Der Briefwechsel der polnischen und deutschen Bischöfe von 1965

Ein Meilenstein der deutsch-polnischen Nachbarschaft

As part of the event "Ein europäisches Wunder?", 23.10.2025

Aw58 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Sehr geehrte Frau Prof. Schwan, sehr geehrter Herr Dr. Żurek, sehr geehrte Damen und Herren, wir begehen in diesem Jahr den 60. Jahrestag eines Briefwechsels, der Geschichte gemacht hat. Herr Dr. Żurek hat schon Wesentliches dazu erläutert. Einleitend werde ich die historischen Hintergründe in Erinnerung rufen und dann vor allem die Bedeutung der Briefe für uns heute in den Blick nehmen.

 

Wie kam es zu diesem Briefwechsel?

 

Mitten im Kalten Krieg, aber geprägt von persönlichen Begegnungen beim Zweiten Vatikanischen Konzil, sprachen die polnischen Bischöfe drei Wochen vor dessen feierlichem Abschluss am 18. November 1965 eine schriftliche Einladung zur Tausend-Jahr-Feier der Christianisierung Polens an die Bischöfe in beiden deutschen Staaten aus. Ähnliche Schreiben gingen auch an andere Bischofskonferenzen, denen man sich durch geschichtliche Ereignisse verbunden fühlte. Ebenso wurde Papst Paul VI. zum Jubiläum eingeladen. In der brüderlichen Atmosphäre des ökumenischen Konzils war wohl die Gewissheit gereift, dass man ein solches Fest nicht nur in nationaler Selbstgenügsamkeit begehen könne.

Doch der Brief an die Bischöfe in beiden deutschen Staaten stellt in mehrfacher Hinsicht einen bemerkenswerten Vorgang dar:

  • Er wurde in der Sprache des Adressaten, also auf Deutsch, verfasst.
  • Er wurde in Rom geschrieben und abgeschickt, also der Kontrolle des kommunistischen Staatsapparates entzogen, aber damit zugleich auch der polnischen Öffentlichkeit!
  • Vor allem aber war dieser Brief deutlich umfangreicher als die anderen Einladungsschreiben: Er beginnt mit einem historischen Abriss über die gemeinsame christliche Geschichte in Polen und Deutschland. Neben Herrscherpersönlichkeiten und herausragenden Künstlern, die wie z. B. Veit Stoß in beiden Ländern tätig waren, werden zahlreiche völkerverbindende Heilige namentlich genannt. Unter ihnen nimmt die heilige Hedwig von Andechs, die durch Heirat Herzogin von Schlesien wurde, eine besonders wichtige Stellung ein, ja es heißt sogar: „Niemand macht unserer großen Landesheiligen den Vorwurf, dass sie deutschen Geblütes war; im Gegenteil, man sieht sie allgemein (…) als den besten Ausdruck eines christlichen Brückenbaues zwischen Polen und Deutschland an, wobei wir uns freuen, auch auf deutscher Seite recht oft dieselbe Meinung zu hören.“ Darüber hinaus wird die Krakauer Jagiellonenuniversität als Hochschule von europäischer Strahlkraft beschworen, nicht ohne dann die „furchtbare Nacht“ der Teilung Polens bis hin zu Vernichtung von sechs Millionen polnischer Staatsbürger während der „deutschen Okkupationszeit“ freimütig zu benennen und um Verständnis für das anhaltende Misstrauen in der eigenen Bevölkerung zu werben. Nach dem Hinweis, dass die Milleniumsfeier der Christianisierung mit einer neunjährigen Vorbereitung auch der religiösen Erneuerung diente und in einer Marienweihe ihren Abschluss fand, werden die deutschen Bischöfe darum gebeten, „mitzufeiern“ und „den evangelischen Brüdern“ Gruß und Dank zu übermitteln.
  • Der Brief gipfelt schließlich in der Aussage: „In diesem allerchristlichsten und zugleich sehr menschlichen Geist strecken wir unsere Hände zu Ihnen hin in den Bänken des zu Ende gehenden Konzils, gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“

Diese mutige Geste der Versöhnung, zu einem Zeitpunkt, als die Menschen diesseits und jenseits der Oder-Neiße-Grenze bzw. der Mauer zwischen beiden deutschen Staaten kaum zu einem vergleichbaren Zeichen bereit waren, sowie die entsprechende Antwort der deutschen Bischöfe vom 5. Dezember 1965 stellen eine zentrale Wegmarke dar in dem immer noch andauernden Aussöhnungsprozess zwischen Deutschen und Polen!

