„Ökumene“ – eines unserer großen Worte. Es stammt bekanntlich vom griechischen Wort für „wohnen“ ab, „oikein“, und dieses wiederum vom Wort „Oikos“, „Haus“.
I.
Wenn ich deshalb dem Wortsinn von Öku-mene nachgehe, darf ich zunächst als „Haus“-Herr Sie alle sehr herzlich begrüßen: Sie, ökumenisch gesinnte Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher christlicher Traditionen; Ordensobere, Patres und Schwestern, Priester, Theologinnen und Theologen, Domkapitulare und weitere Repräsentanten kirchlicher Leitungsebenen, Institutionen, Hilfswerke, Verbände und Gremien; Professoren der Wissenschaft, Damen und Herren der Medien; Verantwortliche aus Wirtschaft und Finanzwelt, von Politik und Verwaltung; die Romano-Guardini-Preisträgerin Sr. Lea Ackermann; den Ökumenepreisträger Landesbischof i.R. Johannes Friedrich; und all die vielen anderen Freunde unseres Hauses. Danke, dass Sie der Einladung gefolgt sind.
II.
Dieses Haus hat stabile Fundamente, sieben an der Zahl, die sieben bayerischen katholischen Diözesen. Das Urfundament gleichsam repräsentiert der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, der Protektor unserer Institution. Er hat eigens eine wichtige Tagung im Vatikan verschieben lassen, um heute hier dabei sein zu können. Ihm zur Seite Friedrich Kardinal Wetter, uns seit Jahrzehnten verbunden.
Die anderen Fundamente, sprich Diözesen, vertreten in offiziellem Auftrag ihrer jeweiligen Bischöfe Domkapitular Wolfgang Klausnitzer aus Bamberg; Domkapitular Thomas Pinzer und Wolfgang Stöckl aus Regensburg. Bischofsvikar Prälat Karlheinz Knebel und Prälat Eugen Kleindienst kommen aus der Diözese Augsburg, Domkapitular Prälat Dr. Christoph Kühn aus Eichstätt.
III.
Dass unser Akademie-Haus die zutreffenden Grundrisse aufweist, manchmal auch entsprechend renoviert wird, dafür sorgen die Mitglieder der Akademieleitung, gleichzeitig die Juroren des heute auszulobenden Preises: Hildegard Kronawitter, Wolfgang Schirmer, Prof. Carla Schulz-Hoffmann, Prof. Werner Weidenfeld, Prof. Johann Wittmann, Prälat Lorenz Wolf. Sie mögen stehen für alle Mitglieder der Gremien unserer Akademie, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, des Vereins der Freunde und Gönner mit Prof. Willibald Folz an der Spitze.
IV.
Gehe ich in der Geschichte des Wortes „Haus“, „oikos“, wieder zu den antiken Quellen zurück, findet es sich dort als eine von mehreren Metaphern für das Weltgebäude insgesamt. „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“, diesen Untertitel gab Papst Franziskus seiner Enzyklika Laudato si‘ zur Herausforderung öko-logisch angemessenen Verhaltens. Diese weltweite Dimension des Wortes „Haus“ hat sich dann in das Partizip Passiv des Verbums „oikein“, „wohnen“ hinübergerettet: „hä gä oikumene“, „die bewohnte Erde“. In der Antike war das zunächst der Begriff für jene Bereiche der Welt, die von Menschen gestaltet werden, wo also Kultur entsteht, im Gegensatz zu den menschenlosen Bereichen der Welt. Ich freue mich, dass viele aus solcher Kulturökumene heute da sind:
Natürlich vor allem unter seinem Gründer und Dirigenten Bob Ross der „Blechschaden“; vornehmer formuliert: die hoch berühmten und höchst gelobten Blechbläser der Münchner Philharmoniker, begleitet von ihrem Intendanten Paul Müller.
Dann eine große Zahl von Präsidenten und Direktoren wichtiger Kulturinstitutionen: Prof. Klaus-Dieter Lehmann für das Goetheinstitut, Prof. Hans-Jürgen Drescher für die Bayerische Theaterakademie August Everding, BR-Hörfunkdirektor Martin Wagner, Angelika Nollert, Chefin der „Neuen Sammlung München“, Prof. Ursula Münch, Akademie für Politische Bildung Tutzing, und Udo Hahn für die Evangelische Akademie Tutzing, Carmen König-Rothemund, Vorsitzende der Vollmar-Akademie.
