I.
Wenn wir des Zweiten Vatikanischen Konzils gedenken, tun wir gut daran, uns zunächst zu fragen: Von woher kommen wir? Die Kirche wurde besonders im 19. Jahrhundert in eine schlimme Verteidigungsstellung gedrängt. Sie glaubte weitgehend, dass sie ihre Substanz und Sendung nur im Abgrenzen retten kann. Dies hat sie auch oft mit der Gefahr des Ghettos und mit Ängstlichkeit bezahlt. Auf der anderen Seite – dies muss man auch voll anerkennen – konnte sie bei allen Verlusten an gesellschaftlicher Stellung in der Tat ihre Botschaft lehrmäßig unversehrt erhalten, aber eben auch um den Preis, dass sie geistig von vielen lebendigen Prozessen abgeschnitten wurde und es mit nicht wenigen Kräften zu einem Abbruch der dialogischen Auseinandersetzung kam. Dies ist nach beiden Seiten nicht wenig, durchaus bedeutsam, aber eben auch belastend, wenn man an die Sendung der Kirche denkt. Der „Modernismus“ vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist wie auch andere Auseinandersetzungen dafür exemplarisch.
Die Kirche hat sich fast zwangsläufig und doch auch freiwillig in diese Situation hineinbegeben. Wie die immer größeren Konflikte zeigen, kam es hier auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu schwer erträglichen Spannungen, die durch die empfindlichen Störungen von zwei Weltkriegen noch gesteigert wurden. Deswegen entstanden auch überall kräftige Reformbewegungen mit einer theologischen, liturgischen und pastoralen Ausrichtung. In der Kirche fragten sich die Verantwortlichen zu verschiedenen Zeiten – nun mehr aus kirchenrechtlicher und kirchenpolitischer Perspektive –, wann und wie das Erste Vatikanische Konzil abgeschlossen werden könnte, denn es war ja auch in inhaltlicher Hinsicht ein Torso geblieben.
Es war trotz aller Spekulationen und Reformideen wie ein überraschender Donnerschlag, als der greise Papst Johannes XXIII. am 25.01.1959 in der Basilika St. Paul vor den Mauern ein Ökumenisches Konzil ankündigte. Es waren gerade drei Monate nach seiner Wahl. Er stand im 78. Lebensjahr. Wer hätte dies bei der Wahl gedacht? Für Gottes Geist ist es nie zu spät, dies sollten wir Menschen und gerade wir Theologen stets bedenken. Wenige Monate vorher, unmittelbar nach der Wahl, waren wir über einen so alten Nachfolger Petri sehr enttäuscht, und gingen nach der Wahl – ich erinnere mich noch – enttäuscht und gedrückt nach Hause.
II.
Es war, was sich bald zeigen sollte, ein anderer Typ von Konzil, den Johannes XXIII. verfolgte. Als Kirchenhistoriker verstand er gut, die Zeichen der Zeit zu lesen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Konzilstypen im Lauf der 20 Jahrhunderte war es ihnen doch gemeinsam, dass sie vor allem als Konzilien einberufen worden sind zur Heilung jener schweren Krisen der Lehre und der Disziplin, die lebensbedrohend waren. Der Papst erklärte am 25. Januar 1959, ein Konzil sei notwendig, da die Kirche in eine neue geschichtliche Phase von außergewöhnlicher Tragweite eintrete. Später spricht er öfter von der „Grenzlinie zu einer neuen Epoche“. Es war ein Konzil für die Zukunft. Der Papst wollte bewusst den Übergang aus der nachtridentinischen Epoche und in gewissem Maß auch aus der jahrhundertelangen konstantinischen Zeit in eine neue Phase des Zeugnisses und der Verkündigung. Dabei sollte auf die wichtigen und dauerhaften Elemente der Tradition zurückgegriffen werden, wenn und sofern sie in der Lage waren, den wahrhaft evangelischen Charakter eines so schwierigen Übergangs zu befruchten und zu garantieren.
Man kann nicht genügend hervorheben, dass dies kein fertiges Konzilskonzept war. Es wurde fortschreitend entworfen. Darum sind manche Akzente auch immer stärker gesetzt worden, wie zum Beispiel die Bedeutung des Friedens, die Dringlichkeit ökumenischen Bemühens und die stetige Rücksicht auf die Menschheit als Horizont und Adressat. Es bleibt noch zu erwähnen, dass Johannes XXIII. sich dabei nach einem Wort von Yves Congar im Blick auf die Bischöfe der Weltkirche und auch der Kurie in einer „institutionellen Einsamkeit“ befand. Kein Wunder, dass manche diesen Prozess als „diffus“ empfunden haben. Dieses Konzil war von Anfang an „Prozess“ und „Übergang“. Vielleicht trifft dies mehr als „aggiornamento“ oder Modernisierung.
