{"id":32460,"date":"2023-07-17T14:37:41","date_gmt":"2023-07-17T12:37:41","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=mein-leben-fuer-amazonien"},"modified":"2026-03-20T10:24:15","modified_gmt":"2026-03-20T09:24:15","slug":"mein-leben-fuer-amazonien","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/","title":{"rendered":"My Life for Amazonia"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben in unserem Bistum Xingu eine ganz besondere Art, die pastorale Arbeit voranzutreiben, und dabei sind die Laien sehr gefordert: Alle f\u00fcnf Jahre haben wir eine Versammlung des Volkes Gottes. Jede der 800 Gemeinden hat das Recht, eine Repr\u00e4sentantin oder einen Repr\u00e4sentanten zu schicken, um zusammen mit dem Bischof, den Priestern und den Ordensleuten die pastoralen Linien f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre zu definieren.<\/p>\n<p>Bei einer dieser Versammlungen des Volkes Gottes gab es eine Inszenierung der jungen Leute, die ich nie mehr im Leben vergessen habe. Sie kennen die Geschichte: \u201eEin Mann ging von Jerusalem nach Jericho und fiel unter die R\u00e4uber\u2026\u201c Sie k\u00f6nnen es nachlesen, im zehnten Kapitel des Lukas-Evangeliums. \u201eZuf\u00e4llig ging ein Priester vorbei.\u201c Mein Onkel war auch Bischof, und er hat es Jesus nie verziehen, dass er das gesagt hat. Darum hat er hinzugef\u00fcgt: Zuf\u00e4llig kam \u201eein Priester des Alten Testaments\u201c des Wegs, sah ihn und ging vor\u00fcber. Dann kam ein Levit, sah ihn und ging vor\u00fcber. Dann kam eben dieser ber\u00fchmte Samaritaner oder Samariter. \u201eUnd der stieg vom Pferd und hatte Mitleid!\u201c\u2018 Das ist sch\u00f6n ausgedr\u00fcckt: \u201ehatte Mitleid\u201c.<\/p>\n<p>Aber die Geschichte geht weiter, und am Schluss fragt Jesus: \u201eWer ist diesem Menschen, der unter die R\u00e4uber gefallen ist, zum N\u00e4chsten geworden?\u201c Wer wurde ihm zum N\u00e4chsten? Im griechischen Urtext \u2013 die Priester, die hier sind, haben noch Griechisch gelernt \u2013 steht es ganz klar. Und die \u00dcbersetzung hei\u00dft: \u201eWer war der N\u00e4chste?\u201c oder: \u201eWer ist der N\u00e4chste?\u201c Nein, das ist keine Feststellung, dass einer in der N\u00e4he ist. Es geht nicht um eine Feststellung des N\u00e4chsten-Seins, sondern: Wer wurde zum N\u00e4chsten? Wer hat die Entscheidung getroffen, diesem Mann, der unter die R\u00e4uber gefallen ist, zu helfen und ihm das Leben zu retten? Also: Es ist eine Entscheidung, die ich f\u00e4lle. Ich m\u00f6chte dir, euch allen m\u00f6chte ich zum N\u00e4chsten werden.<\/p>\n<p>Und dann kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen von diesem Gesetzeslehrer: \u201eDer, der ihm Barmherzigkeit erwiesen hat\u201c. Also, nicht nur Mitleid \u2013 \u201eAch, du armes Hascherl, du tust mir Leid\u201c \u2013, sondern Barmherzigkeit erweisen. Das ist aktiv, da muss ich etwas tun. Ich kann nicht einfach zuschauen und sagen: Na gut, wird schon wieder besser, ich klopfe dir auf die Schultern. Nein, ich muss etwas tun. Und das ist \u201eZum N\u00e4chsten werden\u201c und Barmherzigkeit erweisen. Unser Papst spricht h\u00e4ufig von der Barmherzigkeit, und Recht hat er. Er hat sogar ein B\u00fcchlein herausgegeben: \u201eDer Name Gottes ist Barmherzigkeit\u201c. Noch kein Papst hat so ein Buch herausgegeben.<\/p>\n<p>Ich mache jetzt keinen exegetischen Unterricht, aber das Wort f\u00fcr Barmherzigkeit im Hebr\u00e4ischen hei\u00dft \u201erachamim\u201c, das kommt von der Wurzel \u201erechem\u201c, und \u201erechem\u201c bedeutet Mutterscho\u00df. Also, Barmherzigkeit bedeutet das, was eine Frau, die ein Kind unter ihrem Herzen tr\u00e4gt, f\u00fcr dieses Kind sp\u00fcrt, die ganze Liebe, die Z\u00e4rtlichkeit, die Hingabe. Ich denke an die Adriana, die ich gut gekannt habe, ein M\u00e4dchen, das ich verheiratet habe. Ein Jahr sp\u00e4ter kam ich hin und fragte sie: Wie geht es dir denn, Adriana? Dann sagte sie: Ja, es geht. Ja, warum nur: Es geht? Ich h\u00e4tte so gern ein Kind, und bis jetzt nichts. Ein Jahr oder eineinhalb Jahre sp\u00e4ter kam ich wieder, und die Frau war schwanger. Ich habe nie vergessen, mit welchem Gl\u00fcck und mit welcher Liebe und Z\u00e4rtlichkeit sie mir erz\u00e4hlt hat, sie trage ein Kind unter dem Herzen. Sie hat dann ihr Hand auf das schon gew\u00f6lbte B\u00e4uchlein gelegt und gesagt: Sie sp\u00fcrt, wie sich das Kind regt. Das ist Barmherzigkeit! Gott sp\u00fcrt, wie wir uns regen.<\/p>\n<p>Gut, aber die Inszenierung ging weiter. Diese jungen Leute haben dann Folgendes in Szene gesetzt: Zuerst kam eine Familie von Bauern, die Eltern mit zwei Kindern, und die gingen \u00fcber die B\u00fchne. Dann kamen gleich ein paar Revolverm\u00e4nner und sagten: \u201eHaut\u2019s ab! Sonst wacht\u2019s ihr morgen auf mit Ameisen im Mund.