Aufbruch des Katholizismus in die Welt

Brasilien, Mexiko und die Philippinen

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Europäische Konfessionalisierung und global werdender Katholizismus

 

Als im Jahre 1517 der Wittenberger Theologieprofessor Dr. Martin Luther OESA mit seinen 95 Thesen zur kirchlichen Bußpraxis Aufsehen erregte, lag die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus bereits ein Vierteljahrhundert zurück. Dort wie auch in Indien, dem ursprünglichen Ziel des Seefahrers, waren schon Ordensleute als Glaubensboten tätig. Und in Afrika gab es am Kongo ein Königreich unter einem bereits katholisch getauften Fürsten. Während 1530 auf dem Augsburger Reichstag die evangelischen Stände (Kursachsen, Brandenburg-Ansbach, Braunschweig-Lüneburg, Hessen, Anhalt, Nürnberg und Reutlingen) ihre unter Federführung von Philipp Melanchthon verfasste Bekenntnisschrift „Confessio Augustana“ vorlegten, diskutierte man in Mexiko unter den Franziskanern konkrete Fragen der Hinführung der einheimischen Bevölkerung zum christlichen Glauben. Es entstanden die ersten Katechismen und liturgischen Bücher für die Spendung der Sakramente.

Im Reich brachte das Jahr 1555 den Augsburger Religionsfrieden, die rechtliche Anerkennung der lutherischen Reformation; zur gleichen Zeit entstanden im fernen Japan erste katholische Gemeinden, die in den folgenden Jahrzehnten sechsstellige Mitgliederzahlen erreichten. Als sich um das Jahr 1580 die inzwischen zersplitterte protestantische Bewegung konsolidiert hatte, existierte in Spanisch-Amerika und in den portugiesischen Territorien in Afrika und Asien bereits eine festgefügte kirchliche Organisation mit dreißig katholischen Bistümern. Im zuvor hermetisch abgeschlossenen China ließen sich die ersten Jesuitenmissionare nieder. Die reformatorische Bewegung im Herzen Europas und die weltweite Ausbreitung der katholischen Kirche sind also zeitgleiche Erscheinungen.

Beide Vorgänge haben die kirchlichen wie die politischen Landkarten verändert. Der Versuch einer reformatorischen Erneuerung der Christenheit, der Luther vor Augen stand, schlug insofern fehl, als anstelle der einen, aus dem Geist des Evangeliums erneuerten Kirche sich fortan rivalisierende Religionsparteien und innerprotestantische Gruppierungen gegenüberstanden. Die konfessionelle wie territoriale Zersplitterung des alten Kontinents war die Folge. Wie sehr dieser Vorgang noch am Ende des 20. Jahrhunderts das politische Gesicht Europas bestimmte, zeigt der Blick etwa nach Irland oder auf den Balkan, wo die Bruchlinien der Konflikte auch durch religiös-konfessionelle Komponenten bestimmt waren. Umgekehrt führten die Expansion der iberischen Mächte und die in ihrem Kontext erfolgende überseeische Ausbreitung des Katholizismus dazu, dass dieser seine europäische Begrenzung überwand und sich zur Weltkirche zu entwickeln begann, sich globalisierte.

Heute liegt der geographische Schwerpunkt der Christenheit insgesamt und des Katholizismus im Besonderen in der südlichen Erdhälfte. Dies ist das Resultat eines Prozesses, der im späten 15. Jahrhundert eingesetzt hat. Brasilien, Mexiko und die Philippinen sind im frühen 21. Jahrhundert die größten katholischen Länder der Erde. In ihnen lebt etwa ein Viertel der weltweit circa 1,25 Milliarden Katholiken. Alle drei Länder hatten ihren ersten Kontakt mit dem Christentum während der Lebenszeit Martin Luthers (1483-1546). Die Umfahrung Afrikas, die Entdeckung der Seewege nach Süd- und Ostasien und die Eroberung Amerikas erfolgten in genau diesen Jahrzehnten.

Im Unterschied zu seinen älteren deutschen Zeitgenossen, dem Kaufmann Martin Behaim, der in den frühen 1480er Jahren an einer portugiesischen Expedition zur Westküste Afrikas teilnahm und sein geografisches Wissen auf einem Globus darstellte, und dem Maler Albrecht Dürer, der sich bei seinen Studien zur idealen Stadt vom Grundriss des aztekischen Tenochtitlán inspirieren ließ, haben Luther diese Ereignisse und die von ihnen ausgehenden Herausforderungen offenbar nicht bewegt. Heinz Schilling stellt in seinem Werk „Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs“ fest, dass das Weltbild des Reformators bis zu seinem Tod „kontinental und von den neuen Welten seltsam unberührt“ blieb: „In den 1520er Jahren setzte er sich in einer Epistel und einer Predigt mit dem scheinbaren Widerspruch auseinander, dass einerseits die Bibel von der Mission der Apostel sagt: ,ir stimm ist in die gantze welt außgangen‘, andererseits ‚vil inseln erfunnden wordenn noch zu unseren zeiten, die da heiden seint und niemant hat in gepredigt.‘ Und in seiner in den 1540er Jahren vorgelegten Geschichtstabelle ‚Supputatio annorum mundi‘ deutete er neue Krankheiten, die von den im Ozean entdeckten Inseln nach Europa gelangt waren, als ‚Unum de signis magnis ante diem Extremum‘, also als ein Zeichen des Weltendes. Jenseits dieser missionstheologischen und eschatologischen Perspektive fand Luther kein Interesse am Ausgreifen Europas auf die anderen Kontinente.“

