Der Aufstieg einer neuen Macht im Osten Europas

Das Großfürstentum Moskau und seine Nachbarn an der Schwelle zur Neuzeit

Im Rahmen der Veranstaltung "Historische Tage 2017", 01.03.2017

Breviarium Grimani

Ursprünglich war Moskau ein eher unbedeutendes Fürstentum unter vielen, die während des Niedergangs der Kiever Ruś entstanden waren. Sein allmählicher Aufstieg zur vorherrschenden Macht im östlichen Europa, deren schließlich imperialer Anspruch ihren Ausdruck in der Krönung Ivans IV. zum ersten Zaren (1547) finden sollte, war keineswegs zwangsläufig und von vielen Faktoren abhängig gewesen, von denen einige hier kurz skizziert werden sollen.

 

I.

 

Im Kampf um die Vorherrschaft in der Ruś hatte sich Moskau anfangs gegen das Fürstentum Tveŕ, den einzigen ernsthaften Konkurrenten, durchzusetzen. Gegenstand des erbitterten Ringens war die prestigeträchtige, aber kaum mit einer Steigerung realer Macht verbundene Würde des Großfürsten von Vladimir. Dieser Kampf, der erstmals im frühen 14. Jahrhundert ausbrach, verlief äußerst wechselvoll, wurde mit allen erdenklichen Mitteln geführt und in seinem Gang maßgeblich durch die besonderen Bedingungen der mongolisch-tatarischen Oberherrschaft beeinflusst.

Nach der Eroberung der Ruś in den Jahren 1237-1242 hatten die Tataren die lokalen Herrschaftsstrukturen nicht zerstört, vielmehr nutzten sie sie nach der Etablierung ihrer Oberherrschaft für ihre politischen Zwecke. Einfluss auf die Machtverhältnisse konnten die Tataren unter anderem durch das Ein- und Absetzen von Fürsten nehmen. In vielen Fällen ließen sie sich zwar durch die „starina“, das alte Herkommen, leiten, trachteten dabei aber vor allem danach, keine Gefahr für die eigene Oberherrschaft entstehen zu lassen. Denn diese brachte den Tataren hohe Tributzahlungen ein, von denen nur die Geistlichkeit sowie die kirchlichen Bediensteten ausgenommen waren. An dieser Privilegierung der Kirche änderte sich auch nichts, als zu Beginn des 14. Jahrhunderts der Islam vorherrschende Religion in der Goldenen Horde wurde.

Das Bestreben der Khane der Goldenen Horde, die Machtverhältnisse in der Ruś auszubalancieren, zeigte sich in allen Phasen des Kampfes zwischen Tveŕ und Moskau. Ausschlaggebend für den Moskauer Erfolg sollte das besondere Geschick seiner Fürsten werden, sich auf die Spielregeln der tatarischen Oberherren einzustellen und ihnen zu vermitteln, dass eine Unterstützung Moskaus in ihrem ureigenen Interesse läge. Daneben gelang es den Moskauer Fürsten in entscheidenden Situationen immer wieder, russische Fürsten auf ihre Seite zu ziehen, die sich von Tveŕer Ansprüchen auf Vorherrschaft bedroht sahen. Moskau gewann schließlich auch die Unterstützung des Metropoliten der russischen Kirche – der einzigen Institution, die als einzige mit ihrer Organisation die gesamte Ruś umfasste.

 

II.

 

Das Ausbalancieren der Machtverhältnisse in der Ruś wurde für die Tataren durch die Expansion Litauens allerdings zusehends komplizierter: Das litauische Vordingen nach Osten hatte schon vor der tatarischen Eroberung eingesetzt, wurde durch die damit verbundene Schwächung der Fürstentümer in der westlichen Ruś sogar noch gefördert und setzte sich im zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts fort. Dabei verstanden es die Litauer geschickt, sowohl die Rivalität zwischen Moskau und Tveŕ als auch Zwistigkeiten zwischen Pskov und Novgorod mit dem Deutschen Orden in Livland sowie Fehden innerhalb der Goldenen Horde auszunutzen. Der litauische Erfolg war dabei durch eine Reihe weiterer Faktoren bedingt: Das litauische Ausgreifen in die Ruś hatte sich nicht allein militärisch, sondern auch auf dem Wege einer allmählichen Verstärkung litauischen Einflusses vollzogen, was die Litauer für die Tataren zu einem wenig greifbaren Feind gemacht hatte. Erste Zerfallserscheinungen in der Goldenen Horde nutzte Litauen in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts für eine neue Welle der Expansion in östlicher und südöstlicher Richtung: So verlief zum Zeitpunkt der größten Ausdehnung Litauens seine östliche Grenze auf dem halben Wege zwischen Smolensk und Moskau, Kiev befand sich ebenfalls unter litauischer Herrschaft.

