{"id":32432,"date":"2023-07-17T14:37:17","date_gmt":"2023-07-17T12:37:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=europa-christlich"},"modified":"2026-01-16T11:46:05","modified_gmt":"2026-01-16T10:46:05","slug":"europa-christlich-grusswort-zur-tagung-anlaesslich-des-90-geburtstags-von-benedikt-xvi","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/europa-christlich-grusswort-zur-tagung-anlaesslich-des-90-geburtstags-von-benedikt-xvi\/","title":{"rendered":"Europe - Christian?!"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Mitbr\u00fcder, verehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>ich freue mich sehr, dass diese Tagung stattfindet! Und vielleicht k\u00f6nnen wir damit beginnen, dem Jubilar, wenn er auch weit entfernt \u00fcber die Alpen wohnt, noch einmal unseren Gl\u00fcck- und Segenswunsch zur Vollendung des 90. Lebensjahres zu schicken.<\/p>\n<p>Es war f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Freude, in der letzten Woche mit den Dekanen da zu sein. Papst em. Benedikt XVI. hatte fast f\u00fcr jede Pfarrei, die aufgerufen wurde und f\u00fcr die ein Dekan t\u00e4tig war, noch beste Erinnerungen, konnte die Kirche beschreiben oder danach fragen, ob der und der noch lebt. Das hat den Dekanen au\u00dferordentlich gut getan. Es war ein Mut machendes Wort auch f\u00fcr die Arbeit der Priester in einer Zeit des Umbruchs. Das war eine sehr, sehr sch\u00f6ne, wunderbare Begegnung! Wir haben auch kurz dar\u00fcber gesprochen, dass diese Tagung hier stattfindet, und dass Kardinal Koch eben leider nicht da sein kann, weil er heute und morgen in Kairo ist, weil er den Papst begleitet.<\/p>\n<p>Ein herzliches Vergelt\u2019s Gott und Dankesch\u00f6n, dass Sie gekommen sind, besonders aber auch den Veranstaltern, den Organisatoren. Ich wei\u00df, dass das eine Herausforderung ist, wenn verschiedene Akteure zusammenarbeiten und auch viele Menschen, die den Jubilar gut kennen und die auch eine bestimmte Idee haben. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach. Das Institut Papst Benedikt XVI., die Joseph Ratzinger\/Papst Benedikt XVI.-Stiftung und auch die Katholische Akademie Bayern sind bew\u00e4hrt darin. Vielen, vielen Dank auch allen, die in den verschiedenen Institutionen, im Freundeskreis, im Institut Papst Benedikt XVI. \u2013 Bischof Rudolf Voderholzer wurde schon genannt mit der Joseph Ratzinger\/Papst Benedikt XVI.-Stiftung \u2013 und in den anderen Kreisen nicht nur das Interesse, sondern auch die Verehrung und die Forschung \u00fcber Joseph Ratzinger, den Theologen und den Bischof, den Kardinal und den Papst weiter im Auge behalten. Das ist eine weltweite Bewegung, wie Sie alle wissen, und viele sind daran interessiert. Die \u00dcbersetzung der Gesammelten Werke ist ja mittlerweile in fast allen gro\u00dfen Sprachen erfolgt. Sicher geht es noch immer weiter. Aber es ist auch eine, so denke ich, gute Resonanz, auch in der theologischen Wissenschaft. Daf\u00fcr d\u00fcrfen wir sehr dankbar sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie kann man ein solches Gru\u00dfwort heute gestalten? Als sozusagen Nicht-Spezialist f\u00fcr die Theologie Joseph Ratzingers m\u00f6chte ich doch ein paar Punkte nennen, die aus meiner Sicht als Bischof, vielleicht auch in einer gewissen Verantwortung als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und der Freisinger Bischofskonferenz, gerade im Blick auf die Theologie Joseph Ratzingers und auf sein Wirken auch f\u00fcr die Herausforderungen heute von Bedeutung sind. Das Thema Europa werde ich kurz ansprechen; das wird Herr Professor Di Fabio noch vertiefen.