\u201c Die Bauern sind dann verschwunden. Die Kinder haben sie an der Hand gepackt: Geh\u2019ma, geh\u2019ma, geh\u2019ma! Dann kamen zwei junge h\u00fcbsche M\u00e4dchen, die wurden gleich bel\u00e4stigt und dann entf\u00fchrt und verkauft: Menschenhandel, Frauenhandel, ins Ausland verkauft, kein Mensch wei\u00df, wo sie sind.<\/p>\n<p>Dann kamen zwei oder drei Indios mit ihrem Kopfschmuck, wundersch\u00f6n, mit Pfeil und Bogen, und da hat es auch gleich geknallt. Die fielen alle um, waren tot. Danach kamen Kinder und Jugendliche mit Zweigen und B\u00e4umchen, die gingen \u00fcber die B\u00fchne, und dann h\u00f6rte man aus dem Hintergrund das Ger\u00e4usch einer Motors\u00e4ge, und sie fielen alle um. Und dann war Stille, es war mucksm\u00e4uschenstill. Aus dem Hintergrund rief auf einmal eine Stimme: \u201eUnd wie stehst du dazu?\u201c Das ging mir so nahe, weil diese jungen Leute gerade diese vier Punkte, die vier Dimensionen der Verfolgung, der Missachtung der Menschenrechte, auf den Punkt gebracht haben. Und die Frage ist: Wer hat ihnen Barmherzigkeit erwiesen? Wer wurde ihnen zum N\u00e4chsten? Wie k\u00f6nnen wir diesen Menschen Barmherzigkeit erweisen?<\/p>\n<p>Ich bin heute hier, um \u00fcber Amazonien zu reden, mein Leben f\u00fcr Amazonien. Ich bin 50 Jahre dr\u00fcben, das ist eine ganz sch\u00f6n lange Zeit. Ich bin damals mit der Norddeutschen Lloyd, einem Frachter, der \u201eEmsstein\u201c, von Hamburg nach dem Kreuz des S\u00fcdens geschippert. Ich war ein junger Kerl, 26 Jahre alt. Ich habe in Salzburg studiert, bin in Salzburg geweiht worden, von Erzbischof Andreas Rohracher, und bin nach Brasilien. Ich war zuerst 15 Jahre als Priester t\u00e4tig und habe schon damals die Leute im Busch, und wo immer sie waren, erlebt. Ich habe sie von Anfang an sehr gern gehabt, insbesondere die Menschen, denen es weniger gut ging. Der Einsatz f\u00fcr sie war f\u00fcr mich einfach wichtig. Ich kann mich erinnern: Ich musste zuerst Portugiesisch lernen, und nach einem Monat habe ich bereits die erste Predigt gehalten, am Weihnachtstag mit schlotternden Knien, aber immerhin.<\/p>\n<p>Als ich dann wirklich Portugiesisch verstand, hat mich ein Satz, den ein Mann zu mir gesagt hat, sehr ersch\u00fcttert. Ich hatte ihm die Frage gestellt: \u201eWie geht es den Kayapo?\u201c Das ist ein indigenes Volk am Xingu. Und der Mann gab mir zur Antwort: \u201eDu bist ein junger Pater, k\u00fcmmere dich nicht um die Indios, die sind alle hinterh\u00e4ltig und falsch, die sind wild, haben keine Zivilisation. K\u00fcmmere dich um die Flussbewohner, um die Armen; die brauchen dich. Indios wird es in 20 Jahren, so Gott will, keinen mehr geben.\u201c Das war f\u00fcr mich nicht nur eine kalte Dusche, sondern eine grausame Dusche. Ich habe gedacht: Das darf doch nicht wahr sein. Wenn es von mir abh\u00e4ngt, werde ich mich daf\u00fcr einsetzen, dass das nicht passiert.<\/p>\n<p>Aber gehen wir zur\u00fcck zu den Landarbeitern, den ersten, die bei unserer Inszenierung \u00fcber die B\u00fchne gegangen sind. Es ist heute immer noch der Fall, dass gew\u00f6hnliche Bauern einfach von Grund und Boden vertrieben werden. Man legt ihnen nahe, das Land zu r\u00e4umen, und wenn sie das nicht tun, dann kracht\u2019s. Und Leute, die sich f\u00fcr diese Menschen einsetzen, schweben in Lebensgefahr. Ich denke an Schwester Dorothy Stang und auch andere wie den Familienvater Dema. Sie haben sich mit Herzblut f\u00fcr diese armen Bauern eingesetzt. Dorothy wurde am 12. Februar 2005 ermordet. Sie war eine Mitarbeiterin von mir. Zehn Tage vorher war sie noch bei mir, und ich habe ihr gesagt: Du bist in Gefahr, aber wir glaubten nie, dass das bitterer Ernst werden k\u00f6nnte. Wir hatten immer gedacht, es ist ein Einsch\u00fcchterungsman\u00f6ver, damit sich Dorothy nicht weiter f\u00fcr diese Menschen einsetzt. Einige kamen zu mir und haben gesagt: Als Bischof soll ich diese Frau aus dem Verkehr ziehen, die sei gegen ihre Interessen. Elf Jahre liegt ihr Tod nun schon zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dema war ein Familienvater, ein ganz lieber Mensch, er hatte vier Kinder. Seine Frau hie\u00df Maria da Penha. Auch er wurde erschossen, weil er sich f\u00fcr die Mitmenschen, die Mitbauern eingesetzt hat. Kaltbl\u00fctig, in der Nacht vom 24. auf den 25. August 2001. Er fiel seiner Frau zu F\u00fc\u00dfen und soll als letztes Wort gesagt haben: \u201ePenha, schau auf unsere Kinder!\u201c Das sind nur zwei Beispiele f\u00fcr Schicksale von Menschen, die ihr Engagement f\u00fcr Bauern ohne Land mit dem Leben bezahlt haben.<\/p>\n<p>Es gibt in Brasilien eine Organisation, die Landpastoral, die sich ganz besonders f\u00fcr diese Bauern einsetzt. Es geht um Rechtsbeistand. Es geht nicht nur darum, dass wir einfach versuchen, den Leuten Mut zu machen, sie brauchen Rechtsbeistand! Das ist sehr wichtig, denn sie haben Rechte, aber diese Rechte werden ihnen genommen, oder man will sie ihnen zumindest nehmen. Deshalb brauchen wir kompetente Rechtsanw\u00e4lte, die sich f\u00fcr diese Leute einsetzen.