Stärken und Schwächen der Enzyklika Laudato si’ aus sozialethischer Sicht

Im Rahmen der Veranstaltung "Franziskus’ Erbe für die Schöpfung", 02.10.2025

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Das Thema, das mir für meinen Beitrag vorgegeben wurde, verstehe ich als Auftrag, die Enzyklika Laudato si’ einer sozialethischen Relecture zu unterziehen. Über eine historische Würdigung hinaus geht es darum, die ethische Aussage- und Orientierungskraft dieses herausragenden Dokuments der päpstlichen Sozialverkündigung in der gegenwärtigen Weltlage zu prüfen und nach seinem unerledigten sozialethischen Provokationspotential zu fragen. Mit dem zeitlichen Abstand seit dem Erscheinen im Jahr 2015 hat sich die Rezeptionssituation verändert:

(1) Multiple globale Krisen haben die politischen Prioritäten erheblich verschoben. Den Symptomen der sich verschärfenden öko-sozialen Krise stehen gravierende geopolitische Machtverschiebungen, Kriege und ideologische Verwerfungen gegenüber. Klima- und Ökologiepolitik sind weltweit unter Druck geraten. Die Frage nach konstruktiven, sozial-ökologischen Gegenkräften ist noch drängender geworden. Sie betrifft auch die Rolle der Religionen.

(2) Mit dem Tod von Papst Franziskus am 21. April 2025 ist dessen Œuvre abgeschlossen; Laudato si’ wird heute im Zusammenhang aller Dokumente des Pontifikats gelesen.

(3) Die Enzyklika, erst recht in diesem größeren Rezeptionsrahmen, stellt der Sozialethik Aufgaben, aus denen sich eine anspruchsvolle Agenda für die Zukunft ableiten lässt.

Im Folgenden werde ich zunächst ethische Kernbotschaften und Transformationspotentiale der Enzyklika in Erinnerung rufen. Anschließend greife ich exemplarisch zwei Aspekte heraus, die den epochalen Beitrag von Laudato si’ zur kirchlichen Sozialverkündigung markieren, und greife vor diesem Hintergrund Anfragen an die Enzyklika aus der sozialethischen Diskussion auf. Abschließend formuliere ich einige Thesen zur Bedeutung
von Laudato si’ als Referenztext für eine Geosozialethik des 21. Jahrhunderts.

 

Kernbotschaften und Potentiale der Enzyklika

 

Als erstes päpstliches Lehrschreiben überhaupt hat Laudato si’ die Ökologiefrage zum Kernthema kirchlicher Sozialverkündigung gemacht. Die Enzyklika leistet damit nicht weniger als eine ökologische Reformulierung der globalen sozialen Frage und transformiert diese zur geosozialen Frage als zentralem Thema des 21. Jahrhunderts.

Ausgehend von einer wissenschaftlich fundierten Analyse der Klima- und Biodiversitätskrise reflektiert sie die theologisch-ethische Reichweite ökologischer Verantwortung und setzt unter dem Vorzeichen der Mitgeschöpflichkeit Impulse für einen Wandel von Lebensstil und Politik. Programmatisch verbindet sie Sozial- und Ökologiekritik und verwahrt sich entschieden gegen jede Trennung von sozialer und ökologischer Frage. Ungerechtigkeiten und Machtasymmetrien im gesellschaftlichen Zusammenleben wie im Umgang mit nicht-menschlichen Wesen und der Natur prangert sie mit gleicher Dringlichkeit an.

Franziskus kritisiert insbesondere die Übernutzung der Güter im globalen Norden und nennt dies eine wirkliche „ökologische Schuld“ (LS 51). Die Verursacher und Profiteure eines ressourcenintensiven Lebensstils haben dessen Folgen für Menschheit und Ökologie im Interesse ihrer eigenen Lebensqualität viel zu lange ignoriert. Die Vorteile für Wenige sind längst zur existentiellen Bedrohung der sozialen und ökologischen Lebensgrundlagen weltweit geworden.

