{"id":32452,"date":"2023-07-17T14:37:35","date_gmt":"2023-07-17T12:37:35","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=kaiser-franz-joseph-i-2"},"modified":"2026-01-19T12:15:36","modified_gmt":"2026-01-19T11:15:36","slug":"kaiser-franz-joseph-i-herrscher-ueber-einen-multinationalen-staat-im-zeitalter-des-nationalismus","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/kaiser-franz-joseph-i-herrscher-ueber-einen-multinationalen-staat-im-zeitalter-des-nationalismus\/","title":{"rendered":"Emperor Franz Joseph I"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Franz Joseph am 18.August 1830 zur Welt kam, war mit einiger Wahrscheinlichkeit vorauszusehen, dass er einmal den Thron der Habsburgermonarchie besteigen w\u00fcrde. Sein Gro\u00dfvater Franz II \/ I. regierte noch f\u00fcr f\u00fcnf Jahre, aber die Thronfolge sollte \u2013 nicht zuletzt nach dem Wunsch Metternichs \u2013 nach dem Grundsatz der Legitimit\u00e4t an dessen \u00e4ltesten Sohn Ferdinand \u00fcbergehen. Erzherzog Ferdinand hatte gro\u00dfe gesundheitliche Probleme, einen Wasserkopf und litt unter der in der Familie Habsburg-Lothringen h\u00e4ufigen Epilepsie. Man nahm \u2013 zurecht, wie sich zeigen sollte \u2013 an, dass er keine Kinder zeugen w\u00fcrde und so war sein j\u00fcnger Bruder Franz Karl, der Vater Franz Josephs, der n\u00e4chste in der Thronfolge. Auch er war nicht sehr gut f\u00fcr einen Herrscher geeignet, aber er hatte mit der bayerischen Prinzessin Sophie eine willensstarke Partnerin, die gezielt darauf hinarbeitet, ihren Sohn zum Herrscher zu machen.<\/p>\n<p>Zwar gab es schon vor dem Jahre 1848 erste \u00dcberlegungen, Kaiser Ferdinand I. zum R\u00fccktritt zu bewegen und durch Franz Joseph, sobald dieser das richtige Alter erreichen w\u00fcrde, zu ersetzen, all das beschleunigte sich aber enorm durch den Ausbruch der Revolution des Jahres 1848. Die Kunde von den Februarunruhen in Paris verbreitet sich rasch in Deutschland, wo sie lokale kleine Revolutionen ausl\u00f6ste und erreichte schlie\u00dflich auch die Habsburgermonarchie. Am 13.M\u00e4rz f\u00fchrten die Ereignisse in der Wiener Innenstadt und noch wichtiger in den Vorst\u00e4dten dazu, dass Metternich, dessen System der brutalen Unterdr\u00fcckung und Bespitzelung der Menschen verhasst war, floh. Die Revolution hatte gesiegt. Im Laufe des Jahres verst\u00e4rkte sich allerdings die Radikalit\u00e4t der Revolution\u00e4re und die kaiserliche Familie musste zuerst nach Innsbruck und dann nochmals nach Olm\u00fctz \/ Olomouc in M\u00e4hren fliehen.<\/p>\n<p>Dort vollzog sich dann am 2. Dezember 1848 \u2013 kurz nach der gewaltsamen Niederwerfung der Revolution in Wien \u2013 der Herrscherwechsel, Ferdinand trat zur\u00fcck, Franz Karl verzichtete und damit war Franz Joseph Herrscher der Habsburgermonarchie. Aber ganz so einfach war die Sache nicht, denn Ungarn war noch voll in der revolution\u00e4ren Phase, und auch in Italien flackerten 1849 wieder Aufst\u00e4nde gegen die habsburgische Herrschaft auf.<\/p>\n<p>Damit trat ein Problem in den Vordergrund, das Franz Josephs Leben stark beeinflusste. Er war der Herrscher eines multinationalen Gebildes, in dem ein Dutzend Sprachen gesprochen wurden. Der identit\u00e4tsstiftende, auf der Grundlage der Sprache beruhende Nationalismus, der sich ab dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert entwickelte, erschwerte die Lage in der ohnehin aus unterschiedlichen Territorien mit ebenso unterschiedlichen Rechtsgef\u00fcgen bestehenden Habsburgermonarchie erheblich.<\/p>\n<p>Diese nationalen Konflikte w\u00e4hrend der Revolution pr\u00e4gten auch die fr\u00fche Regierungszeit Kaiser Franz Josephs, ebenso wie die deutsche Frage, Probleme, die in den Kriegen um die italienische und die deutsche Einigung 1859 und 1866 m\u00fcndeten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche Einstellung hatte Franz Joseph zu diesen drei Nationen, den Italienern, den Ungarn und den Deutschen, die das politische Geschehen bis 1867 pr\u00e4gten?