<\/p>\n<p>Die Zweiten in der Inszenierung waren die h\u00fcbschen M\u00e4dchen, die bel\u00e4stigt worden sind und dann als Sklavinnen ins Ausland verkauft werden. Solche F\u00e4lle passieren gerade im Amazonasgebiet, wo junge M\u00e4dchen, zum Teil minderj\u00e4hrig, 15, 16 Jahre alt, einfach irgendwo abgefangen, zun\u00e4chst missbraucht und dann bis \u00fcber die Grenze verschleppt werden. Noch vor einigen Jahren hat man das gar nicht zur Kenntnis genommen. Viele Familien wussten nicht, wo ihre Kinder geblieben sind.<\/p>\n<p>Ich habe einen solchen Fall bei uns in Altamira erlebt. M\u00e4dchen wurden vor unserer Schule am Freitag abgefangen. Gesch\u00e4ftsleute, Unternehmer \u2013 ein Gyn\u00e4kologe und ein Stadtvertreter waren auch dabei \u2013 haben die M\u00e4dchen einfach gepackt, irgendwo auf ein Landgut gebracht und dort missbraucht, und kein Mensch hat etwas dagegen getan. Bis dann die Leute zu mir gekommen sind und gesagt haben, was passiert ist. Da bin ich auf die Barrikaden gestiegen und bis zum Justizministerium und den Sicherheitsbeh\u00f6rden gegangen. Die T\u00e4ter wurden schlie\u00dflich festgenommen. Ich habe vor laufender Fernsehkamera \u2013 da waren alle Sender da \u2013 gesagt: \u201eDas sind keine M\u00e4nner, das sind Monster!\u201c Die geh\u00f6ren hinter Schloss und Riegel. Was sie angestellt haben, ist nicht wiedergutzumachen. F\u00fcr diese M\u00e4dchen ist das Leben gelaufen. Die Verantwortlichen wollten das nat\u00fcrlich nicht h\u00f6ren und haben mich mit dem Tod bedroht.<\/p>\n<p>Dann zu den n\u00e4chsten Personen der Inszenierung \u2013 den Indios: Man hat die Indios in Brasilien bis zur Bundesverfassung von 1988 dazu verdonnert, sich in die nationale Gesellschaft einzugliedern. Das hei\u00dft: Ein Indio wird nur Brasilianer oder Brasilianerin, wenn sie oder er die Identit\u00e4t aufgibt. Das ist das Schrecklichste, was einem passieren kann. Ich sage dem Bayern: Du musst aufh\u00f6ren, ein Bayer zu sein! Da m\u00f6chte ich schauen, wie der reagiert. Ihr d\u00fcrft nicht mehr in der Welt\u00f6ffentlichkeit sagen: Ich bin aus Bayern, oder ich bin aus M\u00fcnchen. Ich muss das verleugnen, um Deutscher zu sein. Da greift man sich ans Hirn, aber so hat man es mit den Indios gemacht, bis 1988.<\/p>\n<p>Vielleicht eines der gr\u00f6\u00dften Erfolgserlebnisse in meinem Leben ist, dass es uns gelungen ist, mit dem Rat f\u00fcr indigene V\u00f6lker der Bischofskonferenz und zusammen mit den Indios, mit den Vertretern der verschiedenen V\u00f6lker, ihre Rechte in die Verfassung zu bringen. Das war ein Kampf, ich m\u00f6chte fast sagen, beinahe auf Leben und Tod. Aber es ist uns gelungen! Ich kann mir heute nicht einmal mehr vorstellen, wie das m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Am 1. Juni 1988 stimmte die Plenarsitzung der Verfassungsgebenden Nationalversammlung dem Textentwurf des speziellen Kapitels \u00fcber die Rechte der indigenen V\u00f6lker zu. Und in der Sitzung vom 30. August 1988 erhielt das Kapitel \u00fcber die Indios von insgesamt 453 Stimmberechtigten: 437 Ja-Stimmen, acht Enthaltungen und acht Nein-Stimmen. Ich sage heute immer noch: Die Hand des Herrn war \u00fcber mir, \u00fcber uns, wie es beim Propheten Ezechiel steht. Heute gelten zwei Verfassungsartikel, 231 und 232, in denen steht: Die Indios haben ein Recht auf ihr angestammtes Land, haben ein Recht auf ihre kulturellen Ausdrucksformen, haben ein Recht auf ihre Religion, haben ein Recht auf ihr soziales Gef\u00fcge. Und das steht so in der Verfassung! Bis dahin haben wir die Indios immer verteidigt im Namen allgemein gehaltener Menschenrechte. Jetzt k\u00f6nnen wir sagen: Wenn man die Rechte der Indios verletzt, ist das Verfassungsbruch, und das klingt ein bisschen anders.<\/p>\n<p>Leider Gottes haben wir heute im Nationalkongress viele Vertreter des Agrobusiness und der Gro\u00dfgrundbesitzer, die von den Indios nichts wissen wollen. Jetzt beginnen sie eine Kampagne, diese Verfassungsartikel zu revidieren oder umzuschreiben. Unser Kampf geht bis heute darum, diese Artikel beizubehalten. Aber was das Wunderbare ist: Die Indios sind in den letzten Jahrzehnten im positiven Sinn politischer geworden. Sie steigen auf die Barrikaden und fordern: Wir verlangen das, was unser gutes Recht ist! Wir vom Rat f\u00fcr indigene V\u00f6lker helfen ihnen dabei. Auch die internationale Presse ist meistens da, das macht auch Eindruck. Ich hoffe, dass diese Artikel Bestand haben. Solange uns der liebe Gott den Atem schenkt, werden wir darum k\u00e4mpfen, dass die Indios ihre Rechte behalten. Sie sind Menschen, genauso wie wir alle. Sie haben andere kulturelle Ausdrucksformen und haben ein Recht auf ihr Land.