Wertorientierte Entwicklungszusammenarbeit und wirtschaftliche Interessen

Widerspruch oder Synergiepotenzial?

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Unter dem Titel Wertorientierte Entwicklungszusammenarbeit und wirtschaftliche Interessen. Widerspruch oder Synergiepotenzial? diskutierten am 29. April 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit über die Zukunft internationaler Kooperation in einer sich wandelnden Weltordnung. Auf dem Podium dabei waren Christoph Angerbauer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung, IHK für München und Oberbayern; Dr. Wolfgang Stefinger, MdB, Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; Karin Kortmann, Parlamentarische Staatssekretärin a. D. und Hubertus Paetow, Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin a. D. beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, moderierte den Abend. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe Forum for Future and Transformation statt, die von der Deutschen Kommission Justitia et Pax in Kooperation mit der Katholischen Akademie in Bayern jährlich angeboten wird.

Schon in seiner Einführung machte der Präsident der Hochschule für Philosophie, Prof. Dr. Dr. Johannes Wallacher, deutlich, unter welchem Druck sich die Entwicklungszusammenarbeit derzeit befindet. Angesichts geopolitischer Machtverschiebungen, wachsender globaler Konflikte und sinkender staatlicher Mittel werde zunehmend nach Sinn, Wirkung und strategischer Ausrichtung der Entwicklungspolitik gefragt. Zugleich verwies Wallacher auf die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere die enormen Fortschritte vergangener Jahrzehnte bei Hungerbekämpfung, Gesundheitsversorgung und Bildung. Gerade diese Erfolge seien aber inzwischen gefährdet.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Stefinger betonte, Entwicklungszusammenarbeit sei weit mehr als klassische Außenpolitik. Sie wirke häufig dort, wo diplomatische Kanäle nur eingeschränkt funktionierten, und könne Vertrauen schaffen sowie langfristige Stabilität fördern. Werte und Interessen seien dabei keine Gegensätze, sondern „zwei Seiten derselben Medaille“. Wer Hunger bekämpfen und Armut überwinden wolle, müsse zugleich wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen. Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit bedeute deshalb immer auch, Menschen vor Ort Perspektiven auf Arbeit, Einkommen und selbstbestimmtes Leben zu eröffnen.

Auch die Vertreter aus Wirtschaft und Landwirtschaft hoben hervor, dass Entwicklungszusammenarbeit nur dann dauerhaft erfolgreich sein könne, wenn sie sich an den konkreten Bedürfnissen der Partnerländer orientiere. Wirtschaftliche Kooperation dürfe nicht primär von europäischen Interessen her gedacht werden, sondern müsse lokale Strukturen stärken und nachhaltige Wertschöpfung ermöglichen. Dabei wurde mehrfach betont, dass Partnerschaften auf Augenhöhe entscheidend seien, um neue Abhängigkeiten zu vermeiden.

Zugleich zeigte die Diskussion, wie stark sich die Rahmenbedingungen internationaler Zusammenarbeit verändert haben. Die Sicherung von Rohstoffen, Migrationsfragen und geopolitische Konkurrenzsituationen prägen zunehmend auch die entwicklungspolitische Debatte. Mehrfach wurde im Dialog mit dem Publikum der Reformprozess des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung thematisiert, das seine Strategie angesichts einer multipolaren Weltordnung und eines knapper werdenden Budgets neu ausrichtet. Im Mittelpunkt der Diskussion stand hierbei die Frage, wie sich christlich motivierte Werteorientierung unter diesen Bedingungen bewahren und weiterhin umsetzen lässt. Vertreterinnen und Vertreter aus dem kirchlichen Umfeld warnten davor, Entwicklungszusammenarbeit ausschließlich unter dem Gesichtspunkt nationaler Interessen zu betrachten. Gerade angesichts globaler Krisen brauche es weiterhin einen universalistischen Blick auf Menschenwürde, Solidarität und internationale Verantwortung.

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