<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis Franz Josephs in seiner Kindheit und Erziehung gegen\u00fcber Italienern und Ungarn war relativ neutral, er hatte beide Sprachen gelernt und ist schon als Jugendlicher mit seinen Erziehern und seinen Br\u00fcdern in die italienischen Provinzen und nach Ungarn gereist, um Land und Leute kennenzulernen. Allerdings ist bei dieser, wie bei allen sp\u00e4teren Reisen festzustellen, dass Franz Joseph nicht wirklich Kontakt mit der Bev\u00f6lkerung hatte und weder von der politischen Stimmung und den nationalen Problemen, wie auch von den sozialen Fragen, der Lage der Unterschichten, viel mitbekam. Man zeigte ihm einfach das, was die betreffenden lokalen Funktion\u00e4re ihm zeigen wollten.<\/p>\n<p>Einen wesentlichen Einschnitt f\u00fcr sein Verh\u00e4ltnis zu Italien bildete nat\u00fcrlich die Revolution des Jahres 1848, in der es zum Krieg mit Sardinien-Piemont kam, an dem Franz Joseph sogar als junger Mann unter der F\u00fchrung von Feldmarschall Radetzky teilnahm, er war beim Gefecht von Santa Lucia \u2013 allerdings nicht in vorderster Front k\u00e4mpfend \u2013 dabei. Die nationale Frage war f\u00fcr ihn ein Ausdruck der Revolution, die er mit der Franz\u00f6sischen Revolution von 1789 in Verbindung sah. Das pr\u00e4gte auch sein Verh\u00e4ltnis bis zum Krieg von 1859, den Einigungsgedanken begriff er nicht in seiner nationalen Dimension und mit einem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Forderungen, sondern im Sinne Metternichs, der ja einer seiner Erzieher war, in erster Linie als revolution\u00e4ren Akt. Interessanterweise richtete sich Franz Josephs Abneigung, ja geradezu sein Hass, den er etwa in den Briefen an seine Mutter, Erzherzogin Sophie Ausdruck gab, aber st\u00e4rker gegen den franz\u00f6sischen Kaiser Napoleon III. als gegen die Italiener.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Franz Joseph, wie es seiner Erziehung entsprach, in seinen \u00f6ffentlichen Auftritten eher zur\u00fcckhaltend war, \u00e4u\u00dferte er sich \u00fcber seine Gegner in den vertraulichen Briefen an seine Mutter durchaus heftig. So schimpfte am 2. Oktober 1860 \u00fcber \u201edie R\u00e4ubereien des Garibaldi, die Diebst\u00e4hle Viktor Emanuels, die noch nie dagewesenen Gaunerstreiche des Erzschuften in Paris, der sich selbst \u00fcbertrifft.\u201c Auch in einem zweiten Schreiben nannte er Napoleon III. einen \u201eSchuft\u201c, in einem anderen die Italiener \u201eTaschen- und Landr\u00e4uber\u201c.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nliche Einstellungen lassen sich bei Franz Joseph in seiner langen Regierungszeit allerdings nur schwer erforschen, er war leider kein Tagebuchschreiber und auch in seinen Briefen hat er nur seiner Mutter Dinge anvertraut, die er \u00f6ffentlich nicht sagen durfte, ich verweise nur auf das vorhin zitierte Beispiel aus dem Jahre 1860. Die Briefe an Elisabeth und Katharina Schratt hingegen besch\u00e4ftigen sich meist mit Jagd, Wetter und Theater, aber wenig mit Politik.<\/p>\n<p>Langfristig weitaus bedeutungsvoller f\u00fcr die Monarchie, verlief seine Beziehung zu den Ungarn, die sich 1848 dramatisch verschlechterte und sich erst nach dem Ausgleich 1867 und der Kr\u00f6nung zum ungarischen K\u00f6nig normalisierte. In Franz Josephs Erziehung hatte Ungarisch eine spezifische Rolle gespielt, neben den \u00fcblichen F\u00e4chern der Bildung wurden Sprachen, Milit\u00e4r, Recht und politische Instruktionen durch Wenzel Lothar Metternich in seiner Ausbildung besonders betont. Selbstverst\u00e4ndlich war Ungarisch nur eine Sprache unter vielen, Franz\u00f6sisch, Italienisch, Tschechisch, ein wenig Polnisch, Latein und Altgriechisch waren ebenfalls Unterrichtssprachen.