{"id":32435,"date":"2023-07-17T14:37:20","date_gmt":"2023-07-17T12:37:20","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=mossul-christliches-erbe"},"modified":"2026-01-16T15:17:30","modified_gmt":"2026-01-16T14:17:30","slug":"christen-im-irak","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/christen-im-irak\/","title":{"rendered":"Christen im Irak"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Christentums in Mesopotamien reicht zur\u00fcck in die \u00e4ltesten Zeiten der Kirche. L\u00e4ngst waren im Land an Euphrat und Tigris christliche Gemeinden entstanden, ehe die ersten Glaubensboten die verregneten Gegenden n\u00f6rdlich der Alpen erreicht haben. In den Kl\u00f6stern und Schulen des Zweistromlandes bl\u00fchte die Wissenschaft; es waren Christen, die den Muslimen die ersten Kenntnisse der antiken Bildungsg\u00fcter vermittelt haben. Ein reiches und tiefes geistliches Leben wurde in unz\u00e4hligen Konventen und Klausen gepflegt. Man ist erstaunt angesichts der F\u00fclle an spiritueller Literatur, die unter mesopotamischem Himmel entstanden ist. Schlie\u00dflich hat sich auch eine christliche Volkskultur erhalten mit ihrem eigenen Brauchtum, mit dem Wechsel von Alltag und Festen, mit Wallfahrten und mit der Verehrung lokaler Heiliger.<\/p>\n<p>An dieses reiche Erbe erinnert die Ausstellung zu Mossul, der Metropole am mittleren Lauf des Tigris. Die Fotografien stammen von Dominikanern, die seit 1856 eine Mission in Mossul unterhielten. Die \u00e4ltesten Abbildungen sind um 1880 entstanden und haben schon deswegen einen besonderen Wert, weil aus dieser Zeit ansonsten nicht allzu viele fotografische Dokumente der Region bekannt sind. Wir sehen den Konvent mit seiner eindrucksvollen Kirche, schauen den Ordensleuten bei ihren vielf\u00e4ltigen T\u00e4tigkeiten \u00fcber die Schulter, beobachten einfache Christen bei der Arbeit und bewundern sie, wenn sie im Festgewand zu besonderen Feiern vor der Kamera Aufstellung nehmen.<\/p>\n<p>Die Bilder kann man im Augenblick wohl nur mit einer Mischung aus Wehmut und ernster Sorge betrachten. Denn die christliche Kultur, von der diese Bilder erz\u00e4hlen, ist durch die grauenhaften Ereignisse der letzten Jahre teilweise zerst\u00f6rt worden, teilweise ist sie akut bedroht. Es ist gut, wenn die aktuelle Frage, wie und ob wir im Irak hilfreich agieren k\u00f6nnen, sich verbindet mit dem Bewusstsein, welches historische und religi\u00f6se Erbe dabei auf dem Spiel steht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bilder erz\u00e4hlen indirekt auch die j\u00fcngste Geschichte des Irak. Die Dominikaner Mossuls mussten im Jahr 2014 vor dem islamischen Staat zweimal fliehen. Aus Mossul selbst, das von den radikalislamischen K\u00e4mpfern am 9. Juni eingenommen wurde, und nochmals aus der benachbarten Stadt Karakosch (Baghdida), in der man sich zun\u00e4chst sicher geglaubt hatte, die aber gleichfalls vom IS erobert wurde. Die Eroberung fiel ausgerechnet auf den 7. August, der Tag, an dem der schweren Massaker an den assyrischen Christen im Jahr 1933 gedacht wird. Die Dominikaner flohen und sie nahmen ihre Archive mit, die alte und philologisch h\u00f6chst wertvolle Handschriften umfassen. W\u00e4ren die Manuskripte in die H\u00e4nde der IS-Schergen gekommen, w\u00e4ren, wie so oft in den letzten Jahren, auch hier Kulturg\u00fcter von unsch\u00e4tzbarem Wert vernichtet worden. Die Rettung dieser Sch\u00e4tze ist das Verdienst von P. Najib Mikhael, der die Handschriften noch rechtzeitig (und unter abenteuerlichen Umst\u00e4nden) von Karakosch in das sichere Erbil verbracht hat.