V.
Im römischen Reich, später dann also, verstand man unter Ökumene die politische Gestalt des Imperium Romanum. Für die vielen Anwesenden, die in der Politik Verantwortung tragen, seien stellvertretend genannt:
Von der kommunalen Basis beginnend, wie es sich für ein gutes Subsidiaritätsprinzip gehört: Alexander Reissl, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat, und Frau Anja Burkhardt für die CSU; dann für den Freistaat Bayern Frau Staatsministerin Beate Merk, die in Vertretung des Ministerpräsidenten ein Grußwort sprechen wird.
Offiziell für die Fraktionen aus dem Maximilianeum, in alphabetischer Reihenfolge, Frau Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der Grünen, Karl Freller für die CSU, Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionsvorsitzender, zusammen mit etlichen weiteren Landtagsabgeordneten.
Den Souverän der Politik unseres Landes, das deutsche Volk, repräsentiert der stellvertretende Präsident des Deutschen Bundestags, Johannes Singhammer, begleitet von einer ebenfalls deutlichen Anzahl von Bundestagsabgeordneten. Dazu kommen die früheren Bundesminister Hans-Jochen Vogel und Theo Waigel.
Auch Brüssel ist heute sehr hochrangig vertreten, und zwar durch das Mitglied der EU-Kommission, Tibor Navracsics, den Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, zusammen mit seinem Team. 19 General- und Honorarkonsuln haben sich angemeldet, an ihrer Spitze der Generalsekretär des Konsularischen Corps in Bayern, Friedemann Greiner.
VI.
Bald nach den ersten christlichen Konzilien, ab dem vierten Jahrhundert, verband man mit „ökumenisch“ das, was allgemein gültig in der Kirche war, autoritativ und verpflichtend. Zu solcher autoritativer Ökumene passen gut, als Vertreter der hohen Justiz: der Präsident des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs Stephan Kersten, und Christoph Strötz, Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg.
VII.
Bei unserer Wortsinnsuche von „Ökumene“ landen wir dann mit einem riesigen Zeitsprung mitten im 19. Jahrhundert. Da entstand jene sich bewusst so nennende „ökumenische Bewegung“. Die hatte und hat ein doppeltes Ziel: erstens, die getrennte Christenheit im einen Haus zusammenzuführen, dessen Grundstein Jesus Christus selbst ist. Und auf diese Weise die bezeugende Kraft des christlichen Glaubens in der Welt zu stärken. So bin ich bei den heute hier versammelten Repräsentanten der christlichen Ökumene angelangt:
Für die evangelische Tradition Landesbischof und EKD-Vorsitzender Heinrich Bedford-Strohm; Simon Froben vom Moderamen der Evangelisch-reformierten Kirche in Bayern; Annekathrin Preidel, Präsidentin der Landessynode der ELKB; sie wird sich mit unseren Albert Schmid und Prof. Hans Tremmel über die Räteerfahrungen in unseren Kirchen austauschen;
In Vertretung von Erzbischof Agostinos Bischofsvikar Apostolos Malamoussis; Weihbischof Sofian von Kronstadt für die Rumänisch-Orthodoxe Metropolie München und Erzpriester Nikolai Zabelitch von der Berliner Diözese der Russisch-Orthodoxen Kirche.
In diese biblisch fundierte Gemeinschaft gehört selbstverständlich auch das Judentum, hier an der Spitze mit Frau Charlotte Knobloch.
VIII.
Ja, und heute nun steht die Verleihung des Ökumenischen Preises 2016 der Katholischen Akademie Bayern an. Der Name des diesjährigen Trägers hat erfreulicherweise für einen deutlichen Aufmerksamkeitseffekt gesorgt, nicht zuletzt wegen der Preisbegründung. Uns war wichtig:
Erstens, wir verstehen den Ökumenischen Preis natürlich nicht als Auszeichnung für konkrete politische Positionen und deren Durchsetzung. Da wird es, nicht nur unter Christen, häufig ziemlich unterschiedliche Meinungen geben. Nur drei Schlagworte: Armenien, Russland, Großbritannien.
Zweitens, eine ökumenische Grundhaltung zeigt sich in weit mehr als Mitgliedschaften in ökumenischen Gremien, so wichtig diese auch seien. Auch weit mehr als beim Verfassen ökumenischer Resolutionen, so wichtig diese auch seien.