<\/p>\n<p>Als ersten Punkt m\u00f6chte ich nennen: Benedikt XVI. ist durch und durch Theologe. Das scheint eine banale Erkenntnis zu sein, ist es aber nicht. Wir k\u00f6nnen uns eine universale Glaubensgemeinschaft, eine Religion \u2013 das ist ein durchaus \u201eschwieriger Begriff\u201c \u2013 f\u00fcr die Zukunft nicht vorstellen ohne eine Selbstreflektion auf wissenschaftlichem Niveau. Das ist f\u00fcr die Zukunft der Diskussion dar\u00fcber, was Religion ist und wie ein Dialog der Religionen aussehen kann, von au\u00dferordentlicher Bedeutung.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stellt sich dann die Frage \u2013 ich will, die vielen Fachleute vor Augen, das nicht alles in einem Gru\u00dfwort unterbringen \u2013, wie wir Wissenschaft verstehen, wie wir Wissen \u201eaus dem Grund\u201c \u2013 so wie wir es in den ersten Semestern der Philosophie gelernt haben \u2013, in die heutige Zeit \u00fcbertragen. All das ist eine Herausforderung, wie sich zeigt. Aber eine Kirche, die auf Theologie verzichten w\u00fcrde, eine Kirche, die Theologie marginalisieren w\u00fcrde, h\u00e4tte keine Zukunft und st\u00fcnde nicht in der Tradition dieser gro\u00dfen Geschichte des Christentums.<\/p>\n<p>Das ist von hoher Bedeutung im \u00f6kumenischen Dialog, aber auch im Dialog der Religionen und im Dialog mit der Wissenschaft von heute. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind gro\u00df. Christlicher Glaube und Theologie \u2013 das ist nicht dasselbe, sondern es ist ein Beziehungsfeld, auch ein Spannungsfeld, ein bereicherndes Spannungsfeld, ein Nachdenken \u00fcber den Glauben.<\/p>\n<p>Immer wieder zitiere ich in meinen Vortr\u00e4gen den ber\u00fchmten Vortrag von Joseph Ratzinger, damals Pr\u00e4fekt der Glaubenskongregation, an der Sorbonne in Paris, wo er \u2013 mit meinen Worten gesprochen, ich habe in Paris studiert, kann mich also vielleicht ein wenig hineindenken in die Situation \u2013 in dem sehr laikalen Umfeld der Sorbonne gesagt hat: Das Christentum ist nicht die Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln, sondern vernunftgeleitete Aufkl\u00e4rung. Da werden einige geschluckt und \u00fcberlegt haben, was das denn bedeutet. In dem Zusammenhang hat er auch darauf hingewiesen, dass die ersten Dialoge im ersten, zweiten Jahrhundert mit der Philosophie stattfanden; also nicht mit den Tempelpredigern der Antike, sondern \u2013 wie wir heute vielleicht formulieren w\u00fcrden \u2013 mit den Intellektuellen der damaligen Zeit. Man sah sich ger\u00fcstet als Kirche, als junge Kirche, den intellektuellen Austausch zu beginnen mit denen, die sich selbst auf dem intellektuellen Niveau ganz oben sahen und es vielleicht doch auch waren.