In den religiösen Orden gab es in jenen Jahren durchaus einen transnationalen Informationsfluss. Dieser erreichte aber kaum noch den Wirkungsbereich der Reformation, da Luther mit seiner auf der Wartburg 1521/22 verfassten Fundamentalkritik des Mönchtums („De votis monasticis“) das Ordensleben aus dem entstehenden evangelischen Kirchentum ausgegrenzt hatte. Beispielhaft für die Verknüpfung von Kontrovers- und Missionstheologie sind Leben und Werk des Franziskaners Nikolaus Ferber, der meist nach seinem Heimatort Herborn genannt wird. Als Guardian des Marburger Konvents war er schon früh mit der durch Landgraf Philipp von Hessen geförderten Reformation in Konflikt geraten, so auf einer Synode in Homberg 1526. Seit 1527 Guardian in Brühl und Domprediger in Köln, verfasste er ein 1528 erschienenes „Locorum communium adversus huius temporis haereses Enchiridion“. Im folgenden Jahr wurde er Provinzial der Kölner Provinz der Observanten, nahm als solcher 1532 in Toulouse am Generalkapitel der „Cismontanischen“, also diesseits der Alpen gelegenen Ordensprovinzen (Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, England, Irland) teil und wurde dort zum Generalkommissar gewählt.

Durch in Toulouse anwesende Franziskaner, die aus Amerika nach Europa zurückgekommen waren, und durch Briefe und Denkschriften, die von anderen Franziskanern aus der Neuen Welt an das Generalkapitel geschickt worden waren, trat die überseeische Welt in Ferbers Bewusstsein. Umgehend schrieb er einen „Abriss der Bekehrung der Indianervölker zum Glauben Christi“, gedruckt 1532 bei Birckmann in Köln und 1555 bei Johannes Herwagen in Basel nochmals aufgelegt.

Was waren die Gründe für die missionarische Abstinenz der protestantischen Kirchen? Zunächst ist sie einfach durch die äußeren Verhältnisse bedingt. Landeskirchliche Begrenzung („cuius regio, eius et religio“) ließ den Gedanken an weitergehende Unternehmungen gar nicht erst aufkommen. Andere Faktoren kamen hinzu. Eines der wirksamsten Instrumente missionarischer Ausbreitung, nämlich die religiösen Orden, hatte die Reformation von sich aus aufgegeben. In den kontroverstheologischen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts spielte die Frage eine bestimmende Rolle. Roberto Bellarmin SJ bestritt in seinen „Disputationes de controversiis christianae fidei“ von 1586/93 den Wahrheitsanspruch der Protestanten und verwies dafür auf deren fehlendes missionarisches Zeugnis. Wie können die Lutheraner behaupten, die Kirche Gottes zu repräsentieren, wenn ihnen doch ein entscheidendes Merkmal von Kirche, das der räumlichen Katholizität, der Verbreitung bis an die Enden der Erde, so offenkundig abgeht?

In Spanien hat man 2017 weniger an den 31. Oktober als an den 8. November 1517 erinnert. An diesem Tag starb Francisco Jiménez de Cisneros. 1484, in dem Jahr, das auf Luthers Geburt folgte, war er nach einer typischen Klerikerkarriere der Renaissancezeit als 48-Jähriger bei den Franziskanerobservanten eingetreten und bald zu einem angesehenen Seelenführer, Prediger und schließlich Provinzvikar geworden. 1492 Beichtvater der Königin Isabella, nahm er 1495 nach einigem Zögern das Amt des Erzbischofs von Toledo an. Nach Isabellas Tod 1504 wurde er Berater ihres Gatten Ferdinand V. von Aragón und erhielt 1507 das Kardinalat.

Schon seit dem Jahre 1500 entsandte er erste Mitglieder seines Ordens nach Santo Domingo in Westindien. Cisneros war um eine religiöse und kulturelle Erneuerung seines und der anderen Orden, des Klerus und der gesamten Kirche und Gesellschaft Spaniens bemüht, vor allem durch ein verbessertes Bildungswesen. Er gründete 1508 die Universität Alcalá de Henares, unterstützte die Edition der „Complutenser Polyglotte“ der Heiligen Schrift und förderte Übersetzung und Verbreitung geistlicher Schriften wie der „Fioretti“ von Franz von Assisi und der „Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempen. Zuletzt, nach König Ferdinands Tod am 23. Januar 1516, trat er an die Spitze des Landes, um das Erbe der „Katholischen Könige“ für ihren Enkel, den neuen Herrscher Karl (V./I.) zu sichern. Dabei wirkte er mit dessen Bevollmächtigtem und einstigem Erzieher zusammen, Adrian von Utrecht, dem späteren Papst Hadrian VI. (1522/23).