<\/p>\n<p>Erbil ist die Hauptstadt des kurdischen Autonomiegebietes in Nordirak. In den Archiven der Dominikaner befand sich auch die Sammlung alter Fotografien, aus denen unsere Ausstellung eine Auswahl zeigt. Auch sie wurden in Sicherheit gebracht vor dem IS, der alles daran setzt, die Zeugen der christlichen und generell der vorislamischen Vergangenheit des Nahen und Mittleren Ostens auszul\u00f6schen. Daher die mutwillige Zerst\u00f6rung \u201eheidnischer\u201c Tempel und Figuren, daher auch die Sprengung christlicher Kirchen und Kl\u00f6ster. Zwei Beispiele daf\u00fcr sind in unserer Ausstellung in alten Aufnahmen pr\u00e4sent: die Grabeskirche des heiligen Behnam, unweit von Mossul in der Ninive-Ebene gelegen, deren Kuppel im M\u00e4rz 2015 in die Luft gejagt wurde, und die Dominikanerkirche in Mossul, deren Turm im April 2016 dem Erdboden gleich gemacht wurde. Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt oder profaniert. S\u00e4mtliche Kreuze auf Kircht\u00fcrmen und Kuppeln wurden abgerissen. Der IS folgt dabei der Rechtsauffassung, dass alle nichtislamischen Symbole aus dem \u00f6ffentlichen Raum zu verbannen sind.<\/p>\n<p>Die Bilder in der Ausstellung erinnern uns nicht zuletzt an die Menschen, die vor dem IS geflohen sind und die zurzeit in Fl\u00fcchtlingscamps in der nordirakischen Autonomieregion leben oder den Irak auch schon ganz verlassen haben und in den Westen emigrieren konnten. Am Ende unseres Bilderreigens steht eine Aufnahme aus dem Jahr 2014, die den Exodus der Christen zeigt. Nur beim ersten Betrachten wirkt die Aufnahme harmlos, als ob Spazierg\u00e4nger an einem autofreien Sonntag auf dem Highway promenieren w\u00fcrden. Der Hintergrund ist aber der, dass der IS die Christen Mossuls vor die Wahl gestellt hatte, entweder zum Islam zu konvertieren oder die traditionelle Zusatzsteuer f\u00fcr Ungl\u00e4ubige \u2013 und zwar in einer nicht leistbaren H\u00f6he \u2013 zu bezahlen. Als dritte M\u00f6glichkeit blieb die Auswanderung, die wiederum unter den denkbar h\u00e4rtesten Auflagen, die die Rechtstradition kennt, gestaltet wurde. Die Auswanderer durften buchst\u00e4blich nichts von ihrem Besitz mit sich f\u00fchren, au\u00dfer den Kleidern an ihrem Leib. Noch die kleinsten Schmuckst\u00fccke wurden den Christen abgenommen. So erkl\u00e4rt es sich, dass die Menschenmenge auf der Landstra\u00dfe ohne Autos, ohne Koffer oder Taschen dahinzuspazieren scheint. In Wirklichkeit mussten diese Menschen alles aufgeben und, teils in dr\u00fcckender Hitze, Dutzende von Kilometern zu Fu\u00df zum ersten kurdischen Checkpoint zur\u00fccklegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ohne die stetige Hilfe internationaler Hilfswerke w\u00e4re die Lage der Fl\u00fcchtlinge unertr\u00e4glich. Auch die Kirchen vor Ort unterst\u00fctzen die Fl\u00fcchtlinge und haben in manchen Camps zudem die seelsorgerliche Betreuung gefl\u00fcchteter Christen \u00fcbernommen. Es stellt sich die Frage, ob und wenn ja wie man diese Menschen auf Dauer im Irak wird halten k\u00f6nnen. Viele der Gefl\u00fcchteten aus Mossul erkl\u00e4ren, dass sie es sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, auch nach einer R\u00fcckeroberung der Stadt dorthin zur\u00fcckzukehren und ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Zu gro\u00df ist die Entt\u00e4uschung \u00fcber das Verhalten der muslimischen Mitb\u00fcrger, die sich beim Einmarsch des IS und der Errichtung seiner Schreckensherrschaft nicht solidarisch gezeigt h\u00e4tten mit ihren christlichen Nachbarn, mit denen sie doch \u00fcber so lange Zeit hinweg friedlich zusammengelebt h\u00e4tten. Das Vertrauen in den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft scheint unwiederbringlich zerst\u00f6rt; die Christen f\u00fchlen sich verraten. Der syrisch-orthodoxe Bischof von Mossul, der sich zurzeit in Erbil aufh\u00e4lt, hat an seine R\u00fcckkehr eine Bedingung von tiefer Symbolik gestellt: der Nachbar, der das Kreuz von seiner Kathedrale abmontiert und zu Boden geschleudert hat, m\u00fcsse zuvor die Stadt verlassen.