{"id":32414,"date":"2023-07-17T14:37:02","date_gmt":"2023-07-17T12:37:02","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=kirchenrecht-in-geschichte-und-gegenwart"},"modified":"2026-01-15T15:47:59","modified_gmt":"2026-01-15T14:47:59","slug":"kirchenrecht-in-geschichte-und-gegenwart-begruessung-und-einfuehrung","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/kirchenrecht-in-geschichte-und-gegenwart-begruessung-und-einfuehrung\/","title":{"rendered":"Canon Law in History and Present"},"content":{"rendered":"<p>Eminenz, Magnifizenz, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierende und Freunde des kanonischen Rechts, meine sehr verehrten Damen und Herren, vor hundert Jahren, am Pfingstfest 1917 hat Papst Benedikt XV. (1914\u20131922) einen gro\u00dfen Meilenstein in der Entwicklung des kanonischen Rechts gesetzt, als er den <em>Codex Iuris Canonici<\/em> (CIC), die erste abstrakte Kodifikation des Kirchenrechts, promulgierte. Die Zeichen der Zeit waren schon l\u00e4nger, seit dem 19. Jahrhundert, auf dieses Ereignis hin ausgerichtet. Im weltlichen Recht hatte der Rechtskodex, d.h. eine m\u00f6glichst umfassende, systematische Zusammenstellung der Bestimmungen zum Zivil- oder Strafrecht sowie auch zu speziellen rechtlichen Teilgebieten, l\u00e4ngst Einzug gehalten. In der Kirche waren erste Anregungen, das kanonische Recht in einer solchen neuen Form zu fassen, im Vorfeld des Ersten Vatikanischen Konzils (1869\/70) laut geworden. Es wurde f\u00fcr erforderlich erachtet, den schwer \u00fcberschaubar gewordenen, umfangreichen Rechtsstoff in einem knapp gehaltenen Gesetzbuch zusammenzufassen. Die Rechtsanwender sollten nicht mehr von der F\u00fclle des \u00fcberlieferten Stoffes erdr\u00fcckt werden, mit dem man \u2013 so die unter Kanonisten bekannte Wendung einer bisch\u00f6flichen Eingabe \u2013 mehrere Kamele beladen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Der vorzeitige Abbruch des Ersten Vatikanischen Konzils und andere Umst\u00e4nde haben dazu gef\u00fchrt, dass die Verwirklichung des Projekts einer Kodifikation noch einige Zeit auf sich warten lie\u00df. Erst Papst Pius X. (1903\u20131914) hat die Arbeiten daran in Auftrag gegeben und unter Benedikt XV. kam das gro\u00dfe Werk, das vor allem mit dem Namen von Pietro Gasparri (1852\u20131934) verbunden ist, zum gl\u00fccklichen Abschluss. An Pfingsten 1918 ist der CIC nach einj\u00e4hriger Legisvakanz in Kraft getreten.<\/p>\n<p>Die Kanonisten haben sich bald an das Arbeiten mit dem neuen Gesetzbuch gew\u00f6hnt. Uns heutigen Fachleuten ist ein Umgehen mit einem Kirchenrecht, das nicht kodifiziert w\u00e4re, kaum mehr vorstellbar. Auch wenn der CIC von 1917 schon nach wenigen Jahrzehnten inhaltlich nicht mehr ganz befriedigen mochte und ihm aufs Ganze gesehen keine sehr lange Lebensdauer beschieden war, hat sich doch das Prinzip der Kodifikation gehalten, wie der CIC von 1983 und der CCEO, das Gesetzbuch der katholischen Ostkirchen von 1990, zeigen.<\/p>\n<p>Das 100-Jahr-Jubil\u00e4um des CIC\/1917 bietet dem Klaus-M\u00f6rsdorf-Studium f\u00fcr Kanonistik der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen (LMU) und der Katholischen Akademie einen willkommenen Anlass, erneut eine gemeinsame Tagung zu veranstalten. Der gew\u00e4hlte Titel der Veranstaltung \u201eKirchenrecht in Geschichte und Gegenwart\u201c macht schon deutlich, dass es dabei inhaltlich nicht nur um eine Auseinandersetzung mit dem Gesetzbuch von 1917 als solchem, sondern um allgemeinere und grunds\u00e4tzliche Themen um das Kirchenrecht gehen soll. Wir wollen keine arch\u00e4ologische Analyse des CIC\/1917 unternehmen, sondern vor allem prinzipielle Fragen nach dem Wie, dem Wozu und dem Wohin des Kirchenrechts stellen.