Gautama Buddha

As part of the event "Buddha and Jesus", 10.02.2015

shutterstock

I.

 

Welche Bedeutung hat Buddha Shakyamuni? Was bedeutet das Wort Buddha? Das Leben des Buddha ist, wie es auch bei anderen Religionsgründern festzustellen ist, von Legenden überlagert und kann nicht vollständig rekonstruiert werden.

Der indische Prinz Siddhartha Gautama vom Volke der Shakya wird im 6. Jahrhundert vor Christus in Lumbini (im heutigen Nepal) geboren, seine Mutter stirbt kurz nach der Geburt, er wird von seiner Tante aufgezogen, lebt in Kapilavatthu in sorgenfreier luxuriöser Umgebung, erhält eine gute Ausbildung und wird mit 16 Jahren mit seiner Cousine Yasodhara verheiratet. Alles sieht so aus, als würde er in die Fußstapfen seines Vaters treten und Oberhaupt des Shakya-Stammes werden. Doch der sensible junge Mann interessiert sich weniger für weltliche Belange wie Politik und beschäftigt sich hauptsächlich mit existenziellen Fragen des Daseins.

Im Alter von 29 Jahren, nachdem er mit dem realen Leben außerhalb des Palastes in Berührung gekommen ist, verlässt er seine Familie und zieht in die Hauslosigkeit. Er sucht Belehrung bei verschiedenen spirituellen Lehrern, zieht sich jedoch enttäuscht, in der Nähe des Dorfes Uruvela, in die Askese zurück, beginnt mit Fasten und Kasteiungen. Nach mehreren Jahren extremer Askese stellt er fest, dass er auf diese Weise eher sterben würde, als Antworten auf seine Fragen zu finden. Siddharta beendet die Askese, beginnt wieder seinen Körper zu pflegen, Nahrung zu sich zu nehmen sowie mit seiner Mitwelt zu kommunizieren. Er setzt sich in Bodh Gaya unter einen Baum, beginnt mit Meditation und erfährt in tiefer Versenkung vollständige Erleuchtung.

Siddharta erwacht im Alter von 35 Jahren zum Buddha und begründet das, was wir heute Buddhismus nennen. Seine Lehre nennt er den „mittleren Weg“, denn er lehnt alle Extreme ab, auch jene, die er selbst ausgeübt und erlebt hatte. Er lebte und lehrte im Nordosten Indiens, er durchwanderte die Bundesstaaten Uttar Pradesh und Bihar sowie ein Gebiet nördlich des Ganges, das heute zu Nepal gehört. Er gründet den Sangha, den Orden der Mönche und der Nonnen. Nach seinem Tode, im Buddhismus spricht man vom Eingang ins Parinirvana, dem endgültigen Verlöschen, verbreitete sich seine Lehre über weite Teile Asiens.

Buddha Shakyamuni lehnte Personenkult ab. Dies zeigt sich in seinen Worten: „Wer mich sieht, sieht meine Lehre. Wer meine Lehre sieht, sieht mich.“ So nimmt die Buddhistin, der Buddhist Zuflucht zu Buddha, zum Dharma und zum Sangha (der Gemeinschaft jener, die dem Buddha nachfolgen. In manchen Traditionen ist damit nur der Orden der Mönche gemeint).

Die Grundlehren des Buddhismus sind die „Vier Edlen Wahrheiten“. Sie lauten:

  • Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
  • Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
  • Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.

Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad: Rechte Einsicht, rechtes Denken, rechte Rede, rechte Handlung, rechter Lebenserwerb, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Meditation.

Alles ist mit Allem verbunden und existiert in Abhängigkeit. Alles ist dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterworfen. Alles Bedingte (alles Entstandene, alles Geborene, alles Zusammengefügte, alles Geschaffene) ist unbeständig und wird deshalb als leidvoll und unbefriedigend erfahren. Das Dasein ist ein ständiger Prozess des Werdens und Entwerdens. Anfang und Ende dieses Prozesses sind nicht erkennbar. Alles ist ohne eigenständiges Selbst.

Nirvana ist Frieden, das Verlöschen von Gier, Hass und Unwissenheit.

Sila, ethische Verhaltensweisen, leiten dazu an, nicht zu töten oder zu verletzen, Nichtgegebenes nicht zu nehmen, keine unheilsame Sexualität auszuüben, nicht unwahr oder unheilsam zu reden, nicht durch berauschende Mittel das Bewusstsein zu trüben. Buddhismus ist heterogen, doch die oben angeführten Grundlehren werden von allen Buddhisten anerkannt.

 

II.

