Braucht es eine Kirche und wenn ja, welche?

Eck und Luther kontrovers

Im Rahmen der Veranstaltung "Apologie für Eck", 10.02.2017

Richard Mayer/Wikimedia Commons

In aktuellen Auseinandersetzungen um Kirche wird es oft grundsätzlich: „Braucht es heute überhaupt eine Kirche?“ Manche Negativschlagzeile wird auspackt, um die Diskussion zuzuspitzen. Die Frage nach dem Warum und Wozu von Kirche ist kein Randphänomen mehr. Selbst Menschen, die sich als gläubig bezeichnen, sagen: „Ich kann doch auch zu Hause beten.“

Hätte man Eck (1486-1543) und Luther (1483-1546) die Frage gestellt: „Braucht es eine Kirche?“, hätten beide in – wir würden heute sagen – „ökumenischer Verbundenheit“ geantwortet: Selbstverständlich braucht es eine Kirche. Die Gesellschaft des Spätmittelalters, in die Luther 1483 und drei Jahre später Eck hineingeboren wurden, war tief kirchlich geprägt und das Alltagsleben der Menschen von kirchlichem Tun durchdrungen. Auch theologisch war beiden von der Heiligen Schrift her selbstverständlich, dass es eine Kirche braucht. Es stellte sich nur die Frage: welche?

Der Vortrag geht – gemäß dem Untertitel – der Kontroverse zwischen Eck und Luther nach, die sich bald auf die Frage nach der Kirche konzentrierte (1). Manchmal wird Eck, wenn er beim Reformationsgedenken überhaupt wahrgenommen wird, nur als der gesehen, der sich den Reformen entgegengestellt hat. Daher soll im Sinn einer Apologie für Eck sowohl seine kontroverstheologische Argumentation in Wort und Schrift (2 und 3) als auch sein vielfältiges Wirken für die Kirche und ihre Reform(versuche) gewürdigt werden (4). Die biographischen Hinweise werden schließlich in der Frage nach seiner Handlungsmotivation gebündelt (5). Ein Blick wieder zurück in die Gegenwart schließt den Vortrag ab.

 

Die Kontroverse bahnt sich an…

 

Eck und Luther kamen über den Nürnberger Ratherrn Christoph Scheurl (1481-1542) im Frühjahr 1517 in brieflichen Kontakt. Luther bezeichnete in einem Brief an Scheuerl Eck als „sehr gebildeten und sehr begabten Mann“ und Eck nannte Luther einmal „unseren Freund“. Doch sollte sich ihr Verhältnis bald nachhaltig ändern. Als die 95 Ablassthesen Luthers, die entgegen der verbreiteten Meinung Melanchthons (1497-1560) wohl nie an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen wurden, über Scheurl zu Eck gelangten, entwickelte er sich mehr und mehr zum Kontroverstheologen. Zwar stand er den damaligen Missbräuchen des Ablasses kritisch gegenüber und hätte mit Luther darüber auch disputiert, doch lehnte er seine Thesen zum Bußsakrament ab. Auf Wunsch des Eichstätter Bischofs Gabriel von Eyb (1455-1535) verfasste Eck für dessen persönlichen Gebrauch „Adnotationes“ (Anmerkungen) zu 18 von Luthers Thesen. Doch gelangten sie wegen Indiskretionen durch den Eichstätter Domherrn Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden (1457/59-1523) in die Hände Luthers. Luther nannte Ecks Anmerkungen „Obelisci“ (Spießchen) und beantwortete sie seinerseits mit den „Asterici“ (Sternchen). Weitere schriftliche Auseinandersetzungen folgten, in denen sich die Frage vom Ablass hin zum Papsttum verschoben hatte. Hier handelte es sich noch um eine Disputation zwischen Gelehrten. Einen öffentlichen Konflikt wollten beide, Luther und Eck, nicht entfachen.

Zu einem offenen Streit kam es erst, als der Wittenberger Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, sich einmischte und gegen Luthers Willen 406 Thesen veröffentlichte, von denen sich über 100 gegen Eck richteten. Luther bat Eck daraufhin schriftlich, gemäßigt zu reagieren, was Eck auch tat. Am Ende bot Eck eine Disputation mit Karlstadt an. Auch Luther wurde in den Konflikt einbezogen, sodass es zu den bekannten Leipziger Disputationen kam, auf denen Eck zuerst mit Karlstadt und anschließend mit Luther debattierte. Zeit und Ort hatten Eck und Luther auf dem Augsburger Reichstag 1518, wo sie sich zum ersten Mal direkt begegneten, anvisiert. Auch beim dortigen Verhör Luthers durch Kardinal Cajetan trat ausgehend vom Ablass vor allem Luthers Stellung zur Lehrgewalt der Kirche, insbesondere des Papstes, als Kernpunkt der Kontroverse hervor, sodass dies auch in der Leipziger Disputation mit Luther im Fokus stand. Es ging also um unsere Ausgangsfrage: Kirche ja, aber welche?