Für diesen Weg gab es auch viele Erwartungen, manchmal auch Fiktionen und Utopien unter dem Stau, der sich – manchmal auch verborgen – erzeugt hatte. Es gab auch viele Reformanliegen: die liturgische Bewegung, viele Elemente aus der neuentdeckten Bibel, anregende Impulse in der Theologie der Kirchenväter, neue Denkformen aus der neuzeitlichen Philosophie, wie die Geschichte, Dialogik und Hermeneutik. Die schweren Kämpfe zum Beispiel um die historische Kritik und Methode in den Bibelwissenschaften waren noch bis Konzilsbeginn lebendig. Aber es war oft in aller Stille eben sehr viel vor- und aufbereitet. Sonst wäre das Konzil auch bei vielen einschneidenden Reformen, wie zum Beispiel der Liturgiereform, nicht so schnell und so gediegen vorwärts gekommen. Verachten wir also nicht die überaus wichtigen Impulse für alle Reformen – allem Anschein entgegen – aus der Historie.
Vergessen wir auch nicht die Mühe des Prozesses. Am Anfang standen 72 Beratungsthemen, wohl alle auch mindestens teilweise ausgearbeitet, bis am Ende nach vielen Reduktionsprozessen 16 verbindliche Beschlüsse übrig blieben. Johannes XXIII. betonte den „pastoralen“ Charakter und meinte damit eine umfassende Betrachtung der Erfordernisse des Lebens der Kirche in unserer Gegenwart und für die nächste Zukunft. Die Kirche sollte bei Wahrung ihres verbindliches Erbes Bereitschaft und Fähigkeit wieder zurückgewinnen, um das Evangelium sachgerecht und zeitgerecht in das Heute einzubringen („aggiornamento“ = Heutigwerden).
III.
In Deutschland hat man zum 50-jährigen Jubiläum der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 2012 (1962) ein Sonderpostwertzeichen in Form eines Kreuzes in zwei Zweiergruppen herausgebracht und hat mit den folgenden Texten der wichtigsten Beschlüsse eine sehr einleuchtende und tragfähige Struktur kreuzförmig angelegt, in die sich auch die anderen Verlautbarungen einzeichnen lassen. Ich verfolge im Sinne einer kleinen Zusammenfassung der wesentlichen Gehalte des Konzils diese Struktur.
Der senkrechte Längsbalken erinnert an zwei Konstitutionen, die den Anfang und den Abschluss des Konzils markieren. Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ vom 18. November 1965 zeigt die fundamentale Gründung der Kirche in der göttlichen Offenbarung auf, in der sich Gott radikal der Welt und den Menschen zuwendet. Dies erfolgt von Anfang an im Wort der Heiligen Schrift und schließlich in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus. Noch nie hat ein Konzil oder das höchste Lehramt in der Kirche so intensiv und so ausführlich über das Wort Gottes und die Heilige Schrift gesprochen. Das Ringen ging wirklich durch die ganze Konzilszeit. Der Gewinn für das ökumenische Gespräch ist auch heute noch groß. Leider ist dieser Text trotz mancher guter Arbeiten nicht so bekannt, wie er es verdient.
Der glaubende Mensch antwortet auf diese Einladung Gottes selbst durch Dank, Bitte und Lobpreis im Gebet und im Gottesdienst der Kirche. Darum wird im Längsbalken diesem Offenbarungstext die Konstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ vom 4. Dezember 1963 zugeordnet. Es ist der erste Konzilsbeschluss. Dies hatte gute Gründe. Man konnte bei der Erarbeitung auf viele Vorschläge und Erfahrungen der Liturgischen Bewegung zurückgreifen, die im Lauf des 20. Jahrhunderts in den mitteleuropäischen Ländern segensreiche Früchte brachte (einschließlich der Bibelbewegung und der ökumenischen Bewegung). Vor allem wurden die oft in langer Zeit gewachsenen Riten und Formulare der Gottesdienste, besonders der Eucharistiefeier und der Sakramente, vereinfacht. Liturgiegeschichtliche Studien halfen bei der Erkenntnis von wenig sinnvollen Überlagerungen und Doppelungen im überkommenen Text. Die Zulassung der Volkssprache in allen liturgischen Vollzügen brachte eine neue Nähe zu den Menschen und zum jeweiligen kulturellen Kontext. Es ist zwar bedauerlich, aber angesichts dieser sichtbaren Änderungen auch nicht sehr verwunderlich, dass nach dem Konzil mancher Streit bis heute über diese Erneuerung ausbrach. Hier wurde die Reform für die meisten Menschen am meisten sichtbar. Leider gab es hier auch bedenkliche Rückschritte.