Denn, drittens, zur Ökumene trägt ganz fundamental das konkrete Handeln jedes Einzelnen in der Gesellschaft bei, dessen Engagement für die Menschen man den gläubigen Impetus ansieht, anhört; dessen Handeln deshalb ein öffentliches Zeichen christlicher Grundüberzeugung ausstrahlt; und das deshalb die gemeinsame, die ökumenische Präsenz von Christinnen und Christen in der Gesellschaft gelassen-selbstbewusst verstärkt.
Erinnern wir uns deshalb nochmals an die fünf Stationen des Verständnisses von Ökumene, die wir vorhin kurz abgeschritten sind: Verantwortung für das gemeinsame Haus der Welt, Kultur als gesamtmenschliche Aufgabe, die politisch-rechtliche Staatsgestalt, das allgemein verpflichtende Erbe der christlichen Botschaft, überzeugendes und damit glaubensbezeugendes Handeln.
Wenn wir diese fünf Dimensionen zusammennehmen, dann, ja dann hätten wir schließlich wohl fast das spirituelle Psychogramm jener Person, wegen derer wir heute hier sind. Sehr verehrter Herr Bundesaußenminister, ganz intensiven Dank dafür, dass Sie bereit sind, in der Katholischen Akademie Bayern deren Ökumenischen Preis 2016 entgegenzunehmen. Ihnen und Ihrer verehrten Gemahlin, Frau Elke Büdenbender, die Sie erfreulicher- und ehrenderweise begleitet, sage ich ein herzliches Grüßgott.
Manchmal hat man ja in unseren Tagen fast den Eindruck, als hätte „Ökumene“ jene Bedeutung, mit der zum Beispiel der Evangelist Lukas in der Versuchungsgeschichte Jesu rechnet, wenn er unter „Ökumene“ die gesamte Welt meint, insofern sie unter der Herrschaft des Satans steht, des Versuchers, des Diabolos, der alles durcheinanderwirft. Da kommen wohl auf einen Außenminister, so stelle ich mir das jedenfalls vor, fast jeden Tag europaweit, weltweit bezogene Krisensitzungen zu. Um so wunderbarer, dass dieser Termin in der Prioritätenliste immer ganz oben stand, wie uns Ihr Büro versichert hat.
Danke allen, die dazu mitgeholfen haben: zunächst den Verantwortlichen im Büro des Herrn Außenministers; und von München aus haben Prof. Weidenfeld, anschließend Hans-Jochen Vogel mit Frau Hildegard Kronawitter Unterstützung geleistet, damit unser Studienleiter Bernhard Forster für die Organisation immer neue Hoffnung schöpfen konnte.
Ich komme nochmals auf Oikos, das Haus, zurück. In Ihrem persönlichen Haus, sehr verehrter Herr Bundesminister, pflegen Sie konkret die Ökumene mit Ihrer katholischen Gattin. Und was „Haus“ als Symbol für Geborgenheit und Sicherheit angeht: Sie haben uns gebeten, das Preisgeld von 10.000 Euro als Spende an das Flüchtlingsnetzwerk Brandenburg weiterzuleiten.
IX.
Sehr dankbar bin ich, dass Prof. Thomas Sternberg die Laudatio halten wird. Er ist der ideale Laudator, und das aus mindestens fünf Gründen. Erstens, bis vor kurzem hat er über mehr als zwei Jahrzehnte ein ähnliches Haus wie dieses hier geleitet, die renommierte katholisch-soziale Akademie Franz-Hitze Haus in Münster. Zweitens, er ist wie Frank-Walter Steinmeier kirchlicher Laie. Drittens, wie dieser ist er Abgeordneter, und zwar im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Viertens, anders als der Außenminister gehört er der Union an, wodurch das Rednertableau des heutigen Tages schön ausgeglichen ist. Und fünftens, am wichtigsten: Thomas Sternberg ist Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und damit Chef der Katholikentage. Eben erst hat er dessen 100. Auflage in Leipzig verantwortet. So fungiert er gleichsam als Kollege von Frank-Walter Steinmeier, der seinerseits zum Präsidenten des 37. Evangelischen Kirchentages 2019 in Dortmund designiert wurde.
X.
Wir hier, wir wissen gemeinsam, was der Psalm 127 so formuliert: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut.“ In diesem Sinne Ihnen, uns allen gesegnete eineinhalb Stunden.