcbergab er die laufenden Amtsgesch\u00e4fte nun an den Zentrumspolitiker Heinrich Hirtsiefer und zog sich in sein Haus in Berlin-Zehlendorf zur\u00fcck, um sich zu erholen. Dort \u00fcberbrachte ihm am Morgen des 20. Juli 1932 ein Ministerialbeamter das Entlassungsschreiben von Reichskanzler von Papen, der mit dem sogenannten \u201ePreu\u00dfenschlag\u201c selbst die Macht in Preu\u00dfen \u00fcbernahm. Braun blieb zwar offiziell Ministerpr\u00e4sident. Doch seine Befugnisse wurden auf Reichskommissare \u00fcbertragen, die unmittelbar Papen unterstanden. Dieser rechtfertigte sein Verhalten sp\u00e4ter mit der Bemerkung, es h\u00e4tte \u201ewenig Sinn\u201c gehabt, \u201eim Reiche zu einer besseren Ordnung der Dinge zu schreiten, wenn sie nicht gleichzeitig auch in Preu\u00dfen hergestellt werden konnte\u201c.<\/p>\n<p>Die rechtm\u00e4\u00dfige preu\u00dfische Regierung tagte danach, aus ihren B\u00fcros und H\u00e4usern vertrieben, unter Vorsitz Brauns noch einige Zeit als sogenannte \u201eHoheitsregierung\u201c in Restaurants und Kneipen, bis sie im M\u00e4rz 1933, wenige Wochen nach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten, durch eine beim Reichspr\u00e4sidenten besorgte neue Notverordnung endg\u00fcltig abgesetzt wurde. Eine Schl\u00fcsselrolle spielte dabei Hermann G\u00f6ring, der als Reichskommissar f\u00fcr das preu\u00dfische Innenministerium Dienstherr der gesamten preu\u00dfischen Polizei war. Was Braun, Severing und Grzesinki m\u00fchevoll aufgebaut hatten, um die Republik zu sch\u00fctzen, diente nun den Nationalsozialisten zur Durchsetzung ihrer Herrschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>R\u00fcckzug aus der Politik<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Otto Braun verbrachte den Sommer 1932 zur Erholung im \u00f6sterreichischen Bad Gastein und im schweizerischen Ascona, wo er f\u00fcr seinen Alterssitz ein Grundst\u00fcck erworben hatte. Mitte Oktober kehrte er noch einmal nach Berlin zur\u00fcck, wo Gespr\u00e4che mit Papen und Hindenburg ergebnislos verliefen. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten war er an Leib und Leben bedroht. Wenige Tage nach dem Reichstagsbrand und nachdem er aus dem B\u00fcro des Reichspr\u00e4sidenten eine dringende Warnung erhalten hatte, dass seine Verhaftung unmittelbar bevorstehe, fuhr er am 4. M\u00e4rz 1933 mit dem Auto \u00fcber die Grenze nach \u00d6sterreich \u2013 ein Tag vor den Landtags- und Reichstagswahlen am 5. M\u00e4rz, bei denen die SPD im Reich nur noch 18,3 Prozent und in Preu\u00dfen sogar nur 16,6 Prozent der Stimmen erhielt. Die Parteif\u00fchrung der SPD gab Braun eine Mitschuld an dieser desastr\u00f6sen Niederlage, weil er sich durch seine Flucht der Verantwortung entzogen habe. Die Verbindung Brauns zu seiner Partei, der er so lange gedient hatte, riss danach beinahe g\u00e4nzlich ab. In der Exil-SPD spielte er keine Rolle mehr. Auch die Korrespondenz mit ehemaligen politischen Weggef\u00e4hrten kam weitgehend zum Erliegen. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahm er an einigen Veranstaltungen der SPD wieder teil.<\/p>\n<p>Ob Braun eine Chance gehabt h\u00e4tte, etwa durch die Ausrufung eines Generalstreiks oder mit Hilfe der preu\u00dfischen Polizei, das Blatt der Geschichte in letzter Minute noch zu wenden, ist indessen mehr als fraglich. Politisch seit 1930 stark geschw\u00e4cht, besa\u00df er sp\u00e4testens mit der Ernennung von Papens zum Reichskanzler am 1. Juni 1932 durch Reichspr\u00e4sident von Hindenburg keine nennenswerten Mittel mehr, sich der Entwicklung entgegenzustemmen. Aber schon vorher, mit der verheerenden Niederlage der SPD bei der Landtagswahl in Preu\u00dfen am 24. April 1932, war das politische Ende Preu\u00dfens eingeleitet. Die W\u00e4hler hatten entschieden, nicht l\u00e4nger Otto Braun und der von ihm gef\u00fchrten \u201eWeimarer Koalition\u201c, sondern Hitler und der NSDAP mit ihren rechtsradikalen Bundesgenossen zu folgen. Der \u201ePreu\u00dfenschlag\u201c Papens vom 20. Juli 1932 besiegelte danach nur noch eine Entwicklung, die l\u00e4ngst begonnen hatte und letztlich zur \u201eMachtergreifung\u201c Hitlers f\u00fchrte. Sich dieser Entwicklung noch in den Weg zu stellen, h\u00e4tte nach Hitlers Triumph f\u00fcr Braun den sicheren Tod bedeutet. Wenn in der SPD genau das sp\u00e4ter r\u00fcckblickend von ihm verlangt wurde, l\u00e4sst sich dies nur so interpretieren, dass manchen Sozialdemokraten ein toter M\u00e4rtyrer lieber gewesen w\u00e4re als ein verdienter Politiker im Exil, der das M\u00f6gliche getan hatte, um von Preu\u00dfen aus die Demokratie in Deutschland zu retten, und nur das Unm\u00f6gliche gelassen hatte, als es nichts mehr zu retten gab.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Personalities and profiles in the first German democracy<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":4125,"menu_order":1498,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-32379","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","media-library-category-erster-weltkrieg","media-library-category-nationalsozialismus","media-library-category-weimarer-republik"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - 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