<\/p>\n<p>Ein wenig zuversichtlicher \u00e4u\u00dfern sich Fl\u00fcchtlinge aus den Orten der Ninive-Ebene, die eine nahezu geschlossene christliche Bev\u00f6lkerung hatten. Das trifft etwa f\u00fcr Karakosch oder Bartelli zu. Eine R\u00fcckkehr m\u00fcsste allerdings, so ist oft zu h\u00f6ren, von einer internationalen Schutztruppe abgesichert werden. Es muss dahingestellt bleiben, ob eine solche Schutzma\u00dfnahme realistischerweise zu erwarten ist. Obwohl die Orte mittlerweile zur\u00fcckerobert wurden, handelt es sich noch immer um Sperrgebiet. Die H\u00e4user wurden teilweise in einem stark besch\u00e4digten Zustand hinterlassen. Auf die R\u00fcckkehrer wartet die Herausforderung, ihr Heim und ihr Leben von neuem aufzubauen. Dabei w\u00e4re diese Herausforderung zu bestehen im Angesicht einer v\u00f6llig unsicheren Zukunft. Noch sind kurdische Peschmergak\u00e4mpfer und die Truppen des irakischen Staates (zusammen mit anderen Einsatzkr\u00e4ften) vereint im Kampf gegen den IS. Niemand kann aber sagen, was auf einen etwaigen Sieg \u00fcber den IS folgen wird. Die Gebietsanspr\u00fcche der Regierungen in Bagdad und Erbil \u00fcberlappen sich und bargen auch schon in der Vergangenheit reichlich Konfliktstoff. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es um die vom IS befreiten Gebiete zu einem innerirakischen Konflikt, m\u00f6glicherweise zu einem B\u00fcrgerkrieg kommen k\u00f6nnte. Wer k\u00f6nnte es den Christen der Ninive-Ebene verdenken, wenn sie die Emigration einer R\u00fcckkehr in die Heimatorte vorziehen w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Nun ist die Frage, bleiben oder gehen, auch innerkirchlich umstritten. Namhafte Kirchenf\u00fchrer im Nahen und Mittleren Osten beschweren sich bei westlichen Staaten, Kirchen und Hilfsorganisationen dar\u00fcber, die einheimischen Christen zur Emigration ungewollt zu verlocken. Wenn auch unbeabsichtigt, tr\u00fcgen gut gemeinte Hilfsprogramme zur weiteren Erosion des orientalischen Christentums bei. Unter diesen Stimmen befindet sich auch der Louis Rafael I. Sako, der Patriarch der Chald\u00e4ischen Kirche. Diese mit Rom unierte Ostkirche stellt im Irak die Mehrheit der Christen. Der Patriarch warnt zugleich vor einem anderen Plan, der seit Jahren in den Kreisen christlicher Politiker des Irak und der weltweiten Diaspora zirkuliert: der Errichtung einer Schutzzone f\u00fcr Christen in der Ninive-Ebene. Christliche Politiker versuchen teilweise, den Regierungen in Bagdad und Erbil die Errichtung einer autonomen christlichen Provinz abzuringen. Beide Regierungen haben dazu durchaus wohlwollende Signale gegeben. Dennoch bleibt strittig, welchen Status und welches Gebiet eine solche Provinz h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die Frage, wer f\u00fcr die Sicherheit der Provinz garantieren k\u00f6nnte. Schon heute stehen christliche Milizen bereit, die die Verteidigung der Christen Nordiraks in Zukunft selbst in die Hand nehmen m\u00f6chten. Auch hier vertritt der chald\u00e4ische Patriarch eine dezidiert andere Meinung. Er h\u00e4lt fest am Ideal eines irakischen Staates, der laizistisch gepr\u00e4gt sein und in dem Religionsfreiheit herrschen soll. Louis Rafael Sako h\u00e4lt nach wie vor fest an der Idee einer \u00fcberkonfessionellen irakischen citizenship. Christen sollten sich nicht wie eine ethnische Minderheit von der Mehrheitsgesellschaft abkapseln, sondern am Aufbau einer gemeinsamen irakischen Zivilgesellschaft mitwirken. Zu solchen Statements des Patriarchen kann man unter den Christen des Irak die ernsthafte Gegenfrage h\u00f6ren, ob au\u00dfer den Christen \u00fcberhaupt noch irgendjemand in dem Land die Idee einer irakischen Nation vertrete. Steht bei Sunniten, Schiiten, bei Kurden und anderen die jeweilige religi\u00f6se und\/oder ethnische Identit\u00e4t deutlich \u00fcber einem irakischen Staatsgef\u00fchl?