<\/p>\n<p>Die Ereignisse des Jahres 1848 ver\u00e4nderten die Gesellschaft der Habsburgermonarchie, das politische System, das Leben Franz Josephs und auch seine Beziehung zu Ungarn dramatisch. Die ber\u00fchmte aufr\u00fcttelnde Rede von Lajos oder Ludwig Kossuth am 3. M\u00e4rz 1848 beim ungarischen Landtag in Bratislava \/ Pressburg \/ Poszony und die Wiener Revolution vom 13. M\u00e4rz 1848 waren in ihren Langzeitfolgen bis zum Jahre 1867 und dar\u00fcber hinaus bestimmend.<\/p>\n<p>Die Thronbesteigung Franz Josephs im Jahre 1848 wurde von den Ungarn nicht akzeptiert. Der ungarische General Art\u00far G\u00f6rgey und Minister Ladislaus Cs\u00e1nyi unterzeichneten eine Erkl\u00e4rung der k\u00f6niglich ungarischen Armee, in der es hie\u00df: \u201eOhne Zustimmung der Nation darf sich bei Lebzeiten des gekr\u00f6nten Landesf\u00fcrsten niemand k\u00f6nigliche Rechte anma\u00dfen, noch weniger kann die Erbfolge mittelst privater Familien-\u00dcbereink\u00fcnfte abge\u00e4ndert werden.\u201c<\/p>\n<p>Franz Joseph hatte also die Herrschaft in der Monarchie ohne jene \u00fcber die L\u00e4nder der Heiligen Stephanskrone \u00fcbernommen, denn dort erreichte die revolution\u00e4re Lage erst am 14. April 1849 beim Landtag in Debrecen in der gro\u00dfen calvinistischen Kirche ihren H\u00f6hepunkt, als Ungarn f\u00fcr unabh\u00e4ngig erkl\u00e4rt, das Haus Habsburg-Lothringen f\u00fcr ewig vom Throne Ungarns versto\u00dfen und Kossuth zum Pr\u00e4sidialregenten Ungarns ausgerufen wurde.<\/p>\n<p>Mittlerweile hatte allerdings die Konterrevolution in allen europ\u00e4ischen Staaten gesiegt und die Macht befand sich wieder fest in den H\u00e4nden der alten Monarchien. So kam es zu einem B\u00fcndnis der konservativen M\u00e4chte, um die Revolution in Ungarn mit Hilfe von russischen Truppen zu beenden. Am 13.August 1849 musste schlie\u00dflich General G\u00f6rgey seine Armee bei Vil\u00e1gos an die Russen \u00fcbergeben. Kossuth und vielen anderen Revolution\u00e4ren gelang die Flucht ins Osmanische Reich. F\u00fcr alle liberal und konstitutionell Eingestellten, war mit der Niederlage der Ungarn die letzte Hoffnung auf Freiheit untergegangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das K\u00f6nigreich der Heiligen Stephanskrone wurde nun von einem schrecklichen Strafgericht heimgesucht und unter der milit\u00e4rischen Herrschaft von General Alexander von Haynau \u2013 der sich in Italien als <em>Hy\u00e4ne von Brescia <\/em>durch besondere Grausamkeit f\u00fcr diese Aufgaben empfohlen hatte \u2013 seiner Rechte beraubt. Ideelle Grundlage war die so genannte Verwirkungstheorie, die besagte, dass die Ungarn durch ihr Verhalten 1848\/49 alle Vorrechte verloren hatten. Feldmarschall Radetzky, unter dem Hayenau diente, hat diesen folgenderma\u00dfen charakterisierte: \u201eEr ist mein bester General; aber er ist wie ein Rasiermesser; wenn man es ben\u00fctzt hat, mu\u00df man es in sein Futteral zur\u00fcckgeben.\u201c Der Ministerrat am 20. August 1849 unter Vorsitz Kaiser Franz Josephs beschloss, \u201edass alle ungarischen Anf\u00fchrer, vom Stabsoffizier aufw\u00e4rts, vor das Kriegsgericht gestellt werden sollten\u201c. Haynau wurde allerdings aufgetragen, kein Todesurteil zu vollstrecken, das nicht in Wien best\u00e4tigt worden sei. Doch Haynau wollte sich in seiner Rachejustiz von niemandem behindern lassen. Der Kaiser und seine Minister gaben nach: \u201eEs gen\u00fcge, die vollzogenen Todesurteile anzuzeigen.\u201c Viele Revolution\u00e4re, darunter Kossuth und Gyula Andr\u00e1ssy wurden <em>in effigie <\/em>geh\u00e4ngt, ihr Bild wurde an den Galgen genagelt. Erst am 26. Oktober 1849 befahl der Kaiser unter dem Einfluss Schwarzenbergs, dass keine Hinrichtungen wegen Revolutionsdelikten mehr stattfinden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die Zerschlagung der Einheit des K\u00f6nigreiches Ungarn und die Unterteilung in neun Verwaltungseinheiten waren der Bev\u00f6lkerung genauso verhasst, wie die Milit\u00e4rverwaltung. Einige Jahre sp\u00e4ter, von Anfang Juni bis Mitte August 1852, bereiste Franz Joseph Ungarn. Dieser Fahrt lag die Idee zugrunde, dass dadurch \u201eder Kaiser \u2026 nach M\u00f6glichkeit die Wunden der Revolution selbst heilen (sollte).