 

Leipziger Disputation: Theologische Konfrontation

 

Die Disputation, die vom 27. Juni bis 15. Juli 1519 auf der Leipziger Pleißenburg stattfand, war von gegenseitigen Beschuldigungen und Polemik geprägt, sodass der herzogliche Rat Cäsar Pflug beide ermahnen musste, die Beleidigungen zu unterlassen. Interessanter ist die theologische Diskussion. Es ist hier nicht der Rahmen, alle Einzelheiten zu nennen. Exemplarisch soll die Debatte um den Primat des Papstes näher angesehen werden. Schon im Vorfeld hatten Eck und Luther sich auf die Frage verständigt: „Kommt dem Stuhl zu Rom von Anfang an die Herrschaft über die Kirche zu?“ Es wird sich zeigen, wie sehr die Kontroverse ein Streit um die rechte Schriftauslegung war.

Nach Luther verbiete schon Paulus mehrfach in 1 Kor 3 die Berufung auf irgendwelche Parteiführer in der Kirche, so etwa in 3,5: „Was ist den Apollos? Und was ist Paulus?“ Luther fügt ein: „Was ist Petrus?“ Oder in 3,22f: „Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus.“ Kephas/Petrus habe hier also keine Sonderstellung. Gegen den Einwand, dass bereits Hieronymus Paulus in Einklang mit der Primatsgewalt des Petrus erklärt habe, blieb für Luther gültig, dass eine Autorität auf geringerer Stufe (hier Hieronymus) nicht von einer Autorität auf höherer Stufe (hier Paulus) abführen dürfe. Dazu machte Eck klar, er wolle nicht die Autorität des Paulus herabsetzen, aber im Gegensatz zu Luther wolle er die Autoritäten der Kirche nicht auseinanderreißen. Es sei doch sehr wahrscheinlich, dass Hieronymus diese Stelle des Paulus recht verstanden habe. Zwischen den Zeilen hört man heraus: Eck glaubt lieber dem Hieronymus als den Wittenbergern.

Was sich hier angedeutet hat, zeigte sich noch deutlicher an der anschließenden Diskussion zu Mt 16,18: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“. Hieran lässt sich die grundsätzliche Art von Ecks Schriftauslegung erkennen. Er verwies auf den Konsens der Kirche, indem er eine scheinbar nicht endende Reihe heiliger Lehrer aufzählte, die mit dieser Stelle den päpstlichen Primat erklärten: Cyprian († 258), Augustinus († 430), Hieronymus († 420), Ambrosius († 397), Chrysostomus († 407), Leo der Große († 461) und Bernhard von Clairvaux († 1153). Außerdem fügte Eck noch die Dekrete der Päpste Anaklet (79-90/92), Marcellus (307-308/9) und Pelagius (556-561) sowie Konzilsentscheidungen wie etwa die Verurteilung der Irrlehren des Wyklif († 1384) und Hus († 1415) und die Bulle „Unam sanctam“ von Bonifaz VIII. (1294-1303) an. Sie alle stimmten darin überein, dass Petrus die Herrschaftsgewalt in der Kirche von Christus empfangen habe. Wer das ablehne, stelle sich gegen den „consensus ecclesiae“, gegen den Konsens der Kirche und der Heiligen. Das bedeute, allein gegen die Kirche zu stehen, mit einer unsicheren Meinung der bewährten und anerkannten Autorität der Kirche zu widersprechen und sich in die „singularitas“ zu stellen, was man heute mit Subjektivismus übersetzen würde.

Man hat Eck vorgeworfen, mehr durch die Aneinanderreihung von Zitaten und Belegen überzeugen zu wollen und dabei vor allem sein umfangreiches Wissen und exzellentes Gedächtnis herauszustellen. Der evangelische Kirchenhistoriker Manfred Schulze hat Eck in diesem Punkt in Schutz genommen und aufgezeigt: „Die Masse der geschichtlichen Belege ist ein Qualitätsmerkmal, denn die Masse offenbart den ‚consensus ecclesiae’.“ Für Eck bildeten die Schrift und die Auslegung der Schrift durch die Kirche eine innere Einheit. Eck sah sich als Verteidiger dieses Konsenses und daher als rechten Ausleger der Schrift.

