{"id":32404,"date":"2023-07-17T14:36:55","date_gmt":"2023-07-17T12:36:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=bis-an-die-grenzen-der-erde"},"modified":"2025-12-16T12:07:54","modified_gmt":"2025-12-16T11:07:54","slug":"aufbruch-des-katholizismus-in-die-welt-brasilien-mexiko-und-die-philippinen","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/aufbruch-des-katholizismus-in-die-welt-brasilien-mexiko-und-die-philippinen\/","title":{"rendered":"Catholicism's departure into the world"},"content":{"rendered":"<h3><strong> Europ\u00e4ische Konfessionalisierung und global werdender Katholizismus<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als im Jahre 1517 der Wittenberger Theologieprofessor Dr. Martin Luther OESA mit seinen 95 Thesen zur kirchlichen Bu\u00dfpraxis Aufsehen erregte, lag die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus bereits ein Vierteljahrhundert zur\u00fcck. Dort wie auch in Indien, dem urspr\u00fcnglichen Ziel des Seefahrers, waren schon Ordensleute als Glaubensboten t\u00e4tig. Und in Afrika gab es am Kongo ein K\u00f6nigreich unter einem bereits katholisch getauften F\u00fcrsten. W\u00e4hrend 1530 auf dem Augsburger Reichstag die evangelischen St\u00e4nde (Kursachsen, Brandenburg-Ansbach, Braunschweig-L\u00fcneburg, Hessen, Anhalt, N\u00fcrnberg und Reutlingen) ihre unter Federf\u00fchrung von Philipp Melanchthon verfasste Bekenntnisschrift \u201eConfessio Augustana\u201c vorlegten, diskutierte man in Mexiko unter den Franziskanern konkrete Fragen der Hinf\u00fchrung der einheimischen Bev\u00f6lkerung zum christlichen Glauben. Es entstanden die ersten Katechismen und liturgischen B\u00fccher f\u00fcr die Spendung der Sakramente.<\/p>\n<p>Im Reich brachte das Jahr 1555 den Augsburger Religionsfrieden, die rechtliche Anerkennung der lutherischen Reformation; zur gleichen Zeit entstanden im fernen Japan erste katholische Gemeinden, die in den folgenden Jahrzehnten sechsstellige Mitgliederzahlen erreichten. Als sich um das Jahr 1580 die inzwischen zersplitterte protestantische Bewegung konsolidiert hatte, existierte in Spanisch-Amerika und in den portugiesischen Territorien in Afrika und Asien bereits eine festgef\u00fcgte kirchliche Organisation mit drei\u00dfig katholischen Bist\u00fcmern. Im zuvor hermetisch abgeschlossenen China lie\u00dfen sich die ersten Jesuitenmissionare nieder. Die reformatorische Bewegung im Herzen Europas und die weltweite Ausbreitung der katholischen Kirche sind also zeitgleiche Erscheinungen.<\/p>\n<p>Beide Vorg\u00e4nge haben die kirchlichen wie die politischen Landkarten ver\u00e4ndert. Der Versuch einer reformatorischen Erneuerung der Christenheit, der Luther vor Augen stand, schlug insofern fehl, als anstelle der einen, aus dem Geist des Evangeliums erneuerten Kirche sich fortan rivalisierende Religionsparteien und innerprotestantische Gruppierungen gegen\u00fcberstanden. Die konfessionelle wie territoriale Zersplitterung des alten Kontinents war die Folge. Wie sehr dieser Vorgang noch am Ende des 20. Jahrhunderts das politische Gesicht Europas bestimmte, zeigt der Blick etwa nach Irland oder auf den Balkan, wo die Bruchlinien der Konflikte auch durch religi\u00f6s-konfessionelle Komponenten bestimmt waren. Umgekehrt f\u00fchrten die Expansion der iberischen M\u00e4chte und die in ihrem Kontext erfolgende \u00fcberseeische Ausbreitung des Katholizismus dazu, dass dieser seine europ\u00e4ische Begrenzung \u00fcberwand und sich zur Weltkirche zu entwickeln begann, sich globalisierte.<\/p>\n<p>Heute liegt der geographische Schwerpunkt der Christenheit insgesamt und des Katholizismus im Besonderen in der s\u00fcdlichen Erdh\u00e4lfte. Dies ist das Resultat eines Prozesses, der im sp\u00e4ten 15. Jahrhundert eingesetzt hat. Brasilien, Mexiko und die Philippinen sind im fr\u00fchen 21. Jahrhundert die gr\u00f6\u00dften katholischen L\u00e4nder der Erde. In ihnen lebt etwa ein Viertel der weltweit circa 1,25 Milliarden Katholiken. Alle drei L\u00e4nder hatten ihren ersten Kontakt mit dem Christentum w\u00e4hrend der Lebenszeit Martin Luthers (1483-1546). Die Umfahrung Afrikas, die Entdeckung der Seewege nach S\u00fcd- und Ostasien und die Eroberung Amerikas erfolgten in genau diesen Jahrzehnten.<\/p>\n<p>Im Unterschied zu seinen \u00e4lteren deutschen Zeitgenossen, dem Kaufmann Martin Behaim, der in den fr\u00fchen 1480er Jahren an einer portugiesischen Expedition zur Westk\u00fcste Afrikas teilnahm und sein geografisches Wissen auf einem Globus darstellte, und dem Maler Albrecht D\u00fcrer, der sich bei seinen Studien zur idealen Stadt vom Grundriss des aztekischen Tenochtitl\u00e1n inspirieren lie\u00df, haben Luther diese Ereignisse und die von ihnen ausgehenden Herausforderungen offenbar nicht bewegt. Heinz Schilling stellt in seinem Werk \u201eMartin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs\u201c fest, dass das Weltbild des Reformators bis zu seinem Tod \u201ekontinental und von den neuen Welten seltsam unber\u00fchrt\u201c blieb: \u201eIn den 1520er Jahren setzte er sich in einer Epistel und einer Predigt mit dem scheinbaren Widerspruch auseinander, dass einerseits die Bibel von der Mission der Apostel sagt: ,ir stimm ist in die gantze welt au\u00dfgangen\u2018, andererseits \u201avil inseln erfunnden wordenn noch zu unseren zeiten, die da heiden seint und niemant hat in gepredigt.