<\/p>\n<p>Es ist sehr schwierig zu erkl\u00e4ren, wie ihre Beziehung zum Land ist. F\u00fcr uns hier in Europa ist Land meistens etwas, was man kauft und verkauft. Fr\u00fcher hat man noch von einer heimatlichen Scholle gesprochen. Aber jetzt kauft man das Land oder kann es verkaufen: Das Land wird zur Ware! F\u00fcr die Indios ist das Land keine Ware. Sie haben eine Kind-Mutter-Beziehung zu ihrem eigenen Land. Das ist das Land ihrer Mythen, ihrer Riten, dort haben sie ihre Vorfahren beerdigt. Es geh\u00f6rt einfach zu ihnen. Sie verstehen nicht, wenn man einen Besitztitel vorweist: Das geh\u00f6rt mir! Einer hat einmal gesagt: Ich verstehe die Wei\u00dfen nicht, denn die kommen mit einem Blatt Papier an, und da steht drauf: Rep\u00fablica Federativa do Brasil, Definitiver Besitztitel! Und da steht dann, dass irgendeinem Menschen der Grund von diesem Fluss bis zehn Kilometer zum n\u00e4chsten Fluss geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Dann fragt der Indio: Hat der den Wald geschaffen? Nein. Hat der das Wild geschaffen, das im Wald ist? Nein. Hat der die Fl\u00fcsse geschaffen? Nein. Hat der die Fische geschaffen, die im Fluss schwimmen? Nein. L\u00e4sst er die Sonne scheinen? Nein. L\u00e4sst er den Regen fallen? Nein. Wieso kann er sagen, es geh\u00f6rt ihm? Das ist ihre Logik. Eine interessante Logik, nicht wahr? Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, dass man das nicht so einfach umsetzen kann in deutsches Rechtsverst\u00e4ndnis, aber: Ich kann den Indios nicht verweigern, dass sie so denken. Und darum ist die Abgrenzung, die sogenannte Demarkierung der indigenen Gebiete, die in der Verfassung vorgesehen ist, unendlich wichtig.<\/p>\n<p>Nebenbei, das ist dann der vierte Punkt, haben wir damit auch die Chance, einen Teil, wenigstens einen Teil von Amazonien zu retten. Die indigenen V\u00f6lker haben ein Recht auf ihr Gebiet, auf ihr soziales Gef\u00fcge. In diesem Zusammenhang muss ich leider Gottes noch etwas \u00fcber Belo Monte sagen. Der Staudammbau ist jetzt in der Endphase. Belo Monte ist eine internationale Angelegenheit. Denken wir ja nicht, dass das nur eine brasilianische Angelegenheit ist. Da sind europ\u00e4ische Firmen verschiedener L\u00e4nder beteiligt, die auch lautstark schreien, dass damit Arbeitspl\u00e4tze gesichert werden, dass das alles rechtens l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Brasilien ist ein Rechtsstaat, hat mir einer erkl\u00e4rt \u2013 er ist nicht her\u00fcbergekommen, er hat das hier erkl\u00e4rt \u2013 und hat eine demokratisch gew\u00e4hlte Regierung. Und wenn die Regierung beschlie\u00dft, dass an dieser Stelle ein Staudamm gebaut wird und ein Riesenkraftwerk entsteht, ein Wahnsinnsprojekt, dann ist das rechtens! Ich habe da immer geantwortet: Sie sollen mal r\u00fcberkommen und fragen, ob alles auch rechtens zugeht, was mit den Leuten da angestellt wird, speziell mit den Indios.<\/p>\n<p>Es ist so, dass solch ein Projekt zum Subjekt der Geschichte wird. Und der Mensch wird zum Objekt, also zur Sache. Das Projekt wird andernorts, h\u00f6heren Ortes, einfach beschlossen: Dort muss das Kraftwerk hin! Das habe man schon seit \u00fcber 30 Jahren im Blickfeld gehabt. Dann kommt man darauf, dass dort zuf\u00e4llig \u2013 zuf\u00e4llig! \u2013 Indios leben, verschiedene V\u00f6lker sogar. Also m\u00fcssen diese Indios einer \u201eL\u00f6sung\u201c zugef\u00fchrt werden, und diese L\u00f6sung k\u00f6nnen wir uns ja vorstellen.<\/p>\n<p>Die Zwangsumsiedlung ist immer eine Trag\u00f6die, weil die Indios eben mit diesem ihrem Land verbunden sind, sie werden herausgerissen. Oft meint man: Man kann diese Situation mit Geld in den Griff bekommen. Man hat sie zum Teil vollgestopft mit Geld. Man spricht von einem Genozid, von einem Ethnozid, und ich spreche gern von einem Aurizid, \u201eAurum\u201c hei\u00dft Gold im Lateinischen. Man t\u00f6tet also durch Gold, man t\u00f6tet durch Geld. Man dr\u00fcckt ihnen das Geld den Schlund hinunter, damit sie still sind. Und wenn die Indios an den Stadtrand kommen, weil eben das Geld vorhanden ist, verfallen leider Gottes die meisten oder doch sehr viele dem Alkohol. Die M\u00e4dchen sind eine Beute der Prostitution. Ein Volk geht zugrunde! Denn die Menschen sind aus ihrem Gef\u00fcge herausgerissen.<\/p>\n<p>Wenn wir dann aufschreien, sagen die anderen: Das sind Vagabunden, die geh\u00f6ren weg! Die Kirche verteidigt sie, und dann hei\u00dft es: Der Bischof hat nichts anderes zu tun, als diese Leute zu verteidigen. Es sind aber unsere Mitmenschen! Wer hat sie zu dem gemacht, was sie sind in der Stadt? Wenn man sie aus ihrem sozialen Gef\u00fcge herausrei\u00dft \u2013 der Kulturschock ist schon l\u00e4ngst da \u2013, dann ist es das Ende. Das ist eine Trag\u00f6die, aber davon spricht eigentlich kaum jemand.