Im Mai diesen Jahres durfte ich in Köln zusammen mit polnischen Mitbrüdern den Originalbrief der Nachbarn in Augenschein nehmen. Dabei wurden unter uns viele Erinnerungen an manche der damaligen Unterzeichner wach – vom seligen Kardinal Stefan Wyszyński bis zum jungen Krakauer Erzbischof Karol Wojtyła, dem späteren Papst Johannes Paul II.

 

Bolesław Kominek: Initiator und zentraler Autor

 

Einer der Initiatoren und wohl auch der zentrale Autor des Briefes war Bolesław Kominek, der spätere Erzbischof von Breslau. Bereits seine Lebensgeschichte bietet wichtige Hinweise auf Motivation und Kontext des Briefes vom 18. November:

1. Geboren am 23. Dezember 1903 in Oberschlesien nahe der tschechischen Grenze wuchs Kominek zweisprachig auf. Seine Heimat zeichnete sich durch das kulturelle Miteinander von deutsch- und polnischsprachigen Mitbürgern aus, einem in langen Phasen der Geschichte fruchtbaren Austausch von Einflüssen und Ideen. Zweifellos lassen sich in Komineks Prägung Übereinstimmungen mit zeitgenössischen Persönlichkeiten anderer Nationalität feststellen, die sich nach den beiden Weltkriegen ebenso für Frieden und Versöhnung einsetzten: Auch Charles de Gaulle, Alcide de Gasperi und Robert Schuman waren in mehr als einer Kultur zuhause.

Obwohl bereits im August 1945 vom polnischen Primas August Kardinal Hlond zum Apostolischen Administrator von Oppeln und 1951 von Papst Pius XII. zum de facto-Weihbischof von Breslau ernannt, durfte Kominek die drei Jahre später heimlich erfolgte Bischofsweihe bis 1956 nicht öffentlich machen. Als Weihbischof nahm er danach zwar seinen Wohnsitz in Breslau, das Erzbistum jedoch wurde vom Heiligen Stuhl noch lange offiziell als deutsches geführt. Erst nachdem er 1962 von Johannes XXIII. zum Titularerzbischof von Euchaitae ernannt worden war, konnte Kominek am Zweiten Vatikanischen Konzil teilnehmen.

2. Die politische Situation im kommunistischen Nachkriegspolen, vor allem in den ehemals deutschen Gebieten, war äußerst schwierig: Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der größte Teil des ursprünglichen Territoriums des Erzbistums Breslau in der Volksrepublik Polen. Nur ein kleiner Teil westlich der Oder-Neiße-Grenze gehörte zum Staatsgebiet der DDR und wurde 1994 zum selbständigen Bistum Görlitz erhoben. Einige angestammte Gebiete wurden nach 1945 dem Erzbistum Olmütz in der CSSR zugeschlagen.

Nach dem Tod Kardinal Bertrams im Juli 1945 durfte kein neuer Breslauer Erzbischof gewählt werden. Auch die Amtsausübung der vier von Kardinal Hlond eingesetzten Administratoren für die ehemals ostdeutschen Kirchenprovinzen wurde behindert, wo immer es ging. Erst 1972 kam es zu einer Neuordnung der Diözesen durch den Heiligen Stuhl: Kominek wurde von Paul VI. zum Erzbischof von Breslau ernannt und ein Jahr später zum Kardinal erhoben. Doch er starb bereits am 10. März 1974. – Seine Zeit an der Spitze des Erzbistums Breslau war also gänzlich von der Auseinandersetzung mit dem kommunistischen Regime geprägt. Er musste seine Worte gut abwägen, um weder sich noch andere in Gefahr zu bringen. Diese diplomatische Fähigkeit lässt sich auch in dem Brief an die deutschen Bischöfe erkennen.