<\/p>\n<p>Au\u00dfenstehende werden solche Diskussionen aufmerksam und mit gro\u00dfer Anteilnahme verfolgen und vielleicht auch begleiten, sich aber mit konkreten Ratschl\u00e4gen eher zur\u00fcckhalten. Der Westen lag schon mehrmals f\u00fcrchterlich daneben, als er zu wissen meinte, was das Richtige sei f\u00fcr die Region.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bilder unserer Ausstellung sprechen ihre eigene Sprache in dieser Situation, die f\u00fcr die Christen im Irak so unsicher und f\u00fcr alle so unkalkulierbar ist. Die Bilder zeigen uns n\u00e4mlich eines in aller Deutlichkeit: dass das Christentum zum Irak geh\u00f6rt. Es ist kein kolonialer Import aus dem Westen, sondern reicht bis in die apostolische Zeit hinab und ist damit auch \u00e4lter als die islamische Pr\u00e4senz im Zweistromland. Es w\u00e4re eine wertvolle Fremdheitserfahrung, wenn Besucher der Ausstellung sich auf den ersten Blick ein wenig wundern w\u00fcrden, dass die Christen, die uns auf den Bildern begegnen, so durch und durch \u201eorientalisch\u201c aussehen und man sie, ohne den Kontext der Ausstellung, wohl mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit f\u00fcr Muslime gehalten h\u00e4tte. Es w\u00e4re eine wichtige Botschaft der Bilder: dass der Orient traditionellerweise kein rein muslimischer Orient ist. Nicht zuletzt engagierte Muslime wie der jordanische Prinz Hassan ibn Talal erinnern daran, dass der Orient ohne Christen verarmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wie kommt nun aber ein \u201ekurdischer Agha\u201c auf das Plakat der Ausstellung? Ganz nach lokaler Sitte sitzt der Herr in seinen Prachtgew\u00e4ndern und der typischen Kopfbedeckung auf dem Boden, seine lange Pfeife im Munde f\u00fchrend. Es handelt sich hier um einen Fall von ethnologischem Mimikri: Wer so vor der Kamera posiert, ist niemand anderes als der Dominikanerpater Jacques Rh\u00e9tor\u00e9 (1841-1921), der seit 1874 in Mossul wirkte und sp\u00e4ter die dominikanische Mission im armenischen Van aufbaute. Dort ist auch unsere Aufnahme entstanden, in der sich Pater Jacques \u00fcbrigens nicht, wie es auf den ersten Blick scheinen k\u00f6nnte, die Aufmachung eines kurdisches oder t\u00fcrkischen Noblen angelegt hat. Er tr\u00e4gt vielmehr die Tracht eines nestorianischen F\u00fcrsten vom Stamm der Tiari, die im Hakkari-Gebirge siedelten. Von 1893 bis 1897 lehrte Pater Jacques sodann an der renommierten \u201e\u00c9cole biblique\u201c in Jerusalem lehrte, um dann in Mardin in der heutigen S\u00fcdostt\u00fcrkei 1915 Zeuge des Christengenozids zu werden. Seine pr\u00e4zisen Aufzeichnungen der Vernichtungsaktion geh\u00f6ren zu den wichtigen Dokumentationen des V\u00f6lkermords. Sp\u00e4ter ist Pater Jacques nach Mossul, seiner ersten und gro\u00dfen Liebe im Orient, zur\u00fcckgekehrt, wo er 1921 starb.<\/p>\n<p>In seiner Gestalt verdichtet sich vieles, was die T\u00e4tigkeit der Dominikaner in Mossul ausmachte. Zuerst ist zu nennen die Hilfeleistung f\u00fcr die katholischen Ostkirchen, hier f\u00fcr die chald\u00e4ische und die syrisch-katholische Kirche. F\u00fcr beide Kirchen richteten die Dominikaner ein Priesterseminar ein, um das intellektuelle und religi\u00f6se Niveau des einheimischen Klerus nachhaltig zu verbessern. Es folgten eine Elementarschule f\u00fcr Kinder und sp\u00e4ter auch ein College, dem 1944-1959 Pater Jean Maurice Fiey (1914-1995) vorstand, ein unerm\u00fcdlicher