<\/p>\n<p>Aus den sechs Vortr\u00e4gen, die wir heute und morgen h\u00f6ren, und der zugeh\u00f6rigen Aussprache hoffen wir nach verschiedenen Seiten hin neue Erkenntnisse und Perspektiven zu gewinnen.<\/p>\n<p>Im Einzelnen geht es dabei zun\u00e4chst um die generelle Bedeutung der Rechtskodifikation f\u00fcr die Rechtskultur innerhalb und au\u00dferhalb der Kirche; damit wird uns Professor Stefan Korioth von der Juristischen Fakult\u00e4t der LMU vertraut machen.<\/p>\n<p>Die inhaltliche Weiterentwicklung des Kirchenrechts seit dem CIC\/1917 bis zur Gegenwart herauf ist Gegenstand des Vortrags von Professor Stefan M\u00fcckl, der als Kirchenrechtler an der Universit\u00e4t S. Croce in Rom besonders nah beim obersten Gesetzgeber der katholischen Kirche lokalisiert ist und m\u00f6glicherweise spezielle Einblicke in dessen legislatorische Werkstatt besitzt, an denen er uns teilhaben lassen kann.<\/p>\n<p>Den ersten Tag beschlie\u00dft Professor Christoph Ohly aus Trier, der in seinem Vortrag dem Zusammenhang von Glaube und Recht nachgeht, der f\u00fcr ein religi\u00f6ses Recht, wie es das kanonische Recht ist, besonders bedeutsam ist.<\/p>\n<p>Am morgigen Vormittag setzen wir fort mit den Beobachtungen von Professor Helmuth Pree aus unserem Institut zum gegenw\u00e4rtigen Stand der Kanonistik und den Herausforderungen, denen sie sich heute gegen\u00fcbersieht.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahrzehnten hat Professor Peter Landau von der Juristischen Fakult\u00e4t der LMU, dessen Name zu den bedeutendsten unter den Forschern der kanonistischen Medi\u00e4vistik z\u00e4hlt, an dieser Stelle auf die Tatsache hingewiesen, dass das kanonische Recht des Mittelalters ein gemeinsames Erbe der katholischen Kirche und der Kirchen der Reformation sei. Im Jahr des Reformationsgedenkens wird deshalb der Blick auf die getrennten Mitchristen gerichtet. Professor Heinrich de Wall aus Erlangen wird uns an das evangelische Kirchenrecht und dessen Eigenart heranf\u00fchren.<\/p>\n<p>Den Abschluss bildet ein Beitrag von Dr. Yves Kingata, Mitarbeiter und Habilitand an unserem Institut, der exemplarisch f\u00fcr Afrika diversen Fragen nachgeht, die sich aus der Konfrontation der europ\u00e4isch gepr\u00e4gten Kirchenrechtskodifikation mit au\u00dfereurop\u00e4ischen Rechtskulturen und -traditionen ergeben.<\/p>\n<p>Ich begr\u00fc\u00dfe alle Referenten sehr herzlich und danke ihnen f\u00fcr ihre ohne Z\u00f6gern ge\u00e4u\u00dferte Bereitschaft, an dieser Veranstaltung mitzuwirken. Wir sind sehr gespannt auf das, was sie uns zu sagen haben.<\/p>\n<p>Nach getaner Arbeit erh\u00e4lt unser Zusammensein dann am morgigen Nachmittag und Abend einen festlichen Charakter. Die kanonistische Ehrenpromotion zweier international hoch anerkannter Kanonisten, Kardinal Zenon Grocholewski und Professor Patrick Valdrini, steht auf dem Programm. Zum Anlass dieser Promotionen und zu den Personen wird morgen in den Laudationes das N\u00f6tige ausf\u00fchrlich dargelegt werden. Heute beschr\u00e4nke ich mich darauf, die beiden Herren sehr herzlich in unserer Mitte zu begr\u00fc\u00dfen. Es ist uns Ehre und Freude gleicherma\u00dfen, Sie bei uns zu haben.<\/p>\n<p>Auf die Ehrenpromotion folgen die Feier der heiligen Messe in St. Sylvester mit unserem Ortsbischof, Kardinal Reinhard Marx, und ein Empfang, dessen Gastgeber wiederum Kardinal Marx f\u00fcr das Erzbistum M\u00fcnchen und Freising ist.