Der kürzere Querbalken kennzeichnet zwei recht verschiedene, aber doch zusammengehörende Texte. Aus der Mitteilung der göttlichen Offenbarung in Jesus Christus und ihrer Bezeugung in der Schrift und der sie auslegenden Tradition wird die Kirche geboren, im Konzil die Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“. Damit ist nicht zuerst und allein die Kirche gemeint, sondern „Jesus Christus ist das Licht der Völker“. Der Text wurde am 21. November 1964 verabschiedet. Als „Dogmatische Konstitution“ will er – wie „Dei Verbum“ über die Offenbarung – eine verpflichtende Lehraussage machen. Auch diese stärker theologische Art zu sprechen fehlt also im Konzil nicht. Im Unterschied zur jüngeren Lehre von der Kirche wird diese vom Konzil in ihrer ganzen Vielfalt, in den vielen biblischen Bildern, in ihrer ursprünglichen katholischen Weite und in ihrem differenzierten Verhältnis in sich selbst, zu den christlichen Nachbarkirchen, zum Judentum und zu den nichtchristlichen Religionen, ja sogar zum Atheismus umschrieben. Das Bischofsamt, besonders auch in seinem Verhältnis zum Papsttum, wird theologisch geklärt. Der Ständige Diakonat verheirateter Männer wird eingeführt. „Lumen gentium“ ist ein ganz reicher Text, irgendwie schon so etwas wie die theologisch-spirituelle Mitte des Konzils.
Damit sind wir auch fast von selbst bei der vierten (Pastoral-)Konstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et spes“, „Freude und Hoffnung“, vom 7. Dezember 1965, dem letzten Tag des Konzils, angekommen. Der Titel heißt – ganz neu – „Pastoralkonstitution“: also eine Verlautbarung mit sehr hoher Autorität, aber eben mit einer fundamentalen „pastoralen“ Zielsetzung. Gewiss sagt der Anfang dieses Textes am besten das Wichtigste über sich selbst: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“
Dies ist das Konzil! In der Folge wurden neben einer konzentrierten Darlegung des christlichen Menschenbildes in dem mit Abstand umfangreichsten Text des Konzils, der eine ganz neue literarische Gattung kirchlicher Lehre darstellt, viele Aufgabenfelder in Gesellschaft und Kirche behandelt, die grundlegend unsere Welt bestimmen: die Menschenwürde, die menschliche Gemeinschaft und ihre Baugesetze, die Arbeit des Menschen, Ehe und Familie, kultureller Fortschritt, das Wirtschaftsleben, die Förderung des Friedens, der Staat, der Aufbau der Völkergemeinschaft. Beeindruckend ist das oft übersehene Schlusswort (Art. 91-93), das alles nochmals zusammenfasst.
So zeigt sich wiederum im Verhältnis der vier großen Texte untereinander das Verständnis von Kirche: Sie ist keine eigene, selbstständige, abgeschlossene Größe für sich, sondern als „Sakrament des Heils der Welt“ ausgespannt hin zum dreifaltigen Gott, der zu uns herabsteigt, und zugleich ausgestreckt zu den Menschen hin in aller Welt und zu allen Bedrängten („Option für Armen“, „Katakombenpakt“).
In dieses Koordinatenkreuz lassen sich alle anderen Aussagen des Konzils einbeziehen und tiefer verstehen: nach innen (Themen: Bischöfe, Priester, Ordensleben, Laien, Erziehung) und nach außen (Staat und Völkerwelt, Medien, nichtchristliche Religionen, Judentum, Ökumene in Ost und West, Religionsfreiheit, Mission). Die Texte bauen aufeinander auf und ergänzen sich. Die später verabschiedeten Beschlüsse haben viel von den vorausgegangenen Verlautbarungen und den Erfahrungen des Konzils gelernt. Sie sind deshalb auch manchmal reifer.
Das Sonderpostwertzeichen baut dies alles auf und strukturiert es in Kreuzesform. Die beiden Balken des Kreuzes, längs und quer, ergänzen sich und tragen sich gegenseitig. Sie treffen und kreuzen sich in der Mitte, die auch für das Herz des gekreuzigten Herrn steht, der für das Leben der Welt seine eigene Existenz hingibt. Daraus entsteht die Kirche. Diese „Hingabe“ (im Sinne des Wortfeldes des biblischen „paradidonai“) ist auch die Herzmitte des Konzils.
Die Enden der Balken verbinden Himmel und Erde, Kirche und Welt. Aber wie schon für die Alte Kirche das Kreuz in alle Himmelsrichtungen zeigt und ihnen in ihrer Sendung folgt, so wollen die vier Konstitutionen auch allen Nöten und Bedrängnissen mit den Heilungschancen und Hilfen Gottes überall in der Welt nachgehen. Er hat sein Leben hingegeben für alle.
Darum ist für uns das Zweite Vatikanische Konzil in der Geschichte und vor allem in der Gegenwart der katholischen Kirche das wichtigste Ereignis, aber nicht nur für das Binnenleben der Kirche, sondern für ihre Sendung in alle Welt.