\u201c Die vielen schwarz gelben Fahnen und das Fehlen der ungarischen Trikolore vermittelten ihm den Eindruck, dass alle im Lande zufrieden seien. Doch hier t\u00e4uschte der \u00e4u\u00dfere Schein. So vermerkte der Feldmarschallleutnant Hugo Freiherr von Weckbecker der Franz Joseph begleitete: \u201eJeden Tag \u2026 festliche Einz\u00fcge, abendliche Illumination, zum Teil bei Jubel, zum Teil bei eisiger K\u00e4lte wie in Stuhlweissenburg, wo Kossuth noch viele Anh\u00e4nger hatte.\u201c<\/p>\n<p>Der ungarische Politiker und Diplomat L\u00e1szl\u00f3 Sz\u0151gy\u00e9ny-Marich kommentierte eine sp\u00e4tere Reise Franz Josephs trefflich: \u201eSeine Majest\u00e4t sah nichts in seinem wirklichem oder nat\u00fcrlichem Zustand, alles war k\u00fcnstlich; Probleme wurden vor ihm versteckt, Menschen und Dinge waren in festliche Kleidung geh\u00fcllt, der Kaiser besprach Dinge von \u00f6ffentlichem Belang nur mit Beamten, die alles zu ihrem eigenen Vorteil im bestm\u00f6glichen Licht darstellten. Mit den unabh\u00e4ngig Denkenden diskutierte der Kaiser nur neutrale Themen, mit dem gew\u00f6hnlichen Volk hatte er \u00fcberhaupt keinen Kontakt.\u201c<\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend der Ungarnreise 1852 waren Ger\u00fcchte \u00fcber ein geplantes Attentat aufgetaucht. Dass nicht alle mit der Politik des Kaisers einverstanden waren, sollte sich am eindringlichsten im Jahr darauf zeigen. Am 18. Februar 1853 sprang bei einem Spaziergang Franz Josephs pl\u00f6tzlich ein junger Mann von hinten auf ihn zu und versuchte ihn mit einem scharfen, beidseitig geschliffenen K\u00fcchenmesser in das Genick zu stechen. Beim Attent\u00e4ter handelte es sich um einen ungarischen Schneider namens J\u00e1nos Lib\u00e9nyi, der bei seiner Festnahme mehrfach <em>Eljen Kossuth<\/em> geschrien hatte.<\/p>\n<p>Ein Ereignis verbesserte sicherlich langfristig die Beziehung Franz Josephs zu Ungarn. 1854 heiratete er die blutjunge Elisabeth Herzogin in Bayern, deren Erziehung in der Verlobungszeit unter anderem von dem Historiker Johann Graf Mail\u00e1th von Sz\u00e9khely, der Elisabeth vor allem die Geschichte der Habsburgermonarchie n\u00e4herbringen sollte, beeinflusst war. Der zwar habsburgtreue, aber auch nationalstolze Ungar impfte Sissi eine Begeisterung f\u00fcr die Magyaren und ihre \u2013 gerade im Verh\u00e4ltnis zu der habsburgischen Dynastie \u2013 schwierige Geschichte ein, was die politische Anschauung der zuk\u00fcnftigen Kaiserin nachhaltig beeinflussen sollte.<\/p>\n<p>Eine weitaus st\u00e4rkere Einwirkung auf die Politik hatten die Ereignisse der Jahre 1859 und 1866, man spricht sehr berechtigt von einem Primat der Au\u00dfenpolitik, die starke Auswirkungen auf die Innenpolitik hatte. Nach dem verlorenen Krieg 1859 in Italien und dem Verlust der Lombardei, war die Monarchie in einer tiefen Krise. Neben den finanziellen Problemen war vor allem der Prestigeverlust des Kaisers ausschlaggebend und Franz Joseph, der bis dahin absolutistisch regiert hatte, musste nun \u2013 sehr gegen seinen Willen \u2013 einen Schritt in Richtung einer Konstitutionalisierung des Staates und langfristig auch einen Schritt in Richtung der Vers\u00f6hnung mit Ungarn gehen.<\/p>\n<p>Die Verfassungsversuche des f\u00f6deralistischen Oktoberdiploms 1860 und des zentralistischen Februarpatents 1861 waren nicht sehr erfolgreich. Ein Reichsrat trat zwar am 29. April 1861 zusammen, allerdings waren Widerst\u00e4nde und Abwesenheiten der Italiener, Tschechen und besonders der Ungarn kein gutes Zeichen f\u00fcr seine Wirksamkeit.