Wie die Tataren tasteten die Litauer die politischen Strukturen in den russischen Fürstentümern nicht an und respektierten – selbst meist noch ihrer gentilen Religion anhängend – die orthodoxe Kirche und Kultur ihrer ostslawischen Untertanen. Diese bildeten den größten Teil der Gesamtbevölkerung des Großfürstentums Litauen und übten ihrerseits kulturellen Einfluss auf die neuen Herren aus. Vergleichsweise erträglich wurde die litauische Oberherrschaft dadurch, dass nun keine Tataren mehr Tribute eintrieben. Eine Verringerung der Abgaben, nun von Litauen erhoben, bedeutete dies gleichwohl nicht.

Der litauische Einbruch in ihren Herrschaftsbereich konnte den Tataren nicht gleichgültig bleiben, gleiches galt für Moskau, dessen Anspruch auf Hegemonie in der Ruś damit in Frage gestellt wurde. Und auch wenn die Tataren Moskau innerhalb der Ruś keinesfalls zu stark werden lassen wollten, so unterstützten sie die Moskauer Fürsten bei allen Aktionen, die geeignet schienen, Litauen zurückzudrängen.

Doch zunächst lag die Offensive weiterhin auf litauischer Seite, die Anspruch auf Herrschaft in der Ruś erhob. Bereits Mitte des 14. Jahrhunderts schlug sich dieser unter aderem in der Titulatur einiger litauischer Großfürsten nieder. Jogaila, polnisch Jagiełło, der für die später nicht nur in Polen-Litauen, sondern auch in Böhmen und Ungarn herrschende Dynastie der Jagiellonen namensgebend werden sollte, bezeichnete sich 1385 im Vertrag von Kriava/Krewo über die Bedingungen der polnisch-litauischen Union als „Großfürst der Litauer und Herr und natürlicher Erbe der Ruś“. Die Entscheidung für eine Union mit Polen – und damit verbunden für den Katholizismus – bedeutete allerdings in letzter Konsequenz, dass sich Litauens Interesse nach Westen zu verlagern begann und damit auf eine mögliche orthodoxe litauisch-ostslawische Reichsbildung verzichtet wurde. Davon musste mittelfristig Moskau als alternativer Ausgangspunkt für eine Vereinigung der russischen Fürstentümer profitieren.

 

III.

 

Zunächst durchlebte Moskau allerdings eine gefährliche Schwächeperiode bedingt durch den Großen Dynastischen Krieg, der nach dem Tode des Großfürsten Vasilij I. (1425) zwischen seinem Sohn, Vasilij II., und den ebenfalls Erbansprüche erhebenden Fürsten von Galič, einer Moskauer Seitenlinie, geführt wurde. Der militärische Konflikt erschütterte das Großfürstentum Moskau aufs Schwerste und endete erst 1453.

Während dieses Krieges bahnte sich zudem die Loslösung der russischen Kirche vom Patriarchat in Konstantinopel an. Der Anstoß kam von außen: Schon seit Längerem war Byzanz Ziel osmanischer Expansion, derer es sich kaum noch erwehren konnte. Für militärische Hilfe, um die der byzantinische Kaiser dringend bat, machte man an den westeuropäischen Höfen und an der Kurie eine Vereinigung der beiden getrennten Kirchen zur Vorbedingung. Angesichts seiner Notlage war der byzantinische Kaiser dazu bereit, konnte aber eine solche Neigung in der übrigen orthodoxen Welt angesichts seit Langem gepflegter antilateinischer Traditionen keineswegs voraussetzen. Eine Sedisvakanz in der russischen Metropolie nutzte Johannes VIII. Palaiologos nun dazu, über den Patriarchen den unionsfreundlichen Griechen Isidor in Moskau als Metropoliten einzusetzen. Den Erwartungen, die man in ihn gesetzt hatte, wurde Isidor anfangs auch gerecht: Großfürst Vasilij II. stimmte zu, ihn an der Spitze einer Gesandtschaft zu einem allgemeinen Konzil nach Italien zu schicken, wo in Florenz 1439 tatsächlich eine Union der griechischen und lateinischen Kirche beschlossen wurde.

Die Umsetzung des Unionsdekrets erwies sich jedoch als unmöglich: Im Frühjahr 1441 kehrte Isidor als Kardinal und päpstlicher Legat a latere zurück. In Moskau traf er in allen Kreisen der Bevölkerung auf vehemente Ablehnung der Union. Der Großfürst ließ den Metropoliten im Čudov-Kloster gefangen setzen. Isidor gelang es allerdings bald zu fliehen, wobei er, wie ein Chronist ausdrücklich vermerkte, nicht verfolgt wurde.

