„Du darfst nur nicht anhalten. Du musst immer in Bewegung bleiben. Du hast diesen prächtigen Orbit, und während du deine Runden drehst, bist du sicher, nichts und niemand kann dir etwas anhaben. Wenn der Planet durch den Weltraum galoppiert und du ihm mit deinem von der Zeit berauschten Hirn ewig durch Licht und Finsternis hinterhergaloppierst, kann nichts jemals enden. Als gäbe es gar kein Ende, nur Kreise. […]
Anton ist das Herz des Raumschiffs. Pietro der Verstand, Roman (der aktuelle Kapitän, kompetent und geschickt, kann alles reparieren, den Roboterarm millimetergenau manövrieren, die komplexesten Schaltplatten verkabeln) die Hände, Shaun die Seele (hier, um sie alle davon zu überzeugen, dass sie Seelen haben), Chie (methodisch, gerecht, weise, nicht ganz zu greifen oder zu definieren) das Bewusstsein, Nell (mit dem Acht-Liter-Lungenvolumen einer Taucherin) der Atem. […] Etwas daran, wie sie auf der niedrigen Erdumlaufbahn dahinrasen, bringt diese Vorstellung von ihnen als Einheit hervor, mit ihrem weitläufigen Schiff als lebendigem Teil davon.“
„Umlaufbahnen“, der Roman von Samantha Harvey, beschreibt die Welt der ISS, die gut 300 Kilometer über unseren Köpfen die Erde umkreist. In ihr leben Menschen, wechselnde Besatzungen, in 24 Stunden geht bei ihnen 16mal die Sonne auf und unter. Dort oben fehlt Vieles, was uns hier auf der Erde normal erscheint, aber es gibt auch so Manches, was uns unmöglich erscheint. Wie Körper und Geist damit umgehen, davon liest Harald Lesch vor und Alexandra Gruber spielt dazu, von Bach und Mozart bis Beethoven und Armstrong.
Eine meditative Stunde, um sich einmal wieder klar zu machen, wie „wonderful“ unsere Welt ist.