\u2018 Und in seiner in den 1540er Jahren vorgelegten Geschichtstabelle \u201aSupputatio annorum mundi\u2018 deutete er neue Krankheiten, die von den im Ozean entdeckten Inseln nach Europa gelangt waren, als \u201aUnum de signis magnis ante diem Extremum\u2018, also als ein Zeichen des Weltendes. Jenseits dieser missionstheologischen und eschatologischen Perspektive fand Luther kein Interesse am Ausgreifen Europas auf die anderen Kontinente.\u201c<\/p>\n<p>In den religi\u00f6sen Orden gab es in jenen Jahren durchaus einen transnationalen Informationsfluss. Dieser erreichte aber kaum noch den Wirkungsbereich der Reformation, da Luther mit seiner auf der Wartburg 1521\/22 verfassten Fundamentalkritik des M\u00f6nchtums (\u201eDe votis monasticis\u201c) das Ordensleben aus dem entstehenden evangelischen Kirchentum ausgegrenzt hatte. Beispielhaft f\u00fcr die Verkn\u00fcpfung von Kontrovers- und Missionstheologie sind Leben und Werk des Franziskaners Nikolaus Ferber, der meist nach seinem Heimatort Herborn genannt wird. Als Guardian des Marburger Konvents war er schon fr\u00fch mit der durch Landgraf Philipp von Hessen gef\u00f6rderten Reformation in Konflikt geraten, so auf einer Synode in Homberg 1526. Seit 1527 Guardian in Br\u00fchl und Domprediger in K\u00f6ln, verfasste er ein 1528 erschienenes \u201eLocorum communium adversus huius temporis haereses Enchiridion\u201c. Im folgenden Jahr wurde er Provinzial der K\u00f6lner Provinz der Observanten, nahm als solcher 1532 in Toulouse am Generalkapitel der \u201eCismontanischen\u201c, also diesseits der Alpen gelegenen Ordensprovinzen (Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, England, Irland) teil und wurde dort zum Generalkommissar gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Durch in Toulouse anwesende Franziskaner, die aus Amerika nach Europa zur\u00fcckgekommen waren, und durch Briefe und Denkschriften, die von anderen Franziskanern aus der Neuen Welt an das Generalkapitel geschickt worden waren, trat die \u00fcberseeische Welt in Ferbers Bewusstsein. Umgehend schrieb er einen \u201eAbriss der Bekehrung der Indianerv\u00f6lker zum Glauben Christi\u201c, gedruckt 1532 bei Birckmann in K\u00f6ln und 1555 bei Johannes Herwagen in Basel nochmals aufgelegt.<\/p>\n<p>Was waren die Gr\u00fcnde f\u00fcr die missionarische Abstinenz der protestantischen Kirchen? Zun\u00e4chst ist sie einfach durch die \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse bedingt. Landeskirchliche Begrenzung (\u201ecuius regio, eius et religio\u201c) lie\u00df den Gedanken an weitergehende Unternehmungen gar nicht erst aufkommen. Andere Faktoren kamen hinzu. Eines der wirksamsten Instrumente missionarischer Ausbreitung, n\u00e4mlich die religi\u00f6sen Orden, hatte die Reformation von sich aus aufgegeben. In den kontroverstheologischen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts spielte die Frage eine bestimmende Rolle. Roberto Bellarmin SJ bestritt in seinen \u201eDisputationes de controversiis christianae fidei\u201c von 1586\/93 den Wahrheitsanspruch der Protestanten und verwies daf\u00fcr auf deren fehlendes missionarisches Zeugnis. Wie k\u00f6nnen die Lutheraner behaupten, die Kirche Gottes zu repr\u00e4sentieren, wenn ihnen doch ein entscheidendes Merkmal von Kirche, das der r\u00e4umlichen Katholizit\u00e4t, der Verbreitung bis an die Enden der Erde, so offenkundig abgeht?<\/p>\n<p>In Spanien hat man 2017 weniger an den 31. Oktober als an den 8. November 1517 erinnert. An diesem Tag starb Francisco Jim\u00e9nez de Cisneros. 1484, in dem Jahr, das auf Luthers Geburt folgte, war er nach einer typischen Klerikerkarriere der Renaissancezeit als 48-J\u00e4hriger bei den Franziskanerobservanten eingetreten und bald zu einem angesehenen Seelenf\u00fchrer, Prediger und schlie\u00dflich Provinzvikar geworden. 1492 Beichtvater der K\u00f6nigin Isabella, nahm er 1495 nach einigem Z\u00f6gern das Amt des Erzbischofs von Toledo an. Nach Isabellas Tod 1504 wurde er Berater ihres Gatten Ferdinand V. von Arag\u00f3n und erhielt 1507 das Kardinalat.