Die Beschäftigung mit der Aufklärung ist von ungebrochener Aktualität: Einigen erscheint das 18. Jahrhundert als Beginn der Moderne mit Werten, die gerade angesichts von erstarkender autokratischer bis totalitärer Politik unbedingt zu verteidigen seien. Andere erkennen in der Aufklärung geradezu den Sündenfall, mit dem Kolonialismus und Rassismus Vorschub geleistet worden sei, da man sich mit eurozentrischem Blick über das vermeintlich Unaufgeklärte erhob. So oder so – wie wir von „Aufklärung“ sprechen, hat sehr viel mit unserer eigenen Gegenwart zu tun.
Nikita Dhawan, Professorin für Politikwissenschaft an der TU Dresden, möchte die kritischen Seiten im Denken der europäischen Aufklärung, wie etwa Kolonialismus und Rassismus, klar benennen und offenlegen. Zugleich stellt sie aber auch die Frage, wie man angesichts von berechtigter Kritik dennoch weiterhin an „Werten“ der Aufklärung festhalten kann. Daniel Fulda, Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, spricht sich klar für die Aufklärung als Epochenbegriff aus und warnt sowohl vor vorschneller moralischer Verurteilung der Aufklärung als auch vor ihrer Vereinnahmung für Anliegen der Gegenwart.
Wir möchten einladen, mit den beiden Forschenden darüber ins Gespräch zu kommen, wie wir heute ausgewogen an die Epoche der Aufklärung erinnern können – und welche Funktion der Rückbezug auf die Aufklärung für unsere eigene Gegenwart hat.