<\/p>\n<p>Am Vorabend des Krieges mit Preu\u00dfen im Jahre 1866, der eine erneute schwere Niederlage der Monarchie mit sich bringen sollte, versuchte Franz Joseph eine L\u00f6sung der ungarischen Frage zu finden. Zwei Ver\u00e4nderungen \u2013 die nicht unbedingt im prim\u00e4ren Interesse Franz Josephs standen \u2013 resultierten daraus: der Ausgleich mit Ungarn und die Schaffung einer Verfassung f\u00fcr die \u201e\u00f6sterreichische Reichsh\u00e4lfte\u201c, deren offizieller Name nach 1867 \u201edie im Reichsrat vertretenen K\u00f6nigreich und L\u00e4nder\u201c oder etwas weniger formell Cisleithanien war.<\/p>\n<p>F\u00fcr die weitere Entwicklung trat nun ein Faktor ein, den man nicht untersch\u00e4tzen, aber auch nicht \u00fcbersch\u00e4tzen sollte, die Rolle der Kaiserin Elisabeth in den ungarischen Angelegenheiten. Ihr Interesse und ihre Beteiligung an der kaiserlichen Politik und politischen Fragen waren bis dahin wenig deutlich hervorgetreten, erst mit ihrer Leidenschaft f\u00fcr die Ungarn wurde sie politisch aktiv. Elisabeth lernte Ungarisch und entfaltete gro\u00dfes Interesse an der Kultur und Politik Ungarns. Nach der Flucht des Palatins Stephan im Revolutionsjahr 1848 gab es keinen \u201eungarischen\u201c Habsburger, dem die ungarische Nation emotional verbunden war, eine L\u00fccke, in die Elisabeth eintreten konnte, was ihren Mythos in Ungarn schuf. Ihr Gesellschafterin Ida von Ferenczy vermittelte Elisabeth den Kontakt mit den liberalen ungarischen Politikern, Franz De\u00e1k und Josef E\u00f6tv\u00f6s, Kontakte, die der Wiener Hof, der den Magyaren reserviert bis ablehnend gegen\u00fcberstand, nicht zu sch\u00e4tzen wusste.<\/p>\n<p>Die Wende in den Beziehungen zu Ungarn trat Ende Dezember 1864 ein. Der Initiator war Kaiser Franz Joseph \u2013 sicherlich auch von seiner Frau beeinflusst \u2013 der die Integrit\u00e4t und die Gro\u00dfmachtstellung seines Reiches und die Rechte seiner Dynastie wahren wollte. W\u00e4hrend der Kaiser die Probleme in Italien und Galizien zur Au\u00dfenpolitik rechnete, war Ungarn f\u00fcr ihn eine innere Frage, die auch eine Existenzfrage des Reiches darstellte.<\/p>\n<p>Die Diskussion um den Ausgleich trat in die letzte entscheidende Phase als Franz De\u00e1k, mit dem Franz Joseph Kontakt aufgenommen hatte, zu Ostern 1865 in seinem Artikel im <em>Pesti Napl\u00f3<\/em> Verhandlungen zu einem Ausgleich vorschlug. Seiner Meinung nach sollten sich die Ungarn mit dem ungarischen K\u00f6nig \u00fcber eine Verfassung einigen \u2013 w\u00e4hrend hingegen der radikalere Kossuth aus seinem Exil in Turin einen solchen Ausgleich verwarf.<\/p>\n<p>Die Verhandlungen dauerten lange, aber letztendlich entstand das Ausgleichsgesetz \u2013 letztlich ein Vertrag zwischen dem K\u00f6nig von Ungarn und der ungarischen Nation vertreten durch das Parlament \u2013 als ein Teilst\u00fcck in den Verfassungsgesetzen, ma\u00dfgeblich war der ungarische Gesetzesartikel XII.<\/p>\n<p>Zentral war die Festlegung der Personalunion, die Franz Joseph zum Herrscher der \u00f6sterreichisch-ungarischen Doppelmonarchie machte, erg\u00e4nzt durch eine Realunion. F\u00fcr die Bereiche der Au\u00dfenpolitik und f\u00fcr die gemeinsame Armee gab es auch gemeinsame Finanzen. Unmittelbare Folge des Ausgleichs war die Kr\u00f6nung Franz Josephs und seiner Frau in Budapest am 8. Juni 1867. Im Ausgleich kann ein Wendepunkt der Politik Franz Josephs gesehen werden, die ersten fast zwanzig Jahre seiner Regierung \u2013 \u00fcberschattet von Konflikten aller Art \u2013 unterschieden sich stark von der weiteren Regierungszeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein anderes nationales Problem seit dem Ende des Heiligen R\u00f6mischen Reiches 1806, bei dem die Habsburgermonarchie wie in Italien ein Hindernis darstellte, war die deutsche Frage. Diese wurde nach dem Wiener Kongress \u2013 mit Ausnahme der kleindeutschen Episode im Jahre 1848 \u2013 stets im Sinne der gro\u00dfdeutschen L\u00f6sung entwickelt, das \u00e4nderte sich nach 1861 erheblich. Unter Wilhelm I. in Preu\u00dfen wurden Otto von Bismarck und das strategische Genie Helmuth von Moltke zu den Betreibern einer \u201ekleindeutschen\u201c L\u00f6sung, das hei\u00dft der Vereinigung der Deutschen unter Ausschluss der Habsburgermonarchie und unter der F\u00fchrung der protestantischen Hohenzollern. Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Entscheidung, den Konflikt mit \u201eBlut und Eisen\u201c wie Bismarck sagte, auszutragen, war der Streit mit D\u00e4nemark um Schleswig-Holstein 1863, der zum Krieg Preu\u00dfens und \u00d6sterreichs gegen D\u00e4nemark f\u00fchrte. Bei der Aufteilung der Beute zeigten sich erhebliche Spannungen zwischen Preu\u00dfen und der Habsburgermonarchie. Zusammen mit Fragen der Reform des Deutschen Bundes f\u00fchrte das letztlich zum Krieg zwischen der Habsburgermonarchie, die mit den s\u00fcddeutschen Staaten verb\u00fcndet war, und Preu\u00dfen, das seinerseits in Italien einen geradezu nat\u00fcrlichen Bundesgenossen gegen die Habsburgermonarchie gefunden hatte. Die entscheidende Schlacht fand 1866 bei K\u00f6niggr\u00e4tz\/ Hradec Kralove statt. Moltke besiegte mit seiner besser ausger\u00fcsteten und besser strategisch gef\u00fchrten Armee die \u00d6sterreicher.<\/p>\n<p>Dieser Krieg war auch f\u00fcr die italienische Einigung wichtig. Trotz der Erfolge am italienischen Kriegsschauplatz bei Custozza und des Sieges Wilhelm von Tegetthoffs in der Seeschlacht von Lissa endete der Krieg schnell. Venetien musste \u2013 wie schon vorher mit Napoleon III. vereinbart, gewisserma\u00dfen als dessen Preis f\u00fcr seine Neutralit\u00e4t \u2013 an Italien abgetreten werden, ohne dass damit aber die italienische Frage endg\u00fcltig gel\u00f6st war. Noch verblieben das Trentino und Triest in H\u00e4nden der Habsburger, weiterhin gab es ca. 600.000 bis 700.000 \u201eunerl\u00f6ste\u201c \u2013 daher der Name Irredenta \u2013 Italiener unter habsburgischer Herrschaft, die eine friedliche Nachbarschaft und die sp\u00e4tere B\u00fcndnispolitik behinderten.<\/p>\n<p>Eine Tatsache ist von Interesse: w\u00e4hrend sonst die Habsburger hartn\u00e4ckig an ihren Forderungen und Anspr\u00fcchen festhielten \u2013 man denke nur an den habsburgischen Titel, in dem noch lange verlorene, auch nie besessene Gebiete wie der des K\u00f6nigreichs Jerusalem auftauchten \u2013 scheint Franz Joseph nach 1866 seinen inneren Frieden mit den Verlusten der italienischen Provinzen und dem Einfluss auf die deutsche Frage abgeschlossen zu haben. Das Verh\u00e4ltnis mit Preu\u00dfen bzw. dem deutschen Kaiserreich und Italien waren nicht durch Rachephantasien belastet, sondern f\u00fchrten in beiden F\u00e4llen langfristig zu einem B\u00fcndnis, dem Zweibund und dann dem Dreibund, der allerdings im Falle Italiens durch die Irredenta-Bewegung entsprechend belastet war. Au\u00dfenpolitisch waren die deutsche und die italienische Frage nun nicht mehr von Bedeutung, der Balkan mit seinen st\u00e4ndigen Krisen stand im Mittelpunkt der politischen Orientierung Franz Josephs.<\/p>\n<p>Mit dem Ausgleich mit Ungarn und der Entstehung der \u00f6sterreichisch-ungarischen Doppelmonarchie war zwar ein gewichtiges Problem der Monarchie gel\u00f6st und die \u2013 im Laufe ihrer Geschichte immer wieder zu Aufst\u00e4nden gegen die Habsburger neigenden \u2013 Ungarn befriedigt, aber das nationale Problem nicht wirklich gel\u00f6st. Wirft man einen Blick auf eine Karte der Habsburgermonarchie, die eine Verteilung der verschiedenen Nationen zeigt, so wird klar, dass diese Frage nicht einfach zu l\u00f6sen war, allzu sehr ineinander verzahnt stellt sich die Situation dar und jede Ver\u00e4nderung der Grenzen eines Kronlandes zu Gunsten einer Nation h\u00e4tte zur Benachteiligung einer anderen, die jetzt eine (gegebenenfalls unterdr\u00fcckten) Minderheit geworden w\u00e4re, gef\u00fchrt. Auf dieser territorialen Basis war der nationale Konflikt nicht l\u00f6sbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Menschen, die