 

Die Mission der Franziskaner in Mexiko

 

Seit 1523 begann eine planmäßige Missionierung Mexikos, bei der die von heilsgeschichtlichen Hoffnungen geprägten Franziskaner eine entscheidende Rolle spielten. 1524 entsandte der Generalminister der Franziskaner zwölf Brüder der Kustodie St. Gabriel aus der südwestspanischen Extremadura nach Mexiko. Aufgrund ihres Wirkens werden sie von der dortigen Überlieferung „die zwölf Apostel“ genannt. Sie kamen, um das Evangelium in die Neue Welt zu bringen und das Ideal einer armen, apostolischen Urkirche zu verwirklichen. Bei der Ankunft ritt ihnen der Gouverneur Hernán Cortés entgegen, stieg zum Erstaunen der Einheimischen vom Pferd und kniete vor den unansehnlich scheinenden Missionaren nieder. Einer von ihnen, Toribio de Benavente, ließ sich von den Indios den Namen „Motolinía“, Armer, geben.

Bei Jerónimo de Mendieta liest man darüber: „Die Indios liefen hinter ihnen her (wie die Kinder eines Dorfes hinter den Fremden herzulaufen pflegen), und dabei staunten sie sehr, dass diese so schäbig angezogen und so verschieden waren von den spanischen Soldaten. Und sie fragten einander: Was für Menschen sind diese Armseligen? Was für ein Kleid haben sie an? Diese sind nicht wie die anderen Christen aus Kastilien. Und sie wiederholten mehrmals ein indianisches Wort: Motolinía, motolinía. Und einer von den Patres, der Toribio de Benavente hieß, fragte einen Spanier, was dieses Wort, das sie so oft wiederholten, zu bedeuten habe. Der Spanier antwortete: Pater, motolinía bedeutet: der Arme oder Armselige. Daraufhin erwiderte Fray Toribio: Das wird von nun an mein Name für den Rest meines Lebens sein. Und aus diesem Grund nannte er sich und unterschrieb er von nun an Fray Toribio Motolinía.“

Die „Zwölf“ kamen mit irenischem Geist nach Mexiko. In der unterworfenen, armen Bevölkerung entdeckten sie ein viele Werte des Evangeliums bereits lebendes Volk. Motolinía schreibt dazu: „Sie verbringen nicht schlaflose Nächte, um darüber nachzusinnen, wie sie Reichtümer erwerben und aufbewahren können, noch würden sie sich gegenseitig töten, um Ämter und Ehre zu erlangen … Sie sind sanftmütig wie Schafe. Ohne Streitereien und Feindseligkeiten verbringen sie ihre Zeit und ihr Leben. Sie arbeiten, um das Notwendige für ihr Leben zu beschaffen, und wollen darüber hinaus nichts mehr.“

Motolinía berichtet von einigen Millionen Getauften in den beiden ersten Jahrzehnten franziskanischen Wirkens in Mexiko. Er und seine Mitbrüder bewunderten den Gemeinsinn der barfüßigen Indios, das Fehlen aller Habsucht unter ihnen. Sie sahen in ihnen die „Kleinen“ des Evangeliums (Mk 10,15), denen Jesus das Himmelreich zugesagt hat. Mit ihnen wollten sie eine Kirche im ursprünglichen Geist Christi aufbauen. So kam es zu den raschen Taufen. Mag die von Motolinía genannte Zahl zunächst auch übertrieben scheinen, sie ist angesichts der Bevölkerungsdichte Mexikos, des dauernden Umherziehens der Fratres und auch im Hinblick auf die großen Vorhöfe bei den Klosterkirchen, in denen sich Zehntausende von Indios versammeln konnten, nicht auszuschließen. Es ging den Franziskanern um eine indigene Kirche. Christianisierung der Indios und nur soweit unumgänglich auch Hispanisierung war ihre Zielsetzung. Diesem Programm entsprach ihr Studium der autochthonen Sprachen.

Der 1529 nach Mexiko gekommene Fray Bernardino de Sahagún gilt als der bedeutendste Ethnograph der aztekischen Kultur. Sein großes Verdienst ist es, dass er die Mexica selbst über ihre Kultur befragte und so eine umfassende Enzyklopädie von Leben, Kultur und Sprache des alten Mexiko erstellen konnte. Sahagún lernte Náhuatl, studierte alle Aspekte der aztekischen Gesellschaft und ließ seine Schüler, Überlebende der Aztekengeschlechter, die alten Erzählungen ihres Volkes in bebilderten Texten aufschreiben, die er dann übersetzte. So entstand ein in zwei Spalten gesetztes, zweisprachiges Werk in Náhuatl und spanischer Sprache, die „Historia General de las Cosas de Nueva España“, die „Allgemeine Geschichte der Dinge von Neu-Spanien“.