Im Sinne der Hermeneutik der „Zeichen der Zeit“ analysiert Laudato si’ die Verflechtung von ökologischer und sozialer Krise (LS 17–61) und fordert alle Handlungs- und Verantwortungsfähigen zu einem umfassenden Dialog auf, der einer echten „ökologischen Umkehr“ den Weg bahnen soll (LS 216–221). Franziskus zielt auf ein alternatives, solidarisches Gesellschaftsmodell, das ökologischen und sozialen Anforderungen genügt. Dem technokratischen, sozial und ökologisch unverantwortlichen Umgang mit dem „gemeinsamen Haus“ stellt die Enzyklika die Leitidee einer ganzheitlichen Ökologie gegenüber (LS 137–162).

Sie erweitert die klassische Trias nachhaltiger Entwicklung – Umwelt, Wirtschaft, Soziales – um kulturelle Aspekte: Eine Kulturökologie ist kontextsensibel zu entwickeln; sie muss lokale (z. B. indigene) Akteure beteiligen und deren Lebenswirklichkeiten (z. B. den Umgang mit dem Boden) berücksichtigen. Mit Blick auf städtische Sozialräume und öffentliche Infrastruktur versteht Franziskus Humanökologie als kontextuelles Kriterium von Lebensqualität. Das Programm universaler Geschwisterlichkeit, das die Enzyklika Fratelli tutti (2020) ausformuliert, zeichnet sich hier schon ab.

Zwei Fragen, die Papst Franziskus an „jeden Menschen […], der auf diesem Planeten wohnt“ (LS 3) richtet, bündeln die Leitperspektive der Enzyklika: Die erste betrifft das Zusammenleben mit allen Geschöpfen – wie können und wie wollen wir die Erde, unser gemeinsames Haus, bewohnen? Die zweite kehrt die Perspektive um – „Wozu braucht uns diese Erde?“ (LS 160) – und macht die Erde selbst zum Subjekt und überschreitet die Grenzen einer rein anthropozentrischen Schöpfungstheologie und Ethik. Eben dies kennzeichnet Laudato si’ als Meilenstein der katholischen Soziallehre.

 

Laudato si’ als Programmtext einer globalen Transformationsethik

 

Der Untertitel der Enzyklika bringt diese Programmatik zum Ausdruck: Im „gemeinsamen Haus“ steht der Mensch nicht der Schöpfung gegenüber, sondern ist Mitgeschöpf unter Mitgeschöpfen. Und dieses gemeinsame Haus, die Ökologie, bildet den Gegenstand der Sorge. Beide Aspekte erweitern die sozialkatholische Tradition deutlich.

 

Überwindung einer anthropozentrischen Ethik

Laudato si’ zielt darauf, das instrumentelle Naturverständnis der Moderne zu überwinden und unser Weltverhältnis ethisch neu auszurichten. An die Stelle eines hierarchischen Gegenübers von Mensch und Natur tritt die Einsicht, dass „alles miteinander verbunden“ (LS 11 u. ö.) und die menschliche Existenz Teil alles Lebendigen ist. Franziskus weist ausdrücklich eine Lesart des biblischen Schöpfungsmythos als religiöse Legitimation wirtschaftlich interessierter Naturausbeutung zurück. Gen 1 müsse mit einer „geeigneten Hermeneutik“ im gesamtbiblischen Sinnzusammenhang gelesen werden (LS 67). Gerade weil alles Lebendige miteinander verbunden ist, bleibt der Mensch als Mitgeschöpf zu treuhänderischer Sorge verpflichtet. Er ist nicht nur anderen Menschen und Gott, sondern auch allen Mitgeschöpfen verantwortlich.

Diese Sichtweise erschließt Franziskus auch mit spirituellen Ressourcen sowohl aus der christlichen Tradition, besonders der franziskanischen Schöpfungsspiritualität, als auch aus der andinen Weisheitstradition: Beide verbindet das Narrativ der „Mutter Erde“ (LS 1–2; 92). Laudato si’ führt es zusammen mit dem christlichen Motiv der Menschheitsfamilie, das zur universalen Schöpfungsfamilie (vgl. LS 89) erweitert wird.

