Die Frühphase der Reformation war in Europa nicht nur eine Zeit großer religiöser Unsicherheit, sondern auch massiver sozialer Konflikte (Deutscher Bauernkrieg), machtpolitischer Auseinandersetzungen vor allem zwischen dem Haus Habsburg und Frankreich, sowie ernster Bedrohungen von außen (osmanische Expansion auf dem Balkan und in Ungarn).
Der Reichstag von Speyer im Sommer des Jahres 1526 war ein Versuch vor allem der Reichsfürsten, nach dem Bauernkrieg die politisch-soziale Ordnung zu stabilisieren, die Spannungen im Reich (u.a. durch Kompromisse in der Konfessionsfrage) in den Griff zu bekommen und gegenüber den Osmanen handlungsfähig zu werden. Der Erhellung dieser komplexen Gemengelage dient unsere Abendveranstaltung, die wir in Kooperation mit dem Bischöflichen Beauftragten für Bistumsgeschichte der Diözese Augsburg und dem Verein für Augsburger Bistumsgeschichte organisieren.
Der Abend in Augsburg dient auch als Auftakt einer Reihe ökumenischer Veranstaltungen in den kommenden Jahren, mit denen wir das 500-jährige Jubiläum der Confessio Augustana wissenschaftlich begleiten wollen. Dieses Dokument entstand 1530 auf einem Reichstag zu Augsburg als zentrales Bekenntnis der lutherischen Reformation und prägt bis heute evangelische Kirchen weltweit. Die Bedeutung des Dokuments liegt nicht nur in der theologischen Klärung zentraler Fragen, sondern wird heute auch als Versuch gesehen, Verständigung und Frieden in einer Zeit religiöser Spannungen zu erreichen.