Sahagún war als Lehrer für lateinische Grammatik an dem Kolleg Santa Cruz de Tlatelolco tätig. Den franziskanischen Chronisten zufolge sollte das Kolleg dem Aufbau einer indigenen Kirche dienen und für sie indianisch-christliche Priester ausbilden. Es wurde am Fest Epiphanie, 6. Januar, des Jahres 1536 eingeweiht, ein symbolischer Tag: Dem Mensch gewordenen Gott huldigen die Repräsentanten ferner Völker. Etwa hundert Jungen erhielten in Tlatelolco erstklassige Lehrer. Sie lernten lateinisch zu lesen und zu schreiben, wurden in Mathematik unterrichtet, in den „Artes“ und Musik, in Philosophie, die Begabtesten schließlich auch in Theologie. Doch traten Schwierigkeiten auf, nämlich Misstrauen und Widerstand gegen das Projekt bei den spanischen Landsleuten; darüber berichtet Sahagún: „Nachdem man mit ihnen zwei oder drei Jahre gearbeitet hatte, lernten sie alle Teile der Grammatikkunst sowie Lateinisch sprechen und verstehen, ja sogar Lateinisch zu schreiben und epische Gedichte zu verfassen … Als die Laien und die Kleriker sahen, dass die jungen Indianer Fortschritte machten und weitere Begabungen erkennen ließen, begannen sie, dieser Sache zu widersprechen und viele Einwände zu erheben, um ihren Fortgang zu verhindern.“

Bischof Juan de Zumárraga, selber Franziskaner – er war am 2. September 1530 zum ersten Bischof von Mexiko ernannt worden – , hielt 1540 in einem Brief an Karl V. fest, dass die begabtesten Jungen eher zur Ehe als zur Ehelosigkeit neigten, und äußerte Zweifel am Sinn des Kollegs. Auch der ursprünglich davon begeisterte Motolinía verfiel in Pessimismus. Die Gegenstimmen wurden so stark, dass sich das erste Provinzialkonzil von Mexiko 1555 gegen die Priesterweihe der indianischen Neuchristen aussprach. Erst der vierten Generation seit der Konversion sollte sie möglich sein.

Weil sie eine indigene Urkirche aufbauen und die einheimische Bevölkerung vor dem vereinnahmenden Zugriff der europäischen Siedler schützen wollten, traten viele Franziskaner für eine Politik der getrennten Entwicklung „zweier Republiken“ ein, der spanischen und der indigenen. Chronist dieser Bewegung wurde Gerónimo de Mendieta in seinem 1597 verfassten Werk „Historia eclesiástica indiana“, einer „indianischen Kirchengeschichte“. Mendieta war sich der politischen Dimension des franziskanischen Evangelisierungskonzeptes bewusst. Die auf dem Land lebende, agrarisch und nicht gewinnorientiert wirtschaftende Bevölkerung sollte dem Schutz der Klöster anvertraut werden. Er glaubte, die Franziskaner könnten von ihren Konventen aus die Indios der umliegenden Landstriche wie große Klostergemeinschaften führen. Bis 1569 waren schon 96 solcher Franziskanerklöster gegründet. Bis heute prägen ihre Bauten die Landschaft des damaligen Vizekönigreichs Neu-Spanien.

Einige Jahre später als die Franziskaner kamen die Dominikaner (1526) und dann auch die Augustiner (1533) nach Mexiko, also jener Orden, den Martin Luther acht Jahre zuvor in Wittenberg verlassen hatte. Während die Dominikaner ihre Arbeit im Süden des Landes konzentrierten, wandten sich die Augustiner nach Norden. In derselben Zeit wurden auch die ersten Diözesen Mexikos errichtet: Tlaxcala, das schon bald nach Puebla verlegt wurde (1525); Mexiko-Stadt (1530); Oaxaca (1535); Michoacán (1536). Hinzu kamen Guatemala (1534) und Chiapas (1538) in Mittelamerika. Dieselben Diözesen wurden, als Mexiko-Stadt 1546 zum Erzbistum erhoben wurde, diesem als Suffraganbistümer zugeordnet. In Mexiko-Stadt begann Bischof Juan de Zumárraga OFM mit dem Bau der Kathedrale, gründete ein Hospital, und es gelang ihm, eine Druckerei zu eröffnen, die erste überhaupt in der Neuen Welt.

 

Die Jesuiten in Brasilien

 

Brasilien war von Pedro Álvarez Cabral auf der zweiten portugiesischen Indienfahrt im April des Jahres 1500 eher zufällig entdeckt worden. Im Jahre 1549 wurde der erste Gouverneur ernannt. Mit der damaligen Schaffung einer Regierung für Brasilien wurden auch die Mission und der Aufbau der Kirche als Aufgabe der Krone im Rahmen ihres Patronats erkannt. Am 25. Februar 1551 errichtete Papst Julius III. die Diözese São Salvador da Bahia für Brasilien, das bis dahin als Teil der Erzdiözese Funchal gegolten hatte.