<\/p>\n<p>Schon seit dem Jahre 1500 entsandte er erste Mitglieder seines Ordens nach Santo Domingo in Westindien. Cisneros war um eine religi\u00f6se und kulturelle Erneuerung seines und der anderen Orden, des Klerus und der gesamten Kirche und Gesellschaft Spaniens bem\u00fcht, vor allem durch ein verbessertes Bildungswesen. Er gr\u00fcndete 1508 die Universit\u00e4t Alcal\u00e1 de Henares, unterst\u00fctzte die Edition der \u201eComplutenser Polyglotte\u201c der Heiligen Schrift und f\u00f6rderte \u00dcbersetzung und Verbreitung geistlicher Schriften wie der \u201eFioretti\u201c von Franz von Assisi und der \u201eNachfolge Christi\u201c von Thomas von Kempen. Zuletzt, nach K\u00f6nig Ferdinands Tod am 23. Januar 1516, trat er an die Spitze des Landes, um das Erbe der \u201eKatholischen K\u00f6nige\u201c f\u00fcr ihren Enkel, den neuen Herrscher Karl (V.\/I.) zu sichern. Dabei wirkte er mit dessen Bevollm\u00e4chtigtem und einstigem Erzieher zusammen, Adrian von Utrecht, dem sp\u00e4teren Papst Hadrian VI. (1522\/23).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Mission der Franziskaner in Mexiko<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit 1523 begann eine planm\u00e4\u00dfige Missionierung Mexikos, bei der die von heilsgeschichtlichen Hoffnungen gepr\u00e4gten Franziskaner eine entscheidende Rolle spielten. 1524 entsandte der Generalminister der Franziskaner zw\u00f6lf Br\u00fcder der Kustodie St. Gabriel aus der s\u00fcdwestspanischen Extremadura nach Mexiko. Aufgrund ihres Wirkens werden sie von der dortigen \u00dcberlieferung \u201edie zw\u00f6lf Apostel\u201c genannt. Sie kamen, um das Evangelium in die Neue Welt zu bringen und das Ideal einer armen, apostolischen Urkirche zu verwirklichen. Bei der Ankunft ritt ihnen der Gouverneur Hern\u00e1n Cort\u00e9s entgegen, stieg zum Erstaunen der Einheimischen vom Pferd und kniete vor den unansehnlich scheinenden Missionaren nieder. Einer von ihnen, Toribio de Benavente, lie\u00df sich von den Indios den Namen \u201eMotolin\u00eda\u201c, Armer, geben.<\/p>\n<p>Bei Jer\u00f3nimo de Mendieta liest man dar\u00fcber: \u201eDie Indios liefen hinter ihnen her (wie die Kinder eines Dorfes hinter den Fremden herzulaufen pflegen), und dabei staunten sie sehr, dass diese so sch\u00e4big angezogen und so verschieden waren von den spanischen Soldaten. Und sie fragten einander: Was f\u00fcr Menschen sind diese Armseligen? Was f\u00fcr ein Kleid haben sie an? Diese sind nicht wie die anderen Christen aus Kastilien. Und sie wiederholten mehrmals ein indianisches Wort: Motolin\u00eda, motolin\u00eda. Und einer von den Patres, der Toribio de Benavente hie\u00df, fragte einen Spanier, was dieses Wort, das sie so oft wiederholten, zu bedeuten habe. Der Spanier antwortete: Pater, motolin\u00eda bedeutet: der Arme oder Armselige. Daraufhin erwiderte Fray Toribio: Das wird von nun an mein Name f\u00fcr den Rest meines Lebens sein. Und aus diesem Grund nannte er sich und unterschrieb er von nun an Fray Toribio Motolin\u00eda.\u201c<\/p>\n<p>Die \u201eZw\u00f6lf\u201c kamen mit irenischem Geist nach Mexiko. In der unterworfenen, armen Bev\u00f6lkerung entdeckten sie ein viele Werte des Evangeliums bereits lebendes Volk. Motolin\u00eda schreibt dazu: \u201eSie verbringen nicht schlaflose N\u00e4chte, um dar\u00fcber nachzusinnen, wie sie Reicht\u00fcmer erwerben und aufbewahren k\u00f6nnen, noch w\u00fcrden sie sich gegenseitig t\u00f6ten, um \u00c4mter und Ehre zu erlangen \u2026 Sie sind sanftm\u00fctig wie Schafe. Ohne Streitereien und Feindseligkeiten verbringen sie ihre Zeit und ihr Leben. Sie arbeiten, um das Notwendige f\u00fcr ihr Leben zu beschaffen, und wollen dar\u00fcber hinaus nichts mehr.\u201c<\/p>\n<p>Motolin\u00eda berichtet von einigen Millionen Getauften in den beiden ersten Jahrzehnten franziskanischen Wirkens in Mexiko. Er und seine Mitbr\u00fcder bewunderten den Gemeinsinn der barf\u00fc\u00dfigen Indios, das Fehlen aller Habsucht unter ihnen. Sie sahen in ihnen die \u201eKleinen\u201c des Evangeliums (Mk 10,15), denen Jesus das Himmelreich zugesagt hat. Mit ihnen wollten sie eine Kirche im urspr\u00fcnglichen Geist Christi aufbauen. So kam es zu den raschen Taufen. Mag die von Motolin\u00eda genannte Zahl zun\u00e4chst auch \u00fcbertrieben scheinen, sie ist angesichts der Bev\u00f6lkerungsdichte Mexikos, des dauernden Umherziehens der Fratres und auch im Hinblick auf die gro\u00dfen Vorh\u00f6fe bei den Klosterkirchen, in denen sich Zehntausende von Indios versammeln konnten, nicht auszuschlie\u00dfen. Es ging den Franziskanern um eine indigene Kirche. Christianisierung der Indios und nur soweit unumg\u00e4nglich auch Hispanisierung war ihre Zielsetzung. Diesem Programm entsprach ihr Studium der autochthonen Sprachen.<\/p>\n<p>Der 1529 nach Mexiko gekommene Fray Bernardino de Sahag\u00fan gilt als der bedeutendste Ethnograph der aztekischen Kultur. Sein gro\u00dfes Verdienst ist es, dass er die Mexica selbst \u00fcber ihre Kultur befragte und so eine umfassende Enzyklop\u00e4die von Leben, Kultur und Sprache des alten Mexiko erstellen konnte. Sahag\u00fan lernte N\u00e1huatl, studierte alle Aspekte der aztekischen Gesellschaft und lie\u00df seine Sch\u00fcler, \u00dcberlebende der Aztekengeschlechter, die alten Erz\u00e4hlungen ihres Volkes in bebilderten Texten aufschreiben, die er dann \u00fcbersetzte. So entstand ein in zwei Spalten gesetztes, zweisprachiges Werk in N\u00e1huatl und spanischer Sprache, die \u201eHistoria General de las Cosas de Nueva Espa\u00f1a\u201c, die \u201eAllgemeine Geschichte der Dinge von Neu-Spanien\u201c.