Luther ließ sich von Ecks Argumentation nicht überzeugen. Nach berechtigten Zweifeln an der Historizität des Dekrets von Anaklet entgegnete Luther, dass er zwar das Papstamt als „de iure humano“, also als menschliches Recht, nicht abschaffen wolle, doch sei es eben nicht „de iure divino“. Eck hätte zwar vorgegeben, das Papstamt als göttliches Recht, also aus der Schrift zu beweisen, doch habe er nur die Autorität der Väter bemüht, sodass auch das Papstamt nur menschliches Recht sein könne. Pointiert formulierte er: „Auch wenn Augustin und alle Väter in Petrus den Felsen der Kirche erblicken sollten, so werde ich ihnen – selbst als einzelner – dennoch widerstehen, gestützt auf des Apostels Autorität, gestützt also auf göttliches Recht.“ Da nach Paulus Christus das Fundament der Kirche ist, könne es nicht Petrus sein. Daher legte Luther die Mt-Stelle so aus, dass nicht Petrus, sondern der Glaube an Christus der Fels sei. Der offenkundigere Text (hier Paulus) habe den weniger offenkundigen (hier Matthäus) auszulegen. Damit wird deutlich: Die Schrift wurde zur einzigen Richtschnur des Glaubens. Das „sola scriptura“-Prinzip wurde also de facto schon in Leipzig aufgestellt, wenn es auch erst später von Philipp Melanchthon ausdrücklich hervorgehoben wurde.

Bis dahin lässt sich festhalten: Schrift und Tradition traten bei Luther auseinander, ja sie könnten sogar wie beim Primat des Papstes gegeneinander stehen. Für Eck hingegen bildete die Einheit von Schrift und Tradition geradezu die Grundlage seiner Argumentation. Die Kirche war für Eck notwendig, um die Schrift in rechter Weise auszulegen. Hier sieht man, wie bibelhermeneutische Vorentscheidungen weit mehr sind als akademische theologische Diskussion, sondern grundlegende praktische Dimensionen haben können.

Es erstaunt nicht, dass auch zu anderen diesbezüglichen Schriftstellen wie „Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32) oder zum Auftrag des Auferstandenen an Petrus (Joh 21,15-17: „Weide meine Schafe!“) keine Einigung erzielt werden konnte.

In der Leipziger Disputation kam außerdem die kirchliche Lehrautorität zur Sprache. Weil die Schrift nicht immer eindeutig sei, wie Luther zugab, könne nach Eck die Berufung auf die Schrift allein die Einheit des Glaubens nicht sichern. Schließlich habe auch Arius mit Schriftstellen seine Häresie verteidigt.

Im weiteren Verlauf äußerte Luther die Ansicht, dass wenn sich die Oberhoheit des Papstes zum Schaden für die Kirche auswirken würde, sie ganz aus der Kirche entfernt werden müsse, weil „menschliche Rechte und Gewohnheiten […] nicht gegen die Kirche Krieg führen“ dürften. Hier zeigten sich schon Ansätze der späteren Ablehnung des Papstes als Antichrist, was er Spalatin schon im Frühjahr 1519 als Vermutung ins Ohr geflüstert hatte. Dann lenkte Eck Luther in die Nähe des vom Konstanzer Konzil (1415) verurteilten Jan Hus und brachte ihn zur Aussage, dass sich die Konzilien geirrt hätten. So konnte Eck Luther spitzzüngig vorwerfen: „Das ist wahrhaft böhmisch, die Heilige Schrift besser verstehen zu wollen als die Konzilien, die Päpste, die Doktoren und Universitäten, die eine große Kraft besitzen, da der Heilige Geist seine Kirche nicht verlässt. Es wäre außerdem verwunderlich, wenn Gott jene Wahrheit so vielen Heiligen und Märtyrern verborgen hätte bis zum Auftreten des verehrten Paters.“

Während die Lutheraner nach der Disputation gleich abreisten, blieb Eck noch elf Tage in Leipzig. Er sah sich als offensichtlichen Gewinner und kostete dies, auch wenn die Entscheidung der Fakultäten von Erfurt und Paris noch ausstand, bei etlichen Einladungen und Predigten gegen Luther aus. Alle „wünschten, mich bei sich zu haben“, resümierte Eck in einem Brief vom 26. August desselben Jahres.

Luther selbst hat Eck später als Sieger der Disputation anerkannt, wie eine Bemerkung zum Augsburger Reichstag 1530 zu erkennen gibt: „Eck will, wie ich sehe, auch in Augsburg Sieger sein, wie er es schon in Leipzig war.“ In einem Brief an den Kurfürsten Friedrich von Sachsen (1463-1525) schrieb Luther rückblickend: „Also gibt man uns in Maul, dass wir, wir wollen oder wollen nit, sagen müssen: Das Concilium hat geirret.“ Ein solcher Satz war für Luther, der ja schon einen kirchlichen Prozess gegen sich hatte, verheerend.

Wie lässt sich die Disputation bewerten? In Leipzig wurden die Fronten geklärt und auf beiden Seiten die jeweiligen theologischen Vorentscheidungen offenkundig. Nach dem katholischen Kirchenhistoriker Erwin Iserloh, der eine detaillierte Eck-Biographie verfasst hat, kam Eck das Verdienst zu, als erster „angesichts der dogmatischen Unklarheit seiner Zeit deutlich gemacht zu haben, dass Luther nicht Reform, sondern Angriff auf die Struktur der Kirche bedeutete.“ Eck kam zur Überzeugung, dass wenn Luthers Positionen Schule machen, die Einheit der Kirche gefährdet sein wird.