Maßgeblich für die kirchliche Entwicklung Brasiliens wurde die Tätigkeit der Gesellschaft Jesu. Zusammen mit dem ersten Gouverneur Tomé de Sousa trafen am 29. März 1549 sechs Jesuiten im Land ein. Sie gründeten ein Kolleg ihres Ordens in Salvador da Bahia, das erste in Südamerika. Brasilien wurde schon 1553 selbstständige Ordensprovinz der Gesellschaft Jesu – also noch zu Lebzeiten von Ignatius von Loyola und beträchtlich früher als Peru (1568) und Mexiko (1572) in Spanisch-Amerika. Die Jesuiten traten umgehend in Kontakt mit der indigenen Bevölkerung. Manoel da Nóbrega, ihr Superior, berichtete 1552 über die Gründung von sechs „aldeias“, Dörfern in der Umgebung von Salvador, wo die Indios zusammengeführt und zu christlicher Lebensgestaltung angeleitet wurden. Dies entsprach den Intentionen der portugiesischen Krone, widersprach aber den Interessen der Siedler, die in den Indios billige Arbeitskräfte sahen. Da auch die Lebensweise der Kolonisten die evangelisatorischen Ziele der Jesuiten konterkarierte, entschlossen sich diese zur Gründung eines neuen Hauses weit entfernt von den Siedlungen der Portugiesen. Am 25. Januar 1554, dem Fest „Bekehrung des Apostels Paulus“, gründeten sie die spätere Stadt und heutige Metropole São Paulo.

Daran war bereits José de Anchieta beteiligt, ein im Vorjahr als 19-jähriger Student aus Coimbra nach Brasilien gekommener Jesuit, der über ein großes Sprachentalent verfügte. Dieses entfaltete er im Kontakt besonders mit der indigenen Jugend. Er setzte zugunsten der christlichen Glaubensvermittlung auch Musik, Gesang und Theaterspiel ein. Die Jesuiten strebten von den Zentren der Kolonie an der Küste weg ins Landesinnere. Hier wollten sie die Indios in Gemeinden sesshaft machen, ihnen die Versklavung ersparen, ihr Überleben sichern und sie zu christlichen Lebensgewohnheiten anleiten. Anchieta, 1566 zum Priester geweiht, hielt sich immer wieder monatelang in den indigenen Territorien auf. Es gelang ihm, viele Stämme, die in dauerndem Krieg untereinander und mit ihren portugiesischen Bedrückern lebten, zu befrieden. So wurde er ein ausgezeichneter Kenner der Sprache der Tupí, in der er predigte, einen „Dialogo da fé“ und eine „Doutrina Cristã“ sowie viele weitere Schriften verfasste und für die er ein Wörterbuch und eine Grammatik anlegte. Letztlich ist es auf ihn zurückzuführen, dass die Tupí-Sprache zur „lingua franca“ der indianischen Völker Brasiliens geworden ist, weil seine Katechismen später von den Missionaren auch in anderen Teilen des großen Landes benutzt wurden. Anchieta war 1577-1588 der fünfte Provinzial der Gesellschaft Jesu in Brasilien. Zuletzt lebte und arbeitete er in Espíritu Santo, wo er 1597 in der „aldeia“ Reritiba, die heute Anchieta heißt, starb.

Weil die Jesuiten in Brasilien sehr bald ein geschlossenes, in sich stimmiges Missionskonzept entwickelt hatten, das zunächst auf die Abschirmung der indigenen Gesellschaft vor den als schädlich empfundenen Einflüssen der Kolonialgesellschaft abzielte, um mit den Indios allmählich einheimische christliche Gemeinden zu bilden, waren sie relativ schnell mit Teilen der kolonialen Eliten in Konflikt geraten. Es entspann sich eine in den Eingaben der beiden Parteiungen an die Kronbehörden gut dokumentierte Debatte, während derer sich der Jesuitenorden zum Vorkämpfer der Rechte der Indios entwickelte. Zugleich verdanken wir einer ganzen Reihe von Schriften prominenter Jesuiten erste systematische Informationen über die indigene Bevölkerung Brasiliens, deren Kultur und Brauchtum. Nach Salvador da Bahia (1549) und São Paulo (1554) wurden Jesuitenkollegien auch in São Sebastião do Rio de Janeiro (1568) und Olinda (1576) gegründet, in deren näherem und weiterem Umkreis weitere Missionsdörfer entstanden.

Das Amazonas-Becken gehört bis heute zu den schwer zugänglichen Gebieten Südamerikas. Es wurde im Laufe der Jahrhunderte nur langsam durchdrungen und missioniert. Von der ersten „Entdeckung“ 1542 bis Mitte des 17. Jahrhunderts konzentrierte sich das europäische Interesse auf den Hauptstrom Amazonas, auch Maranhão genannt. Bis zur Vertreibung der Jesuiten 1759 waren erst einige der ungezählten Nebenflüsse bekanntgeworden, so der Tocantins, der Madeira, der Tapajós, der Rio Negro und der Solimões. Die Grenzen des portugiesischen Amazonien, das Portugal als „Estado do Maranhão“ seit 1621 von Brasilien getrennt verwaltete (bis 1774), zur spanischen Einflusssphäre blieben umstritten. Immer wieder kam es zu bewaffneten Konflikten und vor allem zu Sklavenjagden auf „Indios“ auf dem jeweils anderen Territorium.