<\/p>\n<p>Sahag\u00fan war als Lehrer f\u00fcr lateinische Grammatik an dem Kolleg Santa Cruz de Tlatelolco t\u00e4tig. Den franziskanischen Chronisten zufolge sollte das Kolleg dem Aufbau einer indigenen Kirche dienen und f\u00fcr sie indianisch-christliche Priester ausbilden. Es wurde am Fest Epiphanie, 6. Januar, des Jahres 1536 eingeweiht, ein symbolischer Tag: Dem Mensch gewordenen Gott huldigen die Repr\u00e4sentanten ferner V\u00f6lker. Etwa hundert Jungen erhielten in Tlatelolco erstklassige Lehrer. Sie lernten lateinisch zu lesen und zu schreiben, wurden in Mathematik unterrichtet, in den \u201eArtes\u201c und Musik, in Philosophie, die Begabtesten schlie\u00dflich auch in Theologie. Doch traten Schwierigkeiten auf, n\u00e4mlich Misstrauen und Widerstand gegen das Projekt bei den spanischen Landsleuten; dar\u00fcber berichtet Sahag\u00fan: \u201eNachdem man mit ihnen zwei oder drei Jahre gearbeitet hatte, lernten sie alle Teile der Grammatikkunst sowie Lateinisch sprechen und verstehen, ja sogar Lateinisch zu schreiben und epische Gedichte zu verfassen \u2026 Als die Laien und die Kleriker sahen, dass die jungen Indianer Fortschritte machten und weitere Begabungen erkennen lie\u00dfen, begannen sie, dieser Sache zu widersprechen und viele Einw\u00e4nde zu erheben, um ihren Fortgang zu verhindern.\u201c<\/p>\n<p>Bischof Juan de Zum\u00e1rraga, selber Franziskaner \u2013 er war am 2. September 1530 zum ersten Bischof von Mexiko ernannt worden \u2013 , hielt 1540 in einem Brief an Karl V. fest, dass die begabtesten Jungen eher zur Ehe als zur Ehelosigkeit neigten, und \u00e4u\u00dferte Zweifel am Sinn des Kollegs. Auch der urspr\u00fcnglich davon begeisterte Motolin\u00eda verfiel in Pessimismus. Die Gegenstimmen wurden so stark, dass sich das erste Provinzialkonzil von Mexiko 1555 gegen die Priesterweihe der indianischen Neuchristen aussprach. Erst der vierten Generation seit der Konversion sollte sie m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Weil sie eine indigene Urkirche aufbauen und die einheimische Bev\u00f6lkerung vor dem vereinnahmenden Zugriff der europ\u00e4ischen Siedler sch\u00fctzen wollten, traten viele Franziskaner f\u00fcr eine Politik der getrennten Entwicklung \u201ezweier Republiken\u201c ein, der spanischen und der indigenen. Chronist dieser Bewegung wurde Ger\u00f3nimo de Mendieta in seinem 1597 verfassten Werk \u201eHistoria eclesi\u00e1stica indiana\u201c, einer \u201eindianischen Kirchengeschichte\u201c. Mendieta war sich der politischen Dimension des franziskanischen Evangelisierungskonzeptes bewusst. Die auf dem Land lebende, agrarisch und nicht gewinnorientiert wirtschaftende Bev\u00f6lkerung sollte dem Schutz der Kl\u00f6ster anvertraut werden. Er glaubte, die Franziskaner k\u00f6nnten von ihren Konventen aus die Indios der umliegenden Landstriche wie gro\u00dfe Klostergemeinschaften f\u00fchren. Bis 1569 waren schon 96 solcher Franziskanerkl\u00f6ster gegr\u00fcndet. Bis heute pr\u00e4gen ihre Bauten die Landschaft des damaligen Vizek\u00f6nigreichs Neu-Spanien.<\/p>\n<p>Einige Jahre sp\u00e4ter als die Franziskaner kamen die Dominikaner (1526) und dann auch die Augustiner (1533) nach Mexiko, also jener Orden, den Martin Luther acht Jahre zuvor in Wittenberg verlassen hatte. W\u00e4hrend die Dominikaner ihre Arbeit im S\u00fcden des Landes konzentrierten, wandten sich die Augustiner nach Norden. In derselben Zeit wurden auch die ersten Di\u00f6zesen Mexikos errichtet: Tlaxcala, das schon bald nach Puebla verlegt wurde (1525); Mexiko-Stadt (1530); Oaxaca (1535); Michoac\u00e1n (1536). Hinzu kamen Guatemala (1534) und Chiapas (1538) in Mittelamerika. Dieselben Di\u00f6zesen wurden, als Mexiko-Stadt 1546 zum Erzbistum erhoben wurde, diesem als Suffraganbist\u00fcmer zugeordnet. In Mexiko-Stadt begann Bischof Juan de Zum\u00e1rraga OFM mit dem Bau der Kathedrale, gr\u00fcndete ein Hospital, und es gelang ihm, eine Druckerei zu er\u00f6ffnen, die erste \u00fcberhaupt in der Neuen Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Jesuiten in Brasilien<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Brasilien war von Pedro \u00c1lvarez Cabral auf der zweiten portugiesischen Indienfahrt im April des Jahres 1500 eher zuf\u00e4llig entdeckt worden. Im Jahre 1549 wurde der erste Gouverneur ernannt. Mit der damaligen Schaffung einer Regierung f\u00fcr Brasilien wurden auch die Mission und der Aufbau der Kirche als Aufgabe der Krone im Rahmen ihres Patronats erkannt. Am 25. Februar 1551 errichtete Papst Julius III. die Di\u00f6zese S\u00e3o Salvador da Bahia f\u00fcr Brasilien, das bis dahin als Teil der Erzdi\u00f6zese Funchal gegolten hatte.