Deshalb arbeitete Eck an der Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“ (1520) in Rom mit, nach der der Bann eintrete, wenn Luther nicht innerhalb von 60 Tagen widerrufen sollte. Eck bemühte sich, die Bulle in Deutschland bekannt zu machen, doch stieß sie auf Widerstand und verfehlte ihre Wirkung. Die Zeiten, durch einen päpstlichen Bannstrahl die Gegner auszuschließen, um die kirchliche Einheit zu erhalten, waren vorbei. Luther selbst suchte die Bulle anfangs mit der Schrift „Von den Eckschen Bullen und Lügen“ als unecht und Machwerk Ecks und der Kurie darzustellen, von dem der Papst nichts wisse. Die Identifikation der Bulle mit Eck ging so weit, dass er am 10. Dezember 1520 mit der Bulle und kanonistischen Büchern ebenso Ecks Erstlingswerk Chrysopassus in Wittenberg öffentlich den Flammen übergab.

Die Kontroverse um den Primat des Papstes, die Eck in Leipzig mündlich mit Luther geführt hatte, veröffentlichte Eck ausführlich in seinem dreibändigen Buch „De primatu Petri“. Damit wurde ein weiterer wichtiger Punkt Ecks berührt, nämlich seine kontroverstheologischen Schriften, mit denen er argumentativ für den überlieferten Glauben sich eingesetzt hat. Unter ihnen ragt sein Enchiridion von 1525 besonders heraus.

 

Zur Ekklesiologie Ecks nach dem Enchiridion

 

Das „Enchiridion locorum communium adversus Lutherum“ (in späteren Auflagen mit dem Zusatz: „et alios hostes ecclesiae“), zu Deutsch: „Handbüchlein der allgemeinen Plätze gegen Luther (und andere Feinde der Kirche)“, war Ecks verbreitetste Schrift. Nach Erwin Iserloh war sie sogar die „meistgelesene […] katholische Literatur des 16. Jahrhunderts“ – mit 121 Ausgaben und Übersetzungen in Deutsche, Flämische und Französische sozusagen ein „Bestseller der Gegenreformation“. Das Buch war als katholischer Gegenentwurf zu Melanchthons „Loci communes“ gedacht. Es sollte eine Argumentationshilfe für Gelehrten wie für Laien werden. Nach Ecks Einleitung zur deutschen Ausgabe, die er selbst für den Reichstag zu Augsburg anfertigte, sollten sich so besonders auch die Einfältigeren gegen die Irrtümer schützen können. Inhaltlich griff Eck darin sämtliche strittige Punkte auf und versuchte argumentativ aus der Schrift den katholischen Glauben darzulegen.

Es überrascht nicht, dass am Anfang eine Erklärung zum Wesen der Kirche steht, da er darin einen wesentlichen Punkt der Auseinandersetzung erkannte: „Die Kirche ist der Leib Christi, die Braut Christi und das Himmelreich.“ Eck begann also mit einer geistlichen Perspektive. Sodann entfaltete er die Ekklesiologie in der Lehre von den Konzilien, vom Primat und von der Schrift. Die Notwendigkeit der Kirche als Interpretationsinstanz sehe man schon daran, dass Lutheraner und Zwinglianer eine andere Auffassung zur Eucharistie vertreten. Wer soll nun Richter sein, da sich beide auf die Schrift berufen? Ferner behandelte Eck gegen das protestantische „sola gratia“ die Verwiesenheit von Glaube und Werken. Nach diesen Grundpositionen ging Eck zur ihrer konkreten Anwendung über und behandelte die Sakramente der Kirche. Er verteidigte bei Anerkennung des allgemeinen Priestertums das Weiheamt, die sakramentale Beichte, die Firmung, die Letzte Ölung (Krankensalbung) sowie die Messe als Opfer. Auffälligerweise wurde die Taufe nicht behandelt, weil man sich mit den Lutheranern darin einig war. Sodann folgten verschiedene Kirchenbräuche wie Feste und Fasten, Heiligenverehrung oder Zölibat. Dem Werk wurden in späteren Auflagen weitere Kapitel hinzugefügt, so etwa die Begründung der Kindertaufe gegen die Wiedertäufer.

Interessant ist vor allem die Vorgehensweise im Enchiridion. In fast allen Kapiteln trug Eck einleitend thematisch geordnet zahlreiche Belegstellen aus der Schrift zusammen, um den Reformatoren, die allein die Bibel als Grundlage akzeptierten, zu demonstrieren, dass der Glaube der Kirche auf der Schrift basiert. Dann wurden die protestantischen Einwände kurz erwähnt („Obiiciunt haeretici“), um sie anschließend argumentativ zu entkräften („Diluuntur obiecta“ / „Respondent catholici“) und die traditionelle Lehre zu entfalten.