sich des Problems bewusst waren, haben alternative Projekte entwickelt, die allerdings nie verwirklicht wurden. Der sp\u00e4tere Kanzler der Republik \u00d6sterreich nach 1918 und nach 1945, Dr. Karl Renner, hat unter dem Pseudonym <em>Synoptikus<\/em> in einem Buch die f\u00f6deralistische Neuordnung der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie verfochten, wobei er das Prinzip der Personalautonomie entwarf. Er forderte, dass die Minderheit nicht der Mehrheitsbev\u00f6lkerung unterworfen sein d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Auch der Thronfolger Franz Ferdinand und seine Berater entwickelten Vorstellungen zur Neugestaltung der Monarchie, bei der eine Schaffung von 15 neuen Gliedstaaten mit ethnisch-sprachlichen Grenzen, die Gesamtheit der \u201eVereinigte Staaten von Gro\u00df-\u00d6sterreich\u201c bilden sollten. Dadurch sollten vor allem die \u201egeschichtslosen Nationen\u201c wie die Slowaken oder die Ukrainer in eine ausgewogene Machtverteilung im Staat einbezogen werden.<\/p>\n<p>Eine Realisierung dieses Konzepts h\u00e4tte vor allem bei den Ungarn aber auch bei den Polen Widerstand hervorgerufen, auch die Frage der neuen Grenzen zwischen diesen L\u00e4ndern h\u00e4tte zu weiteren nationalen Konflikten gef\u00fchrt. Das Problem der Minderheiten w\u00e4re damit durch die Durchmischung der Ethnien im Gebiet der Habsburgermonarchie nicht gel\u00f6st worden.<\/p>\n<p>Realpolitisch vergr\u00e4mte der Ausgleich mit Ungarn 1867 die anderen Nationen des Staates, da z.B. die Tschechen in B\u00f6hmen gleiche Rechte f\u00fcr sich forderten. Die Schaffung der Doppelmonarchie im Jahre 1867 hatte sechs Millionen Deutschsprachige und f\u00fcnf Millionen Ungarn privilegiert, denen 18 Millionen Slawen und Rum\u00e4nen gegen\u00fcberstanden, deren Gleichwertigkeit nicht anerkannt wurde. Der Nationalit\u00e4tenkonflikt erreichte nach 1867 eine Sch\u00e4rfe, f\u00fcr die weder der Kaiser, der wenig konsequent war, noch die verschiedenen Ministerpr\u00e4sidenten \u00d6sterreich-Ungarns eine L\u00f6sung fanden.<\/p>\n<p>Knapp nach 1867 machte Franz Joseph den ersten Versuch so etwas wie einen Ausgleich mit B\u00f6hmen durchzuf\u00fchren. Im so genannten kaiserlichen Reskripts an den b\u00f6hmischen Landtag vom 12. September 1871 sagte er <strong>\"<\/strong>Eingedenk der staatsrechtlichen Stellung der Krone B\u00f6hmen und des Glanzes und der Macht bewusst, welche dieselbe Uns und Unseren Vorfahren verliehen hat, eingedenk ferner der unersch\u00fctterlichen Treue, mit welcher die Bev\u00f6lkerung von B\u00f6hmen jederzeit Unseren Thron st\u00fctzte, erkennen Wir gerne die Rechte dieses K\u00f6nigreiches an und sind bereit, diese Anerkennung mit Unserem Kr\u00f6nungseide zu erneuern.\u201c Doch dieses Projekt scheiterte nicht zuletzt am Konflikt der Deutschen und der Tschechen, die sich gegenseitig die Schuld am Nichtzustandekommen des in den Fundamentalartikeln angedachten Ausgleichs zuschoben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VI.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um das Nationalit\u00e4tenproblem zu l\u00f6sen gab es eine Reihe gescheiterter Versuche. Nur zwei markante Beispiele sollen stellvertretend genannt werden. In der Stadt Cilli\/ Celje, damals in der S\u00fcdsteiermark, heute in Slowenien gelegen, war die Mehrzahl der B\u00fcrger der Stadt deutschsprachig, w\u00e4hrend die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung der umliegenden Gebiete ausschlie\u00dflich Slowenisch sprach. In den 1890 Jahren stieg die Zahl der Kinder mit slowenischer Muttersprache, um eine Denationalisierung zu vermeiden, plant man eine slowenische Parallelklasse im Gymnasium zu Cilli einzurichten. Als im Budgetvoranschlag f\u00fcr 1895 die unselige Parallelklasse in Cilli auftauchte, f\u00fchrte dies zum Bruch der Koalition und Regierungschef Alfred Windisch-Gr\u00e4tz st\u00fcrzte.