Die digitale Vernetzung im kirchlichen Raum

Ein Tagungsbericht

As part of the event "Vernetzung unplugged", 05.03.2026

Bengt Beier

Digitaler Gottesdienst, die KI als Seelsorgerin und Glaubens-Communities, die sich nur über Instagram kennen: Gemeinschaft, die früher nur in Präsenz möglich war, hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr ins Internet verschoben. (…) Das hat sicher viele Vorteile, aber ist digitale Vernetzung so real, wie es scheint? Führen soziale Netzwerke wirklich zu Vernetzung und echter Begegnung?“, lauteten dabei die Kernfragen der 19. Tagung.

Revival von Kommunikation „unplugged“

Wir Menschen sind bereits seit der Steinzeit auf die Kommunikation mit anderen Menschen angewiesen, um zu überleben. Diese Kommunikation kann dabei auch via Telefon oder online erfolgen. Aber wie Wissenschaftler:innen wie Dr. Marianne Thejls Ziegler vom Lehrstuhl für Wirtschaftsethik an der TU München herausgefunden haben, benötigen Menschen in der Kommunikation auch den zwischenmenschlichen Kontakt „face to face“ und das Spüren von körperlicher Nähe von anderen Menschen (wie bei dem Trend aus den USA zu „silent book clubs“, bei dem sich Menschen in einem Café oder einer Bücherei treffen, um gemeinsam Bücher zu lesen, ohne direkt zu kommunizieren).

Jede neue technologische Entwicklung löst eine Gegenentwicklung aus, weil sie durch einen dialektischen „Push-and-Pull“-Mechanismus zwischen Fortschritt und Widerstand gekennzeichnet ist. So kann das derzeitige globale Revival von Kommunikation „unplugged“ als ein natürlicher Gegenpol zur allgegenwärtigen „online first“-Kommunikation angesehen werden. Allerdings müssen dies keine dauerhaften Gegensätze sein, sondern vielmehr sollten sich beide Pole gegenseitig nachhaltig befruchten.

KI erfasst nonverbale Kommunikation

Ein Beispiel dafür, dass Künstliche Intelligenz auch die zwischenmenschliche Kommunikation bereichern kann, ist der Ansatz der israelischen Firma Q.ai, die vor Kurzem von Apple zum kolportierten Preis von zwei Milliarden US-Dollar gekauft wurde. Q.ai hat eine Technologie entwickelt, die mithilfe von Machine Learning und KI-unterstützter Bildgebung nonverbale Kommunikation erkennen und in Worte verwandeln kann. Bei dieser „stillen Sprache“ werden anhand von kleinsten Muskelbewegungen im Gesicht und im Hals sowie durch Analyse von Lippenbewegungen Worte erkannt, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Das zeigt, wie wichtig Gesten ohne Worte in Gesprächen sind. In Videokonferenzen können sie nicht vollständig erfasst werden, wie Dr. Marianne Thejls Ziegler von der TU München in ihrer Studie über Homeoffice feststellte.

Papst Leo XIV.: Aufruf zu einer Allianz für eine authentische Kommunikation

Auch Papst Leo XIV. betont, dass Kommunikation nur dann ihrer „Berufung“ entspreche, wenn sie „wirkliche Begegnung, Dialog und den Schutz der menschlichen Person“ fördere. Der Pontifex spricht in seiner Botschaft zum 60. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel 2026 von einer nicht nur technischen, sondern anthropologischen Herausforderung: Was auf dem Spiel stehe, sei die „Würde der Person und der Verlust von authentischer Begegnung“. Wenn Stimme und Gesicht simuliert und manipuliert werden können, drohe Kommunikation ihre Verankerung in wirklichen Personen zu verlieren, da die unmittelbare Begegnung an Wert verliere. Kommunikation sollte daher in einem moralischen Raum erfolgen, der die Verantwortung für das Gegenüber einschließe.

Dafür sei aus Sicht von Papst Leo XIV. eine „Allianz“ notwendig, die Verantwortung, Kooperation und Bildung verbindet: Plattformen und Entwickler:innen sollten einerseits zu Transparenz und zum Schutz der Menschenwürde verpflichtet werden. Andererseits fordert der Pontifex eine Erziehung zu kritischem Umgang mit Medien und eine journalistische Kultur, „die nicht auf Verifikation und die Suche nach Wahrheit verzichtet“.

Chancenbringer, aber kein Heilsbringer!

Fazit: Bei der Tagung Kirche im Web in München wurde deutlich, dass es nicht sinnvoll wäre, nur das eine Extrem „wired“ gegen das andere Extrem „offline“ in der zwischenmenschlichen Kommunikation zu tauschen. Bei #kiw26 lautete das Buzz-Wort daher auch nicht KI, sondern Empathie. Und es wurde deutlich: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz können weiterhin Chancenbringer, aber keine Heilsbringer sein!

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