Isidors Flucht befreite Vasilij von dem als häretisch betrachteten Metropoliten, brachte ihn und die russischen Hierarchen aber in eine Zwickmühle: Seit der Christianisierung war die russische Kirche ideell und jurisdiktionell an das Patriarchat in Konstantinopel gebunden, welches aber aus russischer Perspektive durch die Florentiner Union der „lateinischen Häresie“ anheimgefallen war. Bei der anstehenden Neubesetzung stand man also vor der Wahl, entweder durch die Einsetzung eines neuen Metropoliten im unierten Konstantinopel erneut einen Unionsanhänger als Leiter der russischen Kirche zu erhalten oder aber mit den Traditionen zu brechen, die bisher als bindend betrachtet wurden. Eine Lösung des Problems konnte sein, vom Patriarchen die Erlaubnis zu erbitten, den Metropoliten durch die russischen Bischöfe wählen zu lassen.

Dieser Weg wurde allerdings nur zögerlich und nicht sofort beschritten, denn Vasilij II. war 1446 von seinen Gegnern gefangengesetzt und geblendet worden. Erst als er wieder an die Macht gekommen war und zur Festigung seiner Position die Unterstützung einer geeinten Kirche brauchte, wählten die russischen Bischöfe Iona von Rjazań Ende 1448 zu ihrem Metropoliten.

Mit der Erhebung Ionas hatten die russischen Bischöfe den politischen Notwendigkeiten entsprochen. Für ihre eigenmächtige Entscheidung gab es aber keinen Präzedenzfall, sie stieß gleichfalls nicht auf ungeteilte Zustimmung beim Klerus und den einflussreichen Laien. So bemühte man sich, auch gegenüber dem Patriarchen, die eigenmächtige Wahl nachträglich zu rechtfertigen.

Eine völlig neue Situation ergab sich, als im Mai 1453 Konstantinopel von den Osmanen erobert worden war: Der Fall der Stadt wurde in Moskau als göttliches Strafgericht interpretiert, welches die Byzantiner durch die Union mit der lateinischen Kirche – nach Moskauer Lesart ein Verrat an der Rechtgläubigkeit – auf sich gezogen hätten. Nach dem Untergang des Byzantinischen Reiches hatte der Patriarch zwar die Kirchenunion mit Rom aufgekündigt, war aber in die Abhängigkeit des Sultans geraten, was seiner Autorität gegenüber der Ruś und ihrem orthodoxen Herrscher nur abträglich sein konnte. Die veränderten politischen Rahmenbedingungen zwangen den Patriarchen nach ersten Protesten, die Umwandlung einer seiner Kirchenprovinzen in eine autokephale Kirche hinzunehmen, eine Entwicklung, die das Prestige der Ruś, das heißt insbesondere Moskaus, erhöhte. Allerdings geriet die Kirche selbst nun sehr viel stärker in die Abhängigkeit des Moskauer Großfürsten, als sie es zuvor gewesen war.

Die letzten Regierungsjahre Vasilijs II. verliefen nach dem Ende des Dynastischen Krieges in ruhigeren Bahnen. Es gelang ihm, die Moskauer Herrschaft nach innen und außen zu konsolidieren sowie die großfürstliche Position zu stärken. So hatte er mehrere Moskauer Teilfürstentümer eingezogen und sie den großfürstlichen Besitzungen zugeschlagen. Das Recht des Adels auf freien Abzug und Eintritt in die Dienste eines anderen Fürsten, welches ursprünglich in allen Fürstentümern der Ruś Geltung besessen hatte, war schon vor seiner Regierung eingeschränkt worden, wurde aber – während sich gleichzeitig immer weniger eine Alternative zum Dienst in Moskau bot – noch weiter beschnitten.

 

IV.

 

Nach dem Tod seines Vaters konnte Ivan III. 1462 ein gesichertes und gefestigtes Erbe antreten, welches eine solide Basis für die Veränderungen darstellte, die sich unter seiner Herrschaft vollziehen sollten. So fand das schon von seinen Vorgängern eifrig betriebene so genannte „Sammeln der Länder der Ruś“ unter seiner Regierung einen vorläufigen Abschluss: In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war die Position des Moskauer Großfürsten war gegenüber den noch selbstständigen Fürsten nahezu erdrückend geworden. Die Fürsten von Jaroslavl‘ und Rostov übertrugen mehr oder minder freiwillig ihre Hoheitsrechte an den Moskauer Herrscher. Novgorod versuchte sich noch zur Wehr zu setzen. Die Beziehungen der reichen Handelsstadt waren bereits zu Vasilij II. beträchtlichen Spannungen ausgesetzt gewesen, was sich unter seinem Sohn Ivan III. nicht ändern sollte. Da Hilfe von den letzten selbstständigen russischen Fürsten nicht mehr zu erwarten war, versuchte Novgorod sein politisches Überleben durch Anlehnung insbesondere an Litauen zu sichern. Doch gerade dies bot dem Moskauer Großfürsten Anlass zu einem Eingreifen in Novgorod: Im Sommer 1471 schickte Ivan III. seine Truppen gegen Novgorod, das vergeblich auf litauische Hilfe wartete und eine verheerende Niederlage erlitt. Novgorod musste hohe Kontributionszahlungen leisten, die Reste seiner früheren Autonomie, die mit dem Moskauer Herrschaftsanspruch schon vom Grundsatz her nicht in Einklang zu bringen war, wurden 1478 endgültig beseitigt. Einige Jahre später annektierte Ivan III. Vereja-Beloozero und den ehemaligen Moskauer Rivalen Tveŕ. Das Ende der Selbstständigkeit dieser Fürstentümer bedeutete dabei nicht nur eine weitere Vergrößerung des Moskauer Territoriums, sondern wurde auch zum Ausgangspunkt einer sukzessiven Reorganisation und Umgestaltung der Verwaltung sowie der Schaffung eines einheitlichen Rechts.