<\/p>\n<p>Ein anderer Versuch ging von Graf Kasimir Badeni, dessen Regierung der \u201estarken Hand\u201c ebenfalls slawenfreundlich war, aus. Er gewann die Unterst\u00fctzung der Jungtschechen und versuchte eine Sprachverordnung f\u00fcr B\u00f6hmen durchzusetzen, die unter anderem bestimmte, dass die Beamten in B\u00f6hmen innerhalb einer Frist von drei Jahren beide Sprachen perfekt erlernen m\u00fcssten. Dabei waren die tschechischen Beamten, die Deutsch konnten, im Vorteil, w\u00e4hrend die Deutschen eine Erlernung der \u201eminderwertigen\u201c tschechischen Sprache ablehnten. Unter dem Druck der Deutschnationalen, und der Stra\u00dfe musste Badeni zur\u00fccktreten, wieder war ein Versuch der Ann\u00e4herung gescheitert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Problem in B\u00f6hmen bis zum Ende der Monarchie ungel\u00f6st blieb und letztlich in der Gr\u00fcndung der tschechoslowakischen Republik unter Masaryk und Benesch m\u00fcndete, verlief das Verh\u00e4ltnis zu Galizien-Lodomerien ganz anders. Die polnischen Abgeordneten verweigerten nicht die Teilnahme am Parlament, sondern arbeiteten \u2013 gek\u00f6dert mit Steuergeschenken und Investitionen in ihrem Land \u2013 konstruktiv mit. Der Gewinn der Polen war die Unterdr\u00fcckung der Ruthenen (Ukrainer) in ihrem Kronland, was deutlich macht, dass das Nationalit\u00e4tenproblem auf regionaler Ebene andere Dimensionen hatte.<\/p>\n<p>Eine der langfristig in der Zeit der Habsburgermonarchie wirksamen Fragen bot das Problem der S\u00fcdslawen auf dem Balkan. W\u00e4hrend die Slowenen und Kroaten, aber auch Serben und bosnische Muslime innerhalb der Monarchie lebten, gab es einen eigenen Staat der Serben, dessen Dynastie, die Obrenovi\u0107 bis 1903 den Habsburgern sehr positiv gegen\u00fcberstand. Der Wechsel der Dynastie zu den Kara\u0111or\u0111evi\u0107 brachte die Serben in den Einflussbereich der Russen, des gro\u00dfen Gegners der Habsburgermonarchie auf dem Balkan. Die Vereinigung der s\u00fcdslawischen V\u00f6lker, der Serben, Kroaten und Slowenen, die als eine Nation gesehen wurden \u2013 man sprach von<em> troi imeni narod,<\/em> der dreisprachigen Nation \u2013 war das erkl\u00e4rte Programm, das allerdings in zwei Varianten gedacht wurde. Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand, der die Ungarn ebenso wie die Serben, Italiener und Juden hasste, bevorzugte die so genannte austro-slawische L\u00f6sung. Er wollte Serbien erobern und ein s\u00fcdslawisches K\u00f6nigtum unter der F\u00fchrung der katholischen Kroaten innerhalb der Habsburgermonarchie errichten, der eine gro\u00dfserbische L\u00f6sung, die dann nach 1918 im Staat Jugoslawien bzw. seiner Vorl\u00e4ufer verwirklicht wurde, gegen\u00fcberstand.<\/p>\n<p>Diese nationalen Spannungen f\u00fchrten zu den Sch\u00fcssen von Sarajewo, die den Ersten Weltkrieg, die Urkatastrophe, ausl\u00f6ste, die zum Zerfall der Monarchie f\u00fchrte. Das unl\u00f6sbare Nationalit\u00e4tenproblem Zentraleuropas wurde dadurch aber keineswegs gel\u00f6st, denn die Nachfolgestaaten waren keineswegs national einheitliche, sondern kleine multinationale Staaten. Der Zerfall der Tschechoslowakei und noch dramatischer Jugoslawiens nach 1989 h\u00e4ngen mit diesen Grenzziehungen nach dem Ersten Weltkrieg eng zusammen. Nachwirkungen dieses nicht gel\u00f6sten, oder auch nicht l\u00f6sbaren nationalen Zwistes gehen bis in die heutige Zeit, wenn sie auch erfreulicher Weise nicht mehr dieselbe Dramatik haben wie unter Kaiser Franz Joseph.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>A monarch and his multi-ethnic state<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":32556,"menu_order":1597,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-32452","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","media-library-category-n-a"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - 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