<\/p>\n<p>Das \u00fcber die Indios. Und im Zusammenhang damit die Mitwelt. Ich empfehle euch allen das p\u00e4pstliche Rundschreiben <em>Laudato si\u2018<\/em> zu lesen. Etwas Wunderbares! Ich hatte immer Probleme mit diesen Rundschreiben. Ich habe angefangen, diese Texte zu lesen, aber es ist mir immer schwergefallen weiterzulesen. Und gew\u00f6hnliche Leute, die keine theologische Vorbildung haben, sind auch nicht viel weiter gekommen. Unser Papst Franziskus redet frisch von der Leber weg und schreibt auch so. Also kann ein Laie \u2013 und Laien sind das Volk Gottes; nicht Laien, die nichts verstehen \u2013 das auch lesen.<\/p>\n<p>In <em>Laudato si\u2018<\/em> spricht der Papst eine ganz neue Sprache. Wir haben das fr\u00fcher auch schon gesagt: Es geht nicht um eine anonyme Umwelt um uns herum, sondern es geht um die Mitwelt. Und \u00fcbrigens: Wir geh\u00f6ren da auch dazu! K\u00f6nnen wir in Bayern ohne die wunderbare Landschaft leben? Das k\u00f6nnen wir nicht! M\u00fcnchen ist sch\u00f6n, aber der Hintergrund sind die Berge. Man ist gleich in den Alpen, kann da Ski fahren oder Bergsteigen, ist schnell in Salzburg und Innsbruck, das geh\u00f6rt aber zu \u00d6sterreich\u2026 Hier sind wir geboren, hier haben wir unsere Wurzeln. Ich habe sie in Vorarlberg, das ist auch keine Schande. Wir geh\u00f6ren dazu und wir haben einen Auftrag. Das sagt der Papst ganz klar. F\u00fcr diese Welt, f\u00fcr diese unsere Mitwelt haben wir die Verantwortung den zuk\u00fcnftigen Generationen gegen\u00fcber. Wir k\u00f6nnen nicht so tun, als ob wir die letzte Generation w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Als es um Belo Monte gegangen ist \u2013 damals hat der Bau noch nicht begonnen \u2013 fand eine Versammlung in Altamira statt. Die Indios waren da, und dann ist einer auf die Ladefl\u00e4che eines Lastwagens gestiegen, hat ein Mikrophon in die Hand genommen, auf den Fluss geblickt, auf die wundersch\u00f6ne Insel vor Altamira, die jetzt abgeholzt ist \u2013 kahlgeschlagen, grausig, ein Paradies geht zugrunde \u2013 und hat gesagt: Was wird aus unseren Kindern? Die M\u00e4nner in Altamira haben immer von einem Geldregen getr\u00e4umt, die Frauen nicht. Interessant ist, dass die Frauen in Altamira ganz besonders gegen dieses Projekt gek\u00e4mpft haben. Frauen sind von Natur aus auf die n\u00e4chste Generation ausgerichtet, sie denken mehr als die M\u00e4nner an ihre Kinder und Kindeskinder. Aber diese Verantwortung haben wir alle zu \u00fcbernehmen, was der Papst auch wundersch\u00f6n in seiner Enzyklika beschrieben hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es auch pers\u00f6nlich ein wunderbares Ereignis, dass Amazonien tats\u00e4chlich in der Enzyklika vorkommt. Sie k\u00f6nnen es nachlesen, Nummer 37 und 38. Und \u00fcber die indigenen V\u00f6lker spricht er in 145 und 146. Ich war vorher bei ihm, am 4. April 2014. Jetzt sagt er sogar, er m\u00f6chte so etwas wie eine Synode f\u00fcr Amazonien abhalten. Ich finde, das w\u00e4re wirklich ein Riesenerfolg. Wir werden sehen\u2026<\/p>\n<p>Es geht also um die Mitwelt, und in Amazonien hat man in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen solchen Raubbau betrieben, dass man sich das kaum vorstellen kann. Aber da denkt man wieder: Das ist eine innerbrasilianische Angelegenheit\u2026 Doch: Wohin kommt denn das Holz? Ich habe jetzt erfahren, dass es immer noch nach Europa geht. Und 50 Prozent der Exporte sind illegal, aber hier legalisiert man es einfach. Es gibt auch bei uns eine Umweltbeh\u00f6rde, aber die schweigt. Ich bin im hintersten Winkel einer Nebenstra\u00dfe von Amazonien, da sehe ich einen Lastwagen nach dem anderen, voll beladen mit Edelholz. Die warten dort. Sie haben geh\u00f6rt, dass die Umweltbeh\u00f6rde in der Stadt das S\u00e4gewerk kontrolliert. Wenn sie wissen, dass die Beh\u00f6rde wieder weg ist, dann wird Tag und Nacht herausgefahren in das S\u00e4gewerk. Kein Hahn kr\u00e4ht mehr danach! Und dieses Holz bekommen wir dann in Europa. Das ist nur einer der Eingriffe in Amazonien.<\/p>\n<p>Der andere ist der Gro\u00dfgrundbesitz, speziell die Viehwirtschaft. Das kann man sich in Bayern auch nicht vorstellen. Hier w\u00e4chst das Gras von selbst. Bei uns muss man es aber pflanzen: Da wird zuerst einmal der tropische Regenwald entwaldet, und dann wird Gras gepflanzt, wobei der Humus nur ganz d\u00fcnn ist. Aber der Gro\u00dfgrundbesitz breitet sich aus. Riesige Rinderherden weiden dort, und dazu wird dann noch Soja und Zuckerrohr angebaut, wo tropischer Regenwald gewesen ist. Die Motors\u00e4ge, die die Jugendlichen damals nachgeahmt haben, l\u00e4uft noch heute. Und was wird \u00fcbrigbleiben, fragen wir uns.