 

V.

 

Der Name Ivans III. ist nicht nur mit dem vorläufigen Abschluss des „Sammelns der Länder Ruś“ verknüpft, sondern auch mit der für das russische Geschichtsbewusstsein so wichtigen „Abschüttelung des Tatarenjochs“. Änderungen im Verhältnis zwischen Russen und Tataren begannen sich bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts anzukündigen: Im Jahr 1380 hatte der Moskauer Großfürst Dmitrij Donskoj ein tatarisches Heer erstmals in einer großen Feldschlacht geschlagen und damit den Nimbus tatarischer Unbesiegbarkeit zerstört. Äußeres Zeichen beginnender Erosion tatarischer Macht seit dem Ende des 14. Jahrhunderts war auch die Emigration einzelner tatarischer Fürsten mit ihrem Gefolge nach Litauen oder in russische Fürstentümer, hier vor allem nach Moskau. Dort ließen sie sich taufen, traten in fürstliche Dienste und wurden in den eingesessenen Adel aufgenommen. Entscheidend für die weitere Entwicklung des russisch-tatarischen Verhältnisses war jedoch, dass die Tataren die zeitweilige politische Destabilisierung Moskaus während des Großen Dynastischen Krieges wegen beinahe permanenter innerer Auseinandersetzungen nicht hatten ausnutzen können, um ihre Oberherrschaft neu zu befestigen. Unvereinbare politische Sonderinteressen der einzelnen Linien der herrschenden Dschingsiden führten während der 1530er und 1540er Jahre zum endgültigen Zerfall der Golden Horde. An ihrer Stelle entstanden neue, heftig miteinander rivalisierende Khanate. Für Moskau besonders wichtig waren hier vor allem die Große Horde, die ihr Zentrum in der alten tatarischen Hauptstadt Sarāi hatte, das Krimkhanat und das an der Mündung der Kama in die Wolga liegende Khanat von Kazań. Das Verhältnis Moskaus zu jedem einzelnen dieser neuen Machtzentren sollte sich dabei höchst unterschiedlich gestalten.

Die Beziehungen Moskaus zu Kazań waren von gelegentlichen Konflikten gekennzeichnet, die aus Moskauer Versuchen zur Einflussnahme resultierten. Nach dem Tode des Khans Mahmud (1467) sollte es Ivan III. unter Ausnutzung interner Rivalitäten dabei sogar gelingen, zeitweise einen von Moskau abhängigen Kandidaten als Khan von Kazań zu etablieren. In der Politik Moskaus gegenüber Kazań spielten nicht nur machtpolitische, sondern vor allem auch handelspolitische Erwägungen eine Rolle: Kazań nahm eine bedeutende Position im Handel mit sibirischen Pelzen ein, unterhielt Handelskontakte mit europäischen und osmanischen Kaufleuten sowie den Nogai-Tataren und kontrollierte die Verkehrswege über die Wolga nach Astrachań.

Das Verhältnis Moskaus zur Großen Horde und zur Krim wurde während der Regierung Ivans III. nachhaltig durch das jeweilige Verhältnis der beiden miteinander verfeindeten tatarischen Herrschaften zu Polen-Litauen beeinflusst. Polen-Litauen hatte im fraglichen Zeitraum unter regelmäßigen Plünderungszügen der Krimtataren zu leiden, die zur Annäherung an die Große Horde führen sollten. Als es zwischen dem Jagiellonen Kasimir IV. und Ahmed, der 1465 in der Großen Horde an die Macht gelangt war, zu einer Allianz gegen Moskau kam, näherten sich als Reaktion darauf Ivan III. und der Krimkhan Mengli-Girej einander an. Nach einem Überfall Ahmeds im Sommer 1472 auf die Krim, zu dem dieser vom Herrscher von Polen-Litauen unter später nicht eingehaltenen Hilfszusagen angestiftet worden war, schlossen die Herrscher Moskaus und der Krim 1475 ein Bündnis zur Ausschaltung der Großen Horde. Zwar vertrieb Ahmed Mengli-Girej zunächst aus der Krim, letzterer konnte aber das Khanat mit osmanischer Hilfe wieder an sich bringen. Dabei geriet die Krim dauerhaft unter osmanische Oberhoheit, was sie in einen Gegensatz zu Polen-Litauen brachte; diese für das östliche Europa bedeutsame Bündniskonstellation sollte sich schließlich verfestigen.

