Zwischen Tirol, der Schweiz, Antwerpen, Prag und Schlesien entfaltete sich von 1583 bis 1806 eine barocke Kultur, die uns heute noch angeht. In vier Themenblöcken werden wir sie erschließen: Erstens in ihrer Multimedialität: von landschaftsprägenden Wallfahrtskirchen und Klosterpalästen bis zur häuslichen Weihnachtskrippe und dem Rosenkranz nahm diese Kultur die Menschen als Sinneswesen ernst, vom Tastsinn über die Sehkraft bis zum Gehör sollten alle Sinne die Menschen über sich selbst hinausführen zur Ahnung vom ewigen Leben.
Dabei wurde im 18. Jahrhundert das schon in den Psalmen angesprochene Liebliche im Göttlichen wieder entdeckt. In den Bauformen und im Bauschmuck des Rokoko lebte ebenso wie in der Literatur der Empfindsamkeit eine neue Innigkeit auf, im Katholischen ebenso wie bei Klopstock, bei den Schweizern Gessner und Haller und bei den Herrnhutern im Bereich der reformierten Kirchen. Auch Jean-Jacques Rousseau und Laurence Sterne gehören in diese Richtung, für die Gotthold Ephraim Lessing den Begriff vom „Zeitalter der Empfindsamkeit“ prägte.
Wie man die Kirchen dieser Epoche heute verstehen und erschließen kann und wie man mit ihnen umgehen sollte, bildet den dritten Themenblock. Dabei stellt sich auch die Frage nach den Erbauern und ihren Nachkommen – nicht den meist ausgestorbenen Stifterfamilien, sondern den heutigen Eigentümern der Klostergründe. Eine Vorstellung der katholischen Musikpflege von Orlando di Lasso bis zu Mozart und Beethoven rundet die Veranstaltung ab.