Gelehrter, dem wir mehrere Standardwerke zur Kirchengeschichte des Irak, speziell auch zur Kirchengeschichte Mossuls verdanken. Auch Pater Jacques Rh\u00e9tor\u00e9 war wissenschaftlich t\u00e4tig gewesen, und zwar auf philologischem Gebiet. Als einer der ersten erforschte er die neuaram\u00e4ische Sprache, die von einheimischen Christen in einer Vielzahl von Dialekten gesprochen wird, das sogenannte \u201eSureth\u201c. Er hat sogar eigene Dichtungen in dieser Sprache angefertigt, die er unter dem Pseudonym \u201eYaco Nukhraya\u201c (\u201eJakob der Fremde\u201c) ver\u00f6ffentlichte. Im Konvent bestand auch ein wissenschaftliches Interesse an der alten assyrischen Vergangenheit des Zweistromlandes. Mossul liegt dem antiken Ninive, das seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgegraben wurde, unmittelbar gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Ein Kind seiner Zeit war Pater Jacques mit seiner \u00dcberzeugung, die nichtkatholischen Christen des Orients seien in den Scho\u00df der r\u00f6mischen Kirche zur\u00fcckzuf\u00fchren. Von 1908-1911 lie\u00df er sich im unwegsamen Hakkari-Gebirge in der heutigen S\u00fcdostt\u00fcrkei nieder. In einer archaischen Stammesf\u00f6deration lebten hier die \u201eNestorianer\u201c, die Angeh\u00f6rigen der ostsyrischen beziehungsweise assyrischen Kirche. Dass sie wehrhafte Krieger waren, wei\u00df jeder Leser von Karl Mays \u201eDurchs wilde Kurdistan\u201c. Pater Jacques versuchte, dieses Bergvolk seiner angestammten Kirche abspenstig zu machen und zur Konversion zu bewegen. Dabei riskierte er manches Mal sein Leben. Der Christengenozid von 1915 im Osmanischen Reich betraf auch die assyrischen Christen. Ihr Volk geriet an den Rand des Unterganges und hat in den Jahren nach 1915 seine Heimat im Hakkari unwiederbringlich verloren. Die katholischen Missionsversuche waren damit obsolet geworden. Man muss sagen, dass sich das Verh\u00e4ltnis der Kirchen im Irak heute ganz anders darstellt. Im Gro\u00dfen und Ganzen gibt es keine Proselytenmacherei mehr. Die Chald\u00e4ische und die Assyrische Kirchen haben ein pastorales Abkommen geschlossen, das im Ausnahmefall sogar die eucharistische Gastfreundschaft gew\u00e4hrt. Die Dominikaner von Mossul waren schlie\u00dflich auch im interreligi\u00f6sen Dialog aktiv, mit Muslimen und mit Jesiden.<\/p>\n<p>Die religi\u00f6se Pluralit\u00e4t des Irak ist heute massiv bedroht. Auf dem Spiel steht dabei auch die Existenz der Christen. Was das auch f\u00fcr unsere eigene christliche Existenz bedeutet, hat Timothy Radcliffe, der fr\u00fchere Generalmagister des Dominkanerordens und heutige Direktor des Las Casas-Instituts f\u00fcr soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte in Oxford, mit folgenden Worten unterstrichen: \u201eDiese Gemeinschaften im Nahen Osten waren ein sensibles \u00d6kosystem, in dem Christen, Juden, Muslime und Jesiden aufeinander angewiesen waren, um sich entfalten zu k\u00f6nnen. Wenn wir zulassen, dass eine dieser Gemeinschaften untergeht, verk\u00fcmmert alles andere. Wenn sie sterben, sterben wir.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Photo exhibition and lecture<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":32561,"menu_order":1575,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-32435","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","media-library-category-n-a"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Christen im Irak - Katholische Akademie in Bayern<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/christen-im-irak\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_GB\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Christen im Irak - 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