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die kirchliche Entwicklung Brasiliens wurde die T\u00e4tigkeit der Gesellschaft Jesu. Zusammen mit dem ersten Gouverneur Tom\u00e9 de Sousa trafen am 29. M\u00e4rz 1549 sechs Jesuiten im Land ein. Sie gr\u00fcndeten ein Kolleg ihres Ordens in Salvador da Bahia, das erste in S\u00fcdamerika. Brasilien wurde schon 1553 selbstst\u00e4ndige Ordensprovinz der Gesellschaft Jesu \u2013 also noch zu Lebzeiten von Ignatius von Loyola und betr\u00e4chtlich fr\u00fcher als Peru (1568) und Mexiko (1572) in Spanisch-Amerika. Die Jesuiten traten umgehend in Kontakt mit der indigenen Bev\u00f6lkerung. Manoel da N\u00f3brega, ihr Superior, berichtete 1552 \u00fcber die Gr\u00fcndung von sechs \u201ealdeias\u201c, D\u00f6rfern in der Umgebung von Salvador, wo die Indios zusammengef\u00fchrt und zu christlicher Lebensgestaltung angeleitet wurden. Dies entsprach den Intentionen der portugiesischen Krone, widersprach aber den Interessen der Siedler, die in den Indios billige Arbeitskr\u00e4fte sahen. Da auch die Lebensweise der Kolonisten die evangelisatorischen Ziele der Jesuiten konterkarierte, entschlossen sich diese zur Gr\u00fcndung eines neuen Hauses weit entfernt von den Siedlungen der Portugiesen. Am 25. Januar 1554, dem Fest \u201eBekehrung des Apostels Paulus\u201c, gr\u00fcndeten sie die sp\u00e4tere Stadt und heutige Metropole S\u00e3o Paulo.<\/p>\n<p>Daran war bereits Jos\u00e9 de Anchieta beteiligt, ein im Vorjahr als 19-j\u00e4hriger Student aus Coimbra nach Brasilien gekommener Jesuit, der \u00fcber ein gro\u00dfes Sprachentalent verf\u00fcgte. Dieses entfaltete er im Kontakt besonders mit der indigenen Jugend. Er setzte zugunsten der christlichen Glaubensvermittlung auch Musik, Gesang und Theaterspiel ein. Die Jesuiten strebten von den Zentren der Kolonie an der K\u00fcste weg ins Landesinnere. Hier wollten sie die Indios in Gemeinden sesshaft machen, ihnen die Versklavung ersparen, ihr \u00dcberleben sichern und sie zu christlichen Lebensgewohnheiten anleiten. Anchieta, 1566 zum Priester geweiht, hielt sich immer wieder monatelang in den indigenen Territorien auf. Es gelang ihm, viele St\u00e4mme, die in dauerndem Krieg untereinander und mit ihren portugiesischen Bedr\u00fcckern lebten, zu befrieden. So wurde er ein ausgezeichneter Kenner der Sprache der Tup\u00ed, in der er predigte, einen \u201eDialogo da f\u00e9\u201c und eine \u201eDoutrina Crist\u00e3\u201c sowie viele weitere Schriften verfasste und f\u00fcr die er ein W\u00f6rterbuch und eine Grammatik anlegte. Letztlich ist es auf ihn zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die Tup\u00ed-Sprache zur \u201elingua franca\u201c der indianischen V\u00f6lker Brasiliens geworden ist, weil seine Katechismen sp\u00e4ter von den Missionaren auch in anderen Teilen des gro\u00dfen Landes benutzt wurden. Anchieta war 1577-1588 der f\u00fcnfte Provinzial der Gesellschaft Jesu in Brasilien. Zuletzt lebte und arbeitete er in Esp\u00edritu Santo, wo er 1597 in der \u201ealdeia\u201c Reritiba, die heute Anchieta hei\u00dft, starb.<\/p>\n<p>Weil die Jesuiten in Brasilien sehr bald ein geschlossenes, in sich stimmiges Missionskonzept entwickelt hatten, das zun\u00e4chst auf die Abschirmung der indigenen Gesellschaft vor den als sch\u00e4dlich empfundenen Einfl\u00fcssen der Kolonialgesellschaft abzielte, um mit den Indios allm\u00e4hlich einheimische christliche Gemeinden zu bilden, waren sie relativ schnell mit Teilen der kolonialen Eliten in Konflikt geraten. Es entspann sich eine in den Eingaben der beiden Parteiungen an die Kronbeh\u00f6rden gut dokumentierte Debatte, w\u00e4hrend derer sich der Jesuitenorden zum Vork\u00e4mpfer der Rechte der Indios entwickelte. Zugleich verdanken wir einer ganzen Reihe von Schriften prominenter Jesuiten erste systematische Informationen \u00fcber die indigene Bev\u00f6lkerung Brasiliens, deren Kultur und Brauchtum. Nach Salvador da Bahia (1549) und S\u00e3o Paulo (1554) wurden Jesuitenkollegien auch in S\u00e3o Sebasti\u00e3o do Rio de Janeiro (1568) und Olinda (1576) gegr\u00fcndet, in deren n\u00e4herem und weiterem Umkreis weitere Missionsd\u00f6rfer entstanden.<\/p>\n<p>Das Amazonas-Becken geh\u00f6rt bis heute zu den schwer zug\u00e4nglichen Gebieten S\u00fcdamerikas. Es wurde im Laufe der Jahrhunderte nur langsam durchdrungen und missioniert. Von der ersten \u201eEntdeckung\u201c 1542 bis Mitte des 17. Jahrhunderts konzentrierte sich das europ\u00e4ische Interesse auf den Hauptstrom Amazonas, auch Maranh\u00e3o genannt. Bis zur Vertreibung der Jesuiten 1759 waren erst einige der ungez\u00e4hlten Nebenfl\u00fcsse bekanntgeworden, so der Tocantins, der Madeira, der Tapaj\u00f3s, der Rio Negro und der Solim\u00f5es. Die Grenzen des portugiesischen Amazonien, das Portugal als \u201eEstado do Maranh\u00e3o\u201c seit 1621 von Brasilien getrennt verwaltete (bis 1774), zur spanischen Einflusssph\u00e4re blieben umstritten. Immer wieder kam es zu bewaffneten Konflikten und vor allem zu Sklavenjagden auf \u201eIndios\u201c auf dem jeweils anderen Territorium.