Zusammenfassend lässt sich zum Enchiridion festhalten: Es ist eine Teilantwort auf die eingangs gestellte Grundfrage, welche Kirche es nach Eck gebraucht hat. Denn in diesem Buch machte Eck deutlich, wie er die Kirche aus der Hl. Schrift und der Tradition heraus grundsätzlich und in ihren konkreten Vollzügen verstanden hat. Auch wenn Eck wie andere katholische Theologen seiner Zeit keine geschlossene, systematische Ekklesiologie vorgelegt hat, spiegelt dieses Buch explizit die damaligen Auseinandersetzungen – und auch etliche Punkte, die leider bis heute bei allem ökumenischen Bemühen noch nicht geklärt sind.

Bisher stand Eck als Kontroverstheologe in Wort und Schrift im Fokus. Doch er hatte auch einen kritischen Blick für die innerkirchliche Wirklichkeit und einen Sinn für das Praktische.

 

Notwendige Reform der Kirche als Anliegen Ecks

 

Bei aller grundsätzlichen Loyalität zur Kirche war Eck keineswegs blind für ihre Fehler und Missstände. Seiner Überzeugung nach konnte die Abwehr der reformatorischen Ideen nur wirksam sein, wenn zugleich eine notwendige Reform der Kirche von innen her vorangetrieben würde.

Diese „Doppelstrategie“ – Abwehr und Erneuerung – versuchte er auf verschiedenen Ebenen umzusetzen – erstens mit kirchenpolitischen Instrumenten: Bei seinem dritten Romaufenthalt von März bis Dezember 1523 setzte er sich für die landeskirchlichen Interessen Bayerns, für die Ingolstädter Universität und für die Kirchenreform ein. Für innerkirchliche Reformen schien die Zeit günstig geworden zu sein, zumal Papst Hadrian VI. (1522-1523) im selben Jahr auch eine Mitschuld für das Entstehen der Reformation auf dem Nürnberger Reichstag durch seinen Legaten eingestehen ließ. In zwölf Denkschriften fixierte Eck die Gesprächsergebnisse mit dem Papst. Darin kritisierte Eck einerseits freimütig Missstände der Kurie und besonders des Ablass- und Benefizienwesens und schilderte andererseits seine Reformideen: Sein Grundanliegen war die Wiederbelebung des Synodalwesens ins Deutschland. Da an ein Generalkonzil derzeit nicht zu denken sei, sollten unter Beteiligung päpstlicher Legaten in Deutschland Provinzial- und Diözesansynoden durchgeführt werden, um Maßnahmen gegen die korrupten Sitten des Klerus in Gang zu setzen. Die Bischöfe sollten Vorbildfunktion haben, theologisch kompetent und fleißig in Predigt und Lehre sein, Prediger und Bettelmönche überwachen, das moralische Verhalten des Klerus einschärfen und sich gegen die lutherische Häresie einsetzen. Sorgfältig sei auf die Auswahl der künftigen Priester zu achten.

Eck entwarf außerdem Vorschläge für eine Mustersynode in München für die Salzburger Kirchenprovinz. Für die Ausführung ihrer Beschlüsse seien die bayerischen Herzöge, mit denen Eck kirchenpolitisch eng verbunden war, einzubeziehen. Eine solche Mustersynode kam jedoch nicht zustande. Zumindest entsprach der Regensburger Konvent 1524, der die süddeutschen Fürsten und Bischöfe zur Reform der Kirche aktivieren sollte, den Vorstellungen Ecks. Die Reformordnung dürfte weitgehend auf ihn zurückgegangen sein.

Zusätzlich zum kirchenpolitischen Engagement leistete Eck zweitens weitere Reformbeiträge für die Seelsorge und die Gläubigen. Die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. (1493-1550) und Ludwig X. (1495-1545) erteilten der theologischen Fakultät Ingolstadt den Auftrag, eine deutschsprachige Predigthilfe für Gemeindepriester zu erstellen, um die auch unter den katholischen Geistlichen kursierenden reformatorischen Predigten zurückzudrängen. Aufgrund seiner eigenen Predigterfahrung nahm Eck den Auftrag selbst in die Hand und gab von 1530 bis 1539 ein fünfbändiges Predigtwerk mit Predigtanregungen für die Sonn- und Feiertage, zu den Sakramenten und zu den Zehn Geboten heraus. Aufgrund herzoglicher Anordnung mussten alle bayerischen Pfarrer und Klöster die ersten beiden Bände kaufen. Über seine Predigthilfen, die lehrhaft, dogmatisch und teilweise auch abgrenzend formuliert sind, suchte er über den Klerus auf das Volk einzuwirken.