 

Buddha Shakyamuni durchwanderte nach seiner Erleuchtungserfahrung etwa 45 Jahre lange den Nordosten Indiens und den Süden des heutigen Nepals. Auf seinen langen Wanderungen lehrte er alle Menschen, denen er begegnete. Er sprach zu allen Bevölkerungsschichten und hinterließ unterschiedliche Belehrungen. Buddha sah sich selbst als Wegweiser, der einen Weg aus Leiden und Unfrieden weist. Er bezeichnete sich auch als Arzt, der den Menschen Medizin reicht. Er sah sich selbst als einen Buddha in einer Reihe vorhergegangener Buddha und sagte auch einen zukünftigen Buddha voraus, Buddha Maitreya.

Das Leben des Buddha auch bei anderen Religionsgründern festzustellen ist, von Legenden überlagert und kann nicht vollständig rekonstruiert werden. Vermutlich lebte Buddha Shakyamuni von 563 bis 483 vor Christus. Die Bedeutung der Person des Buddha und der Begriff, das Wort „Buddha“ haben in den verschiedenen buddhistischen Schulen und Traditionslinien im Laufe der Zeit unterschiedliche Interpretationen und Wandlungen erfahren.

Von der Mitte des 4. Jahrhunderts bis etwa Mitte des 1. Jahrhunderts vor Christus spaltete sich der Ur-Buddhismus in 18 verschiedene Schulen, die als Hinayana („kleines Fahrzeug“) bezeichnet wurden. Von diesen Schulen existiert heute nur noch der Theravada-Buddhismus (in Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Sri Lanka, sowie als Minderheit in Indien und Bangladesh).  Ab dem 2. Jahrhundert vor Christus entwickelte sich der Mahayana-Buddhismus („großes Fahrzeug“) und ab dem 6. Jahrhundert der Vajrayana-Buddhismus („diamantenes Fahrzeug“). Mahayana und Vajrayana sind vor allem in China, Taiwan, Korea, Japan, Vietnam, Tibet, Mongolei, Ladakh, Sikkim, Nepal und Buthan verbreitet. Heute sind alle Strömungen des Theravada, des Mahayana und des Vajrayana weltweit anzutreffen.

Auch wenn sich die verschiedenen buddhistischen Richtungen auf ein gemeinsames „buddhistisches Bekenntnis“ geeinigt haben, gibt es große Unterschiede in Theorie und Praxis. Dies hat insbesondere mit kulturellen, klimatischen und geographischen Unterschieden zu tun. Buddhisten konnten und können sich ohne große Probleme in die jeweilige Umwelt integrieren. Zum Beispiel nahm der Buddhismus in Tibet Elemente des Bön, der damals vorherrschenden Religion, auf. In China beeinflussten Taoismus und Konfuzianismus die buddhistische Lehre.

In manchen Ländern integrierten Buddhisten Volksglauben und schamanistische Praktiken in die Lehre des Buddha. Auch Buddhismus im Westen erfuhr und erfährt weiterhin mannigfaltige Einflüsse auf Theorie und Praxis des Buddhismus in den Herkunftsländern. Frei nach den Worten Buddhas: „Ich bin gekommen den Weg zur Wahrheit und zur Leidfreiheit aufzuzeigen. Allem, was zu mehr Frieden führt und alles was wahr und heilsam ist, dem stimme ich zu. Tue das Gute und unterlasse das Böse!“

 

III.

 

Buddha Shakyamuni, alle Buddhas vor und nach ihm, ja der Begriff „Buddha“ im Allgemeinen wurde und wird unterschiedlich interpretiert. Es lassen sich keine genauen Grenzen zwischen den Traditionen ziehen und das Verständnis und die Meinungen können auch innerhalb der jeweiligen Schulen unterschiedlich sein. Was wir haben, ist die Legende von der Nacht seiner Erleuchtung, in der Buddha Shakyamuni ausgerufen haben soll: „Oh, wie wunderbar, alle Wesen sind mit dem Wesen des Tathagatha begabt“, soll heißen: alle Wesen tragen das Potenzial der Erleuchtung, die Buddha-Natur, in sich. Christlich ausgedrückt, alle Wesen tragen den Gottesfunken in sich (Meister Eckhart).

So bezeichnet das Wort „Buddha“ in Sanskrit „einen aus der Unwissenheit erwachten Menschen“, einen „Erleuchteten“. Buddha ist also in diesem Sinne ein Mensch, ein Erdling, der zu sich selbst erwacht ist und sein Weisheitspotenzial entfaltet hat. Dieser Weg, ein Buddha zu „werden“ oder zu sein, ist jedoch lang und anstrengend, er erfordert unter anderem Einsicht, Entschlossenheit, Mut und Ausdauer. Nicht jeder Mensch kann und möchte diese Anforderungen auf sich nehmen, noch dazu, wenn er davon ausgeht, dass dieses hohe Ziel nicht in diesem gegenwärtigen Leben zu erreichen ist.