<\/p>\n<p>Schon 1607 hatten sich von Pernambuco aus die ersten Jesuiten auf den Weg in die Serra do Ibiapaba gemacht. Unter den Ordensleuten ragt Antonio Vieira hervor. 1602 in Lissabon geboren, war Vieira in Bahia aufgewachsen, wo sein Vater 1609 einen Posten am Obersten Gerichtshof erhalten hatte. 1623 Jesuit geworden, erregte Vieira durch sein wortgewaltiges Predigertalent Aufsehen. 1641 wurde er Berater von K\u00f6nig Jo\u00e3o IV. in Lissabon, \u00fcbernahm diplomatische Aufgaben in Frankreich und Italien und wurde 1644 Hofprediger. Seine \u201eserm\u00f5es\u201c geh\u00f6ren zu den Klassikern der portugiesischen Literatur.<\/p>\n<p>1652 zum Missionsoberen der Jesuiten in Maranh\u00e3o ernannt, k\u00e4mpfte Vieira leidenschaftlich f\u00fcr die Lebensrechte der Indios. Mit ihm begann die weit nach Westen ausgreifende Jesuitenmission Amazoniens. 1661 eskalierten die andauernden Spannungen mit den Siedlern, die ihn und im folgenden Jahr s\u00e4mtliche Jesuiten gefangen nahmen und nach Lissabon schickten. Obwohl er drei Jahre von der Inquisition in Haft gehalten wurde, gelang ihm die Restitution der Arbeit der Jesuiten. Er selbst durfte allerdings nicht nach Bel\u00e9m zur\u00fcck, sondern nur nach Bahia, wo er noch auf dem Sterbebett 1697 mit dem Indio-Schutz befasst war.<\/p>\n<p>Vieira bezog seine prophetische Haltung aus einer tiefen \u00dcberzeugung von der missionarischen Berufung Portugals und der portugiesischen K\u00f6nige. Portugal war f\u00fcr ihn \u00e4hnlich wie das alte Israel ein auserw\u00e4hltes Volk Gottes. Alle Portugiesen \u2013 Missionare, Soldaten, Siedler \u2013 sind aufgerufen, das Licht des Glaubens in die Welt zu bringen. In den Indios erkannte Vieira Wesen mit menschlichen Rechten, dem Recht auf Freiheit, dem Recht auf Land und dem Recht auf Erl\u00f6sung. Deshalb sollten die Portugiesen den Indianern gegen\u00fcber N\u00e4chstenliebe walten lassen und sie nicht in Armut, Leid und Versklavung sto\u00dfen.<\/p>\n<p>1686 wurde das sogenannte Missionsregiment eingef\u00fchrt, das der Gesellschaft Jesu auch die politische und wirtschaftliche Jurisdiktion \u00fcber die Missionen Amazoniens verlieh. Damit setzte eine Konsolidierungsphase ein. Es gelang den Jesuiten, viele weitere Indios in gro\u00dfen D\u00f6rfern zusammenzuf\u00fchren, sie vor dem portugiesischen Milit\u00e4r abzuschirmen und ihre wirtschaftliche Autarkie zu sichern.<\/p>\n<p>In den \u201ealdeias\u201c wurde nicht portugiesisch, sondern tup\u00ed gesprochen. \u00c4hnlich wie bei den Guaran\u00ed in Paraguay erreichte der Orden sogar, dass die Indios zu ihrer Verteidigung Waffen tragen konnten. Kritisch hat man gelegentlich bemerkt, dass die Missionssiedlungen damals zu gro\u00dfen Wirtschaftsunternehmen wurden, auf denen man erfolgreich landwirtschaftliche Produkte (Maniok, Zucker, Kakao, Baumwolle) erzeugte und Gewinne erwirtschaftete, welche in die Siedlungen reinvestiert wurden.<\/p>\n<p>An Vieiras Stelle als Missionsoberer war 1668 P. Johann Philipp Bettendorff SJ aus Lintgen in Luxemburg getreten. Er unternahm gro\u00dfe Anstrengungen, den Zustand der Missionen zu verbessern und ihren Rechtsstatus gegen\u00fcber der 1677 errichteten Di\u00f6zese S\u00e3o Luis de Maranh\u00e3o und gegen\u00fcber der Regierung in Lissabon zu kl\u00e4ren. Mit Ausgangspunkten in den beiden Kollegien von S\u00e3o Luis und Bel\u00e9m entwickelten die Missionare bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ein Netz von 32 \u201ealdeias\u201c entlang des Amazonas und seiner gro\u00dfen Nebenfl\u00fcsse.<\/p>\n<p>Der anhaltende Neid der Kolonisten bereitete den Boden f\u00fcr eine extreme Reaktion des Staates, der keinen Staat im Staate wollte.<\/p>\n<p>Die in den \u201ealdeias\u201c aufgebaute christlich-indianische Zivilisation wurde durch die Politik des Premierministers K\u00f6nig Josephs I., des Marqu\u00eas de Pombal, nach einer vorangegangenen Verleumdungskampagne gegen die Jesuiten zunichte gemacht. Unter dem zynischen Titel eines \u201eGesetzes zur Wiederherstellung der Freiheit der Indios\u201c verf\u00fcgte er 1759 die Ausweisung s\u00e4mtlicher Jesuiten aus allen Teilen des portugiesischen Reiches. P. Anselm Eckart aus Mainz, Bruder des in Erfurt residierenden Mainzer Weihbischofs Johann Georg von Eckart, der Missionar in Piraguir\u00ed\/Xing\u00fa, Abacax\u00eds\/Rio Madeira und zuletzt in Trocano am Rio Madeira gewesen war, hat r\u00fcckblickend nach seiner 18-j\u00e4hrigen Haft in portugiesischen Gef\u00e4ngnissen \u00fcber Pombals Ma\u00dfnahmen so geurteilt: \u201eIn dem 1757 neu eingef\u00fchrten Regierungsplan wurden zwar die Indianer mit einigen Privilegien begnadigt, und den Portugiesen gleich gehalten; allein sie mussten, wie vorher, f\u00fcr die Portugiesen arbeiten, welche, wenn sie aus ihrem Reiche in diese L\u00e4nder kommen, lauter gro\u00dfe Herren spielen wollen. Ja, sie wurden mit dergleichen Diensten noch mehr bel\u00e4stigt, als zur Zeit der gewesenen Missionen; und das ist ohne Zweifel die eigentliche Ursache, dass so viele mit dem leeren Namen prangende Marktflecken \u00f6de und verw\u00fcstet sind.