In diesem Zusammenhang gehört außerdem Ecks deutsche Bibelübersetzung aus dem Jahr 1537. Sie hob sich vor allem sprachlich durch die oberdeutschen Ausdrücke von der in Ostmitteldeutsch gehaltenen Lutherbibel ab und sollte diese in katholischen Gebieten zurückdrängen. Für das Neue Testament benutzte er die deutsche Ausgabe des Hieronymus Emser (1478-1527) aus dem Jahr 1527; das Alte Testament ist eine Übersetzung der lateinischen Vulgata. Obwohl Eck auch des Hebräischen mächtig war, orientierte er sich im Gegensatz zu Luther und seinen gelehrten Gehilfen nicht am Original, sondern an dem auch sonst in der Kirche verwendeten lateinischen Text. Ecks Bibel erlebte sieben Auflagen bis 1630 und war vor allem in Süddeutschland und Österreich verbreitet, bis die stark oberdeutschen Begriffe aufgrund des Wandels der Sprache nicht mehr verständlich waren.

Aufs Ganze gesehen bestand für Eck die innerkatholische Reform hauptsächlich im Abstellen von Missständen, sodass man im Nachhinein fragen kann, ob er nicht zu sehr auf Verteidigung und Bewahrung ausgerichtet war. Die Maßnahmen sollten dabei von oben nach unten durchgesetzt werden.

Dabei scheint eine Facette spannend: Was Eck als Reformprogramm für die Kirche im Allgemeinen entwickelt hat, spiegelte sich auch an seiner eigenen Praxis vor Ort. Denn in Ingolstadt suchte er als Pfarrer gleichsam selbst umzusetzen, was er sich allgemein für die Kirche vorstellte. Eck stand sechs Jahre der Pfarrei St. Moritz vor und wechselte dann an die Kirche „Zur Schönen Unserer Lieben Frau“, dem heutigen Münster, wo er von 1525 bis 1532 und erneut von 1538 bis 1540 Pfarrer war. Dazu legte er zu Beginn seiner Amtszeit für sich und seine Nachfolger ein Pfarrbuch mit sämtlichen praxisrelevanten Informationen für das Kirchenjahr an, das neuerdings ediert und kommentiert vorliegt. Was Eck nun in den genannten Denkschriften über die Priester formulierte, verlangte er von seinen drei Kooperatoren, die die praktische Seelsorge übernahmen, und von den 15 Kaplänen. Sie mussten ihm zu Beginn ihrer Tätigkeiten versprechen, keine Nachlässigkeit bei der Spendung der Sakramente aufkommen zu lassen, allen freundlich zu begegnen, sich um die Gesunden wie die Kranken zu sorgen und selbstverständlich ihre liturgischen Aufgaben bei Messe und Stundengebet getreu wahrzunehmen. Er verlangte Anstand bei Sitten, Worten, Gebärden und Kleidung; stets sollten sie auf die Ehre Gottes und das Heil der Seelen bedacht sein.

Seine Hauptaufgabe als Pfarrer sah Eck in der Predigt. Das Pfarrbuch und vor allem seine erhaltenen Predigtskizzen belegen, dass er an allen Sonn- und Feiertagen, manchen Vigiltagen und vermehrt in der Fastenzeit und den Kartagen predigte, im Jahr 1529 sogar 82 Mal. Dass Eck trotz zahlreicher Verpflichtungen stets selbst die Predigt hielt und sie nur in seiner Abwesenheit an einen Kooperator delegierte, zeigt seine hohe Wertschätzung für das Wort Gottes und seine Verkündigung. Teilweise kann man auch Übereinstimmungen zwischen seinen Predigtskizzen und den gedruckten Predigten erkennen. Gewöhnlich dauerten Ecks Predigten zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde – ein damals durchaus übliches Maß, wobei die Predigt nach zeitgenössischer Praxis oft von der Messe losgelöst und in einen Predigtgottesdienst integriert war, der etliche zusätzliche Elemente wie die Verkündigung des Evangeliums auf Deutsch sowie zahlreiche weitere Gebete und auch ein volkssprachliches Lied vorsah. Die Passionspredigt an Karfreitag, oft Höhepunkt einer Predigtreihe zum Leiden Jesu, konnte sogar bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen.

Im Pfarrbuch liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf der Feier der Liturgie. Mit großer Genauigkeit beschrieb Eck den Gottesdienst im Lauf des Kirchenjahres, sodass er beiläufig eine hochinteressante Quelle für den Gottesdienst in der Reformationszeit geschaffen hat. Besonderen Wert legte er auf eine feierliche und würdige Gestaltung, die zahlreiche Prozessionen aufwies und trotz der lateinischen Sprache etliche volksnahe Elemente integrierte. Eine ansprechende Liturgie war für ihn Teil der Seelsorge. Das Pfarrbuch zeigt eine bisher unbeachtete Seite Ecks als achtsamen Liturgen und stellt gleichsam die Innenseite von Ecks Kirchenverständnis dar – und zwar jenseits von allem kontroverstheologischen oder kirchenpolitischen Ringen: Denn der Gottesdienst macht für die Menschen Kirche konkret erfahrbar. Liturgie ist Kirche im Vollzug, ist „ecclesia orans“ – betende Kirche.