<\/p>\n<p>Philosophie und Theologie \u2013 das ist ein ganz wichtiger Punkt f\u00fcr Benedikt XVI. Dem ist er treu geblieben, und das ist ein Auftrag an uns. Wir d\u00fcrfen nicht unter dieses Niveau sinken. Wir m\u00fcssen als Kirche Theologie betreiben, Theologie f\u00f6rdern, voranbringen, sodass die Theologie wirklich auf Augen- und Denkh\u00f6he mit allen Wissenschaften bestehen kann. Ich halte das f\u00fcr einen sehr wichtigen Punkt, den wir bei Joseph Ratzinger lernen k\u00f6nnen. Das hat er sich immer wieder auch vorgenommen. Und deswegen ist, wie Sie alle wissen, Glaube und Vernunft nicht nur ein Leitmotiv in seiner Theologie, in seinem Denken, sondern auch, ich w\u00fcrde einmal sagen, die Haltung, sich ohne Angst jedem Denken zu stellen; jedem Denken, was immer gedacht wird, sich dem zu stellen, und zu wissen: im reflektierten Glauben werden wir mit diesem Denken auch in ein Gespr\u00e4ch eintreten k\u00f6nnen, wenn es denn Denken ist und nicht nur Polemik oder Gef\u00fchl. In seinem ber\u00fchmten Hamburger Vortrag hat er ja in besonderer Weise darauf hingewiesen, dass der Glaube auch gef\u00e4hrdet ist, wo er nur zum Gef\u00fchl wird. Auch das sind vielleicht Elemente einer Sorge, sage ich einmal vorsichtig, die uns aktuell umtreiben muss. Immer wieder durch die Geschichte der Religionen hindurchgehend gibt es eine einseitige Emotionalisierung, die dann doch in eine falsche Richtung f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Soviel zu meinem ersten Punkt: Benedikt XVI. als Theologe als Impuls auch f\u00fcr die Kirche von heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein zweiter Punkt: ein besonderer Blick auf Europa. Dieser Gedanke geht eigentlich mit seinem Vortrag an der Sorbonne gut zusammen: vernunftgeleitete Aufkl\u00e4rung sei wesentlich, und die wichtigste Aufkl\u00e4rung, die der europ\u00e4ische Kontinent je erlebt hat, ist die Verk\u00fcndigung des Evangeliums. Damit beginnt die Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten noch weiter zur\u00fcckgehen. In dem ber\u00fchmten Werk von Heinrich August Winkler \u201eDie Geschichte des Westens\u201c \u2013 das ist nicht identisch, der Westen und Europa, aber es gibt doch eine gewisse Korrelation \u2013 beginnt der erste von mehreren B\u00e4nden mit dem pr\u00e4gnanten Satz: \u201eAm Anfang war ein Glaube, der Glaube an einen Gott.\u201c Das sagt ein Historiker. Ich lese gerade das Buch von Jan Assmann \u201eExodus\u201c, eine Fremdsicht auf die biblische Geschichte, die Befreiungsthematik, und auch ein Hinweis darauf, was eigentlich die biblische Offenbarung in die Geschichte Europas, in das Denken Europas eingetragen hat.<\/p>\n<p>Das m\u00fcssen wir immer wieder auch neu aufarbeiten. Es geht nicht, als Kirche nur vor den Akteuren in Europa zu stehen, vor der Welt, und uns zu beklagen, sondern selbst deutlich zu machen, welchen Schatz wir einzubringen haben, was das Denken der Bibel verdankt: die gro\u00dfe Thematik der Befreiung, dass die Sch\u00f6pfung Gabe und Aufgabe ist, nicht nur ein \u201ecirculus\u201c, die Wiederholung des immer Gleichen, sondern ein Prozess, ein Projekt, eine Bewegung hin auf den wiederkommenden Christus, auf die neue Sch\u00f6pfung. Das ist eine Mobilisierung von Kr\u00e4ften und vom Denken, die Europa zutiefst gepr\u00e4gt hat. Es ist die Dynamik eben des Gerichts und des Universalen, w\u00fcrde ich einmal sagen. Auch das ist f\u00fcr die Zukunft der Menschheit, so denke ich, von au\u00dferordentlicher Bedeutung.