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Philippinen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 22. M\u00e4rz 1518 sprach am Hof des neuen spanischen K\u00f6nigs Karl. in Valladolid ein portugiesischer Seefahrer vor, der an einer Reise auf die Molukken teilgenommen hatte. Gemeinsam mit einem Bakkalaureus namens Rui Faleiro bot er an zu beweisen, dass \u201edie Molukken und die anderen Inseln, aus denen die Portugiesen die Gew\u00fcrze nach Portugal bringen, zur (spanischen) Demarkationszone geh\u00f6rten &#8230; und dass sie beide einen Weg dorthin au\u00dferhalb des portugiesischen Weges finden w\u00fcrden, n\u00e4mlich durch eine gewisse Seestra\u00dfe, die sie kannten &#8230; Er brachte einen sch\u00f6n bemalten Globus mit, auf dem die ganze Erde dargestellt war. Auf diesem zeigte er den Weg, den man nehmen m\u00fcsse. Nur hatte er die Meerenge mit Absicht wei\u00df gelassen, damit ihm niemand bei ihrer Auffindung zuvorkommen k\u00f6nne \u2026 Da sich die genannte Meerenge an der K\u00fcste innerhalb des Gebietes der K\u00f6nige von Kastilien befand, musste er kommen und sich diesen anbieten, den neuen Weg zu den Molukken und den anderen Inseln zu entdecken.\u201c Das berichtet Bartolom\u00e9 de Las Casas in seiner Geschichte Westindiens.<\/p>\n<p>Mit Instruktionen des K\u00f6nigs, die am 8. Mai in Barcelona ausgestellt worden waren, brach Ferdinand Magellan am 20. September 1519 von San Lucar an der Atlantikk\u00fcste mit f\u00fcnf Schiffen zur Weltumsegelung von West nach Ost auf. An Bord war der Chronist Antonio Pigafetta, der uns einen Augenzeugenbericht hinterlassen hat. Bevor Magellan die heute nach ihm benannte Seestra\u00dfe bei Feuerland erreichte, hatte er bereits zwei Schiffe verloren. Am 31. M\u00e4rz 1521, es war das Osterfest, lie\u00df er auf der kleinen Insel Limasawa die erste Messe auf den sp\u00e4ter \u201ePhilippinen\u201c genannten Inseln durch den Weltpriester Pedro de Valderrama feiern. Bald darauf steuerte er die Bucht von Cebu an, wo er am 7. April 1521 ankam. Pigafetta beschreibt, wie Magellan mit einer Gesandtschaft der Insulaner einen B\u00fcndnisvertrag abschloss, nicht ohne ihnen in kurzer Form den christlichen Glauben vorzustellen und sie zur Taufe einzuladen.<\/p>\n<p>Am 14. April wurden dann der Radscha Humabon, seine Gemahlin und ihr Gefolge, insgesamt circa 800 \u201eIndios\u201c, wie die Eingeborenen auch hier von den Spaniern genannt wurden, in einer prunkvollen Zeremonie getauft. Stellvertretend erhielt die K\u00f6nigin eine kleine Statue zum Geschenk. Sie stellte das Jesuskind dar, in kostbare fl\u00e4mische Gew\u00e4nder geh\u00fcllt und in der linken Hand den Weltapfel tragend. Dem Bericht Pigafettas zufolge betrachtete Magellan damit das Christentum auf der Insel Cebu als angenommen.<\/p>\n<p>Seit den 60er Jahren beherrschten die spanischen Seeleute die Segelkunst soweit, dass sie von Mexiko aus den Hin- und R\u00fcckweg nach und von den seit 1543 dem spanischen Kronprinzen zu Ehren Philippinen genannten Inseln durch den Pazifik auszuf\u00fchren vermochten. So begann 1565 mit der Ankunft des Miguel L\u00f3pez de Legazpi und des Augustiners Andr\u00e9s de Urdaneta eine planm\u00e4\u00dfige Kolonisation. Versteckt in einer der H\u00fctten in der Bucht von Cebu entdeckte Legazpi die Figur des Jesuskindes wieder, die Magellan 1521 den dortigen ersten Christen geschenkt hatte. Dies war der Beginn einer bis heute anhaltenden Jesuskind-Verehrung auf den Philippinen.<\/p>\n<p>Legazpi verlegte das Zentrum der spanischen Pr\u00e4senz in die 1571 gegr\u00fcndete Stadt Manila auf der n\u00f6rdlichen Insel Luzon, deren Lage ihm im Hinblick auf Expeditionen nach Japan und China, von denen einige Eroberer und Missionare tr\u00e4umten, g\u00fcnstiger schien. Manila wurde 1578 Sitz einer Di\u00f6zese. Erster Bischof war der Dominikaner Domingo de Salazar, der 1581 in Manila eintraf. Schon 1596 wurde Manila zum Erzbistum erhoben und mit drei Suffraganbist\u00fcmern versehen: Nueva Segovia (heute Vigan City), Nueva C\u00e1ceres (heute Naga City), beide wie Manila auf der Insel Luz\u00f3n, und Cebu. In hohem Ma\u00dfe st\u00fctzte sich die spanische Herrschaft \u00fcber die Philippinen auf die Missionare, von denen 1591 bereits 140 bei einer Bev\u00f6lkerung von etwa 700.000 Menschen gez\u00e4hlt wurden. Bis ins 19. Jahrhundert unterstanden die Philippinen den Verwaltungsinstanzen in Mexiko, also dem dortigen Vizek\u00f6nig von Neu-Spanien und seinen Beh\u00f6rden. Zwischen den H\u00e4fen von Acapulco und Manila verkehrten regelm\u00e4\u00dfig Schiffe.