IV.
Diese Zeugnisse des Konzils haben in diesen 50 Jahren ungeheuer viel ausgelöst. Ich nenne nur einige Stichworte: die Umwandlung des Katholizismus im mittel- und südamerikanischen Halbkontinent mit den großen Versammlungen der Bischöfe ab Medellin (1968), die unzähligen ökumenischen Dokumente im bilateralen und multilateralen Austausch mit vielen Kirchen, die Dialoge mit dem Judentum und den nichtchristlichen Religionen. Dienst und Dialog betrachte ich als die zentralen Achsen des konziliaren Prozessen und nachkonziliaren Lebens. Es ist ganz selbstverständlich, dass manches im Konzil weniger gelungen ist, auch weil es zum Beispiel zeitabhängiger war. Es gibt große Errungenschaften, die wirklich epochemachend sind, jedoch in der Kirche sich immer noch etwas schwer tun: Entwicklung und wahrer Fortschritt, Friedensbemühungen, Menschenrechte, Religionsfreiheit und Ökologie einschließlich der Enzyklika des jetzigen Papstes Franziskus Laudato si‘ vom 18. Juni 2015. Hier spielt natürlich auch der Zeit- und Geschichtsfaktor eine Rolle, denn die Schutzbedürftigkeit der Schöpfung etwa konnte man während der Erarbeitung von „Gaudium et spes“ noch nicht so deutlich sehen wie heute.
Welches ist das größte Rezeptionsdefizit nach 50 Jahren, hat man mich in diesen Tagen gefragt. Ich schaue weniger auf eine verlangsamte oder auch gar nicht stattgefundene Rezeption vielleicht auch peripherer Texte. Aber ich blicke natürlich auf die allgemeinen und gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten 50 Jahren zurück. Ich habe den Eindruck, dass in diesen 50 Jahren der Einbruch um die 1968er Jahre des letzten Jahrhunderts in die gesellschaftliche Gesamtsituation, wenn es so etwas gibt, am stärksten ist: Eine gewisse Selbstverständlichkeit der Rede von Gott verschwindet rasant, die Sensibilität für so etwas wie Transzendenz trocknet aus, der Hunger nach immer größerer, beinahe unbegrenzter Selbstbestimmung und Freiheit wird größer. Der Verlust der Dimension des Heiligen ist riesig. Haben wir dies alles schon ausreichend bemerkt? Was tun wir dagegen?
Brauchen wir ein Drittes Vatikanisches Konzil, auch das werde ich ständig gefragt. Ich weiß es nicht. Ich bin aber zunächst skeptisch, denn an der Verwirklichung des Zweiten Vatikanischen Konzils haben wir noch genug zu tun, und zwar wenn wir an Buchstaben und Geist dieses Konzils denken. Ich schaue aber auch auf ein anderes Element: Der weitsichtige, kluge Papst Paul VI., dem wir einen großen Reformernst besonders nach der Konzilszeit zubilligen müssen, hat noch während des Konzils (15. September 1965) das Instrument der Bischofsynode verbindlich gemacht. Sie sucht immer noch nach ihrer günstigen Verwirklichung, wenngleich sie viele Formen entwickelt hat. Aber noch wichtiger ist das, was Papst Franziskus in dieser denkwürdigen Erinnerung an die Einführung vor 50 Jahren am 17. Oktober 2015 gesagt hat, dass nämlich die Kirche von Grund auf „synodal“ ist. Er hat der Synode viel Ansehen und vor allem Freiheit zurückgegeben. Dies gilt nicht nur für die Bischofssynode, sondern besonders auch für die Beteiligung von Laien an den kirchlichen Beratungen für die Zukunft des Glaubens. Diese Entfaltung eines echten synodalen Elementes, das ich selbst bei der Gemeinsamen Synode der Bistümer der Diözesen in der Bundesrepublik Deutschland (1971-1975) erfahren habe, ist mir wichtiger als ein vor diesem Hintergrund dann vielleicht einmal wichtiger werdendes Drittes Vatikanisches Konzil.
Was ist mir sonst für die Zukunft für die Kirche und die Theologie wichtig? Die Kirche – und die sind wir alle – darf viel weniger um sich selbst kreisen, auch um Dinge, die wirklich wichtig sind, sondern sie muss sich immer selbst und vor allem auf Gott und die Menschen hin übersteigen. Die missionarische Grunddimension von Kirche muss uns alle mehr inspirieren und in Pflicht nehmen. Darum endet das Matthäus-Evangelium mit einer Öffnung hin zur Welt: „Darum geht hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und siehe: Ich bin bei euch alle Tage, bis diese Weltzeit sich vollendet“ (Mt 28,19f., Übersetzung nach Ulrich Wilckens).