<\/p>\n<p>Gelegentlich \u00fcberlegt man: Wie wird es weitergehen? Werden wir eine Gesellschaft erleben k\u00f6nnen, in der Menschen mit verschiedenen Sprachen, Weltanschauungen, Gl\u00e4ubige und Nichtgl\u00e4ubige zusammenleben k\u00f6nnen? Oder wird das nicht m\u00f6glich sein? Das ist eine Schicksalsfrage f\u00fcr die Menschheit. Das Christentum, die biblische \u00dcberlieferung, geht davon aus, dass alle Menschen Bilder Gottes sind und deswegen grunds\u00e4tzlich auch in der Lage, aufeinander zuzugehen und einander zu verstehen. Das geh\u00f6rt meines Erachtens zur Glaubens\u00fcberzeugung der Kirche. Wir w\u00fcrden Wesentliches aufgeben, wenn wir sagen, das geht nicht. Das ist eine Herausforderung, der sich eben gerade Europa stellt, wie es Papst Franziskus ja auch sehr deutlich in seinen Ansprachen sagt, sozusagen ein Orientierungspunkt f\u00fcr die Humanit\u00e4t als Auftrag f\u00fcr Europa.<\/p>\n<p>Ich durfte dabei sein: Das ist ein historisches Bild gewesen, als vor einigen Wochen die Staats- und Regierungschefs im Vatikan zusammenkamen. Das w\u00e4re vor zehn Jahren undenkbar gewesen, aus meiner Sicht, dass alle Regierungschefs der Europ\u00e4ischen Union sich vom Papst empfangen lassen, eine lange Ansprache des Papstes anh\u00f6ren und sich dann unter dem \u201eJ\u00fcngsten Gericht\u201c in der Sixtina versammeln. Das hat mich dann schon etwas bewegt, als ein Bild auch der Vergewisserung und, ja, der Hoffnung, dass von dieser gro\u00dfen Tradition, die dort aufleuchtet, der wiederkommende Christus es ist, auf den alles zul\u00e4uft. Das ist ja nicht bedrohlich. Der Christus, der uns dort bei Michelangelo erscheint, ist nicht bedrohlich, aber herausfordernd. Er verlangt nach Entscheidung, nach Ausrichtung, Verantwortung. Ihr k\u00f6nnt etwas tun, ihr habt eine Aufgabe, ihr habt eine Sendung! Es wird hingeschaut, was passiert. Das hat die Dynamik in Europa, glaube ich, schon gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Es ist also auch eine Herausforderung an die Kirche, diese Dynamik der Hoffnung, des Aufbruchs, des Arbeitens auf ein Ziel hin, das uns im Evangelium aufleuchtet, in die Geschichte und in die Politik Europas einzutragen. Ich denke, das ist auch unser Auftrag. Nicht nur von anderen verlangen, was sie tun sollen, sondern selbst auch tun, was wir als Beteiligung an diesem gro\u00dfen Projekt tun wollen und k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen dritten Punkt m\u00f6chte ich nennen, der uns nat\u00fcrlich alle umtreibt und der die Bisch\u00f6fe weltweit bewegt und der immer ein Thema sein wird: Evangelisierung, was ist das eigentlich? Das hat mich damals sehr interessiert: Ich habe die Ansprachen von Kardinal Ratzinger in Bezug auf den Katechismus gelesen, die Vorbereitung des Katechismus und die Diskussion dar\u00fcber, was ein Katechismus ist. Da war das noch einmal sehr wichtig, und ich glaube, dass diese Diskussion nicht abgeschlossen ist, dass sie weitergef\u00fchrt werden muss \u00fcber die Frage, was Evangelisierung gleichsam \u201eals roter Faden\u201c f\u00fcr den Auftrag der Kirche bedeutet. Wir hatten ja zuvor die Phase, in der Joseph Ratzinger zu Recht auch seine Kritik angemeldet hat an einer sehr einfachen Korrelation: Wir gehen aus von dem, was Menschen leben und deuten es sozusagen, und dann haben wir sie schon hingef\u00fchrt zu dem, was sie eigentlich vom Tiefsten her schon wollten, so sage ich es einmal sehr kurz zusammengefasst. Da hat er immer gesp\u00fcrt, das ist es nicht, das ist nicht die \u201enovitas Christi\u201c, das ist nicht die Stimme des Evangeliums.