Franziskus beschreibt „unsere Schwester, Mutter Erde“ (LS 1) als Verletzte, die unter der Gewalt des Menschen leidet. „Darum befindet sich unter den am meisten verwahrlosten und misshandelten Armen diese unsere unterdrückte und verwüstete Erde, die ‚seufzt und in Geburtswehen liegt‘ (Röm 8,22). Wir vergessen, dass wir selber Erde sind (vgl. Gen 2,7).“ (LS 2) Dem Zugriff auf die Erde als Objekt menschlicher Nutzung stellt die Enzyklika den empathischen Blick auf die Mutter Erde als Subjekt, das durch den „erdvergessenen Menschen“ verletzt ist, gegenüber.

 

Vom globalen Gemeinwohl zu den globalen Gemeingütern

Zugleich stellt Laudato si’ die Sorge um die gemeinsamen Güter ins Zentrum. Der lateinische Text spricht nicht vom bonum commune, sondern von bona communia, also gemeinsamen Gütern, und bezeichnet so auch die gefährdeten ökologischen Güter. Die Enzyklika kritisiert die zerstörerischen Folgen des menschengemachten Klimawandels – Erderwärmung, Wasserknappheit, Artenverlust. Überproportional davon betroffen sind die Armen und diejenigen, die ihre ausgezehrte Heimat verlassen müssen.

Franziskus nennt als Ursachen ungerechte Wirtschaftsweisen, extreme Eigentums- und Machtasymmetrien sowie das „technokratische Paradigma“ (LS 106–114) und betont die besondere Verantwortung und die „ökologische Schuld“ (LS 51) der Wohlstandsländer des globalen Nordens: Ihre Wirtschaftsweise geht auf Kosten der heutigen Armen und der kommenden Generationen. Demgegenüber propagiert Laudato si’ eine Sozialwirtschaft. Sie soll sich am Leitbild nachhaltiger Entwicklung orientieren und Humanität und konkrete Freiheit für alle Menschen ermöglichen. Dazu müssen der Primat der Politik und eine politische Steuerung der global verflochtenen wirtschaftlichen Prozesse unter der regulativen Idee des Gemeinwohls gesichert werden.
Franziskus denkt die institutionelle Steuerung horizontal und polyzentrisch; dafür stehen die programmatische Metapher des Polyeders (EG 236) und die prinzipielle Vorordnung der Zeit (Prozessualität) über den Raum (das Definitorische, Besitzanspruch). Konkretisiert werden diese Präferenzen in dem starken Plädoyer für einen Multi-Stakeholder-Dialog zur Verwirklichung einer ganzheitlichen Ökologie.

Franziskus erweitert das traditionelle Gemeinwohlverständnis der Katholischen Soziallehre, indem er es mit der schöpfungstheologisch begründeten Leitidee der Gemeinwidmung der Erdengüter verbindet. Schutz der Meere, Klimaschutz und Ausrottung der Armut gelten als „bona communia“, als „globale Güter“ bzw. global commons (vgl. LS 174–175) und damit als Gegenstand globaler Gemeinwohlverantwortung. Das globale Gemeinwohl wird zu einem Suchbegriff, um den Primat des Politischen zurückzugewinnen und Stabilität und langfristige Bewohnbarkeit des „gemeinsamen Hauses“ zu sichern.

 

Anfragen an die Enzyklika

 

Die insgesamt sehr positive Rezeption von Laudato si’ war von Beginn an auch von kritischen Anfragen begleitet: Die Klage über eine „katholische Verspätung“ in der Gewichtung der Ökologiefrage kritisiert dabei weniger die Enzyklika als die Tatsache, dass die kirchliche Sozialverkündigung so lange gezögert hat, die sozial-ökologische Frage auszuformulieren. Manche halten den sachlichen Innovationsgehalt gegenüber säkularen Umweltdebatten oder der Postwachstumsbewegung für begrenzt, während andere Stimmen bestimmte Positionierungen des Papstes als zu pessimistisch oder zu pauschal kritisieren.