Die zeitweilige Entmachtung Mengli-Girejs und die damit verbundene Isolierung Ivans III. versuchte Ahmed zur Durchsetzung seiner Herrschafts- und Tributansprüche zu nutzen. So zitierte er den Moskauer Großfürsten, der schon länger keine Zahlungen mehr geleistet hatte, zur Klärung dieser heiklen Frage in seine Hauptstadt. Ivan III. dachte nicht daran, diesem Befehl nachzukommen, sandte allerdings eine Gesandtschaft nach Sarāi, um den Khan nicht allzu offen zu brüskieren. Ahmed unternahm zunächst nichts gegen den aus seiner Perspektive unbotmäßigen Großfürsten. Aber er ließ sich nach der Annexion Novgorods durch Ivan III. von Kasimir IV. leicht dafür gewinnen, im Sommer 1480 erneut gegen Moskau vorzugehen und mit einem Heer an den südlichen Grenzen des Moskauer Großfürstentums zu erscheinen.

Zu einer entscheidenden Schlacht kam es allerdings nicht: Zwar ließ Ivan seine Truppen an der Oka nach Süden vorrücken, erpicht auf einen Kampf war der Großfürst jedoch nicht. Statt auf die Ermahnungen seiner Umgebung und der Bischöfe zu hören, die ihn zur Verteidigung der orthodoxen Christenheit gegen die muslimischen Tataren aufriefen, nahm Ivan III. Verhandlungen mit Ahmed auf. Dieser setzte in der Hoffnung auf die Hilfe seines polnisch-litauischen Verbündeten seinen Feldzug jedoch fort und zog an die Ugra, einen Nebenfluss der Oka. Aber auch dieses Mal wartete er vergeblich und zog er es schließlich wie sein Moskauer Gegner vor, seine militärischen Kräfte zu schonen: Als nämlich die Ugra im Spätherbst zugefroren war und die beiden einander seit Wochen am jeweiligen Ufer gegenüberstehenden Heere leicht den Fluss hätten überqueren können, traten sie eiligst den Rückzug an. Auf diese wenig heroische, aber pragmatische Art wurde das so genannte „Stehen an der Ugra“ beendet, mit dem im russischen Geschichtsbewusstsein das Ende der Tatarenherrschaft verbunden ist. Trotzdem blieben die Tataren für die Politik Moskaus weiterhin eine ernstzunehmende politische und militärische Größe.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts rivalisierten Polen-Litauen, Moskau und die von den Osmanen unterstütze Krim nun um das Erbe der zerfallenen Goldenen Horde, das heißt vor allem um die Kontrolle wichtiger Handelswege, die sich von der Ostsee zum Schwarzen und zum Kaspischen Meer sowie nach Zentralasien erstreckten. Das Bündnis zwischen der Krim und Moskau, das lange eine Konstante der Moskauer Außenpolitik gewesen war, löste sich nur wenige Jahre nach der 1502 erfolgten Zerschlagung des gemeinsamen Gegners auf. Nun kam es zu neuen Allianzen, darunter auch die Zusammenarbeit zwischen der Krim und Polen-Litauen gegen Moskau.

 

VI.

 

Die hier nur kurz skizzierten Entwicklungen hatten die Gewichte im Machtverhältnis zwischen Moskau und Litauen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zuungunsten des Letzteren verschoben. Neben außenpolitischen Faktoren spielte hier der konfessionelle Graben eine Rolle, der sich seit der Einführung des Katholizismus zwischen den Litauern und ihren orthodoxen Untertanen aufgetan hatte. Zwar blieb die orthodoxe Kirche, deren Position vorher eine so günstige gewesen war, weiterhin geschützt, doch klar begünstigt wurde nun die Ausbreitung des katholischen Glaubens. Dieser wurde nun Voraussetzung für politischen und sozialen Aufstieg von Adligen, während gleichzeitig der polnische Einfluss zunahm. Dies führte zu Unzufriedenheit, die die ursprünglich positive Haltung der orthodoxen Untertanen Litauens in Frage stellte. Angesichts einer immer aggressiveren Politik Ivans III. und des zunehmenden Übertritts von russischen Fürsten und ihres Anhangs in den Grenzregionen zum Moskauer Gebiet vermochte es Kasimir nicht, den Status quo zu bewahren. 1492 eskalierten Grenzstreitigkeiten in einen Krieg, der 1494 mit einem Frieden und ein Jahr darauf mit der Heirat Elenas, der Tochter Ivans, und Alexanders, des Nachfolgers Kasimirs, endete.

Die dynastische Verbindung konnte den Frieden jedoch nicht sichern, sie bot im Gegenteil häufig einen Vorwand für Moskauer Einmischung unter konfessionellem Vorzeichen. Litauen war gegenüber Moskau nun in die Defensive geraten, der Moskauer Großfürst und seine Nachfolger forderten von Litauen die ostlavisch besiedelten Gebiete als ihre „votčina“, ihr Vatererbe. Im russisch-litauischen Krieg von 1500-1503 sollte Litauen bereits ein Drittel der umstrittenen Gebiete verlieren.