 

Ecks Handlungsmotivation

 

Nachdem viele Aspekte aus dem Leben Ecks aufgeschienen sind, lässt sich fragen, was wohl die Grundmotivation für sein unermüdliches Handeln war. Es wäre zu kurzsichtig, das Engagement Ecks nur ex negativo, nur aus der Gegnerschaft zu Luther erklären zu wollen. Vielmehr dürfte die Erhaltung des Glaubens und das Mühen um die Einheit der Kirche seine Triebfeder gewesen sein.

Mit Blick auf die Leipziger Disputation wird man sicher die Freude an der öffentlichkeitswirksamen Auseinandersetzung in Rechnung stellen dürfen, die wohl zum Charakter Ecks zählte und die sich ja auch an anderen Disputationen (etwa in Bologna zum Zins oder in Baden mit den Schweizer Reformatoren) gezeigt hat. Doch urteilte der Eck-Kenner Erwin Iserloh: „Wir müssen Eck glauben, dass es ihm um mehr als eine gelehrte Disputation ging, nämlich um Kirche und Papsttum, die er für zentrale Glaubensinhalte hielt.“ Die Bekämpfung der Reformatoren und Bewahrung der einen Kirche dürfen zumindest für den frühen Eck zwei Seiten derselben Medaille gewesen sein.

Diese zwei Seiten zeigten sich auch auf dem Augsburger Reichstag (1530), auf dem Eck eine bedeutende Rolle spielte. Zunächst war die Bekämpfung das leitende Motiv: Wohl im Auftrag der bayerischen Herzöge hatte er dafür in 404 Artikeln die Irrtümer der Lutheraner, Zwinglianer, Schwärmer und Wiedertäufer kontextlos und damit der Sache unangemessen aneinandergereiht, weil es ihm darum ging, alle Protestanten beim Kaiser als revolutionär und gefährlich für das Reich darzustellen. Nachdem die Lutheraner unter Führung Melanchthons das Augsburger Bekenntnis zusammengestellt hatten, erarbeiteten katholische Theologen unter Beteiligung Ecks die Katholische Antwort. Sie fiel allerdings so umfangreich und polemisch aus, dass Eck mit anderen Theologen im Auftrag des Kaisers unter hohem Zeitdruck die prägnantere „Confutatio“ erarbeiten musste.

Hier nun wurde das Einheitsmotiv stärker: Da beide Seiten die Einheit der Kirche erhalten wollten, stellte die „Confutatio“ mit Berufung auf die Schrift zuerst die Übereinstimmungen heraus und erst dann die Differenzen. Hier wie bei den Ausschussverhandlungen zeigte Eck eine an sich bei ihm ungewohnte Kompromissbereitschaft, sodass man sich bei den Lehrartikeln bis auf wenige Restdifferenzen zügig einigen konnte. Doch scheiterte man an den praktischen Fragen wie Laienkelch, Privatmesse, Zölibat und Mönchsgelübde so sehr, dass leider auch der Teilkonsens keine Anerkennung fand. Trotz eines an Augsburg erinnernden Memoriale Ecks, das aber von den Protestanten nicht anerkannt wurde, musste man in den späteren Religionsgesprächen immer wieder von vorne anfangen.

Bekämpfung der Protestanten und Einsatz für den bewährten Glauben waren bei Eck anfangs von der Hoffnung beseelt, die Einheit der Kirche tatsächlich erhalten beziehungsweise wiederherstellen zu können. Doch mit dem Ausbreiten der reformatorischen Bewegung wurde Eck diesbezüglich immer skeptischer bis resignativ. In einem ausführlichen Brief – übrigens sind fast alle Briefe Ecks mit Übersetzung im Internet zugänglich – beschrieb er 1540 dem Kardinal Conterini die Lage in Deutschland in dunklen Farben. Wäre es anfangs, als er „in Leipzig in die Kampfarena stieg“, noch möglich gewesen, den kleinen Funken Luther zu ersticken, habe dieser nun einen Flächenbrand ausgelöst. Nach Kritik an der Untätigkeit Roms und der Schilderung der Schwierigkeiten, die alte Ordnung wiederherzustellen, schrieb Eck: „Wie jedoch sollen wir diesen großen Übeln entgegenwirken? Ich antworte: nur mit einem Konzil, dem einzigen heilbringenden Mittel für die angefochtene Kirche.“

Etwa seit dem Jahr 1535 appellierte Eck statt an Provinzialsynoden immer mehr an ein Konzil und verfasste dafür sogar die Schrift „Praeparatio ad futurum concilium“ (Vorbereitung zum künftigen Konzil), die allerdings verloren ging. Tatsächlich ließ ab der Mitte der 1530er Jahre der neu gewählte Papst Paul III. (1534-1549) erstmals realistische Hoffnungen auf ein Konzil aufkommen, das freilich auf sich warten ließ.