Schon 1607 hatten sich von Pernambuco aus die ersten Jesuiten auf den Weg in die Serra do Ibiapaba gemacht. Unter den Ordensleuten ragt Antonio Vieira hervor. 1602 in Lissabon geboren, war Vieira in Bahia aufgewachsen, wo sein Vater 1609 einen Posten am Obersten Gerichtshof erhalten hatte. 1623 Jesuit geworden, erregte Vieira durch sein wortgewaltiges Predigertalent Aufsehen. 1641 wurde er Berater von König João IV. in Lissabon, übernahm diplomatische Aufgaben in Frankreich und Italien und wurde 1644 Hofprediger. Seine „sermões“ gehören zu den Klassikern der portugiesischen Literatur.

1652 zum Missionsoberen der Jesuiten in Maranhão ernannt, kämpfte Vieira leidenschaftlich für die Lebensrechte der Indios. Mit ihm begann die weit nach Westen ausgreifende Jesuitenmission Amazoniens. 1661 eskalierten die andauernden Spannungen mit den Siedlern, die ihn und im folgenden Jahr sämtliche Jesuiten gefangen nahmen und nach Lissabon schickten. Obwohl er drei Jahre von der Inquisition in Haft gehalten wurde, gelang ihm die Restitution der Arbeit der Jesuiten. Er selbst durfte allerdings nicht nach Belém zurück, sondern nur nach Bahia, wo er noch auf dem Sterbebett 1697 mit dem Indio-Schutz befasst war.

Vieira bezog seine prophetische Haltung aus einer tiefen Überzeugung von der missionarischen Berufung Portugals und der portugiesischen Könige. Portugal war für ihn ähnlich wie das alte Israel ein auserwähltes Volk Gottes. Alle Portugiesen – Missionare, Soldaten, Siedler – sind aufgerufen, das Licht des Glaubens in die Welt zu bringen. In den Indios erkannte Vieira Wesen mit menschlichen Rechten, dem Recht auf Freiheit, dem Recht auf Land und dem Recht auf Erlösung. Deshalb sollten die Portugiesen den Indianern gegenüber Nächstenliebe walten lassen und sie nicht in Armut, Leid und Versklavung stoßen.

1686 wurde das sogenannte Missionsregiment eingeführt, das der Gesellschaft Jesu auch die politische und wirtschaftliche Jurisdiktion über die Missionen Amazoniens verlieh. Damit setzte eine Konsolidierungsphase ein. Es gelang den Jesuiten, viele weitere Indios in großen Dörfern zusammenzuführen, sie vor dem portugiesischen Militär abzuschirmen und ihre wirtschaftliche Autarkie zu sichern.

In den „aldeias“ wurde nicht portugiesisch, sondern tupí gesprochen. Ähnlich wie bei den Guaraní in Paraguay erreichte der Orden sogar, dass die Indios zu ihrer Verteidigung Waffen tragen konnten. Kritisch hat man gelegentlich bemerkt, dass die Missionssiedlungen damals zu großen Wirtschaftsunternehmen wurden, auf denen man erfolgreich landwirtschaftliche Produkte (Maniok, Zucker, Kakao, Baumwolle) erzeugte und Gewinne erwirtschaftete, welche in die Siedlungen reinvestiert wurden.

An Vieiras Stelle als Missionsoberer war 1668 P. Johann Philipp Bettendorff SJ aus Lintgen in Luxemburg getreten. Er unternahm große Anstrengungen, den Zustand der Missionen zu verbessern und ihren Rechtsstatus gegenüber der 1677 errichteten Diözese São Luis de Maranhão und gegenüber der Regierung in Lissabon zu klären. Mit Ausgangspunkten in den beiden Kollegien von São Luis und Belém entwickelten die Missionare bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ein Netz von 32 „aldeias“ entlang des Amazonas und seiner großen Nebenflüsse.

Der anhaltende Neid der Kolonisten bereitete den Boden für eine extreme Reaktion des Staates, der keinen Staat im Staate wollte.