In manchen Traditionen vertritt man daher die Ansicht, dass es nur Mönchen und Asketen sowie in Ausnahmefällen Nonnen (weiblichen Wesen) möglich ist, den Weg zum vollständigen Erwachen zu gehen. Dort gibt es dann auch eine erstaunlich strikte Trennung zwischen der Geistlichkeit und den sogenannten Laien. Die Laien übernehmen dabei die Aufgabe, Mönche und Nonnen zu unterstützen, ihnen Studium und asketisches Leben zu ermöglichen, für Unterkunft, Kleidung und Verpflegung zu sorgen, Klöster und Tempel zu erhalten, um auf diese Weise religiöse Verdienste zu erwerben. Im Gegenzug unterstützt die Geistlichkeit die Laien auch auf spirituellem, ethischem und moralischem Gebiet, legt die Lehre dar, hält Andachten, Zeremonien und leitet zu heilsamem Lebenswandel an und unterstützt in schwierigen Lebenslagen.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Formen des Glaubensbuddhismus. Buddha wird nicht mehr nur als verehrungswürdiger Mensch gesehen, der als Vorbild für die Suche nach Erleuchtung und für ein rechtschaffenes Leben dient sowie den Weg zur Befreiung vom Leiden aufzeigt. Buddha wird zum absoluten Prinzip, zur überweltlichen Gestalt, zum transzendenten Wesen. Die Gläubigen projizieren ihre Hoffnungen und Wünsche auf Buddha als den Gewährenden, den Barmherzigen, den Erlöser und Helfer in allen Lebenslagen.

 

IV.

 

Insbesondere die Schulen des Mahayana, des nördlichen Buddhismus, unterscheiden sich vom Buddhismus indischer Prägung, dem südlichen Buddhismus. Buddha nimmt unterschiedliche Erscheinungsformen an, um allen Wesen die Befreiung vom Leiden zu ermöglichen. Der nördliche Buddhismus ist in diesem Sinne sehr phantasie- und variantenreich. Nachfolgend einige Beispiele volksreligiöser Verehrung:

Baisajyaguru – Yakushi Nyorai , der Heilende, der Medizin-Buddha, Buddha der Heilmittel.

Amithaba – Amida, Buddha des Jenseits, Herr des Reinen Landes, Buddha des Mitgefühls, der alle Wesen rettet, die ihn im Vertrauen anrufen

Maitreya – Miroku, Buddha der Zukunft (von Shakyamuni Buddha vorhergesagt)

Mahavairocana – Dainichi Nyorai, Großer Buddha der Weisheit, spirituelle Erscheinung des Buddha Shakyamuni, Symbol für das erste Drehen des Rades (Beginn der Lehrverkündung)

Adibuddha – Ur-Buddha, symbolisiert alle Buddhas. Versuch des Mahayana, sich auf einen Buddha zu einigen.

Bodhisattva­ – Bodhisattva sind Erleuchtungswesen, die vollständig erwacht sind, sich jedoch den Sorgen und Leiden der fühlenden Wesen zuwenden, um sie aus ihrer Not zu retten.

Avalokitsvara – Kuan Ying – Kannon, Bodhisattva der Barmherzigkeit, des Mitgefühls, wird in Ostasien oft als weibliche Gestalt dargestellt. Kann 33 verschiedene Formen annehmen, um dem Hilfesuchenden in jeglicher problematischen Situation beizustehen.

Manjushri – Monshu Bosatsu, Bodhisattva der Tugend und Weisheit. Symbolisiert das Abschneiden der Dummheit und das Fördern der Weisheit.

Samantabhadra – Fugen Bosatsu, Bodhisattva der allgegenwärtigen Güte, präsentiert die buddhistische Lehre.

Ksitigarbha – Jizo Bosatsu, Führer und Retter hilfloser Seelen. Der Schutzpatron der Kinder, der totgeborenen Kinder, der Schwangeren und der Reisenden.

Die Lehre Buddha Shakyamunis ist ein Weg der Geistesschulung und der Vernunft. Seine Person, sein Leben und seine Lehre dienen als Vorbild und Richtlinie im Streben nach Leidfreiheit und Erleuchtung. Dennoch kommen Buddha, seine Lehre und seine Nachfolger allen Menschen entgegen, nehmen Rücksicht auf ihre Bedürfnisse und begegnen ihnen dort, wo sie sich gerade befinden. Gilt es doch all das zu fördern und auszuüben, das dem friedlichen Zusammenleben dient und dazu führt, dass die Menschen mit sich, ihren Mitwesen und ihrer Mitwelt heilsam umzugehen lernen.

More media by the author / Topic: Philosophy | Human Sciences

Current events on the topic: Philosophy | Human Sciences