<\/p>\n<p>Da gibt es auch wieder eine Beziehung zu unserem lieben, alten Europa. Wir glauben immer, Brasilien ist weit, weit weg. Es ist aber wissenschaftlich bewiesen, dass Amazonien eine klimaregulierende Funktion hat. Also: Wenn Amazonien nicht mehr existiert, dann haben wir auch hier das Nachsehen, \u00fcber den Atlantischen Ozean hinweg. Wenn man dagegen die Indianergebiete abgrenzt, die Nationalparks respektiert und vielleicht sogar vergr\u00f6\u00dfert, k\u00f6nnen wir wenigstens ein Drittel von Amazonien retten.<\/p>\n<p>Das waren jetzt meine vier Punkte. Und nun kommt meistens die Frage: Hat das irgendetwas mit dem Amt eines Bischofs zu tun? Man hat mich schon gefragt, ob ich noch ein katholischer Bischof bin. Ich habe gesagt: Ich denke schon, ich zelebriere jeden Tag. Warum setzt sich ein Bischof also f\u00fcr seine Leute ein? Ich bin nicht allein, das m\u00f6chte ich als erstes sagen. Nicht, dass ihr glaubt, der Bischof macht das im Alleingang, der ist allein unterwegs! Es gibt viele Menschen, die am selben Strick ziehen. Aber ein Bischof steht doch mehr im Rampenlicht, auch bei den Beh\u00f6rden, und das m\u00fcssen wir weidlich ausn\u00fctzen. Aber ich kann mein bisch\u00f6fliches Amt und meine bisch\u00f6fliche Sendung nicht auf die Menschen reduzieren, die am Sonntagabend zuf\u00e4llig in der Kathedrale sind, wenn ich dort zelebriere.<\/p>\n<p>Hirte hei\u00dft, auch wirklich Hirte zu sein und die Anliegen, die N\u00f6te und Sorgen der Menschen zu sp\u00fcren, die au\u00dferhalb des Gotteshauses leben, au\u00dferhalb meiner Kathedrale. Ich kann mich gut erinnern, als ich mit 41 Jahren Bischof geworden bin. Da habe ich eine Versammlung einberufen mit den Priestern, den Ordensleuten und mit den Laien, Frauen und M\u00e4nnern, Jugendlichen. Alle trafen sich dann zur Gruppenarbeit und wollten dem neu ernannten Bischof ein Konzept \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Was die Priester gesagt haben, das kann man sich vorstellen: Ich soll als Bischof Mitbruder bleiben, die Mitverantwortung und Kollegialit\u00e4t sollen funktionieren. \u201eDu bist zwar Bischof, aber bleib\u2018 trotzdem der Pater Erwin\u201c, hat es gehei\u00dfen. Bei der ersten Versammlung war interessant: Da gab es gleich ein Problem, das man erledigen musste. Meine Mitbr\u00fcder blickten auf mich und sagten: \u201eDu bist jetzt Bischof, du musst jetzt sagen, was zu tun ist.\u201c Ich habe gesagt: \u201eOkay, was? Habt ihr nicht gerade von der Kollegialit\u00e4t gesprochen, von der Mitverantwortung?\u201c Da haben sie den Kopf h\u00e4ngen lassen. Als Bischof ist man oft allein, sehr allein. Die Ordensleute, die lieben Schwestern haben gesagt: \u201eDer Bischof soll sie hie und da besuchen kommen, soll auch in ihren H\u00e4usern zelebrieren, sie anh\u00f6ren.\u201c Ja, das habe ich immer versucht.<\/p>\n<p>Dann kamen die Laien. Und das Erste, was sie vom Bischof verlangen, ist: \u201eEr soll ein Mann Gottes sein, ein betender Bischof!\u201c Das wollten die Laien, stellt euch das vor! Und der zweite Punkt: Der Bischof soll sein Bistum nicht vom Schreibtisch aus verwalten und leiten, sondern er soll rausgehen, dorthin, wo sie sind, damit er am eigenen Leib erf\u00e4hrt, was sie erfahren. Das habe ich 35 Jahre lang versucht zu tun. Am Bischofssitz bin ich drei oder vier Monate im Jahr gewesen, die restliche Zeit war ich immer unterwegs.<\/p>\n<p>Eines der gr\u00f6\u00dften Probleme f\u00fcr uns sind die eucharistielosen Gemeinden. Das kann man sich in Bayern nicht vorstellen. Mein Bistum ist etwas gr\u00f6\u00dfer als Deutschland. Deutschland erstreckt sich, habe ich mir sagen lassen, auf etwa 350.000 Quadratkilometer, mein Bistum auf 365.000. In diesem Riesengebiet existieren etwa 800 kleinere oder gr\u00f6\u00dfere Gemeinden. Jede Pfarrei umfasst zwischen 30 und 90 dieser Gemeinden.<\/p>\n<p>Wir haben im Moment 31 Priester, 31! Und von diesen 31 sind sieben bereits \u2013 in Brasilien sagt man \u201epra l\u00e1 de Bagd\u00e1\u201c, also jenseits von Bagdad, das hei\u00dft schwer \u00fcber 70. Ich bin auch einer davon. Was passiert in diesen Gemeinden, wenn nicht Frauen und M\u00e4nner, Jugendliche und \u00e4ltere Leute die Verantwortung, die ehrenamtliche Verantwortung f\u00fcr ihre Gemeinde \u00fcbernehmen? Dann gibt es kein kirchliches Leben. Der Priester zieht von Ort zu Ort, genauso wie der Bischof das getan hat und immer noch tut. Aber das gro\u00dfe Problem sind die eucharistielosen Gemeinden. Das habe ich auch dem Papst gesagt und den Bisch\u00f6fen hier in Deutschland.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir in unserer Kirche tun, damit auch diese Menschen am Sonntag Eucharistie feiern k\u00f6nnen? Da m\u00fcssen wir uns etwas einfallen lassen. Das hei\u00dft jetzt nicht, wie ihr glaubt: Der Bischof ist gegen den Z\u00f6libat! Das ist eine Verk\u00fcrzung, wenn man sagt: Z\u00f6libat ja oder nein. Wenn ein Mann oder eine Frau sich entscheidet, z\u00f6libat\u00e4r zu leben, ist das eine wunderbare Sache. Es ist eine Entscheidung, die er oder sie f\u00e4llt. Das Problem ist, wenn man die Eucharistiefeier verkoppelt mit einem, nur mit einem z\u00f6libat\u00e4ren Priester.