Die in den „aldeias“ aufgebaute christlich-indianische Zivilisation wurde durch die Politik des Premierministers König Josephs I., des Marquês de Pombal, nach einer vorangegangenen Verleumdungskampagne gegen die Jesuiten zunichte gemacht. Unter dem zynischen Titel eines „Gesetzes zur Wiederherstellung der Freiheit der Indios“ verfügte er 1759 die Ausweisung sämtlicher Jesuiten aus allen Teilen des portugiesischen Reiches. P. Anselm Eckart aus Mainz, Bruder des in Erfurt residierenden Mainzer Weihbischofs Johann Georg von Eckart, der Missionar in Piraguirí/Xingú, Abacaxís/Rio Madeira und zuletzt in Trocano am Rio Madeira gewesen war, hat rückblickend nach seiner 18-jährigen Haft in portugiesischen Gefängnissen über Pombals Maßnahmen so geurteilt: „In dem 1757 neu eingeführten Regierungsplan wurden zwar die Indianer mit einigen Privilegien begnadigt, und den Portugiesen gleich gehalten; allein sie mussten, wie vorher, für die Portugiesen arbeiten, welche, wenn sie aus ihrem Reiche in diese Länder kommen, lauter große Herren spielen wollen. Ja, sie wurden mit dergleichen Diensten noch mehr belästigt, als zur Zeit der gewesenen Missionen; und das ist ohne Zweifel die eigentliche Ursache, dass so viele mit dem leeren Namen prangende Marktflecken öde und verwüstet sind.“

 

Die Philippinen

 

Am 22. März 1518 sprach am Hof des neuen spanischen Königs Karl. in Valladolid ein portugiesischer Seefahrer vor, der an einer Reise auf die Molukken teilgenommen hatte. Gemeinsam mit einem Bakkalaureus namens Rui Faleiro bot er an zu beweisen, dass „die Molukken und die anderen Inseln, aus denen die Portugiesen die Gewürze nach Portugal bringen, zur (spanischen) Demarkationszone gehörten … und dass sie beide einen Weg dorthin außerhalb des portugiesischen Weges finden würden, nämlich durch eine gewisse Seestraße, die sie kannten … Er brachte einen schön bemalten Globus mit, auf dem die ganze Erde dargestellt war. Auf diesem zeigte er den Weg, den man nehmen müsse. Nur hatte er die Meerenge mit Absicht weiß gelassen, damit ihm niemand bei ihrer Auffindung zuvorkommen könne … Da sich die genannte Meerenge an der Küste innerhalb des Gebietes der Könige von Kastilien befand, musste er kommen und sich diesen anbieten, den neuen Weg zu den Molukken und den anderen Inseln zu entdecken.“ Das berichtet Bartolomé de Las Casas in seiner Geschichte Westindiens.

Mit Instruktionen des Königs, die am 8. Mai in Barcelona ausgestellt worden waren, brach Ferdinand Magellan am 20. September 1519 von San Lucar an der Atlantikküste mit fünf Schiffen zur Weltumsegelung von West nach Ost auf. An Bord war der Chronist Antonio Pigafetta, der uns einen Augenzeugenbericht hinterlassen hat. Bevor Magellan die heute nach ihm benannte Seestraße bei Feuerland erreichte, hatte er bereits zwei Schiffe verloren. Am 31. März 1521, es war das Osterfest, ließ er auf der kleinen Insel Limasawa die erste Messe auf den später „Philippinen“ genannten Inseln durch den Weltpriester Pedro de Valderrama feiern. Bald darauf steuerte er die Bucht von Cebu an, wo er am 7. April 1521 ankam. Pigafetta beschreibt, wie Magellan mit einer Gesandtschaft der Insulaner einen Bündnisvertrag abschloss, nicht ohne ihnen in kurzer Form den christlichen Glauben vorzustellen und sie zur Taufe einzuladen.

Am 14. April wurden dann der Radscha Humabon, seine Gemahlin und ihr Gefolge, insgesamt circa 800 „Indios“, wie die Eingeborenen auch hier von den Spaniern genannt wurden, in einer prunkvollen Zeremonie getauft. Stellvertretend erhielt die Königin eine kleine Statue zum Geschenk. Sie stellte das Jesuskind dar, in kostbare flämische Gewänder gehüllt und in der linken Hand den Weltapfel tragend. Dem Bericht Pigafettas zufolge betrachtete Magellan damit das Christentum auf der Insel Cebu als angenommen.

Seit den 60er Jahren beherrschten die spanischen Seeleute die Segelkunst soweit, dass sie von Mexiko aus den Hin- und Rückweg nach und von den seit 1543 dem spanischen Kronprinzen zu Ehren Philippinen genannten Inseln durch den Pazifik auszuführen vermochten. So begann 1565 mit der Ankunft des Miguel López de Legazpi und des Augustiners Andrés de Urdaneta eine planmäßige Kolonisation. Versteckt in einer der Hütten in der Bucht von Cebu entdeckte Legazpi die Figur des Jesuskindes wieder, die Magellan 1521 den dortigen ersten Christen geschenkt hatte. Dies war der Beginn einer bis heute anhaltenden Jesuskind-Verehrung auf den Philippinen.