Kritik entzündete sich auch an der für Franziskus typischen metaphorischen Sprache, die berühren und verstören kann. Dabei ist zu bedenken, dass der prophetische Gestus seiner Sozialverkündigung, die teils überscharfe Krisendiagnose dazu dient, die Gegenwart als Situation der Entscheidung sichtbar zu machen und den Kairos der Veränderung nicht zu verpassen.

Schließlich wurde (v. a. in den USA) Kritik aus Kreisen des rechten Katholizismus laut, die dem anthropogenen Klimawandel grundsätzlich skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen, und Papst Franziskus generell skeptisch bis ablehnend begegnen. Solche Kritik wird weder dem wissenschaftlichen Fundament noch dem ethischen Anliegen der Enzyklika gerecht. Das weltpolitische Gewicht, das einem u. a. durch die Leugnung des anthropogenen Klimawandels charakterisierten Politikstil inzwischen zukommt, unterstreicht umso mehr die Bedeutung, die der Enzyklika heute zukommt. Die sozialökologischen Argumentations-, Motivations- und Orientierungspotentiale, über die der christliche Glaube und religiöse Weltdeutungen insgesamt verfügen, entschieden zu nutzen und öffentlich geltend zu machen, ist heute dringender denn je.

 

Laudato si’ als Referenztext einer Geosozialethik

 

Einige Impulse der Enzyklika für sozialethische Forschung und gesellschaftliche Praxis möchte ich abschließend in sechs Thesen bündeln.

(1) Im Kontext der katholischen Sozialtradition ist Laudato si’ innovativ, insofern sie die soziale Frage als globale sozial-ökologische bzw. als geosoziale Frage reformuliert. Die Enzyklika eröffnet damit ein neues Kapitel der katholischen Soziallehre und stellt der wissenschaftlichen Sozialethik die Aufgabe, ethische Konsequenzen dieser Neudimensionierung im Gespräch mit Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaften auszuarbeiten.

(2) Die Neudimensionierung der sozialen Frage in Laudato si’ beruht auf einer grundlegend veränderten Sicht auf den Menschen als Mitgeschöpf und Teil der Schöpfungsfamilie, die der Erde den Status eines leidenden Geschöpfs (zurück-)gibt. Diese Wendung fordert die Sozialethik heraus, den Diskurs über menschliche Verantwortung für das gemeinsame Haus neu mit der Frage nach dem Status aller Mitgeschöpfe zu verknüpfen. Den Subjektcharakter der Erde, die Dignität aller Geschöpfe und die Schutzansprüche/ Rechte der Natur gegenüber dem Menschen anzuerkennen, verlangt einen Paradigmenwechsel gegenüber der überlieferten anthropozentrischen Schöpfungstheologie und theologischen Anthropologie.

Die Sozialethik muss eine auf dem Personalitätsprinzip gründende Anthropologie so reformulieren, dass die inhärente Anthropozentrik überwunden und gleichzeitig die unaufgebbare Verantwortung für die Schutzansprüche aller Geschöpfe und der Erde als solcher gestärkt wird.

(3) Laudato si’ nimmt ernst, dass Menschen wie alle Tiere Güter der Schöpfung zu ihrem Unterhalt nutzen (müssen). Innovativ verknüpft der Text das (globale) Gemeinwohl als Zielkategorie des Politischen mit den gemeinsamen (globalen) Gütern als Schutzgegenstand einer globalen ökologisch-sozialen Politik. Die Enzyklika empfiehlt einen Denkansatz, der einen sozialwirtschaftlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen auf lokaler wie globaler Ebene fokussiert. Die sozialethische Debatte um das Gemeinwohl kann neue Orientierung gewinnen, wenn sie das im Text angelegte, aber nicht im Detail ausgearbeitete Verhältnis von Gemeinwohl und Gemeingütern im globalen, ja planetarischen Maßstab systematisch reflektiert – sowohl mit Blick auf globale und intergenerationelle (Verteilungs-)Gerechtigkeit als auch auf ökologisch und sozial belastbare Kriterien von Lebensqualität und eine Umkehr zu
einem nachhaltigen Lebensstil.