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kn\u00fcpfen wir an bei dem, was die Sehnsucht der Menschen einbringt, von den Zeichen der Zeit, von dem, was sie bewegt, von der Kultur her; wir k\u00f6nnen nicht einfach anachronistisch neben den Bed\u00fcrfnissen, \u00c4ngsten, Sorgen der Menschen her leben. Aber Christus bringt etwas Neues; das Evangelium, die Botschaft der Kirche, des Glaubens ist auch etwas Aufr\u00fcttelndes, Aufdeckendes, Aufkl\u00e4rendes. Und das, glaube ich, zueinander zu bringen \u2013 die berechtigten Anliegen dieser katechetischen Richtung, aber eben die notwendige Korrektur \u2013, das halte ich auch f\u00fcr einen wichtigen Auftrag, wenn wir in Zukunft weiter dar\u00fcber nachdenken. Vielleicht ist das eine Doktorarbeit oder eine Habilitationsarbeit: Evangelisierung bei Joseph Ratzinger, was das bedeutet und was es f\u00fcr die Zukunft bedeuten kann.<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Punkt f\u00fcr ihn ist das Christus-Ereignis: Die drei B\u00e4nde \u00fcber Christus, die ja auch bei den Wissenschaftlern diskutiert werden, aber die doch meiner Ansicht nach eine gro\u00dfe Fruchtbarkeit zeigen, haben eben genau diese Aussage. Das Neue des Christentums ist Er, Christus selbst. Ich habe immer \u00fcberlegt, warum tut sich der Papst das an? Er hat ja so viel Arbeit zu tun und schreibt jetzt noch diese B\u00fccher. Mir ist klar geworden, dass er gesp\u00fcrt hat: Wenn wir uns nicht dieser Person vergewissern, und zwar auf einem hohen Niveau, vielleicht nicht abschlie\u00dfend \u2013 er ist ja auch sehr selbstkritisch in seinen \u00c4u\u00dferungen \u2013, aber wenn wir uns der Person Jesu Christi nicht vergewissern im Blick auf die Texte und auf das Nachdenken dar\u00fcber, dann ist das Christentum insgesamt gef\u00e4hrdet. Denn das ist die \u201enovitas\u201c, das Neue, was eingebracht wird. Christus, diese Person, muss im Zentrum unserer \u00dcberlegung, unseres Betens, Forschens und Nachdenkens stehen. Deswegen bin ich sehr dankbar gerade f\u00fcr diese B\u00fccher. Obwohl ich diese drei B\u00fccher selbstverst\u00e4ndlich, wie Sie alle auch, gelesen habe, greift man doch gerade an den Hochfesten immer wieder darauf zur\u00fcck und schaut nach, was eigentlich noch an interessanten Gedanken auch bei ihm zu finden ist. Mir tut das jedenfalls immer gut, in der Osterwoche noch einmal zu dem Band zu greifen und da nachzulesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und ein letzter Punkt: Ich habe schon damals bei der Vorstellung des Projektes der Gesamtausgabe der Schriften gesagt, die Zukunft der Kirche und die Liturgie bleibt f\u00fcr ihn ein entscheidender und wichtiger Punkt. An der Liturgie entscheidet sich, so hat er einmal gesagt, das Geschick der Kirche. Ich glaube, das ist sehr wichtig. Wir haben vor einigen Wochen von Hans Joas die Kritik gelesen, der ich mich voll anschlie\u00dfe, die Kirche solle nicht nur eine Moralanstalt sein. Das ist selbstverst\u00e4ndlich. Vielleicht ist das gerade auch die Herausforderung f\u00fcr die \u00f6kumenische und auch interreligi\u00f6se Diskussionslage, dass die Kirche deutlich machen kann, dass sie eine sakramentale Wirklichkeit ist.