<\/p>\n<p>Dann kommt noch dieses Wort, das ich gar nicht mehr h\u00f6ren kann, von den \u201eviri probati\u201c. Also, das sind tadellose \u201eerprobte M\u00e4nner\u201c! Und wer befindet, dass dieser Mann ein erprobter Mann ist, ein tadelloser Mann ist? Wer befindet dar\u00fcber? Welche Kriterien m\u00fcssen gefunden werden, damit man sagen kann, dieser Mann ist es? Und \u00fcbrigens \u2013 ich bin selber Priester \u2013 sind wir alle erprobte M\u00e4nner, die wir z\u00f6libat\u00e4r leben? Also, ich kann das Wort nicht mehr h\u00f6ren. Das ist diskriminierend.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen etwas tun, das wei\u00df der Papst auch selber, wir beten darum, dass in den n\u00e4chsten Jahren eine Entscheidung f\u00e4llt. Es geht um die Eucharistiefeier, die in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils und in p\u00e4pstlichen Rundschreiben immer wieder apostrophiert worden ist als das Zentrum unseres Glaubens. In Amazonien haben 90 Prozent unserer Gemeinden keine regul\u00e4re sonnt\u00e4gliche Eucharistiefeier, und 70 Prozent, liebe Leute aus Bayern, 70 Prozent haben die Eucharistiefeier nur drei- bis viermal im Jahr.<\/p>\n<p>Nur ein kleines Beispiel zur Illustration: Ich komme in eine kleine Gemeinde, die Leute haben ein Kirchlein gebaut. Ganz einfach und h\u00fcbsch, sie haben sich sehr angestrengt. Und dann kommt der Bischof zur Einweihung, ich habe mich darauf gefreut. Maria, die Katechetin, und ich ziehen an einem Tuch, das dann herunterf\u00e4llt, die T\u00fcre geht auf. Und ich schaue hinein, erschrecke und sage: Maria, da fehlt etwas! Ja, was soll fehlen, Bischof? Da fehlt der Altar! Da steht n\u00e4mlich nur ein Ambo. Das erinnert an andere christliche Kirchen, aber nicht an die katholische. Dann sagt sie zu mir: Ja, wir haben eh keine Eucharistiefeier. Heute werden wir einen Tisch her\u00fcberholen von der Schule und ein sch\u00f6nes Tischtuch dar\u00fcberlegen. F\u00fcr uns ist ja nur der Ambo da.<\/p>\n<p>Da haben bei mir die Alarmglocken gel\u00e4utet. Die Leute haben keinen Zugang mehr zur Eucharistie! Also, bitte versteht mich richtig: Das ist ein Riesenproblem in unseren Gemeinden. Was k\u00f6nnen wir tun? Papst Franziskus wei\u00df davon, die deutschen Bisch\u00f6fe wissen davon, die brasilianischen Bisch\u00f6fe ebenso. Wir beten jetzt darum, dass m\u00f6glichst bald eine Entscheidung f\u00e4llt, die ganz sicher auch Einfluss hat auf die Weltkirche. Man muss das nicht gleich f\u00fcr die gesamte Kirche entscheiden, aber man muss doch versuchen, auf diese Leute einzugehen, sie dort abzuholen, wo sie sind.<\/p>\n<p>Liebe Leute, ich danke f\u00fcr die wunderbare Aufmerksamkeit! Wir haben ganz p\u00fcnktlich begonnen. Punkt 7 Uhr hat eine Glocke, ein Gong gel\u00e4utet. Das ist hier ein bisschen anders als in Brasilien. Dort kann jemand die Frage stellen: Wann beginnt die 8-Uhr-Messe?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An evening with Bishop Erwin Kr\u00e4utler<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":32561,"menu_order":1650,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-32460","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","media-library-category-amazonas","media-library-category-brasilien","media-library-category-kraeutler-erwin","media-library-category-laudato-si","media-library-category-umweltschutz"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Mein Leben f\u00fcr Amazonien - Katholische Akademie in Bayern<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_GB\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Mein Leben f\u00fcr Amazonien - Katholische Akademie in Bayern\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ein Abend mit Bischof Erwin Kr\u00e4utler\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Katholische Akademie in Bayern\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/katholische.akademie.bayern\/\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2026-03-20T09:24:15+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Theologie_Kirche_Spiritualitaet.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"872\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"490\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Estimated reading time\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"26 minutes\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/mein-leben-fuer-amazonien\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/mein-leben-fuer-amazonien\\\/\",\"name\":\"Mein Leben f\u00fcr Amazonien - Katholische Akademie in Bayern\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/mein-leben-fuer-amazonien\\\/#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/mein-leben-fuer-amazonien\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Theologie_Kirche_Spiritualitaet.jpg\",\"datePublished\":\"2023-07-17T12:37:41+00:00\",\"dateModified\":\"2026-03-20T09:24:15+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/mein-leben-fuer-amazonien\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"en-GB\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/mein-leben-fuer-amazonien\\\/\"]}]},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"en-GB\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/mein-leben-fuer-amazonien\\\/#primaryimage\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Theologie_Kirche_Spiritualitaet.