Schätzte Eck die Chancen für einen Unionsversuch bei den Religionsgesprächen in Worms (1540-1541), wohin er als Vertreter Bayerns entsandt wurde, als sehr gering ein, lehnte er schließlich in Regensburg (1541) – dort auch krank geworden – entsprechend der bayerischen Linie das „Regensburger Buch“ und damit eine Einigung ab. Zu sehr wurde ihm klar, dass seine eigenen Mühen und Anstrengungen sowie die zaghaften Reformversuche der Kirche nicht die Ausbreitung des Protestantismus haben aufhalten können.

Das Konzil, das endlich 1545 nach Trient einberufen wurde, erlebte Eck, der am 10. Februar 1543 in Ingolstadt verstarb und im Münster in der Nähe des Sakramentshauses beigesetzt wurde, nicht mehr. Doch wurde er in Trient mit Hochachtung und Respekt genannt und zitiert. Einige seiner Schriften, vor allem das Enchiridion, wurde von den Konzilsvätern verschiedentlich herangezogen und konnten so schließlich auch zu einer umfassenden Erneuerung der Kirche beitragen, die aus dem Trienter Konzil hervorgegangen ist.

Sieht man auf das Ganze seines Lebens, wird man festhalten können, dass er zu Recht als profiliertester theologischer Gegenspieler Luthers bezeichnet wird. Dennoch verdienen auch seine weiteren Tätigkeiten als Pfarrer, Liturge, Prediger oder Bibelübersetzer und seine positive Motivation, sich für den katholischen Glauben und die Einheit der Kirche einzusetzen, Beachtung.

 

Ein Blick in die Gegenwart

 

Auch wenn diese Tagung mehr kirchengeschichtlich als Apologie für Eck konzipiert ist, kann man einen solchen Vortrag nicht ohne einen zumindest kurzen Blick in die Gegenwart beschließen. Nur einzelne Stichpunkte seien genannt, die sich aus dem Bisherigen ergeben und auf die aktuelle Ausgangsfrage „Welche Kirche brauchen wir?“ zurückverweisen, wobei hierzu freilich keine fertigen Antworten erwartet werden können.

Besonders in den letzten 50 Jahren ist im Hinblick auf Ökumene viel geschehen. An die Stelle der Kontroverse, wie sie in Leipzig auf beiden Seiten mit Polemik geführt wurde, ist nun der Dialog getreten, der sich aus gegenseitigem Respekt speist. „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ lautet ein gemeinsames Studiendokument zum Reformationsgedenken 2017. Dabei zeigen Eck und Luther: Das Ringen um die Einheit kann nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert werden, sondern braucht ehrliche theologische Diskussion. Deutlich wurde bei beiden Kontrahenten die hohe Wertschätzung für die Heilige Schrift, in der Kirche festgeschrieben als theologische und spirituelle Quelle des Glaubens. Durch die Bibelbewegung und das II. Vatikanische Konzil wurde auch katholischerseits die Bedeutung der Heiligen Schrift wieder klar betont. Wie mir scheint, erfährt mittlerweile die Rezeption der Schrift theologisch mehr Beachtung. Aus der Schrift und ihrer Rezeption kann auf die strittigen Fragen ökumenisch neu geblickt werden.

Die Reformationsgeschichte und auch die Vita Ecks machen darauf aufmerksam: Einheit ist nicht mit noch so großer menschlicher Anstrengung oder gar kirchenpolitisch „machbar“. Sie ist vielmehr Werk des Geistes Gottes, der freilich zum Mitwirken ruft und befähigt. Reform der Kirche kann dabei nicht nur als Abwehr von Missständen verstanden werden oder aus der Abgrenzung heraus geschehen, sondern entspringt aus der gelebten Beziehung zu Christus. Dafür spielt die Liturgie als Feier des Glaubens, die Eck als Pfarrer offenbar ein Anliegen war, eine wichtige Rolle – damals wie heute.

Schon vor und nach der Reformation – und wie wir gesehen haben, auch von Eck aus – hat es nicht an Impulsen zur Reform gemangelt, doch waren die tagtäglichen Aufgaben und die „eingefahrenen Wege“ wohl oftmals so dominierend, dass man sich nicht ernsthaft den Auseinandersetzungen der Gegenwart gestellt hat. Angesichts des größer werdenden Säkularisierungsdrucks stehen wir als Kirche vor der Herausforderung, die „Freude des Evangeliums“ (Papst Franziskus, „Evangelii gaudium“) authentisch zu leben und weiterzugeben. Dazu braucht es Kirche. Es bleibt für die Kirche weiterhin spannend!

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