(4) Laudato si’ gewinnt Überzeugungskraft durch die „doppelt codierte“ (Ch. Bals) Aufforderung zu ökologischer Umkehr, die sowohl wissenschaftlich solide begründet als auch auf ein starkes spirituelles Fundament gestützt wird. Nicht zuletzt auf kirchlicher Lernfähigkeit und Offenheit für wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt, die sich in Laudato si’ zeigen, basiert die Wahrnehmung von Kirche als ernst zu nehmende Dialogpartnerin in den sozial-ökologischen Herausforderungen. Die Enzyklika bietet aber zugleich postsäkulare, vielfältig anschlussfähige Identifikationsangebote mit den Themen Umwelt und Klima, die aus religiösen und spirituellen Ressourcen schöpfen. Darin liegt ein echter Mehrwert des religiös begründeten und kontextualisierten Engagements gegenüber einer allein auf naturwissenschaftliche Argumente bauenden Überzeugungsstrategie. Beide Ansätze treten nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen sich wechselseitig.

Der sozialethisch wissenschaftliche Diskurs ist herausgefordert, sich verstärkt auch der kulturellen und religiösen Dimension ethischer Kommunikation und Argumentation zu stellen. Ethische Orientierung, Ermutigung und Kritik sind neben rationalen Argumenten auch auf sinnstiftende Erzählungen angewiesen.

(5) Die Enzyklika betont die Rolle der Religionen als mitverantwortliche Akteure und Kooperationspartner einer ökologischen Transformation und verweist auf genuin religiöse Ressourcen zur Deutung, zur Bildung und spirituellen Erneuerung. Papst Franziskus adressiert, entsprechend der Reichweite und Dringlichkeit seiner Themen, die gesamte Weltöffentlichkeit. Stärker als die Tradition der Sozialenzykliken akzentuiert er die weltgesellschaftliche Rolle der Religionen, ihre Potentiale als Akteure des sozial-ökologischen und kulturellen Wandels sowie den Beitrag, den sie zur Schaffung einer friedlicheren Welt zu leisten gefordert sind. Damit tritt Laudato si’ verbreiteter Religionsskepsis im Allgemeinen und offenem Hass auf bestimmte Religionen im Besonderen entgegen und inspiriert das Nachdenken über die Rolle von Kirche, Theologie, Religionen und religiösen Akteuren in der Weltgesellschaft. Die Sozialethik ist herausgefordert, stärker als bisher die konfessionellen und religionsspezifischen Diskurse in Richtung auf eine interreligiöse Verständigung hin
zu öffnen und weiterzuentwickeln.

(6) Kirche als Change Agent einer globalen sozial-ökologischen Transformation. Die präzise im globalen umweltpolitischen Prozess platzierte Veröffentlichung und Rezeption von Laudato si’ zeigen, dass Kirche tatsächlich als Akteur gesellschaftlicher Transformation wirken kann. Dabei geht es nicht nur um kurzfristig wirkende Impulse, sondern darum, langfristig zum kulturellen Wandel, zu einer epochalen Transformation beizutragen.

Als Akteur der Veränderung wirken zu können, ist an Bedingungen im Inneren wie in der Außenwahrnehmung geknüpft, die immer wieder neu hergestellt werden müssen. Neben ideellen und materiellen Ressourcen sowie Gelegenheitsstrukturen gehört dazu Glaubwürdigkeit in Bezug auf das konkrete
Anliegen wie auch institutionelle Glaubwürdigkeit. Darin liegen für die katholische Kirche Herausforderungen, die über die sozial-ökologische Reformulierung der sozialen Frage hinausreichen.

Die Sozialethik steht daher in der Verantwortung, einerseits den kirchlichen Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation mit der Fortentwicklung einer Geosozialethik zu unterstützen, andererseits die (ungeliebte und unbequeme) Aufgabe anzunehmen, das institutionelle Gefüge der Kirche kritisch zu begleiten.

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