Während der Veranstaltung von Kirche.Kunst.Verkündigung im Jahr 2025, die zum Thema „Seitenaltäre und Heiligenverehrung – nur Relikte der Vergangenheit?“ stattfand, kam die Frage auf, ob die Renaissance katholisch war. Diese Frage griffen die beiden Referenten Prof. Dr. Peter B. Steiner, ehemaliger Direktor des Diözesanmuseums Freising, und Pater Karl Kern SJ, ehemaliger Kirchenrektor von St. Michael München und aktuell Kirchenrektor der Bürgersaalkirche, auf und stellten Kirche.Kunst.Verkündigung, das vom 8. bis 9. Juni 2026 stattfand, genau unter diese Frage: „War die Renaissance katholisch?“
Dazu kündigte Peter Steiner auf kunsthistorischer Seite an: „Heidnisches in unseren Kirchen? Beleben Putten, Girlanden, Rosetten, Gurtbögen in unseren Barockkirchen das Heidentum neu? Die Erneuerung der Kirche in den Konzilien von Konstanz (1414–1418) und Trient (1545–1563) hängt eng mit der Erneuerung von Architektur und Bildender Kunst im 15. und 16. Jahrhundert zusammen. Der Barock entfaltete bis 1770 die damals angelegten Möglichkeiten. Römische Kunst wurde zum Erkennungszeichen einer römisch-katholischen Kirche. Dagegen stellten die Historiker Jules Michelet 1855 und Jacob Burckhardt das Heidnische im Römischen heraus. Wir sollten die Wiedergeburt der Kunst – rinascita, wie Giorgio Vasari sie 1560 nannte – vom eher kirchenkritisch geprägten Epochennamen Renaissance unterscheiden. Putten in unseren Kirchen sind keine heidnischen Liebesgötter, sondern ‚Kinder und Säuglinge, aus deren Mund sich Gott Lob bereitet‘ (Ps 8,3). So hat sie der Bildhauer Donatello 1450 in Florenz gebildet.“
Karl Kern führte dazu an: „Der Renaissance eingeschrieben ist auch ein theologisches Programm. Dieses gründet in der Idee der Gottebenbildlichkeit des Menschen, die zum christlichen Humanismus führt. Mit der Wendung zum Ich hat der Mensch die kreative Möglichkeit entdeckt, die Welt in seinem Bewusstsein zu formen und zu gestalten.
Es geht also nicht einfach um die Wiederentdeckung der Antike, sondern um deren christliche Wiederentdeckung. In der Florentiner Akademie des 15. Jahrhunderts wurde eine Philosophie entwickelt, die den Sinn menschlichen Wissens mit der Offenbarung in Christus in Einklang brachte. So entstand im Gespräch mit Platon ein kosmologisches Weltbild von ‚katholischer‘ Weite und Einheit, das bis in die Barockzeit hineinwirkte und die katholische Reformbewegung des 16. Jahrhunderts inspirierte.“
Am Abend des ersten Tages ging zunächst Pater Kern auf das Thema unter den genannten theologischen Aspekten ein. Am Vormittag des zweiten Tages erläuterte Peter Steiner die kunsthistorischen Perspektiven des Themas, bevor eine Exkursion die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu drei verschiedenen Münchner Kirchen führte. In der Kreuzkapelle von St. Michael erläuterte Peter Steiner zunächst die Architektur und ging dann auf verschiedene Elemente der Ornamentik ein. Auch im Altarraum der Kapelle gab es Einiges zur Renaissance zu erkunden. Die zweite Station war die Theatinerkirche St. Kajetan. Hier erklärte Peter Steiner zahlreiche Bestandteile des reich mit Stuck dekorierten Innenraums. Nach der Mittagspause traf sich die Exkursionsgruppe in der Allerheiligenkirche am Kreuz in der Kreuzstraße hinter dem Asamhof. Sie ist die ehemalige Friedhofskirche der Stadtpfarrei St. Peter und bis heute Nebenkirche des „Alten Peters“. Auch hier erläuterte Peter Steiner anhand der Architektur und Altargestaltung vielfältige Bezüge zum Veranstaltungsthema.