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>unsere Tagung ist inhaltlich vom Jubil\u00e4um des CIC\/1917 motiviert und gepr\u00e4gt, sie hat aber auch noch einen lokalen Anlass an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t. Vor sieben Jahrzehnten, im Jahr 1947, wurde mit der Gr\u00fcndung eines Kanonistischen Instituts an unserer Universit\u00e4t eine Forderung erf\u00fcllt, die seit l\u00e4ngerem von verschiedenen Seiten erhoben worden war. Es wurde damals eine an einer deutschsprachigen Universit\u00e4t einzigartige akademische Institution geschaffen, an der man die akademischen Grade im kanonischen Recht bis hin zum Doktorat erwerben kann.<\/p>\n<p>Dass diese Errichtung seinerzeit gelingen konnte, ist vielen zu verdanken, namentlich dem als Gr\u00fcnder anzusehenden Klaus M\u00f6rsdorf, an den der heutige Name des Instituts erinnert.<\/p>\n<p>Im Psalm 90 Vers 10 hei\u00dft es zwar, dass unsere Lebenszeit 70 Jahre betrage und, wenn es hoch komme, vielleicht 80 Jahre. Doch dies ist von den einzelnen Menschen gesagt und gilt heute \u2013 wenigstens in unseren Breiten \u2013 sogar kaum mehr f\u00fcr diese. Akademische Institutionen sind zumeist erheblich l\u00e4ngerlebig, wie unsere 1472 in Ingolstadt gegr\u00fcndete, nun in ihrem sechsten Jahrhundert bestehende Universit\u00e4t beweist. Es wird, gewaltsame Ma\u00dfnahmen ausgeschlossen, auch dem Klaus-M\u00f6rsdorf-Studium Langlebigkeit beschieden sein. Angesichts seiner gegenw\u00e4rtigen Vitalit\u00e4t kann man jedenfalls am Gedeihen des Klaus-M\u00f6rsdorf-Studiums f\u00fcr Kanonistik nur seine Freude haben.<\/p>\n<p>Im erw\u00e4hnten Psalm hei\u00dft es im Text weiter, dass das Beste am menschlichen Dasein M\u00fchsal und Beschwer sei. Hier sehe ich nun eine gewisse Parallele zum Institut und seinen Aufgaben; denn das Entstehen guter Ergebnisse erfordert M\u00fche und Anstrengung seitens der Mitglieder. Solchen Einsatz scheuen wir freilich nicht. Qualit\u00e4tvolle Resultate sind immer wieder erbracht worden, wie auch ein \u00dcberblick \u00fcber die fachpublizistischen Ertr\u00e4ge aus dem Institut zeigt, der vor einigen Jahren erschienen ist. Wir leisten gern unseren Beitrag f\u00fcr die Wissenschaft und zugunsten von Kirche und Gesellschaft und wollen das auch k\u00fcnftig in gro\u00dfer Verantwortung f\u00fcr die Sache und vor den Menschen tun.<\/p>\n<p>Ich freue mich \u00fcber ihr Interesse an unserer Tagung und danke f\u00fcr ihr Kommen. Dank geb\u00fchrt auch den Verantwortlichen der katholischen Akademie mit Herrn Direktor Msgr. Dr. Florian Schuller an der Spitze und Herrn Stephan H\u00f6pfinger als dem zust\u00e4ndigen Studienleiter. Mit ihnen zusammenzuarbeiten ist immer erfreulich. Mein herzlicher Dank als gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Vorstand des Klaus-M\u00f6rsdorf-Studiums gilt auch meinen Kollegen, den Professoren Elmar G\u00fcthoff und Burkhard J. Berkmann, die diese Tagung mitgeplant haben und die Moderation der Sitzungen heute und morgen \u00fcbernehmen werden. An der \u00e4u\u00dferen Organisation waren insbesondere die Mitarbeiter meines Lehrstuhls beteiligt, namentlich Frau Margaret Bo\u00df, der ich herzlich danke.<\/p>\n<p>Nochmals: Seien Sie alle herzlich willkommen. Ich w\u00fcnsche uns allen eine gute und ertragreiche Tagung.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eminenz, Magnifizenz, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierende und Freunde des kanonischen Rechts, meine sehr verehrten Damen und Herren, vor hundert Jahren, am Pfingstfest 1917 hat Papst Benedikt XV. 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