Abendvortrag im Rahmen der Historischen Tage 2026
Die „jüdische Aufklärung“ (Haskala) war von ihren Anfängen im 18. Jahrhundert an ein zutiefst umstrittenes Projekt, bewegte sie sich doch immer in der Spannung zwischen Assimilation an die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft und Bewahrung der eigenen Identität. Der Rekurs auf „jüdische Aufklärung“ zu Beginn des Deutschen Kaiserreichs war nicht zuletzt ein Versuch, die eigene Zugehörigkeit zum Deutschen Reich zu legitimieren und sich selbst als für die Moderne anschlussfähig zu erweisen.
Die jüdische Aufklärung war dabei nie ein einheitliches Projekt, sondern eine Reise der Ideen: von Berlin nach Osteuropa und zurück ins Deutsche Kaiserreich, geprägt von Denkern wie Achad Ha‘am. Sein „geistiger Zionismus“ wurde zum Wendepunkt – nicht als politische Bewegung, sondern als kulturelle Selbstvergewisserung in einer Zeit des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs sowie wachsenden Antisemitismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Der Vortrag der Historikerin und Expertin für das Judentum sowohl des 18. als auch des frühen 20. Jahrhunderts, Malgorzata Maksymiak, folgt dieser intellektuellen Migration: Wie prägten osteuropäische Stimmen wie Ha‘am die deutsch-jüdische Debatte? Welche kontroversen Reaktionen löste sein Plädoyer für eine Erneuerung jüdischer Identität jenseits von Assimilation oder Nationalismus aus und warum? Und wie veränderte diese Perspektive die Haskala-Rezeption im Kaiserreich?
Eine Spurensuche nach den Wurzeln moderner jüdischer Selbstbestimmung – zwischen Aufklärung, kultureller Renaissance und den Herausforderungen einer zunehmend nationalistischen Zeit.