<\/p>\n<p>Das wird in besonderer Weise sichtbar an der Feier der Liturgie. Da geht es nicht nur um Feierlichkeit, sondern um die Erfahrung, dass in der Liturgie nicht nur eine Begegnung untereinander stattfindet, sondern die neue Sch\u00f6pfung, der neue Himmel, die neue Erde sichtbar werden und mit gro\u00dfer Freude gefeiert werden, dass wir hineingenommen werden in ein Geheimnis, das gr\u00f6\u00dfer ist als wir, dass wir verwandelt werden, nicht nur so tun, als w\u00e4ren wir verwandelt, sondern \u2013 von der katholischen Gnadentheologie her wissen wir das \u2013 wirklich neue Sch\u00f6pfung sind. Das ist, glaube ich, \u00e4u\u00dferst wichtig und f\u00fcr die Zukunft der Kirche von entscheidender Bedeutung. Das hat Benedikt XVI. immer wieder unterstrichen.<\/p>\n<p>Ein ganz fr\u00fcher Aufsatz von ihm, in den Schriften des Instituts Papst Benedikt XVI. erschienen, ist \u2013 glaube ich \u2013 \u201eKult und Caritas\u201c von 1953 oder 1954. Es hat mich sehr bewegt zu sehen, dass er schon von Anfang an gesagt hat: Das geh\u00f6rt zusammen, also k\u00f6nnen und d\u00fcrfen wir es nicht auseinanderrei\u00dfen. Das kultische Geschehen der Kirche ist von au\u00dferordentlicher Bedeutung. Manche sagen ja auch, dass eben auch im Leben eines s\u00e4kularen Landes, die, wie wir sagen, \u201ealt\u00e9rit\u00e9\u201c sichtbar werden muss, das Andere, das Neue, das nicht Verrechenbare. Die Notwendigkeit des Nutzlosen, so hat es jemand einmal gesagt, die Notwendigkeit des Nutzlosen, das ist Liturgie. Das ist die sakramentale Wirklichkeit der Kirche, nicht verrechenbar und doch absolut notwendig. Kirche als Sakrament sollte das darstellen.<\/p>\n<p>Wenn ich die vier genannten Themen einmal anschaue, so haben wir auch f\u00fcr die Zukunft genug zu tun. Heute werden wir uns das Thema Europa anschauen. Ich habe in der letzten Woche einen Satz gesagt, den ich ausgerechnet bei Jan Assmann gefunden habe, von Augustinus, in den \u201eEnarrationes in Psalmos\u201c, den er zitiert: \u201eIncipit exire qui incipit amare.\u201c Ich habe das f\u00fcr mich so \u00fcbersetzt: Wer liebt, bricht auf. Das ist ein Gedanke, der Papst em. Benedikt XVI. sofort sehr begeistert hat letzte Woche, und wor\u00fcber er ja auch Meditationen geschrieben und gehalten hat. Ich glaube, das ist auch der Geist Europas: nicht stehenbleiben, sondern aufbrechen hin auf das, was kommt, auf das, was m\u00f6glich ist, auf das, was uns aufgetragen ist, und zwar aus einem Geist der Liebe, der Zuversicht, der Hoffnung. Dann brechen wir auf und schlie\u00dfen nicht ab. Keine Engf\u00fchrung auf sich selbst, sondern eine \u00d6ffnung. Johannes Paul II. hat das in seinem ber\u00fchmten Text \u201eEcclesia in Europa\u201c gesagt: Wenn ich an Europa denke, sagt Johannes Paul II., dann denke ich: \u201eapertura\u201c, \u00d6ffnung. Er meinte nat\u00fcrlich einen Aufbruch im Denken, im Hoffen, in der Liebe. Da kann uns Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, noch vieles mit auf den Weg geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das Gru\u00dfwort wurde frei vorgetragen und f\u00fcr die Drucklegung nur sprachlich bearbeitet.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The contribution of Christianity to the history of Europe<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"menu_order":1586,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-32432","media-library","type-media-library","status-publish","hentry","media-library-category-n-a"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Europa - christlich?! 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