Was die Gesellschaft für bedrohte Völker und das christliche Hilfswerk Open Doors Anfang August in einer Brandmeldung (kna vom 6. August) verbreiteten, erfuhren die Mitglieder der Freunde und Gönner bereits einen Monat früher bei der Plenarversammlung am 9. Juli 2026: Christinnen und Christen in der Zweistromregion sind existentiell bedroht – und der Westen schaut weg. Der Erzbischof von Homs geht aktuell davon aus, dass gerade noch 15 bis 17 % der vormals dort lebenden Christen in der Region ansässig sind. Auch im Irak reduzierte sich der Anteil der christlichen Bevölkerung von 6,9 auf 1,5 %.
In einem fulminanten Vortrag berichtete Professor Matthias Kopp – den meisten besser bekannt als Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) – engagiert aus seinen dreißig Jahren Erfahrung in und mit der Region.
Als zentralen politischen Fehler bezeichnete es Kopp, dass die USA nach dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 dem Land eine Verfassung vorlegten, die das Ende des Laizismus und damit den Islam als Staatsreligion vorsah. Vor allem diese fatale Fehleinschätzung hat dazu geführt, dass Christinnen und Christen im Irak zu Fremden im eigenen Land wurden. Dieser eklatante Fehler scheint sich gerade bei der Verfassungsgebung in Syrien zu wiederholen und zu verschärfen, weil dort die islamische Religion nicht nur als eine Quelle der Gesetzgebung, sondern als die Quelle bezeichnet wird.
Außerdem, so führte Kopp weiter aus, hake es bis heute an der Umsetzung des in der irakischen Verfassung vorgesehenen Minderheitenschutzes und vor allem an deren Kontrolle, die etwa an die Bereitstellung von Mitteln zum Wiederaufbau gekoppelt werden könnte.
Im weiteren Verlauf berichtete er von aktuell 3,2 Millionen Binnenflüchtlingen im Irak, die nach der Machtübernahme durch den Islamischen Staat auf der Flucht seien und trotz deren Entmachtung im Jahr 2018 bis zum heutigen Tag in bedrückenden Zuständen hausen.
Er zeigte Bilder von unglaublichen und gezielten Zerstörungen beim Rückzug des IS, die es gerade auch auf christliche Kirchen und deren Symbole abgesehen hatten, und beschrieb die systematische Versklavung der christlichen Bevölkerung, die auch vor vier- bis sechsjährigen Kindern nicht Halt machte.
Kopp hatte die besondere Gelegenheit, im Verlauf seiner Reisen mehrmals in den zahlreichen Flüchtlingslagern mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch über ihre schrecklichen Erlebnisse zu kommen und beschreibt die enorme Leistung der westlichen Helferinnen und Helfer bei der Traumabewältigung dieser Kinder.
Andererseits konnte er auch auf Symbole der Hoffnung verweisen, die für ihn etwa im Besuch von Papst Franziskus während der Pandemie ihren besonderen Ausdruck fand. Dieser Besuch gab den Menschen den Mut zurück, auch und gerade ihre Kirchen wieder zu errichten.
Bereits die Ankündigung der geplanten Reise löste eine Welle der Begeisterung aus, was auch daran lag, dass der Papst die Gottesdienste an den Orten der zerstörten Kirchen feiern wollte.
Kopp betonte, in der Zeit der Verfolgung hätten die Christinnen und Christen in der Region den Vorteil des ökumenischen Miteinanders wieder entdeckt. Während früher Assyrer, Chaldäer, Griechisch-Orthodoxe und Kopten ihr eigenes Ding gemacht hätten, erkannten sie nun den Wert der Ökumene und unterstützen sich gegenseitig.
In diesem Zusammenhang betonte Kopp mehrmals, dass gerade christliche Hilfswerke wie Caritas International und die evangelische Diakonie in der Region Großartiges leisten, was jedoch durch die geplanten Kürzungen der Mittel für die internationale Zusammenarbeit fundamental bedroht sei.