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Theologie_Kirche_Spiritualitaet.jpg\",\"width\":872,\"height\":490},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/mein-leben-fuer-amazonien\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Mein Leben f\u00fcr Amazonien\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/\",\"name\":\"Katholische Akademie in Bayern\",\"description\":\"Kirche braucht Debatte: \u201ekatholisch\u201c mit Blick auf das Ganze \u2013 und \u201eakademisch\u201c im Vertrauen auf die Kraft der Argumente\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"en-GB\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#organization\",\"name\":\"Katholische Akademie in Bayern\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"en-GB\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Menue-Logo-Home@2x.png\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Menue-Logo-Home@2x.png\",\"width\":496,\"height\":216,\"caption\":\"Katholische Akademie in Bayern\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/www.facebook.com\\\/katholische.akademie.bayern\\\/\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"My Life for Amazonia - Catholic Academy in Bavaria","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/","og_locale":"en_GB","og_type":"article","og_title":"Mein Leben f\u00fcr Amazonien - Katholische Akademie in Bayern","og_description":"Ein Abend mit Bischof Erwin Kr\u00e4utler","og_url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/","og_site_name":"Katholische Akademie in Bayern","article_publisher":"https:\/\/www.facebook.com\/katholische.akademie.bayern\/","article_modified_time":"2026-03-20T09:24:15+00:00","og_image":[{"width":872,"height":490,"url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Theologie_Kirche_Spiritualitaet.jpg","type":"image\/jpeg"}],"twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Estimated reading time":"26 minutes"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/","name":"My Life for Amazonia - Catholic Academy in Bavaria","isPartOf":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Theologie_Kirche_Spiritualitaet.jpg","datePublished":"2023-07-17T12:37:41+00:00","dateModified":"2026-03-20T09:24:15+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/#breadcrumb"},"inLanguage":"en-GB","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-GB","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/#primaryimage","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Theologie_Kirche_Spiritualitaet.jpg","contentUrl":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Theologie_Kirche_Spiritualitaet.jpg","width":872,"height":490},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/mein-leben-fuer-amazonien\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Mein Leben f\u00fcr Amazonien"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#website","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/","name":"Catholic Academy in Bavaria","description":"Church needs debate: \"catholic\" looking at the whole - and \"academic\" trusting in the power of arguments","publisher":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"en-GB"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#organization","name":"Catholic Academy in Bavaria","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-GB","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Menue-Logo-Home@2x.png","contentUrl":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Menue-Logo-Home@2x.png","width":496,"height":216,"caption":"Katholische Akademie in Bayern"},"image":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/www.facebook.com\/katholische.akademie.bayern\/"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library\/32460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library"}],"about":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/media-library"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library\/32460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120684,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library\/32460\/revisions\/120684"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32561"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}