Rente und Generationengerechtigkeit. Anspruch, Realität, Reformbedarf – diesem im „Herbst der Reformen“ aktuellen Thema widmete die Katholische Akademie in Bayern am 15. Oktober 2025 einen Diskussionsabend. Um Gegenwart und Zukunft des gesetzlichen Rentensystems einzuordnen, diskutierten drei Gäste aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen, die sich mit der Frage nach dem Istzustand des Rentensystems und möglichen Reformen beschäftigen bzw. beschäftigt haben: Elisa Wittler von der Jugend-Enquete-Kommission 2023 zum Thema Alterssicherungssysteme in Deutschland, der ehemalige Leiter des Geschäftsbereichs Forschung und Entwicklung der Deutschen Rentenversicherung Bund, Dr. Reinhold Thiede, sowie Prof. Dr. Axel Börsch-Supan, Direktor Emeritus des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik. Moderiert wurde der Abend von Katharina Wimmer vom Kooperationspartner Jugend-Enquete-Kommission e. V. und Dr. Katharina Löffler, Studienleiterin der Akademie. Auch Einrichtungen der Katholischen Erwachsenenbildung Bayern waren per Livestream zugeschaltet: die KEB Rottal-Inn-Salzach (in Kooperation mit den Jungen Frauen Zeilarn) und die KEB Mitten in Franken.
Ausgangspunkt war die Sorge, dass vor allem der demografische Wandel die Finanzierbarkeit der gesetzlichen Rente gefährde. Dr. Reinhold Thiede widersprach hier einem Krisennarrativ: Seit Jahrzehnten werde über demografische Belastungen diskutiert, dennoch habe sich das Umlagesystem als funktions- und anpassungsfähig erwiesen. Trotz steigender Zahl älterer Menschen sei z. B. der heutige Beitragssatz im Vergleich zu den 1980er Jahren niedriger, während die realen Renten gestiegen seien. Neben Demografie kommen letztlich auch wirtschaftliche Entwicklung und erfolgreiche Reformen zum Tragen.
Professor Axel Börsch-Supan betonte, dass Rente aus Arbeit finanziert werde: Wenn die Wirtschaft funktioniere, funktioniere auch die Rente. Produktivität und Beschäftigung seien daher zentrale Faktoren, die beachtet werden sollten. Während starre Haltelinien die Balance zwischen den Generationen gefährden würden, habe sich der Nachhaltigkeitsfaktor, der Lasten zwischen Beitragszahlenden und Rentnern verteile, als Ausdruck praktizierter Generationengerechtigkeit bewährt.
Die Perspektive junger Menschen, unter denen das Interesse am Thema durchaus groß sei, brachte Elisa Wittler ein. Neben der Finanzierbarkeit rückte sie Herausforderungen der jüngeren Generationen (z. B. Klima) sowie strukturelle Fragen in den Fokus: So würden langjährige Arbeit im Niedriglohnsektor, verschiedene Erwerbsbiografien und ungleiche Lohnverteilung (z. B. Männer/Frauen, Ost/West) zu Ungleichheiten im Alter führen. Rentenpolitik sei eng mit Arbeitsmarktpolitik verknüpft.
In der Debatte wurden einzelne, im Herbst 2025 diskutierte Reformvorschläge besprochen. So lehnten die Podiumsgäste eine Anhebung des Renteneintrittsalters u. a. wegen ungleicher Lebenserwartungen ab; stattdessen wurden flexiblere Übergänge sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ins Spiel gebracht. Einigkeit bestand zudem darin, perspektivisch alle Erwerbsgruppen – auch Selbstständige, Beamte und Abgeordnete – in ein gemeinsames Alterssicherungssystem einzubeziehen, vor allem aus Gerechtigkeitsgründen bzw. zur breiteren Akzeptanz künftiger Reformen.
Über der Veranstaltung stand die Frage nach Generationengerechtigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Generationengerechtigkeit bedeute, so Einschätzungen auf dem Podium, Belastungen möglichst fair zu verteilen und keine Generation einseitig zu übervorteilen. Auch wurde optimistisch betont, wie wichtig ein guter Dialog zwischen Alt und Jung sei, damit die Generationen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Fazit des Abends: Das über den Generationenvertrag geregelte Rentensystem steht vor großen Herausforderungen, ist aber keineswegs am Ende. Das Thema Rente ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe; dabei müssen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und intergenerationelle Solidarität zusammen gedacht werden.