<\/p>\n<p>Im Vergleich mit Spanisch-Amerika wurden bei der Aneignung der Philippinen weniger milit\u00e4rische Machtmittel eingesetzt. Die Evangelisierungsarbeit der Orden orientierte sich an den Bestimmungen einer 1582 in Manila abgehaltenen Synode und an den in Spanisch-Amerika gemachten Erfahrungen. Besondere Verdienste erwarb sich der Franziskaner Juan de Plasencia. Die Kinder wurden seine engsten Mitarbeiter und Multiplikatoren. Seit 1580 gr\u00fcndete er in vielen Siedlungen Schulen. Plasencia war klug genug, Gesetze und Traditionen der Einheimischen zu studieren und sie zur Grundlage f\u00fcr das Leben in den Siedlungen zu machen. Er schrieb einen zweisprachigen Katechismus (Spanisch-Tagalog), der 1593 gedruckt wurde. Ebenso verfasste er ein W\u00f6rterbuch und eine Grammatik des Tagalog, der Verkehrssprache auf der Insel Luzon.<\/p>\n<p>Diese Missionsmethode wurde von den anderen Orden nachgeahmt. Die Kinder wurden oft ab dem achten Lebensjahr eingeschult und lernten im unmittelbaren Kontakt mit den Missionaren Lesen, Schreiben, Beten, Singen und Musizieren und mit der Zeit auch praktische Berufe. Die Orden haben ihre Arbeit auf den Philippinen regional koordiniert. Die Augustiner, die 1565 als erste eingetroffen waren, legten ihren Schwerpunkt auf das Zentrum von Luzon. Die Franziskaner konzentrierten sich auf die Halbinsel Camarines im S\u00fcdosten von Luzon. Die als letzte, n\u00e4mlich 1581 auf den Philippinen eingetroffenen Jesuiten hatten im Jahre 1600 einem Bericht an den Ordensgeneral Aquaviva zufolge 40 Ortschaften im S\u00fcden des Archipels einschlie\u00dflich der \u00fcberwiegend muslimischen Insel Mindanao zu betreuen.<\/p>\n<p>Gef\u00f6rdert wurde die Akzeptanz des Christentums durch ein Ankn\u00fcpfen an vorkoloniale Traditionen. So setzte etwa die extensive Verwendung von Weihwasser fr\u00fchere Reinigungsriten fort. Lieder, mit denen die \u201eFilipinos\u201c traditionelle Mythen von Generation zu Generation weitergegeben hatten, erhielten nun christliche Texte. In der Freude der Einheimischen an der Musik fanden die Geistlichen einen idealen Ansatzpunkt f\u00fcr ihre missionarische T\u00e4tigkeit. Ferner setzten sie das prunkvolle Ritual der kirchlichen Feste mit ihrer Feierlichkeit und Farbenfreude ein, um katholische Glaubensvorstellungen, Lebensformen und Wertsysteme in den kollektiven Denk- und Verhaltensweisen der Einheimischen zu verankern. Musikalisch umrahmte Messen, Lichterprozessionen mit funkelnden gold- und juwelengeschm\u00fcckten Heiligenbildern, prachtvoll ausgestattete Kirchen geh\u00f6rten dazu. Katechismus und Gebete wurden in lokalen Sprachen, Melodien, Rhythmen und Ausdrucksformen vermittelt.<\/p>\n<p>In einem Brief vom 20. April 1733 schrieb der vom Niederrhein stammende Jesuit Bernhard Schmitz, dass die jungen M\u00e4nner \u201ean denen Bitt-G\u00e4ngen und Umg\u00e4ngen &#8230; ein unausspr\u00e4chliche Freud (haben) und &#8230; dieselbige mit einem gr\u00f6\u00dferen Gepr\u00e4ng (halten), als die C\u00f6lner am Rhein ihren Fronleichnams-Umgang, mit tausenderley Spr\u00fcngen, F\u00e4hnlein, Spiel-Gezeug und Ges\u00e4ngen.\u201c Die \u00f6rtlichen Patrozinien entwickelten sich zum H\u00f6hepunkt im gesellschaftlichen Leben der Gemeinden und f\u00fcllten die rituellen L\u00fccken, die die Abschaffung der vorchristlichen Zeremonien hinterlassen hatten, bauten Differenzen unter den Neusiedlern ab und schufen ein neues Identit\u00e4ts- und Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Der Katholizismus war auf den Philippinen fast von Anfang an kein Fremdk\u00f6rper. Er integrierte sich in die Gesellschaft. Eine einheimische Religiosit\u00e4t entstand, in der sich Traditionelles unaufl\u00f6slich mit Neuem verband. Im christlichen Glauben fanden die isolierten Inseln und Ethnien ein Band, das sie \u00fcber alle Wasserstra\u00dfen und Volksgruppengrenzen hinweg vereinte und die Voraussetzung f\u00fcr die Entwicklung eines philippinischen Nationalbewusstseins schuf.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Catholicism's departure into the world<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":32561,"menu_order":1532,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-32404","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","media-library-category-242","media-library-category-16-jahrhundert","media-library-category-inkulturation","media-library-category-mexiko","media-library-category-mission","media-library-category-philippinen","media-library-category-reformation"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - 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