Im Orbit der Literatur

Harald Lesch und Alexandra Gruber präsentieren das Buch Umlaufbahnen von Samantha Harvey

Im Rahmen der Veranstaltung "Im Orbit der Literatur", 21.04.2026

© Nasa/Unsplash

Die Veranstaltung, die am 21. April stattfand, hörte sich zunächst recht ungewöhnlich an: Ein Astrophysiker liest aus einem Roman und eine Soloklarinettistin spielt dazu.

Was vielleicht an einen Sketch von Loriot erinnert, erwies sich als wortwörtlich außerirdisch guter Abend: Harald Lesch, Professor für Astrophysik an der LMU München, bekannt als exzellenter Erklärer und Erzähler sowie an diesem Tag seit einer knappen Woche Ehrenbürger der Stadt München, las Passagen aus dem Roman Umlaufbahnen von Samantha Harvey und Alexandra Gruber, exzellente und gefeierte Soloklarinettistin bei den Münchner Philharmonikern, interpretierte dazwischen Musikstücke aus verschiedenen Epochen.

Auch unabhängig von den damals aktuellen Ereignissen der Mondumkreisung hatte Harald Lesch vermutlich nicht zufällig den Roman Umlaufbahnen ausgesucht: Es geht um sechs Astronautinnen und Astronauten aus unterschiedlichen Nationen, die in einer Raumstation die Erde umrunden. Sechzehnmal an einem Tag sehen sie die Sonne auf- und wieder untergehen. Was passiert, wenn man seine Heimat nur aus weiter Ferne durch ein kleines Fenster sieht? Wie verändern sich Denken und Fühlen? Hierzu einige etwas abgewandelte Zitate aus dem Roman: „Der Mond wird zum Crêpe, der in der Pfanne gewendet wurde. […] Unter bestimmter Sonneneinstrahlung wird die rechte Seite der Erdkrümmung zu einem schimmernden Krummsäbel.

Der Planet, wie ihn die Besatzung sieht, ist von der schier unglaublichen Kraft des menschlichen Verlangens geformt und geprägt, die alles verändert hat: die Wälder, die Pole, die Wasserspeicher, die Gletscher, die Flüsse, die Meere, die Berge, die Küstenlinien, die Himmel. […]

Manchmal ergreift die sechs Astronautinnen und Astronauten das Verlangen oder vielmehr das inbrünstige Bedürfnis, diese riesige und zugleich winzige Erde zu beschützen, dieses wundersame und auf bizarre Weise hübsche Ding.“

Im Zeitraum von 24 Stunden, während die Sonne eben sechzehnmal auf- und untergeht, betrachtet der Roman die großen und kleinen Fragen der Menschheit, zeigt zweifelnde Momente, bringt aber vor allem die Schönheit des Universums nahe.

Während der ganzen Zeit der Lesung und der Musikstücke glitten die Zuschauerinnen und Zuschauer, fast wie die Astronautinnen und Astronauten des Romans, auf der großen Leinwand des bis auf zwei Leselampen abgedunkelten Vortragssaals durchs All, denn in einer Endlosschleife wurde dorthin ein Video projiziert, das zeigt, wie die ISS rund um die Erde fliegt. Als Alexandra Gruber schließlich das Publikum einlud, bei „What a wonderful world“ und einem weiteren Lied mitzusummen, stellte sich ein Gänsehauteffekt ein, den es so nur bei Live-Veranstaltungen vor Ort gibt.

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