3. Nicht zuletzt machte Erzbischof Kominek auch während seiner priesterlichen Seelsorgetätigkeit äußerst belastende Erfahrungen: Beschenkt mit einer tiefen, von regionalen Traditionen geprägten Frömmigkeit, bekam er früh Gelegenheit, über den Kirchturm hinaus zu blicken. Zu Beginn seines beruflichen Einsatzes wechselten Stationen als einfacher Seelsorger und Phasen akademischer Ausbildung einander ab. Als junger Priester lebte er für kurze Zeit in Paris und lernte die Nöte der polnischen Exilanten und Arbeitsmigranten kennen. Während des Zweiten Weltkrieges betreute er in Schlesien auch Kriegsgefangene und Häftlinge in Konzentrationslagern. Um angesichts solch grausamer Erlebnisse nicht zu verzweifeln, bedurfte es eines starken Glaubens an das Gute im Menschen. Als Seelsorger war Kominek zutiefst überzeugt, dass die Spirale von Hass und Rache nur durch die Bereitschaft zu verzeihen durchbrochen werden konnte.

 

Reaktionen in Ost- und Westdeutschland

 

Der Brief aus Polen war an alle deutschen Bischöfe in Ost und West gerichtet und traf Mitte der 60er Jahre auf eine sehr ungleiche ideologische und wirtschaftliche Realität.

In der DDR hatte man den Terminus „Vertreibung“ tabuisiert; statt von Heimatvertriebenen sprach man von „Umsiedlern“. Zwang und Gewalt wurden folglich unter dem Deckmantel vorgeblicher Freiwilligkeit verborgen.
Nach sozialistischer Sprachregelung war 1965 diese Bevölkerungsgruppe längst zu Neubürgern geworden. Daher wurde jede Form von Reparationsforderungen an die „Bruderstaaten“ rigoros unterbunden. Die ostdeutschen Bischöfe, namentlich ist besonders der Görlitzer Weihbischof Gerhard Schaffran zu erwähnen, hatten also eine ungleich schwierigere Ausgangsposition als die Bischöfe in Westdeutschland.

Hierzulande spielten die Vertriebenenverbände bereits seit knapp zwei Jahrzehnten eine wichtige innenpolitische Rolle. Deren Widerstand hatte bereits die im Oktober 1965 veröffentlichte sogenannte „Ostdenkschrift“ des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgefordert, in der nahegelegt wurde, den Rechtsanspruch auf die Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Grenze aufzugeben und damit einen zentralen Schritt hin zu einer europäischen Friedensordnung zu tun. Die Reaktionen auf diesen Vorschlag waren auch in der Bevölkerung überwiegend ablehnend. Daher gingen die westdeutschen Bischöfe davon aus, dass alle Versöhnungsschritte, die eine Anerkennung der Realität bedeuteten, von einem maßgeblichen Teil der Gesellschaft nicht akzeptiert würden. Die gemeinsame Antwort der deutschen Bischöfe fiel dementsprechend vorsichtig aus und musste die Katholiken, ja die gesamte Bevölkerung Polens zwangsläufig enttäuschen.

Tatsächlich löste die mutige Brief-Initiative auch im polnischen Nachbarland vorerst nur Repressalien aus: Was als Einladung zu einer supranationalen religiösen Jubiläumsfeier gedacht war, wurde von der kommunistischen Regierung als unrechtmäßige kirchliche Einmischung in die Außenpolitik interpretiert und führte zu massiven Beschränkungen. Gäste aus dem Ausland wurden nicht zugelassen und allen geladenen Bischofskonferenzen blieb nichts anderes übrig, als zu solidarischem Gebet für die Katholiken Polens aufzurufen. Die polnischen Bischöfe mussten sich für ihren unabgesprochenen Schritt zur Versöhnung selbst vor den
Gläubigen rechtfertigen.