 

VII.

 

Hatte sich die auswärtige Politik des Moskauer Staates bis weit in das 15. Jahrhundert hinein im Wesentlichen auf die Beziehungen zu Litauen und den Tataren beschränkt, so begann sich ihr Zuschnitt in der zweiten Jahrhunderthälfte erheblich zu verändern. Die Annexion Novgorods 1478 hatte den Großfürsten zum direkten Nachbarn Schwedens und Livlands gemacht, die sich beide durch die Moskauer Expansion bedroht fühlten. Auf der politischen Tagesordnung standen meist Grenzstreitigkeiten und Fragen rund um den lukrativen Handel, an dem auch die Hanse interessiert war, deren Novgoroder Kontor Ivan III. 1494 schließen ließ. Livland, das unter der Leitung des Ordensmeisters Wolter von Plettenberg 1502 ein Moskauer Aufgebot am Smolina-See vernichtend geschlagen hatte, versuchte durch eine ebenso vorsichtige wie wachsame Politik seine fragile Existenz für einige Jahrzehnte zu sichern. Der Ausbruch des Livländischen Krieges 1558 leitete schließlich das Ende Livlands ein, um dessen Erbmasse in den folgenden Jahrzehnten zwischen Polen-Litauen, Schweden und Moskau erbittert gerungen werden.

Im ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts wurden die Beziehungen zu Livland, zur Hanse und zu den skandinavischen Ländern für Ivan III. zu einem Experimentierfeld für einen Titel, den auch Vasilij III. nur gelegentlich gebrauchen und erst Ivan IV. offiziell der Moskauer Titulatur hinzufügen sollte: den Zarentitel. Zwar war der Titel für russische Fürsten schon früher im kirchlichen Bereich verwandt worden und in literarischen Werken aufgetaucht. Doch nun wurde er nach dem Ende der tatarischen Oberherrschaft und vor dem Hintergrund einer allmählichen Ausformung eines neuen Herrschaftsverständnisses, der Moskauer Autokratie, auch in den Beziehungen nach außen genutzt.

Bereits gegen Ende der Regierung Vasilijs II. war es unter Vermittlung byzantinischer Emigranten, die auch beim Aufbau des diplomatischen Apparates des Großfürstentums Moskau eine wichtige Rolle spielen sollten, zu Kontakten mit italienischen Handelsstädten gekommen: Der junge Moskauer Staat suchte ausländische Fachleute unter anderem für den repräsentativen Ausbau der Hauptstadt, als Münzmeister oder Geschützgießer. Auf die neue Macht im Osten Europas aufmerksam geworden, hoffte man in den italienischen Republiken und an der Kurie im Moskauer Großfürsten einen möglichen Verbündeten im Kampf gegen das Osmanische Reich zu finden. Diesem Zweck und einer nach wie vor von der Kurie gewünschten Kirchenunion diente auch die Vermittlung der Heirat zwischen dem früh verwitweten Ivan III. und Zoë, der Nichte des letzten byzantinischen Kaisers, die in Rom katholisch erzogen worden war.

Die prestigeträchtige Ehe mit Zoë, in Moskau Sofija genannt, führte allerdings nicht zu den erhofften Ergebnissen: Sofija passte sich schnell an das Leben im orthodoxen Moskau an, von Kirchenunion war keine Rede und ein Krieg gegen den osmanischen Sultan lag zu dieser Zeit noch nicht im Moskauer Interesse; der erste russisch-türkische Krieg sollte erst 1676 ausbrechen.

Gerüchte um eine etwaige Unionsbereitschaft auf Seiten Ivans III. und seines Sohns und Nachfolgers Vasilijs III. kamen allerdings immer wieder auf und sind wohl eher auf eine pragmatische Offenheit zurückzuführen, mit der man am großfürstlichen Hof auf ausländische Fachkräfte und deren Konfession reagierte. Wurde von westlicher Seite gegenüber Ivan III., Vasilij III. oder später Ivan IV. eine Kirchenunion angeregt, so wurde sie stets mit Verweis auf die eigene ungebrochene und rechtgläubige Tradition strikt abgelehnt.

Hatte man in Moskau kein Interesse an der Teilnahme an Kriegen gegen die Osmanen oder an einer Kirchenunion, so sah es mit einer Zusammenarbeit gegen die Jagiellonen völlig anders aus. Auch hier ging die Initiative anfangs von außen aus: 1482 kam es zu ersten Kontakten zwischen Ivan III. und dem ungarischen König Matthias Corvinus, der seine Machtposition in Ostmitteleuropa ausbauen wollte. Ein Bündnis mit Stephan IV. von der Moldau sollte im Süden Polen-Litauens die Allianz gegen die Jagiellonen vervollständigen. Der Hospodar der Moldau hatte sich der polnischen Oberherrschaft gerade erst entledigt und versuchte, indem er zwischen dem Osmanischen Reich und Polen-Litauen lavierte, die Selbstständigkeit seines Fürstentums zu behaupten.

