Die Katholische Akademie hat einen hervorragenden Ruf in Bayern und weit darüber hinaus. Die Mandlstraße 23 gilt als Premium-Adresse für den anspruchsvollen Austausch von Kirche und Welt. In diesen Räumen wird um Einsicht und Verständigung gerungen – leidenschaftlich, differenziert, immer mit Respekt vor der Meinung und Haltung des Gegenübers. Wir in Bayern sind stolz auf diesen Leuchtturm des gelehrten Dialogs!
Hier werden die Werte unseres christlich-jüdischen Menschenbildes gelebt. Humanität, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit – all das macht unser christliches Wertebild aus. Diese christlich-jüdische Tradition ist auch das Fundament für den Zusammenhalt in Europa und den Frieden in der Welt.
Zusammenhalt in Europa und Frieden in der Welt – wer hätte noch vor zwei oder drei Jahren gedacht, dass diese Themen und damit die Außenpolitik so sehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von uns allen rücken. Deshalb erhält der diesjährige Preisträger des Ökumenischen Preises den Preis genau zur rechten Zeit!
Sehr geehrter Herr Bundesminister Steinmeier,
ich heiße Sie herzlich in Bayern willkommen. Gratulation zu dieser Auszeichnung! Der Ökumenische Preis ist eine Anerkennung für Ihr Wirken als Christ und Brückenbauer – und zugleich Ermutigung für alle, denen Solidarität, Frieden und Freiheit am Herzen liegen. Meinen herzlichen Glückwunsch!
Gerade in Zeiten der Krise in Europa, der weltweiten Herausforderungen durch Terror und Krieg, müssen wir uns wieder stärker auf unsere Werte als Kern unseres Zusammenlebens besinnen.
Sie, Herr Bundesaußenminister, prägen in zentralem Maße die deutsche Antwort auf die vielen Krisen und Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind. Wie viele es sind, erfahre auch ich jede Woche aufs Neue. Wo auch immer ich als für die Außenbeziehungen des Freistaats Bayern zuständige Ministerin hinkomme: die Themen Flucht und Migration, Ukraine und Russland, jetzt Brexit stehen sofort im Mittelpunkt des Gesprächs – um nur einige ganz besonders aktuelle Beispiele zu nennen.
Und ich merke: außen- und europapolitische Themen dominieren jetzt auch – ganz anders als früher – die Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern hier zu Hause.
Wir müssen uns angesichts der Fülle der Probleme umso stärker unseres grundlegenden Wertekanons rückversichern. Papst Franziskus hat bei der Verleihung des Karlspreises am 6. Mai 2016 mahnende Worte an uns alle gerichtet: „Was ist mit Dir los, humanistisches Europa, Du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit?“
Die Flüchtlingskrise stellt uns alle vor große Herausforderungen und fordert gerade von uns Christenmenschen ein mutiges Handeln. Klar ist aber auch: Wir können diese Herausforderung nicht alleine stemmen. Hier müssen alle in Europa zusammenstehen.
Millionen von Menschen machen sich weltweit auf den Weg. Sie flüchten vor Krieg und Terror, vor Hunger und Not. Die Menschen hoffen auf Europa, sie hoffen auf unsere Werte: Jeder Mensch ist einmalig in seiner Würde – vom Anfang bis zum Ende seines Lebens. Menschenrechte, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Freiheit in Verantwortung für den Nächsten und die Schöpfung.
Ich selbst habe Menschen in Flüchtlingscamps im Libanon, in der Türkei und in Jordanien besucht. Gerade die Kinder haben mich tief berührt. Da ist so viel Hoffnung in den Augen dieser Mädchen und Buben – trotz all dem Leid, das sie erfahren haben. Diese Kinder dürfen wir nicht vergessen. Bayern stellt sich seiner Verantwortung. Wir wollen Perspektiven in den Herkunftsländern schaffen. Dafür werden wir im neuen Doppelhaushalt die Mittel um ein Vielfaches erhöhen.
Für eine bessere Welt brauchen wir Vorbilder, die sich stark machen für Schwächere, die Probleme anpacken und handeln, statt sich wegzuducken. Wir brauchen Menschen, die ihre Überzeugung als Christen leben und wissen: Für Versöhnung, Frieden und Freiheit müssen wir uns Tag für Tag einsetzen. Der Ökumenische Preis der Katholischen Akademie ist ein starkes Signal: Setzen wir uns gemeinsam weiter ein für Verständigung über Grenzen hinweg, für Frieden und Hoffnung in der Welt! Ich freue mich auf die Preisverleihung.