Mittelfristig bereitete dieser Briefwechsel jedoch den Weg zu den Ostverträgen des deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt sowie zu einer offeneren Diskussion über die Faktizität der Grenzen und die Notwendigkeit eines Versöhnungsprozesses auch mit den Staaten jenseits des Eisernen Vorhangs. Außerdem gab diese Entwicklung sowohl in der Bundesrepublik wie in der DDR Vereinen und Stiftungen, die sich zum Ziel gesetzt hatten, Versöhnung und Begegnung zu fördern, großen Auftrieb. Exemplarisch genannt seien Pax Christi (gegr. 1944 in Frankreich als „Gebetskreuzzug für die Bekehrung Deutschlands“), Aktion Sühnezeichen e. V. (gegr. 1958) sowie das Maximilian-Kolbe-Werk, das 1973 vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und dreizehn katholischen Verbänden gegründet wurde, mit dem Ziel, „zur Verständigung und Versöhnung zwischen dem polnischen und deutschen Volk, aber auch mit anderen Ländern Mittel- und Osteuropas, beizutragen“. 2007 entstand daraus die Maximilian-Kolbe-Stiftung als gemeinsames Projekt der deutschen und polnischen Bischofskonferenzen, als deren Vorsitzender im Stiftungsrat ich mit meinem polnischen Mitbruder die segensreiche Arbeit begleiten darf.

Derartige Initiativen versorgten in den Jahrzehnten bis zum Fall des Eisernen Vorhangs nicht nur die Christen mit Informationen und materiellen Gütern, sondern knüpften zuverlässige Beziehungen. Nebenbei bemerkt war es in den 1970er Jahren für Christen aus beiden deutschen Staaten leichter, sich in Polen zu treffen als in einem ihrer jeweiligen Herkunftsländer.

Langfristig erwuchsen aus solchem, in der Hauptsache ehrenamtlichen Engagement etablierte Begegnungstraditionen wie z. B. jährliche Gedenkgottesdienste auf dem KZ-Gelände Dachau zu Ehren der dort inhaftierten 40.000 Polen, davon 1.800 Priester als der größten ­nationalen ­Häftlingsgruppe. Nicht zuletzt kommen auf dem ehemaligen Gut des Widerstandskämpfers Helmuth James von Moltke (1907–1945) in Kreisau mehrheitlich junge Menschen aus ganz Europa zusammen. Als internationale Jugendbegegnungsstätte – Herr Dr. Żurek hat es bereits erwähnt – ist der gemeinsam genutzte Tagungsort des „Kreisauer Kreises“ eine der wichtigsten Errungenschaften deutsch-polnischer Freundschaft. Vieles davon nahm seinen Anfang bei Menschen, die sich ab 1965 vom Mut ihrer Hirten anstecken ließen und ihrerseits das Versöhnungswerk fortsetzten.

Auch wir deutschen Bischöfe haben das Thema seither immer wieder aufgegriffen und mit unterschiedlichen Akzenten zu den größeren Jahrestagen an den Briefwechsel erinnert. Die Schwerpunkte, die dabei im jeweiligen Kontext gesetzt wurden, wären ein eigenes Referatsthema: 1985 sah das Erinnern ganz anders aus als 1995 und wieder anders kurz nach dem EU-Beitritt Polens im Jahr 2005.

Schließlich ist die Polnische Bischofskonferenz die einzige, mit der die Deutsche Bischofskonferenz eine ständige Kontaktgruppe unterhält. Einmal im Jahr treffen sich delegierte Bischöfe aus beiden Gremien zu einem fruchtbaren Austausch. Als einer, der diese wertvollen Begegnungen bereits mehrere Male miterleben durfte, kann ich nur wünschen, dass der Kontakt sich zu persönlichen Freundschaften vertieft und damit zu einer tragfähigen Brücke wird zwischen uns Bischöfen und den Katholiken in unseren Ländern.

Gestatten Sie mir, dass ich an dieser Stelle einen Veranstaltungshinweis auf ein Projekt gebe, das mir sehr am Herzen liegt: Im nächsten Herbst, rund um den Festtag der heiligen Hedwig von Schlesien, wird in der Katholischen Akademie in Berlin ein Hedwigsymposium stattfinden. Vom 15. bis 17. Oktober 2026 treffen sich deutsche und polnische Bischöfe, Priester, Zisterzienserinnen aus Bayern und Sachsen, zahlreiche Historikerinnen und Historiker sowie in der aktiven Caritas Tätige, um im Blick auf unsere gemeinsame Heilige der Nächstenliebe zu erkunden, welche Botschaft ihr vorbildliches Leben für uns Menschen des 21. Jahrhunderts birgt. Dazu möchte ich Sie alle schon heute herzlich einladen. Die Tagungssprache ist übrigens Deutsch: Das macht mich immer demütig angesichts der Tatsache, dass polnische Muttersprachler eher Deutsch lernen als umgekehrt. Letztes Jahr zum 850. Geburtstag der Heiligen kam übrigens auch ein Kinderbuch mit dem Titel Hedwigs Spuren im Schnee bei Butzon&Bercker heraus. Die Autorin wird ebenfalls einen
Tagungsbeitrag leisten.