Die gemeinsame Gegnerschaft gegen die Jagiellonen brachte auch die Habsburger 1488 erstmals über den schlesischen Ritter Nikolaus Poppel mit Moskau in Berührung. Offizielle Gesandtschaften und der Abschluss eines Bündnisses im Jahre 1490 folgten, welches aber infolge der räumlichen Distanz, den damit verbundenen Kommunikationsproblemen und nicht zuletzt wegen eines 1491 in Preßburg erzielten Kompromisses zwischen Habsburgern und Jagiellonen in der umstrittenen Frage der Nachfolge in Ungarn nicht wirksam wurde. Während der Regierungszeit Ivans III. wurde dieses Bündnis nicht wiederbelebt. Bemerkenswert sind die frühen Kontakte besonders durch das Schlaglicht, das sie auf das zeitgenössische Moskauer Herrschaftsverständnis werfen: Der habsburgische Gesandte hatte dem Moskauer Großfürsten u. a. die Erhebung zum König durch Kaiser Friedrich III. vorgeschlagen. Dem vermeintlich hochattraktiven Angebot wurde allerdings mit Verweis auf die göttliche Einsetzung der Großfürsten in ihre Herrschaft eine Abfuhr erteilt.

 

VIII.

 

Nach byzantinischer Zeitrechnung, die auch in der Ruś gebräuchlich war, war für das Jahr 7000 (1492) das Jüngste Gericht erwartet worden. Das prognostizierte Ereignis war zwar nicht eingetreten, seine Erwartung hatte aber zu Unruhe in der Gesellschaft, zu gesteigerter Frömmigkeit sowie zur Entstehung der Häresie der sog. Judaisierenden geführt. Diese trat zuerst in Novgorod in Erscheinung und fand auch Anhänger am Moskauer Hof. Ivan III., der sich gegenüber Litauen als strenger Hüter der Orthodoxie inszenierte, sympathisierte dabei zeitweilig mit ihren Anhängern. Seine Neigung mag nicht zuletzt auf die kritische Haltung der Judaisierenden zum kirchlichen Grundbesitz zurückzuführen sein, um den auch innerhalb der orthodoxen Kirche heftig gestritten wurde: Dort standen Nil Sorskij und seine Schüler, die sich dem mönchischen Ideal eines Lebens in asketischer Armut und Weltabgewandtheit verpflichtet fühlten, den machtkirchlich orientierten Verteidigern kirchlichen Grundbesitzes um Iosif Sanin, Abt von Volokolamsk, gegenüber. Der Großfürst selbst war im Rahmen seines Herrschaftsausbaus an einer Vergrößerung der Landreserven interessiert, aus denen er Dienstgüter an Adlige vergeben konnte.

Es zeigte sich jedoch, dass die machtkirchlich orientierte Richtung um keinen Preis zu Zugeständnissen bereit sein würde. Ivan III. lenkte schließlich ein, so dass sich die Iosifljanen in den Jahren 1503 und 1504 sowohl in der Frage des Kirchenlandes als auch gegenüber den Judaisierenden durchsetzen konnten, letztere wurden verfolgt und als Häretiker ausgelöscht. Ivan III. war der Zugriff auf das Klosterland zwar nun entzogen. Der Großfürst und seine Nachfolger konnten aber fortan auf die volle Unterstützung der machtkirchlichen Richtung zählen, die russische Kirche wirkte an der gedanklichen Ausformung und ideellen Erhöhung der Moskauer Autokratie maßgeblich mit: Als letzter unabhängiger orthodoxer Herrscher hatte der Großfürst die als rechtgläubig erkannten Traditionen unbedingt zu bewahren und damit einen heilsgeschichtlich bedeutsamen Auftrag zu erfüllen.

 

IX.

 

Nach dem Tode Ivans III. im Herbst 1505 bestieg Vasilij III. den Moskauer Thron und führte in vielen Bereichen die Politik seines Vaters fort. So annektierte er Pskov und Rjazań, die formal noch selbstständig gewesen waren, und setzte die Zentralisierungspolitik nach innen fort. In seiner Politik gegenüber den Tataren hatte Vasilij III. jedoch größere Schwierigkeiten als sein Vater: Das Krimkhanat, der einstige Bundesgenosse, hatte sich mit Kazań und Polen-Litauen wiederholt gegen Moskau verbündet und das Großfürstentum mit Raubzügen heimgesucht. 1521 war ein Herr des Krimkhans bis fast vor Moskau gezogen und trat erst den Rückzug an, als Tributzahlungen versprochen worden waren. Kazań hatte sich fortgesetzter Moskauer Einmischungsversuche in innere Angelegenheiten erwehren können. Vasilij III. begnügte sich schließlich damit, durch den Bau von Festungen die Grenze zum Kazańer Gebiet zu schützen.