Legazpi verlegte das Zentrum der spanischen Präsenz in die 1571 gegründete Stadt Manila auf der nördlichen Insel Luzon, deren Lage ihm im Hinblick auf Expeditionen nach Japan und China, von denen einige Eroberer und Missionare träumten, günstiger schien. Manila wurde 1578 Sitz einer Diözese. Erster Bischof war der Dominikaner Domingo de Salazar, der 1581 in Manila eintraf. Schon 1596 wurde Manila zum Erzbistum erhoben und mit drei Suffraganbistümern versehen: Nueva Segovia (heute Vigan City), Nueva Cáceres (heute Naga City), beide wie Manila auf der Insel Luzón, und Cebu. In hohem Maße stützte sich die spanische Herrschaft über die Philippinen auf die Missionare, von denen 1591 bereits 140 bei einer Bevölkerung von etwa 700.000 Menschen gezählt wurden. Bis ins 19. Jahrhundert unterstanden die Philippinen den Verwaltungsinstanzen in Mexiko, also dem dortigen Vizekönig von Neu-Spanien und seinen Behörden. Zwischen den Häfen von Acapulco und Manila verkehrten regelmäßig Schiffe.

Im Vergleich mit Spanisch-Amerika wurden bei der Aneignung der Philippinen weniger militärische Machtmittel eingesetzt. Die Evangelisierungsarbeit der Orden orientierte sich an den Bestimmungen einer 1582 in Manila abgehaltenen Synode und an den in Spanisch-Amerika gemachten Erfahrungen. Besondere Verdienste erwarb sich der Franziskaner Juan de Plasencia. Die Kinder wurden seine engsten Mitarbeiter und Multiplikatoren. Seit 1580 gründete er in vielen Siedlungen Schulen. Plasencia war klug genug, Gesetze und Traditionen der Einheimischen zu studieren und sie zur Grundlage für das Leben in den Siedlungen zu machen. Er schrieb einen zweisprachigen Katechismus (Spanisch-Tagalog), der 1593 gedruckt wurde. Ebenso verfasste er ein Wörterbuch und eine Grammatik des Tagalog, der Verkehrssprache auf der Insel Luzon.

Diese Missionsmethode wurde von den anderen Orden nachgeahmt. Die Kinder wurden oft ab dem achten Lebensjahr eingeschult und lernten im unmittelbaren Kontakt mit den Missionaren Lesen, Schreiben, Beten, Singen und Musizieren und mit der Zeit auch praktische Berufe. Die Orden haben ihre Arbeit auf den Philippinen regional koordiniert. Die Augustiner, die 1565 als erste eingetroffen waren, legten ihren Schwerpunkt auf das Zentrum von Luzon. Die Franziskaner konzentrierten sich auf die Halbinsel Camarines im Südosten von Luzon. Die als letzte, nämlich 1581 auf den Philippinen eingetroffenen Jesuiten hatten im Jahre 1600 einem Bericht an den Ordensgeneral Aquaviva zufolge 40 Ortschaften im Süden des Archipels einschließlich der überwiegend muslimischen Insel Mindanao zu betreuen.

Gefördert wurde die Akzeptanz des Christentums durch ein Anknüpfen an vorkoloniale Traditionen. So setzte etwa die extensive Verwendung von Weihwasser frühere Reinigungsriten fort. Lieder, mit denen die „Filipinos“ traditionelle Mythen von Generation zu Generation weitergegeben hatten, erhielten nun christliche Texte. In der Freude der Einheimischen an der Musik fanden die Geistlichen einen idealen Ansatzpunkt für ihre missionarische Tätigkeit. Ferner setzten sie das prunkvolle Ritual der kirchlichen Feste mit ihrer Feierlichkeit und Farbenfreude ein, um katholische Glaubensvorstellungen, Lebensformen und Wertsysteme in den kollektiven Denk- und Verhaltensweisen der Einheimischen zu verankern. Musikalisch umrahmte Messen, Lichterprozessionen mit funkelnden gold- und juwelengeschmückten Heiligenbildern, prachtvoll ausgestattete Kirchen gehörten dazu. Katechismus und Gebete wurden in lokalen Sprachen, Melodien, Rhythmen und Ausdrucksformen vermittelt.

In einem Brief vom 20. April 1733 schrieb der vom Niederrhein stammende Jesuit Bernhard Schmitz, dass die jungen Männer „an denen Bitt-Gängen und Umgängen … ein unaussprächliche Freud (haben) und … dieselbige mit einem größeren Gepräng (halten), als die Cölner am Rhein ihren Fronleichnams-Umgang, mit tausenderley Sprüngen, Fähnlein, Spiel-Gezeug und Gesängen.“ Die örtlichen Patrozinien entwickelten sich zum Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben der Gemeinden und füllten die rituellen Lücken, die die Abschaffung der vorchristlichen Zeremonien hinterlassen hatten, bauten Differenzen unter den Neusiedlern ab und schufen ein neues Identitäts- und Zusammengehörigkeitsgefühl.

Der Katholizismus war auf den Philippinen fast von Anfang an kein Fremdkörper. Er integrierte sich in die Gesellschaft. Eine einheimische Religiosität entstand, in der sich Traditionelles unauflöslich mit Neuem verband. Im christlichen Glauben fanden die isolierten Inseln und Ethnien ein Band, das sie über alle Wasserstraßen und Volksgruppengrenzen hinweg vereinte und die Voraussetzung für die Entwicklung eines philippinischen Nationalbewusstseins schuf.

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