 

Gegenwart und Zukunft

 

Zum Abschluss möchte ich einen Blick auf die Gegenwart und Zukunft werfen: Worin besteht der bleibende Auftrag des historischen Briefwechsels von 1965?

Zunächst: Es braucht in jedem Friedensprozess einen, der die Hand ausstreckt und „Vergebung gewährt und um Vergebung bittet“. Dieser Schritt setzt Mut und Vertrauen in das menschliche Gegenüber und in Gott voraus. Gleichzeitig haben wir aus ähnlichen ethnischen und kulturellen Konflikten etwa im früheren Jugoslawien gelernt, dass Versöhnung und Heilung sehr viel Zeit und Ausdauer nötig haben. Zerstörtes Vertrauen wächst oft erst wieder in Generationen. Traumatische Erinnerungen müssen verarbeitet und Trennendes angesprochen werden. Dabei ist immer auch mit Rückschlägen zu rechnen. In den deutsch-polnischen Beziehungen waren wir beim EU-Beitritt Polens 2004 geradezu euphorisch und dachten, es ginge immer nur vorwärts in eine gemeinsame Zukunft. Dann mussten wir erkennen, dass die notwendigen Transformationsprozesse in unseren beiden Staaten noch lange nicht beendet waren. Nicht zuletzt haben wir im Westen wohl auch unterschätzt, was dies für Gesellschaften bedeutet, die gerade erst ihre Souveränität vom sowjetischen Hegemon zurückgewonnen haben.

Zugleich stehen wir zum 60. Jahrestag des Briefwechsels vor ganz neuen Herausforderungen:

  • Der vom russischen Präsidenten Putin ausgelöste Krieg in der Ukraine, in unmittelbarer Nachbarschaft Polens, führte uns enger zusammen, weil wir uns nur gemeinsam verteidigen können. Aber die teilweise ambivalente Haltung Deutschlands zu Russland, die anfangs recht zögerliche Unterstützung der Ukraine offenbarten Unterschiede in der Einschätzung der Lage und weckten Misstrauen in Polen. Zu groß ist dessen Angst, wieder einmal zwischen den Inte-
    ressen der beiden Nachbarn aufgerieben zu werden!
  • Dabei greift der neuerstarkte Nationalismus fast überall in Europa auf alte Vorurteile zurück. In Polen und in Deutschland mobilisieren Populisten weite Kreise der Bevölkerung, sich gegen den Fortbestand der Europäischen Union zu stellen.
  • Nicht zuletzt herrscht in der katholischen Kirche eine gewisse Sprachlosigkeit angesichts der rasanten Säkularisierung in Europa. Wir sind aufgefordert, gegenzusteuern, das Gespräch zu suchen, die Begegnung zu fördern. Das Hedwigsymposium in Berlin, an dem durch das Engagement der Stiftung Verbundenheit auch junge Studierende der Universität Opole teilnehmen können, will dazu einen Beitrag leisten.

Der Prozess der Versöhnung zwischen Polen und Deutschen ist noch nicht abgeschlossen. Doch dies ist kein Grund zur Resignation: Wir sind aufgerufen, immer neu aufeinander zuzugehen, um voneinander zu lernen. Daher bin ich dankbar für die Orte in Polen und Deutschland, an denen die Geschichte und Gegenwart unserer nachbarschaftlichen Beziehungen wachgehalten und erforscht wird; für Menschen wie Sie, denen es ein Herzensanliegen ist, dass Offenheit und Interesse unsere Begegnungen prägen – hier und jenseits der Staatsgrenze.

More media by the author / Topic: History

Current events on the topic: History