Der wichtigste Gegner im Westen blieb Polen-Litauen. In diesem Kontext sollte es erneut zur Kontaktaufnahme mit den Habsburgern kommen: Dabei gelang es 1514 der Moskauer Seite den habsburgischen Gesandten, der ursprünglich nur zur Vorbereitung eines Bündnisses zwischen den Habsburgern, Dänemark und Moskau autorisiert worden war, in Überschreitung seiner Instruktion zum Abschluss einer Allianz zu bewegen und dabei den Kaisertitel für Vasilij III. – und somit die von Moskauer Seite beanspruchte formale Ranggleichheit mit den Habsburgern – einzuführen. Wenn auch das Bündnis von 1514 keine politischen Früchte trug, so wurde gerade dieses Detail des Vertrages wieder relevant, als Peter I. einen Präzedenzfall für den Titel eines Imperators suchte, den er 1721 gegen habsburgischen Protest annahm.

 

X.

 

Als Vasilij III. 1533 starb, war sein Sohn Ivan IV. minderjährig. Die Mitglieder der Regentschaft waren untereinander tief zerstritten, wobei es in der ersten Phase der tatkräftigen Mutter des Großfürsten, Elena Glinskaja, gelang, die Moskauer Grenzen zu sichern und eine überfällige Münzreform durchzuführen. Nach ihrem Tod 1538 verstrickten sich die verbliebenen Regentschaftsmitglieder aus einflussreichen Fürstengeschlechtern in Machtkämpfe, in denen keine Seite dauerhaft die Oberhand behielt.

Die Volljährigkeit Ivans IV. und der Beginn seiner selbstständigen Herrschaft im Jahre 1547 sollten einen Neubeginn darstellen, der mit einem neuen imperialen Herrschaftsbewusstsein verbunden wurde. Mit der ersten Krönung eines russischen Herrschers zum Zaren nach byzantinischem Ritus sollte es explizit zum Ausdruck gebracht werden. Anders, als man es bisweilen immer noch in historischen Darstellungen lesen kann, wurde die Legitimität des Vorgangs jedoch keineswegs von der nahen Verwandtschaft mit den Palaiologen abgeleitet, die in historiographischen Werken eher heruntergespielt wurde. Denn es waren aus Moskauer Sicht die Palaiologen gewesen, die durch die Florentiner Union das Ende des Byzantinischen Reiches heraufbeschworen hatten; daher taugten sie schwerlich für eine positive Traditionsbildung. Stattdessen wurden Legenden über Verbindungen zwischen dem Kiever Reich und dem rechtgläubigen Byzanz vor der verabscheuten Union zum Nachweis der Legitimität herangezogen sowie Ansprüche auf Rangerhöhung auf die eigene erfolgreiche Herrschaft zurückgeführt. Daneben wurde sogar eine dynastische Verbindungslinie vom Haus des Augustus zu Rjurik, dem Stammvater der russischen Fürsten, konstruiert, um die Ehrwürdigkeit des Herrscherhauses zu unterstreichen.

Eine Gelegenheit, die religiöse Komponente des neuen imperialen Sendungsbewusstseins in Szene zu setzen, wurde nach der Krönung in den Beziehungen zu Kazań gesehen: Gegenüber Kazań war Moskau bereits im Jahre 1545 wieder in die Offensive gegangen, als dort innere Machtkämpfe ausgebrochen waren. 1546 hatte man mit Šah-Ali einen Khan von Moskaus Gnaden in Kazań installiert, der aber kurz darauf von den Kazańern vertrieben und durch einen Kandidaten von der Krim ersetzt worden war. Erste Feldzüge, die 1549 mit einem ersten Kreuzzugsaufruf des Metropoliten Makarij gegen die „gottlosen Hagarssöhne“ verbunden wurde, mussten wegen ungünstiger Witterungsbedingungen abgebrochen werden. Erst die folgende Kampagne, vorbereitet mit dem Bau einer Festung in Švjažsk, führte schließlich zum Erfolg: Im Herbst 1552 fiel die Stadt, die durch eine anschließende Weihe, den Bau von Kirchen und der Zerstörung von Moscheen symbolisch christianisiert wurde. Es gab ferner einen Befehl zu Zwangstaufen, der erst 1555 wieder zurückgenommen werden sollte. Die letzten Chane von Kazań, Utemiš-Girej und Jadygar, mussten sich ebenfalls taufen lassen und am Hof Ivans in Moskau leben, der nun selbst den Titel „Zar von Kazań“ annahm.

In das zeitgenössische russische Geschichtsdenken, in die zeitgenössische Literatur und auch in die Kunst ging die Eroberung Kazańs als Akt der Verteidigung und Ausbreitung des Glaubens ein, vollbracht durch das siegreiche orthodoxe Kaisertum, in das sich der Moskauer Staat aus Sicht seines Herrschers und seiner Kirche mittlerweile verwandelt hatte.

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